Ein Zebra bei fremden Zebras

Dieses Thema im Forum "Andere Sportarten" wurde erstellt von Omega, 24 November 2014.

  1. Omega

    Omega MSVPortal-Team Mitarbeiter

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    Mich hatte es ja auf Grund des Spiels meiner Zebras bei Holstein Kiel in den Norden verschlagen.Und dank der Mauerfalltickets der Bahn stellte sich da ja auch noch als kostengünstig heraus. Zum dem Spiel meiner Zebras habe ich glaube ich genug gesagt ;) und ja auch ein wenig geschrieben.

    Es ergab sich aber für mich die Möglichkeit ein Spiel in der Pilze Liga des Handballs zu sehen. Ich, der höchstens mal ein Handballspiel des MTV Dinslaken sieht, wollte mir die Chance das Spiel THW Kiel gegen Paris St. Germain nicht entgehen lassen. Durch gute Kontakte, hier nochmals Danke, konnte ich für das Spiel ein Ticket erstehen. Was mich erst mal überraschte war, ich konnte ein Stehplatzticket ordern! Davon dass es beim Handball überhaupt Stehplatztickets gibt, hatte ich noch nie gehört! Gebucht wurde ein Stehplatzticket für schlappe 13€. Hinzu kam auch noch einiges an Gebühren und Versand. Also ein Preis, den man auch gerne für ein Fußballbundesligaticket zahlt. Das Spiel fand abends um 21:00 Uhr in der Ostseehalle, wie die Halle „Traditionalisten“ nennen, statt. Auch im Handball gibt es die Diskussion um Hallennamen, die durch Vermarktung Arenen heißen. Warum dass aber plötzlich Arenen werden, konnte mir bisher noch niemand erklären. Arenen verbinde ich immer mit Gladiatorkämpfen und Toten. Aber lassen wir die Diskussion.

    Die Anreise zur Halle gestaltet sich auf Grund des Beförderungsmittels Fahrrad sehr unproblematisch. Die Ostseehalle kann gut 10.000 Zuschauer aufnehmen und die Verkehrssituation war, wenn man mit dem Auto anreiste alles andere einfach. Da sich die Polizei tagsüber völlig bei unserem Fußballspiel gegen Holstein verausgabt hat, hat sich natürlich auch niemand eingefunden um den Verkehr zu regeln. Nah, erkennt hier jemand Parallelen? Des Weiteren war keine Polizei mehr zu sehen. Hooligans haben den Handball noch nicht entdeckt. Die Sicherheit in der Halle regelte ausschließlich die Security. Die Ostseehalle ist ein ehemaliger Flugzeughangar aus Sylt, welcher mehrmals umgebaut wurde. Mich erinnerte die Konstruktion sofort an das Henkelmännchen in Köln. Einzig die vier Pfeiler in der Halle sind unterschiedlich. Somit gibt es wie im Olympiastadion Plätze mit Sichtbehinderung.

    Es wurde fix vor dem Spiel noch ein Bier zu annehmbaren Preisen verinnerlicht. Mein Ticket war eigentlich für den 3. Rang. Ich entschied mich aber sehr bewusst für den 4. Rang unter dem Dach. Irgendwelche Ticketkontrollen in der Halle gab es nicht. Die Pilze Liga im Handball ist genauso durchorganisiert wie die im Fußball, Einlauf, Flaggen, Hymne etc. Jeder Spieler wird einzeln vorgestellt, auch die Gäste. Hier gab es Applaus für jeden Spieler von PSG. Bei PSG spielen drei ehemalige Spieler des THW. Omeyer der Torhüter bei PSG ist sogar auf der Legendenwand des THW montiert. Ich denke, wenn Julian Koch als Gegner bei uns auflaufen würde, gäbe es einem ebenfalls sehr freundlichen Empfang. Ansonsten dürften sich einzeln vorgestellte Gäste, im Fußball doch eher etwas anderes anhören. Ich schrieb alle Gäste, nur nicht wirklich alle, einer handelte sich direkte bei der Vorstellung ein riesen Pfeifkonzert ein. Warum das so war, konnte mir keiner den ich gefragt habe sagen, irgendwas muss aber im Hinspiel gewesen sein. Als ich dann dessen Rückennummer sah, hatte ich ein Déjà-Vu. Der hatte die Rücknummer 90! Erster Gedanke, ist der Hecht von Hiesfeld mal eben zum Handballspieler bei PSG mutiert? Die Pfiffe begleiten den Spieler M'Tima bei jeder Ballberührung. Die Kieler Zuschauer hatten ihn so richtig ins Herz geschlossen.

    Zum sportlichen: Wie bereits gesagt, ich bin ja eher etwas geringeres Niveau beim Handball gewohnt. Also ich muss schon sagen, die Intensität, die Wucht und auch der Krafteinsatz während des gesamten Spiels waren beeindruckend! Kiel scheiterte mit dem ersten beiden Würfen direkt an Omeyer. Die Kieler Torhüter Sjöstrand hielt lange nicht einen Ball, jeder Abschluss von PSG, der aufs Tor kam, war drin. Der THW lag lang zurück, konnte mal mit einem Tor in Führung gehen, fing sich aber in der Regel sofort den Ausgleich. PSG für mich als Handballnovize mit einer Maßnahme, die ich so bisher noch nicht kannte, in Unterzahl wurde der Torhüter durch einen Feldspieler ersetzt. PSG spielte alle Angriffe lang aus, häufig bis zu dem Punkt, bis die Schiedsrichter Zeitspiel anzeigten. Der THW eher mit sehr schnellen Spiel, vielen Toren aus Tempogegenstößen. Der Treffsicherheit von Vujin war es in der ersten Halbzeit zu verdanken, dass der THW mit nur einem Tor zurück lang. Zehn Minuten in der zweiten Halbzeit änderte sich an dem Spiel fast nichts und dann hielt der Kieler Torhüter plötzlich drei Bälle hintereinander. Die Mitspieler trafen vorne, somit konnte der THW endlich in Führung gehen und ein Polster von drei Toren aufbauen. Jetzt hatte der THW viel Zeit beim Spielaufbau und traf vorne mit dem für mich in der zweiten Halbzeit überragenden Mann Canellas. Außerdem wurde fast jede Chance auf einen Tempogegenstoß genutzt und erfolgreich genutzt. Der dänische Nationalspieler Hansen, tat sich dann auch noch durch ein sehr hässliches Foul, bei dem er völlig unnötig eine Verletzung des Gegenspielers riskierte, hervor. Die Kieler Zuschauer hatten ab dem Zeitpunkt einen neuen „Lieblingsspieler“. PSG brachte dann keinen Druck und vor allem keine Schnelligkeit ins Spiel, um dem Rückstand aufzuholen. Diese zusammengekaufte Mannschaft scheint nur ein Tempo gegen zu können. Der THW stand in der Abwehr sehr sicher, der Torhüter hielt dann auch mal einen Ball, so dass ab ca. der 50. Minute das Spiel souverän über die Runden gebracht wurde. Danach hatte es aber lange nicht ausgesehen. Die Leistungssteigerung des Kieler Torhüters als Initialzündung entschied dann das Spiel. Wie ich so aus den Gesprächen der umstehenden Zuschauer heraushören konnte, sind die Torhüter wohl auch als Schwachpunkt ausgemacht.

    Fazit: Für mich, der ja eher in den Handballniederungen zuhause ist, war es eine interessante Erfahrung. Alle Übertragungen im Fernsehen können die Intensität des Handballs nicht wieder geben. Das Tempo und auch der Druck der in der höchsten Klasse gespielt werden, sind beeindruckend. Und das Fußballspieler stellenweise Memmen sind, wusste ich eh schon vorher.
     
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  2. Ben Bulben

    Ben Bulben PFYC-Teamchef

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    Wie war denn das mit der Stimmung da? Mein Neffe hat in Kiel studiert, war auch desöfteren in der Ostseehalle. Er meinte aber nur die Stimmung wäre gar nicht so berauschend, weil viele der Zuschauer schon ein gewisses Alter erreicht haben. Leute halt, die seit Jahren auf Ihrer Dauerkarte sitzen und sicherlich nicht aktiver werden.

    Und seit Christian Schwarzer als Kreisläufer bei irgendeiner WM oder EM weiss man, dass Fussballer Memmen sind. Man stelle sich nur Kreisläufer vor, die bei jedem Faul Zeter und Mordio schreien. Dann wäre die Hälfte der Spielzeit Gejammer angesagt.
     
  3. Omega

    Omega MSVPortal-Team Mitarbeiter

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    @Ben Bulben Mir wurde gesagt, dass das Publikum bei Bundesligaspielen deutlich älter sein. Tickets für Bundesligaspiele werden auch nur von Generation zu Generation weiter gegeben. Es muss ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen sein, Tickets für die Bundesliga zu organisieren. In der Pilze Liga sieht das wohl etwas anders aus, da kommt man auch an Tickets, so dass sich die Altersstruktur nach unten bewegt. Samstag hat das Publikum auf jeden Fall zum Sieg beigetragen, dass sagten auch die Spieler nach dem Spiel im Interview. Omeyer (der Torhüter der Gäste) sagte, er hätte seine Mannschaftskameraden gewarnt, in der Halle würde es ordentlich scheppern. Für mich ist eine Einordnung sehr schwer, da ich den Vergleich zur Handballbundesliga nicht kenne. Ich kann es mir aber sehr gut vorstellen, das es da etwas ruhiger zugehet, Kiel gewinnt zuhause ja eigentlich immer, hie und da verlieren die in der gesamten Saison kein Spiel, aber irgendwann tritt da eine Sättigung ein. Das ist ja nicht nur auf Kiel begrenzt, damit schlägt sich ja auch der FC Bäh rum.

    Ich versuche es trotzdem mal den Äpfel/Birnen Vergleich Halle/Stadion. Das es in einer zu Halle ordentlich scheppert ist klar. Den Rabbatz den die da über die gesamte Spielzeit veranstalten, dass schaffen wir in unserem Stadion mit ähnlicher Zuschauerzahl maximal in der Spitze. Bei Handball gibt es ja auch nur "klassischen Old School" Support, auf meine Frage, wo stehen den hier die Ultras wurde ich ein wenig verständnislos angeguckt ;) Die Unterstützung kommt da eben aus der breiten Masse der Zuschauer. Etwas organisiert sind ca. 10 Trommler, die im Unterschied zu unseren Trommlern den Takt halten konnten, im Oberrang.
     
  4. Rheinpreussenzebra

    Rheinpreussenzebra 3. Liga

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    Kiel gilt wirkich nicht als Stimmungshochburg. War des öfteren in der Hölle Nord in Flensburg da geht richtig was ab. Hälfte der Zuschauer aus Dänemark, und das die nicht still sitzen können ist ja bekannt. Bei Spielen gegen Kiel hat aber auch die Tg schon mal gut zu tun.
     
  5. Hans im Glück

    Hans im Glück Old School Smilie Nutzer

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    Herr Omega, ich verbitte mir den MTV Rheinwacht Dinslaken mit Niederungen im Handballsport in Verbindung zu bringen...;-) Immmerhin Oberliga und fast 5 Jahre 3 Liga, also bitte ;-)
    Ich war letztes Jahr beim CH Final Four in Köln und kann jedem Fussballer sowat nur mal nahe legen. Habe selber zeitweise im o.g. Liga gespielt (und auch da gab et ordentliche auf die Omme) aber wat da abgeht , 60 Min Nahkampf ohne Schutz(ausser teilweise Mund) also nicht wie Eishocky oder Football im Ganzkörperkondom...Handball rockt, definitiv...
     

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