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Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

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  1. Pressespiegel wollte ich immer schon mal schreiben in eigener Sache. Als nächsten Schritt denke ich an eine Presseabteilung für mein Ein-Mann-Unternehmen. Könnte eigentlich Der Stig übernehmen. Von dem haben wir hier schon lange nichts mehr gehört. Nun kann ich bei einer neuen Auflage von Mehr als Fußball neben einem Satz aus Funkes WAZ/NRZ ein weiteres Rezensions-Zitat auf den Buchrücken schreiben. „…die zehntausende Retter von damals haben Kirmses SMS, den Wiederaufstieg und das Buch redlich verdient“ 11 Freunde.

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    Mehr als Fußball ist im MSV-Shop erhältlich, in den Duisburger Buchhandlungen, beim Versandbuchhändler-Oligarchen und natürlich bei mir selbst. Wer bestellen will, einmal das Kontaktformular ausgefüllt und das Buch ist fast schon im Haus.

    Einsortiert unter:Der literarische Fußball, Fußball im Buch, Saison 2013/2014, Saison 2014/2015 Tagged: 11 Freunde, Kees Jaratz, Mehr als Fußball, Ralf Koss, Rezension [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  2. BringMirSuppe!

    BringMirSuppe! Kreisliga

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  3. Heute mal schnell einen Blick auf die andere Sportart meiner besonderen Aufmerksamkeit. Nur gucken muss man und staunen. Kein Halbzeitpausengespräch sondern ein Halbzeitpausenblick auf einen Clip. Das ist mal eine Ausbeute hinter dem Brett von Robert Benzing, dem deutschen Nationalspieler, der in Spanien für Zaragoza spielt. Zwei Punkte trotz Foul. Für den nächsten Halbzeitpausenclip warte ich jetzt auf den direkt verwandelten Eckstoß vom MSV Duisburg.




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  4. Gibt es einen geeigneteren Tag als den Karfreitag, um mal etwas Grundsätzliches zu aufrichtigem Handeln loszuwerden? Mit seinem Tod durch die Kreuzigung nahm Jesus die Sünden aller Menschen auf sich. Wenn ich darauf mit meinem Anliegen Bezug nehme, fühlt sich das für mich nach Blasphemie an – obwohl das Behalten unbezahlter Ware nicht nur ein Rechtsbruch ist, sondern sicher auch im christlichen Glauben eine Sünde. Jesus nimmt die Schuld aller Menschen auf sich. Erst durch seinen Tod ist Sündenvergebung und ewiges Leben möglich. Das ist verkürzt, und gegenüber Schuld der ganzen Menschheit sind vier nicht bezahlte Bücher ein Fliegendreck. Dennoch geht es um die Schuld dieser drei Menschen, die bei mir im Dezember „Mehr als Fußball“ bestellt haben und die Bücher trotz mehrmaliger Erinnerung nicht zahlten.

    Es geht nicht um viel Geld, insgesamt sind es vier Bücher gewesen. Es gibt natürlich ein festgelegtes Mahnverfahren mit entsprechenden rechtlichen Schritten. Bei meinem sehr improvisierten Ein-Mann-Buchhandelsunternehmen habe ich vielleicht irgendeinen Verfahrensfehler gemacht. Ich weiß das nicht so genau. Das ist aber hier auch nicht wichtig, mir geht es gar nicht um dieses Geld. Mir geht es um die Ignoranz dieser drei Männer. Denn das berührt eine Einsicht, die über meine persönliche Erfahrung hinausgeht. Das ist eine Einsicht, die ich weitergeben möchte, weil ich immer noch davon ausgehe, es muss Gründe für dieses Nichtbezahlen geben, die andere sind als bewusster Diebstahl.

    Ich habe auch schon für Zeitungen und Verlage geschrieben, ohne mein Honorar zu erhalten. Die Unternehmen waren pleite. Das Verhalten war jeweils dasselbe wie bei meinen drei Bestellern. Der Kontakt wurde abgebrochen. Es wurde sich tot gestellt. Dabei haben mich die Männer bei ihrer Bestellung freundlich und persönlich angesprochen. In Radolfzell wollte jemand mehr zahlen für meine Mühen. Für Geldern sollte es besonders schnell gehen, was ich vor Weihnachten gut verstand und erledigte. In Mündelheim war es eine Doppelbestellung. Alle drei Buchbesteller leben noch. Ich wollte das herausfinden, und ich denke, in Mündelheim werde ich demnächst vorbei fahren.

    Euch möchte ich mit dieser kurzen Karfreitagspredigt mit auf den Weg geben, solltet ihr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, stellt euch nicht tot. Nehmt Kontakt auf zum Gläubiger. Erklärt, was geschieht. Mein Ärger ohne Antwort zu bleiben ist mindestestens ebenso groß wie der Ärger über den Geldverlust. Wenn ich genau überlege, ist er sogar größer. Für die Bewältigung des einen Ärgers ist der Rechtsstaat zuständig, für den anderen Ärger aber der einzelne Verursacher selbst. Es wäre schön, wenn Jesus bei seiner Schuldbewältigung für die Menschheit etwas abgenommen würde.

    Einsortiert unter:Fußball im Buch, Fußball und Kultur Tagged: Insolvenz, Karfreitag [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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    Knuspertiger und since Brian Scott gefällt das.
  5. Nicht dass ich mich wichtiger als den Fußball des MSV nehmen möchte, aber mir fällt es nach Livestream-Schnipseln und zunehmender Ungeduld immer schwerer, anderes als Ergebnisse zu sehen. Mir gelingt es nicht, diese zufällige Livestream-Aneinanderreihung von einzelnen Spielszenen zu einem Ganzen zusammenzufassen. Es bleiben einzelne Eindrücke und das Ergebnis. Viel darüber schreiben will ich nicht. Dazu denke ich schon zu sehr an den nächsten Spieltag und an das Auswärtsspiel bei Fortuna Köln, wo der MSV doch voraussichtlich den Sack zumachen wird. Wenn es wie bisher weiterläuft. Die Sorge, den Mund zu voll zu nehmen, bekomme ich kostenlos dazu.

    Nach dem Spiel gegen den Halleschen FC kam mir über das 1:1-Unentschieden nicht ein einziger Gedanke zur spielerischen Leistung. Vielmehr war ich damit beschäftigt, die notwendige Zufriedenheit über das Ergebnis herzustellen. Sofort nach dem Schlusspfiff war ich nicht zufrieden, obwohl ich die Ergebnisse der anderen Spielen kannte. Sofort nach dem Schlusspfiff bestimmte mich die Ungeduld mit dem MSV. Ich wollte endlich noch deutlicher wissen, dass das Saisonziel ungefährdet bleibt. Doch nur Schritt für Schritt geht es dem Aufstieg entgegen, und manchmal sind es eben kleine Schritte. Das reicht vollkommen, denn auch den Konkurrenten gelingen keine großen Schritte. Kleine Schritte und Ruhe bewahren. Sehr rational ist das, manchmal aber nötig.

    Die Führung vom MSV erzielte Zlatko Janjic mit einem Kopfballtor, das in der Zweiten Liga kaum jemals fallen wird, so lange war der Ball als weiter Pass in der Luft unterwegs, so frei stand Janjic im Strafraum. Den Ausgleich habe ich ignoriert. Auswirkungen hatte das keine. Fußballmafia DFB, sage ich da nur. Die da interessieren sich für meine Interessen als Fan doch gar nicht. Die rote Karte für Kevin Wolze war eine harte Entscheidung, wenn man die Spielszene für sich alleine nimmt. Aber vielleicht gab es eine Vorgeschichte dazu. Aber wie gesagt, ich kenne keine Entwicklung in diesem Spiel. Ich kenne nur einzelne Momente.

    Das Unentschieden war also ein kleiner Schritt hin zum Aufstieg, der mich lehrte, dass bei der Polonäse Blankenese „mit ganz großen Schritten“ losgezogen wird. Denn kurioserweise fiel mir diese Polonäse als Mottolied für dieses Unentschieden ein. Aus falschen Gründen. Bei Polonäsen denke ich immer an diese Tippelschritte, an den Stau der Polonäsen-Schlange, der unweigerlich entsteht. Ich denke doch nicht an den Start einer Polonäse. Dann habe ich mir das Stück bei youtube rausgeholt, und siehe da, die kleinen Schritte waren große Schritte. Wenn ich das nicht als unbewussten Ausdruck meiner Ungeduld sehe sondern als Vorzeichen, sollte also nichts mehr schief gehen in dieser Saison. In dem Sinne, Herr Wendehals, bitte schön.






    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Hallescher FC, Kevin Wolze, Zlatko Janjic [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  6. Eine Premiere für die Heimatlied-Abteilung im Zebrastreifenblog: ein Notenblatt statt des produzierten Lieds. Christian Spließ begleitet seit Jahr und Tag das Geschehen in Duisburg mit kritischem Blick. Auf seinen verschiedenen Plattformen im Netz finden sich immer wieder Kommentare zur Kultur in Duisburg oder zu städitscher Entwicklung. Mit einem Klick geht es zu seiner Seite im Netz. Auf xtranews veröffentlicht er immer wieder Meinung. Bei Facebook ist Cristian Spließ zu finden.

    Nicht oft finden sich Heimatlieder, die von Ratlosigkeit und einem zwiespältigem Verhältnis zur eigenen Stadt bestimmt sind. Wenn Christian Spließ ein Lied über Duisburg schreibt, klingt in seinem Text Enttäuschung über die Stadt an. Er feiert Duisburg nicht. In Duisburg erfährt man etwas, was aus der Stadt hinaustreibt. Die Bindungskraft aber ist genauso groß. Das Verhältnis ist „kompliziert“. Zunächst einmal nur der Text, weiter unten finden sich die Notenblätter.

    Kein Duisburg-Lied

    Die Drähte singen ihre Melodien.
    Sie fragen mich: „Warum willst du nicht fliehn?
    Die Scherben deines Wollens: Hier liegen sie.
    Sieh doch: Herz und Hände, schwarz wie nie.“​

    Refrain
    Ich möchte bleiben, möchte gehn,
    ich kann es einfach nicht verstehn;
    Diese Sehnsucht voller Zorn,
    drei Schritt zurück, einer nach vorn.
    Der Status zwischen uns ist kompliziert.​

    Die Segel sind gehißt, der Wind steht gut.
    Möwenkreischen, laute Taubenbrut.
    Sollte ich doch länger hier bleiben?
    Ich stehe still, seh die Gedanken treiben​

    Zeig mir doch dein Herz, zeig dein Gesicht.
    Alles was du bist, das hat Gewicht.
    Die Melodie der Drähte, sie hör ich kaum,
    schenkst du mir Vertrauen, einen weiten Raum.​

    Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen. Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

    Und hier nun auch die Notenblätter​

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    Einsortiert unter:Duisburg Tagged: Christian Spließ, Duisburg, Heimatlied, Ruhrgebiet [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  7. Auch wenn der Kauf von „Mehr als Fußball“ direkt bei mir oder über das Kontaktformular im Zebrastreifenblog meine Arbeit am meisten unterstützt, ist das Buch natürlich auch in den Duisburger Buchhandlungen und beim Online-Oligarchen der Branche erhältlich. Für die Umsatzprovision hat mir Amazon gestern eine kleine Nettigkeit mit dem Bestseller-Ranking gegönnt. Zufrieden konnte ich mir ansehen, dass „Mehr als Fußball“ für einige Zeit unter den 80 best verkauften Fußballbüchern von Amazon gelistet war. Heute dann wieder nicht mehr. Im Aktienhandel heißt so etwas wohl volatil. Auf meiner internen Bestsellerliste vom Zebrastreifenblog ist davon übrigens nichts zu spüren. Dort besetzt „Mehr als Fußball“ seit Wochen unangefochten den ersten von zwei Plätzen.

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    Einsortiert unter:Der literarische Fußball, Fußball im Buch, Fußball und Kultur Tagged: Amazon, Bestsellerliste, Mehr als Fußball [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  8. Einmal mehr der Punk als Quelle des Heimatlieds in der Ruhrstadt-Sektion. Aus Mülheim kommt die Punkband Die Dödelsäcke, hier bei Wikipedia und hier mit eigener Seite im Netz. Schon mehrmals sind Punk und Ironie im Ruhrgebiet eine sehr produktive Verbindung eingegangen mit hörenswerten Ergebnissen. Unlängst habe ich hier auf die Ruhrpott-Rhapsodie von Eisenpimmel hingewiesen. Bei den Dödelsäcken finden sich Dudelsackklänge in ihren Songs. Schon das Instrument alleine wirkt auf mich als ironisches Signal. Diese Neigung zur Ironie setzt sich im Song selbst fort.

    Denn in „Ruhrgebiet“ mokieren sich „Die Dödelsäcke“ zunächst über die Volkslied-Heimattümelei und die Überhohung des eigenen Herkunftslandes. Zufällig sei das Geburtsland und zu Hause könne man überall sein. Doch dann mündet diese Strophe in den Refrain:“Ich würde niemals aus dem Ruhrgebiet wegziehen.“ Eine wunderbar ironische Wendung, die die Aussage um so heller strahlen lässt.

    Der eigentliche Song beginnt bei 0.51.




    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

    Einsortiert unter:Halbzeitpausengespräch Tagged: Die Dödelsäcke, Heimatlied, Ironie, Pott, Ruhrgebiet [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  9. Es gab mal eine Zeit, in der in deutschen Wohnzimmern millionenfach die Eheratgeber des Bertelmann Leserings standen. Männer und Frauen wussten noch, wohin sie gehörten. Er ging in die feindliche Welt hinaus, um mit harter Arbeit das Geld zu verdienen. Sie kümmerte sich um den Haushalt und sorgte für die Kinder. Der Eheratgeber dieser Zeit verrät, auch diese Paare hatten es schwer.

    Wenn er erschöpft von der Arbeit nach Hause kam und sich nach Ruhe sehnte, brauchte sie Zuwendung nach einem Tag, an dem sie außer mit den Kindern mit niemandem sonst gesprochen hatte. Er verstand nicht, wieso sie unzufrieden war. Sie hatte doch alle Zeit der Welt, konnte machen, was sie wollte. Er dagegen schuftete, um den Wohlstand der Familie zu sichern. Dort, wo sie jetzt waren, wären sie ohne seine Arbeit niemals hingekommen. Sie dagegen vermisste nicht mehr als ein kleines Zeichen, dass auch er etwas fühlte in dem gemeinsamen Leben. Sie wollte mit ihm zusammen lachen, liebevoll sein, vielleicht auch weinen, all das spüren, was ihr wichtig war.

    Vielleicht sollten wir alle beim MSV uns die alten Eheratgeber des Bertelsmann Leserings ansehen. Wir erleben gerade eine Saison, die mich an eine Ehe der 50er Jahre erinnert. Wir auf den Rängen sehnen uns nach Gefühl. Dort auf dem Spielfeld und auf der Trainerbank geht es um das Ergebnis. Wir auf den Rängen sehen den Moment des Spiels. Dort auf dem Rasen und auf der Trainerbank steht das Ziel für die gesamte Saison im Mittelpunkt.

    Was für eine widerspruchsreiche Saison erleben wir gerade. Fünf Spieltage vor Saisonende kommen nur etwa 12.800 Zuschauer ins Stadion, um einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Aufstieg zu erleben. Dann gewinnt der MSV Duisburg das Spiel gegen den FSV Frankfurt nach 0:2-Rücksstand mit 3:2. Zudem führt der MSV Duisburg mit 6 Punkten Abstand auf den Relegationsplatz weiter die Tabelle an. Diese Tabellenführung gibt es seit dem 9. Spieltag. Die Stimmung rund um den Verein ist dennoch so, als würden wir seit Wochen vergeblich auf den Relegationsplatz schielen.

    Das liegt natürlich auch an den gezeigten Leistungen der Mannschaft, und dass der Fußball nicht ausschließlich eine rationale Sache ist. Es geht eben nicht immer nur um das Ergebnis. Auch ich konnte mich nach dem Spiel gestern nicht richtig freuen. Die erste Halbzeit hatte meine Stimmung auf eine Weise in den Keller gebracht, dass dazu mehr als ein in acht Minuten heraus gespielter Sieg nötig gewesen wäre. Hätte die Mannschaft so einen Eheratgeber mal gelesen, hätte sie nach dem Führungstor noch ernsthaft versucht, ein weiteres Tor zu erzielen. Damit erst wäre die erste Halbzeit halbwegs in Vergessenheit geraten. Doch mit dem weiteren Verlauf bis zum Schlusspfiff machte sich die Sicherheit als notwendiges Spielkonzept wieder deutlicher bemerkbar und brachte die erste Halbzeit sogar wieder in Erinnerung.

    Hätten allerdings auch wir auf den Rängen den Eheratgeber schon gelesen, könnten wir vielleicht besser verstehen, dass ohne das erfolgreiche Erledigen der Arbeit, sprich das Erreichen des Saisonziels, unser Ärger über das Ausbleiben eines emotionalen Spiels ganz von selbst verschwinden wird, weil auch dem MSV das Verschwinden in die sportliche Bedeutungslosigkeit droht. Sicherheit ist womöglich für diese Saison kein schlechter Gedanke.

    Natürlich passt das Bild der 50er-Jahre-Ehe nicht vollkommen. Sobald die sportliche Leistung in den Blick gerät, geht es nicht mehr um gegenseitiges Verstehen sondern nur noch um die Leistung. In der ersten Halbzeit mangelte es dem MSV an allem, was für den Sieg eines Fußballspiels nötig ist. Wenn fast bei jeder Ballberührung eines Zebras die Sicherheit als erklärtes Spielprinzip im Kopf vorhanden zu sein scheint, entsteht kein Offensivdruck. Wie soll die Mannschaft so ein Tor erzielen? Hinzu kamen zwei Gegentore, bei denen die Defensive der Zebras so gut wie nicht vorhanden war. Bei so einem Spielstand ist Sicherheit als Spielkonzept nicht ganz gelungen gewesen.

    In der zweiten Halbzeit sah man, wie das gelingen kann. Der vornehmliche Gedanke der Spieler schien nun nicht mehr die Sicherheit zu sein, sondern die Bewegung Richtung gegnerisches Tor. Die Offensivaktionen selbst unterschieden sich gar nicht so sehr von denen in der ersten Halbzeit. Alles geschah nun nur schneller und damit wurden die Frankfurter vor Probleme gestellt. Der FSV hatte nicht mehr jedes Mal die Zeit, die Defensive zu formieren, und nur dann macht so eine Defensive Fehler. Enis Hajri hatte schon in der ersten Halbzeit einige Flanken in den Frankfurter Strafraum geschlagen. Sie blieben ungefährlich. In der zweiten Halbzeit war das anders. So eine Flanke aus dem Halbfeld schlug er erneut. Vergeblich kam der Torwart aus seinem Tor heraus, und so fiel ein Kopfballtor fast ähnlich dem von Zlatko Janjic in Halle. Ein Tor, was in der 2. Liga eher selten fällt, weil die Flanke so lange in der Luft ist, und die Defensivspieler samt Torwart sicherer spielen.

    Auch beim zweiten Tor zwang der Offensivdruck des MSV zu einem noch gewichtigeren Fehler. Tugrul Erat setzte sich am rechten Flügel mit rasantem Sprint durch. Die scharfe Flanke in den Rücken der Defensive halbhoch vor das Tor folgte. Diese Art Flanken sind immer gefährlich. Wenn ein gegnerischer Verteidiger den Ball ins eigene Tor bringt, nehmen wir das ohne Murren, aber mit zwiespältigem Gefühl, weil auch damit die Leistung des MSV nicht alleine dasteht. Im Grunde war dieses Spiel ein Sinnbild für die Saison, bei der wir uns immer auch auf die Misserfolge der Gegner verlassen können. Das Führungstor durch Enis Hajri per Kopf nach einer Ecke war dagegen ein deutliches Zeichen für den Willen zum Sieg. So wuchtig ging er zum Ball, so sehr rannte er seine Freude aus sich heraus.

    Die Frankfurter waren schockiert. Sie hätten weiterem Druck nicht stand gehalten. Dazu kam es nicht. Der Fußball war nach der Führung wieder zur rationalen Sache geworden. Wenn Fußball nur ein Ergebnissport wäre, hätten wir alle zusammen den Sieg nach dem Schlusspfiff unbändig gefeiert. Doch Emotionen spielen im Fußball eine ebenso große Rolle. Das haben schon die Eheratgeber des Bertelmann Leserings Ende der 50er Jahre gewusst.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Enis Hajri, FSV Frankfurt, Kingsley Onuegbu, Tugrul Erat [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  10. Nur kurz und ohne weitere Vertiefung: Als bekannt wurde, dass Inka Grings in der nächsten Saison die U17 von Viktoria Köln trainieren wird, habe ich doch gestaunt. Die Trainerin des Bundesligisten im Frauenfußball MSV Duisburg sieht beim Jugendfußball-Bundesligisten eine bessere Perspektive für ihren weiteren Weg. Solch eine Entscheidung weist auf die Wertigkeit der Positionen hin.

    Viele Einflussgrößen hat diese Wertigkeit. Da spielt dann vielleicht auch das Gehalt eine Rolle. Mich interessiert aber vor allem, welche Fragen zur Identität der Trainerperson durch diese Entscheidung aufgeworfen werden. Denn diese Entscheidung leuchtet nicht sofort ein. Wir lesen zwar, ein Ziel von Inka Grings sei schon immer die Arbeit im Männerfußball gewesen. Aber sie verlässt den Bundesligisten der Seniorinnen, um zum Bundesligisten der männlichen U17-Jugend zu gehen. Darüber hinaus gibt es die beiden Gesamtvereine. Der MSV steht als Gesamtmarke besser da als Viktoria Köln.

    So begann ich mich zu fragen: Wie groß ist die Durchlässigkeit bei Funktionsstellen auf hohem Niveau zwischen Frauen- und Männerfußball, wenn es von der Frauen- in die Männerwelt gehen soll? Wie sehr wird das Bild der Trainerposition durch die weiter vorhandene Geschlechterdebatte in unserer Gesellschaft mitbestimmt? Ist die U17 von Viktoria Köln ein Umweg, den Inka Grings machen muss? Warum ist ein Wechsel in den Seniorenbereich nicht selbstverständlich? Stimmt das überhaupt, was ich da unterstelle? Über die Entscheidung von Inka Grings nachzudenken und sie womöglich dazu selbst zu fragen, finde ich interessant, weil diese Entscheidung von Inka Grings auf Fragen verweist, die über den Fußball hinausgehen und über die in unserer Gesellschaft weiter gestritten wird.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, MSV Duisburg Frauen, Saison 2016/2017 Tagged: Feminismus, Genderdebatte, Inka Grings, Viktoria Köln [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  11. Nach dem letzten Spiel des MSV gegen FSV Frankfurt, wurde allerorten über den Ärger der Zuschauer diskutiert. Damit rückte auch die Leistung der Mannschaft in den Blick. Viele Stimmen habe ich nicht gelesen oder gehört, die Verständnis für die Mannschaft äußerten, sei es punkto Leistung, sei es für die Reaktion nach dem Spiel. Auch mein Kopf sagt mir die ganze Zeit, besser kann es nicht laufen. Doch mein Bauch meckert dazwischen. Auch ich ärgere mich immer wieder über das zuweilen kraftlos wirkende Spiel der Mannschaft. Ein Text mit befeuernder Energie für die restlichen Spiele gelang mir so nicht.

    Zum Glück tauschte ich mich mit Trainer Baade in den letzten Tagen über den MSV aus. In seinem Blog kennt man ihn als nicht selten scharfzüngigen Beobachter des Fußballgeschehens in Deutschland. Dass er MSV-Fan ist, wissen sehr viele seiner Leser, und er gehört zu den Zuschauern des MSV, die nicht nur als rationale Entscheidung mit der Situation zufrieden sind. Der Zuschauerärger im Spiel gegen Frankfurt führte in unserem Austausch zu einem leidenschhaftlichen Plädoyer von ihm für die Mannschaft. Auch diesen Zuspruch hat der MSV im Moment. Er soll im Ärger nicht untergehen. Deshalb freue ich mich heute über Trainer Baade mit seinem Gastbeitrag in diesen Räumen hier.

    Und nun, Trainer Baade, bitte schön:

    Die schlechte Stimmung zurzeit hat der MSV nicht verdient. Ich sehe es überhaupt nicht so, dass die erste Halbzeit des Spiels gegen Frankfurt so schlecht war. Natürlich sind zwei Gegentore eine Katastrophe. Aber danach haben wir doch nur noch auf ein Tor gespielt. Acht bis zehn Strafraumszenen hat es gegeben – nur leider ohne Abschluss. Aber selbst in dieser ersten Halbzeit hätte man das 0:2 schon umdrehen können.​

    Ich kann auch die Mannschaft nach dem Schlusspfiff verstehen. Um mich herum sagt fast jeder, das sind Profis, die müssen doch mal ein paar Pfiffe abkönnen. Aber es waren doch nicht nur ein paar Pfiffe. Inzwischen wird doch bei jedem ersten Fehlpass in einem Heimspiel gepfiffen, dazu der hämische Gesang, und das, obwohl der MSV gerade Tabellenführer ist. Natürlich darf sich keiner beschweren, dass nur 12.800 Zuschauer zu diesem wichtigen Spiel kommen und dann zugleich sagen, dass die Nörgelköppe zu Hause bleiben sollen. Sie haben Eintritt bezahlt. Sie haben das Recht, da zu stehen und zu pfeifen und „Gruev raus“ zu rufen. Nur habe ich genauso das Recht, denen zu sagen, dass ich anderer Meinung bin. Die müssen dann natürlich nicht ihren Mund halten.​

    Es geht mir nur darum, dass die Ansprüche an die Mannschaft völlig falsch sind. Kann man nicht mal gegen Wiesbaden verlieren? Mal in Rostock, mal in Kiel? Wenn man ansonsten fast nie verliert, nicht in Osnabrück, nicht in Münster, nicht in Halle, nicht in Erfurt etc. pp. Dann müssen die Zuschauer auch die Konsequenzen tragen, wenn sie pfeifen. Sie können nicht den MSV auspfeifen und dann erwarten, dass die Mannschaft zum Feiern kommt.​

    Ich kann mit diesem Team mitgehen. Seit ich MSV-Fan bin, habe ich noch nie so wenige Niederlagen in einer Saison gesehen. Dass wir im Stadion spielerisch selten das Gelbe vom Ei sehen, ist mir auch klar. Wenn man was anderes erwartet, darf man aber nicht zum MSV gehen. Soll man lieber in Schönheit sterben, aber keine Punkte holen? Ich erwarte nicht, dass man sich in einen Rausch spielt wie Dänemark 1986 und jeden zweiten Gegner mit 5:0 überrollt. Ich will einfach nur die Spiele gewinnen und dazu gehört es nun einmal auch, nach einem Tor zum 1:0 zurückzuschalten. Denn die Mannschaft des MSV hat nicht das Potenzial, den Gegner dann zu überrollen.​

    Was wir in dieser Saison mit unseren finanziellen Mitteln, mit unserem bescheidenen Kader geboten bekommen, finde ich schon ziemlich großartig. Fast keine Mannschaft gewinnt gegen uns. Was will man denn noch? Vielleicht gucken die Leute zu viel Fensehen und sehen in der Champions League etwas, von dem sie hoffen, es auch in Duisburg zu sehen. Das ist aber nicht möglich. Wer beim MSV wirklich gut ist, der ist in Nullkommanix weg. Ob Julian Koch, Andreas Hoffmann oder sogar Rolf Feltscher, der jetzt 2. spanische Liga spielt.​

    Ich verstehe, dass der Ärger der Zuschauer auch Ausdruck einer Enttäuschung ist. Man will mehr sehen. Man will gewinnen. Man will gerade natürlich gegen einen Vorletzten der Tabelle das Spiel dominieren, mal wieder einen 4:0-Sieg sehen wie gegen Mainz. Aber das ist mit dieser Mannschaft nicht drin. Und dass man mit diesen bescheidenen, auch spielerischen, Mitteln trotzdem Erster ist, das habe ich so nicht erwartet und bin darüber glücklich.​

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Fans, Kritik, Trainer Baade [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  12. Der MSV Duisburg hat in Aalen mit 2:1 verloren. Es gibt zum Ende der Saison für mich nichts weiter darüber zu sagen. Alles, was dieses Spiel beschreibt, hat hier immer wieder gestanden. Es gibt nichts weiter darüber zu sagen. In dieser Saison reden wir seit Monaten über dasselbe Geschehen. Als Fakt können wir nur festhalten: Mal ist die Mannschaft mit ihrer Spielweise erfolgreich, mal nicht. Die einen verstehen nicht, wieso der Druck auf den Gegner nicht das ganze Spiel über gezeigt wird und damit vermeintlich unnötige Niederlagen und Unentschieden verhindert werden. Die anderen sagen, es mangelt den Spielern für diese dauerhafte Leistung an der individuellen Qualität. Im Moment ist mir das vollkommen egal. In den nächsten drei Spielen geht es nur um den Aufstieg.

    Ohne den Aufstieg können wir uns mit denen aus Essen, Wattenscheid und Oberhausen zum Stammtisch Fidele Potttraditionalisten treffen. Die Aachener begrüßen wir dann gerne als regelmäßige Gäste. Mich interessiert keine Problembetrachtung mehr. Mich interessiert nur noch eins. Jeder, dem der MSV am Herzen liegt, muss sofort ohne Schuldzuweisung seine Enttäuschung zurückstellen und nach vorne sehen. Lotte kommt, und gegen Lotte muss gewonnen werden. Das ist das, was zählt. Sofort muss es heißen, Energie sammeln, nach vorne sehen, für uns speziell, Lotte aus dem Stadion schreien und für die unten auf dem Rasen, Lotte aus dem Stadion schießen.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Aufsteig. Fans, SF Lotte, VfR Aalen [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  13. Noch immer dauert es ein paar Tage, bis der MSV Duisburg im Spiel gegen Lotte hoffentlich den Schritt Richtung Aufstieg macht, den er in Aalen verpasst hat. Als Testspiel für mich als Zuschauer steht heute Abend das Niederrheinpokalhalbfinale gegen Rot-Weiß Oberhausen an. Ein weiteres Training gibt es bis Samstag nicht für mich. Ich bin gut vorbereitet für heute Abend, weiß aber noch nicht genau, wie dringend ich für den Samstag ein Vorzeichen brauche. Entsprechend wird meine Haltung im Spiel sein. Vielleicht werde ich auf eine Niederlage hoffen, damit kennen wir uns seit dem April 2015 als Vorprogramm zum Aufstieg aus.

    Wahrscheinlich ist in diesem Jahr die Stimmung unter den Anhängern des MSV auch deutlich entspannter als vor zwei Jahren. In diesem Jahr sollte doch fast allen bewusst sein, welche Bedeutung dieses Pokalspiel im Vergleich zum notwendigen Aufstieg hat. Das war vor zwei Jahren nicht der Fall. In diesem Jahr wissen die meisten trotz der aufkommenden Derby-Stimmung, der Aufstieg ist alles. Und der Niederrheinpokal? Wenn es denn mit dem entsprechenden vorsichtigen Engagement passen sollte, gut; ansonsten bitte, ihr Rot-Weißen, ab ins Finale. Außerdem sagt Ilia Gruev im Gegensatz zu Gino Lettieri damals klarer, was uns als Zuschauer in Oberhausen erwartet. Schauen wir also mal, und bis dahin könnt ihr euch ein paar Impressionen vom Zebra-Traditionsmarkt gestern ansehen. Erinnerungen wurden wach, und auf Reliquienhandel haben die Katholiken kein Monopol.

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    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Ivo Grlic, Julian Koch, Michael Tönnies, Niederrheinpokal, Rot-Weiß Oberhausen, Sven Beukert, Tim Albutat [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  14. Vorgestern überlegte ich noch, ob ich mir eine Niederlage des MSV im Halbfinalspiel des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiß Oberhausen wünschen sollte. Ein gutes Omen sollte her, damit der Aufstieg gelänge. Schließlich hatte der Aufstieg vor zwei Jahren genau dieses Vorprogramm einer Niederlage bei RWO. Nach dem 3:0-Sieg des MSV in Oberhausen sage ich, diese Mannschaft braucht kein gutes Omen. Diese Mannschaft schafft den Aufstieg vollkommen aus eigener Kraft. Das war ein so überzeugender Auftritt im Niederrheinstadion, dass meine Anspannung vor den letzten drei Spielen einer Art produktivem Lampenfieber gewichen ist.

    Was wurde nicht alles vor dem Halbfinale geschrieben. Wenig von dem hatte ich ernst genommmen. Das Wort B-Elf zum Beispiel in den Schlagzeilen. Auch ohne einen Blick auf die Mannschaftsaufstellung hätte ich vorausgesagt, egal, welche Elf in Oberhausen auf dem Platz stände, mit der B-Elf von vor zwei Jahren wäre sie nicht vergleichbar gewesen. Dazu ist die Bank in dieser Saison in jeder Hinsicht besser besetzt. Der MSV hat gar nicht so viele Spieler im Kader, damit das Schlagwort B-Elf berechtigt gewesen wäre. Schließlich gab es während der gesamten Saison für einen Teil seiner Startelf wechselnde Besetzungen.

    Im Niederrhein-Stadion fehlten dann sogar nur Fabian Schnellhardt und Branimir Bajic als stets startende Spieler. Als Stanislav Iljutcenko bereits in der 3. Minute das Führungstor erzielte, war schon klar, dieses Mal wird RWO wahrscheinlich nichts gegönnt. Ohnehin war dieses Spiel nicht mit dem von vor zwei Jahren vergleichbar. Weniger Zuschauer auf beiden Seiten waren ein klarer Hinweis darauf, dass dieses Spiel nicht mit solch großer Bedeutung aufgeladen war wie vor zwei Jahren. Ich finde das bemerkenswert, weil es ähnliche Bedingungen gegeben hat. Der Aufstiegsaspirant der 3. Liga spielt gegen den Regionalligisten in sehr guter Form. Aber anscheinend war vor zwei Jahre Heißhunger auf so ein Spiel mit Derby-Charakter vorhanden gewesen. Dieser Heißhunger war gestillt, und ich glaube nicht, dass daran das schlechte Wetter Schuld war.

    Alles in allem war die Atmosphäre im Stadion sehr viel entspannter als vor zwei Jahren. Dagegen spricht auch nicht die übliche Randale von Teilen der Fans rund ums Stadion sowie die unsäglichen Böllerwürfe aus dem MSV-Block, für die ich als Strafe im heiligen Zorn am liebsten das biblische Auge um Auge, Zahn um Zahn in Anspruch genommen sähe. Wer Böller anzündet und die Gesundheit der umstehenden Menschen gefährdet, wird mit Knalltrauma von mindestens drei Jahren und anschließendem Tinitus auf Bewährung bestraft. Was für eine Gefährdung der Menschen vor dem Zaun.

    In der ersten Halbzeit hat RWO ganz gefällig mitgespielt. Der Ball lief gut, ohne dass die Mannschaft wirklich gefährlich abschließen konnte. Das war der Unterschied: Wenn der MSV sich in die Nähe des Strafraums gespielt hatte, wurde es gefährlich für RWO. Dieser Qualitätsunterschied ist auch für die Bewertung der MSV-Leistung in der Drittliga-Saison interessant. Denn das Problem von RWO hat der MSV in den Punktespielen ebenfalls. Zu wenig Torgefahr ergibt sich, weil rund um den Strafraum die Defensive dicht steht und beim kombinierenden Spielaufbau den Stürmern für deren technischen Möglichkeiten der Ballverarbeitung zu wenig Zeit gelassen wird. Umgekehrt war es so, dass RWO die eigenen Defensive nicht so intensiv spielen konnte, dass sie dem MSV die Schwierigkeiten der Liga-Spiele hätte bereiten können. Zumal der MSV als Favorit führte und RWO entsprechend offensiver denken musste. Das zweite Tor durch Simon Brandstätter wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff entschied für mich das Spiel endgültig.

    In der zweiten Halbzeit ging es um ein würdiges Zu-Ende-Spielen dieser 90 Minuten. Stanislav Iljutcenko machte sein zweites Tor. Wenn es überhaupt einen Wermutstropfen in diesem Spiel gibt, so ist es die Erinnerung daran, dass Iljutcenko wegen seiner Gelb-Sperre gegen Lotte fehlen wird. Aber auch das wird die Mannschaft kompensieren. Mal sehen, ob am Samstag in Duisburg die Zuschauerzahl ebenfalls zeigt, welches Spiel das wirklich wichtige Spiel dieser Woche ist, egal ob Derby oder nicht.

    Ein paar Fotos vom Abend habe ich auch noch. Kleiner Nachtrag punkto Medien und Selbstwahrnehmung. Der arme Enatz wurde beim laufenden Spiel nach etwa zehn Minuten von der Lokalzeit Duisburg des WDR um ein Interview am Spielfeldrand gebeten. So ein freundlicher Mensch wie er schlägt solche Bitten natürlich nicht ab. Es regnete aber. Man ließ ihn in diesem Regen warten, dann wurde er lächelnd befragt und durfte schließlich nass geworden zurück auf seinen Tribünenplatz. Selbst bei solchen Begegnungen auf Verbandsebene verschiebt sich zwischendurch die Bedeutung dessen, was bei einem Fußballspiel wichtig ist. Zur Erinnerung, es ist nicht das Fernsehen.

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  15. Diese Saison weckt merkwürdige Gefühle. Der MSV Duisburg spielt morgen gegen die Sportfreunde Lotte. Es ist das drittletzte Spiel der Saison. Der MSV Duisburg kann in diesem Spiel aufsteigen, wenn Magdeburg im Heimspiel gegen Frankfurt nicht gewinnt. Dennoch müssen wir alle uns in den Foren dieser Netzwelt gegenseitig davon überzeugen, dass dieses Spiel eine Art erstes Finale um den Aufstieg ist. Eigentlich müsste sich die Finalspieltagstimmung von selbst einstellen.

    Doch überall im Netz drängt es die Entschlosseneren unter den MSV-Anhängern in ihren Kommentaren andere davon zu überzeugen, wie wichtig eine gute Stimmung auf den Rängen in diesem Spiel ist. Es wirkt weiter so, als hinge etwas Bedrohliches in der Luft. Es wirkt so, als könne die Bedeutung dieses Spiels untergehen. Von möglicher Euphorie brauchen wir gar nicht erst reden. Diese Saison ist Arbeit für die Mannschaft und für uns Zuschauer. Wir auf den Rängen hofften auf Leichtigkeit des Spiels hin und wieder. Diese Hoffnung wurde oft enttäuscht. Es ist ein bemerkenswerter Widerspruch dieses Fußballgeschäfts in Duisburg, dass in einer Stadt der Arbeit kein Gespür für den Arbeitscharakter dieser Saison des MSV Duisburg vorhanden ist. Ich nehme mich selbst nicht aus.

    Vor langen Zeiten war das Lieblingssportjournalistenklischee für die Pottvereine MSV und VfL Bochum die graue Maus. Für das Saisonende denke ich nun weniger an Nagetier als an Schwimmvogel. Ist die Mannschaft oder ist nur das Spiel morgen ein hässliches Entlein? Der Schwan Aufstieg war vom ersten Spieltag an als Wunschbild in unseren Köpfen. Je länger die Spielzeit dauerte, desto intensiver mussten wir ihn uns vorstellen. Denn immer wieder meinten wir auf ein hässliches Entlein zu schauen, doch längst lassen sich die weißen Federn bei genauem Hinsehen entdecken. Eines ist dabei gewiss: Nicht nur die Saison ist besonders, auch dieser zum Vorschein kommende Schwan ist anders als andere. Er ist einer der seltenen Vögel, die bei ihrer Reifung die Unterstützung von außen sehr gut gebrauchen können. Also, helfen wir dem Schwan Schwan zu werden und schreien Lotte aus dem Stadion.

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  16. Warum hätte das Spiel gegen die Sportfreunde Lotte anders werden sollen als die Spiele der letzen Wochen? Weil es jetzt aber wirklich um den Aufstieg ging? Es geht die ganze Zeit wirklich um den Aufstieg. Sehr wirklich, ganz ganz wirklich. Das wissen alle. Deshalb wählt Ilia Gruev seine Taktik. Deshalb spielt die Mannschaft, wie sie spielt. Die gesamte Saison gibt es diesen Druck aufsteigen zu müssen für die Mannschaft und die sportlich Verantwortlichen. Es gab keinen realistischen Grund anzunehmen, wir könnten etwas anderes erleben als in den Wochen zuvor. Es gab nur die Hoffnung, dass jedes Fußballspiel seine eigene Geschichte haben kann. Es gab nur die Hoffnung, wir könnnten begeistert werden.

    Aber um Begeisterung geht es nicht als erstes, es geht darum ein Spiel zu gewinnen. Es geht um das profane Ziel Aufstieg. Wir haben eine erste Halbzeit gesehen, in der der MSV das Spiel komplett unter Kontrolle hatte, eine Halbzeit, in der die Sportfreunde Lotte ihr eigenes Tor so dicht machten, wie es irgend geht. Der MSV hatte dennoch zu Beginn eine Chance durch Tim Albutat, dessen freier Schuss von der Strafraumgrenze aus den Lotter Torwart vor keine Probleme stellte. Nach etwa 20 Minuten verlor sich der Druck im Spiel des MSV. Blieb noch Zlatko Janjics Weitschuss über den weit vor seinem Tor stehenden Torwart, der ein Versuch wert war. Wirklich gefährlich war er dennoch nicht.

    Das Offensivspiel war wie immer durch gleichmäßigen Rhythmus geprägt. Geduldiger Aufbau, Tempoaufnahme im Dribbling. Ahmet Engin unermüdlich am Flügel gegen zwei, drei Lotter Spieler. Ihm fehlte oft ein Mitspieler in der Nähe gegen diese Übermacht. Neben diesen Dribblings mit Zug zum Tor flog der Ball immer wieder auf verschiedene Weise in den Strafraum, wo Kingsley Onuegbu ebenfalls meist alleine auf sich gestellt war. Zwei, drei Lotter Defensivspieler standen bei ihm. Es wurde auf ihn von den Außenbahnen geflankt, oder es wurden hohe Bälle aus dem Halbfeld gespielt. Das Ergebnis: Keine Torgefahr.

    Die Versuche der Lotter zu kontern endeten kläglich. Doch wer das Hinspiel gesehen hatte, erinnerte sich bei den Flügelläufen, wie gefährlich sie hätten sein können. Auf der Außenbahn geht es für die Lotter besonders über links sehr schnell. Um die Abschlüsse und Flanken musste sich niemand in der ersten Halbzeit sorgen.

    In der Halbzeitpause war also offensichtlich, der Aufstieg sollte auch in diesem Spiel so kontrolliert geschehen, wie die gesamte Saison über dieses Ziel verfolgt wurde. Dennoch kann ein Gegentor ohne dauerhaften Druck auf das gegnerische Tor durch den eigenen Ballbesitz immer geschehen. Das war die Gefahr, und nachdem das Spiel wieder angepfiffen wurde, war zu merken, die Lotter kamen mit mehr Mut aus ihrer Kabine. Sie hatten auf einmal mehr Zugriff auf ihr eigene Spielweise. Die Konter wurden gefährlicher. Die Zebras mühten sich dagegen zu halten. Sie hatten nach einem Eckball sogar die große Chance mit dem gleichen Haijri-Kopfball wie gegen Frankfurt in Führung zu gehen. Der wuchtige Kopfball ging knapp am Tor vorbei.

    Stattdessen fiel nach einem dieser immer besser vorgetragenen Konter das Lotter Führungstor. Dieses Tor ließ die Zebras für Minuten geradezu verzweifeln. In der Körpersprache fast aller drückte sich eine große Enttäuschung aus. Vielleicht kam Angst zu versagen hinzu. Die Mannschaft geriet ins Schwimmen und Mark Flecken war derjenige, der den MSV im Spiel hielt. Schon vor dem Führungstor hatte er zweimal großartig reagiert. Wenn es einen Sieger dieses Spiels gibt, ist es Mark Flekken.

    Für zehn Minuten bestimmt drohte ein Totalversagen. Dann hatten sich alle gefangen. Ab der 80. Minute begann das Dauerspiel auf das Lotter Tor. Immer wieder wurden hohe Bälle aus dem Halbfeld geschlagen. Präzise war das immer noch nicht, aber es reichte, um die Lotter Defensive in Unordnung zu bringen.

    Was für ein unsympathische Mannschaft im Übrigen. Jeder Spieler geht zu Boden, wenn er gefoult wird. Trashtalk ist anscheinend üblich, wenn ein Duisburger gefoult wurde. Zuminest lässt sich so die Körpersprache der Lotter oft deuten. Dazu Nickligkeiten im Zweikampf immer wieder. Für die stoische Ruhe vom „King“ in den letzten Minuten dürfen wir ruhig einmal besonderen Applaus geben. Wie er angegangen wurde, das war nicht feierlich. So war sein Ausgleichstor in der Nachspielzeit auch der Lohn für diese Kärnerarbeit im gesamten Spiel. Wer zwei Drittel des Spiels alleine auf sich gestellt im Sturmzentrum steht, kommt immer wieder in Situationen, in denen die eigene Leistung nicht gut aussieht. Dennoch immer weiter zu machen, das ist seine Qualität in diesem Spiel gewesen. Nur deshalb stand er an der richtigen Stelle. Nur deshalb konnte er die gar nicht einfach zu verarbeitende Flanke ins Tor bringen.

    Die Enttäuschung der Spieler hielt nach dem Schlusspfiff an. Auf den Rängen herrschte eine gemischte Stimmung. Doch schnell war an allen Ecken von Köln zu hören. An diesen letzten Spieltagen geht es tatsächlich schnell wieder um das nach vorne Sehen. Das hässliche Entlein ist kein Schwan geworden sondern Eichhörnchen. In Duisburg schaffen wir solche besonderen Verwandlungen der Tierwelt. Punkt für Punkt sammeln wir uns dem Aufstieg entgegen. In Köln wird die Mannschaft dann hoffentlich das vollenden, was vom ersten Spieltag dieser Saison an von Bedeutung war – der Aufstieg.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Ahmet Engin, Enis Hajri, Kingsley Onuegbu, Mark Flekken [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  17. Am übernächsten Freitag gebe ich abends das Vorprogramm zur Aufstiegskür des MSV gegen Zwickau bei der Neudorfer Buchhandlung 1001 Buch in der Oststraße. Ich freue mich sehr auf den Abend in der wunderbaren Atmosphäre bei Petra Lohrberg und Kolleginnen. 5 Euro Eintritt kostet das Ganze. Bier wird´s geben, Snacks, und ich bringe mein Fußball-Programm „Nach dem Anpfiff alles möglich“ zur Premiere. Ich habe ein persönliches Best-of meiner Fußballtexte zusammengestellt. Das sind Kurzgeschichten, Glossen, Lyrik, und Ausschnitte aus dem letzten Buch „Mehr als Fußball“ werden nicht fehlen. Petra Lohrberg hat den Anpfiff auf 19.00 Uhr festgelegt. Ich werde mir die Freiheit nehmen, erst um 19.02 Uhr zu beginnen. Eins sei euch gesagt: Von dann an wird es wie bei einem Fußballspiel: Denn nach dem Anpfiff ist alles möglich.

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  18. Neulich habe ich den Briefwechsel von Paul Auster und John M. Coetzee gelesen, zwei internationale Stars der Literatur, um mal in der spartenübergreifenden Schlgzeilensprache der Unterhaltungsbranchen zu bleiben. Auster schreibt als US-Amerikaner mit starken Wurzeln in der europäischen Literaturtradition, und Coetze ist Nobelpreisträger aus Südafrika. Die Nähe zu englischer Kultur liegt auf der Hand. Ihre Briefe wirken auf mich wie eine nette Plauderei. Manchmal tauchen Gedanken auf, die zu vertiefen sich lohnen. Das geschieht ohne große Systematik. Sie beschreiben Phänomene und versuchen sich und die Welt zu verstehen und zu ordnen. Plaudernd ergeben sich viele Worte in der Zeit zwischen Juli 2008 und August 2011.

    Beide Schriftsteller interessieren sich sehr für Sport, sowohl aktiv als auch vor dem Fernsehen. Dadurch kommen sie auch auf ihre Sportleidenschaft zu sprechen. Paul Auster macht sich anlässlich der Fußball-WM 2010 ein paar Gedanken über die Bedeutung von Sport im Allgemeinen und Verlieren im Besonderen.


    Im Sport gibt es Gewinner und Verlierer; was keiner gern sagen will (ist es zu offensichtlich?): Es gibt viel mehr Verlierer als Sieger. […] Sport lehrt uns mehr über das Verlieren als über das Siegen, weil einfach so viele von uns nicht gewinnen. Vor allem aber lehrt er, dass es okay ist zu verlieren. Verlieren ist nicht das Schlimmste auf der Welt, weil im Sport, anders als im Krieg, dem Verlierer nicht vom Sieger die Kehle durchgeschnitten wird.

    Man denke an den außerordentlich interessanten Moment im Leben eines kleinen Jungen, wenn er vom Sport als Spiel, bei dem ihn die Erwachesen oder älteren Jungen die ganze Zeit haben gewinnen lassen und ihm ganz allgemein das Gefühl verschaffen, dass er ein kleiner König ist, zum Echten übergeht, bei dem man, wenn man den Ball nicht trifft, ausscheidet […] Das versetzt der Psyche des Jungen einen Schock. Er möchte heulen, einen Wutanfall haben […] Er möchte die Realität seinem Ego unterwerfen. Aber damit erreicht er nichts. „Stell dich nicht so an, Kleiner!“ Aber auch: „Stell dich nicht so an, Kleiner – du bekommst eine neue Chance.“

    Weil das die große Lehre des Sports ist. Man verliert die ganze Zeit, aber solange du im Spiel bleibst, gibt es immer ein Morgen, wieder eine Chance, sich hervorzutun.

    Paul Auster, J.M. Coetzee: Von hier nach da. Briefe 2008 – 2011, Fischer Verlag 2014, S. 191f​

    Das können wir jetzt natürlich weiterdenken. Paul Auster spricht von der Erfahrung, selbst Sport zu treiben, ist aber angeregt worden durch sein so großes Interesse am professionellen Sport. Da scheinen die Widersprüche am Horizont auf. „Solange du im Spiel bleibst“. Darum geht´s.​

    Der MSV etwa bleibt zwar im Spiel, aber wir brauchen nicht weiter darüber zu reden, wie groß die „neue Chance“ tatsächlich ist, nicht nur für den MSV sondern für die meisten Vereine in dieser Unterhaltungsbranche Fußball. Wir glauben trotzdem an diese neue Chance. Wir haben schließlich dasselbe gelernt wie Paul Auster. Wir glauben trotzdem daran, dass der MSV nach einem Aufstieg mit einem Mini-Etat den Klassenerhalt in der 2. Liga schaffen wird.​

    Wenn ich allerdings an mein immer weniger vorhandenes Interess an Bundesliga, Champion League denke, so merke ich, der Widerspruch bohrt untergründig etwas in mir an, was der Unterhaltungsbranche Fußball die Grundlage seiner Existenz entzieht. Da bewegt sich was. Ich weiß noch nicht, wohin.​

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  19. Bei Fortuna Köln ist Kristoffer Andersen während der Saison ein Leistungsträger gewesen. Kristoffer Andersen, genau, der Andersen, bei dem ich und sicher noch ein paar andere auf immer an das Pokalspiel in Mönchengladbach denken und an sein Tor zum Sieg in der 90. Minute. Der Mann kennt sich also mit feiernden MSV-Fans aus. Deshalb kommt er morgen nicht ins Südstadion, wie ich im Kölner Stadt-Anzeiger gerade lesen konnte. Anfang Mai hat er nämlich einen Kreuzbandriss erlitten, und er geht auf Krücken. Ihm ist es wegen seiner eingeschränkten Beweglichkeit im Stadion zu gefährlich, wenn die meisten der Zuschauer dort feiern werden. Dabei weiß er zugleich, die Fortuna könne befreit aufspielen. Ich nehme das deshalb als gutes Zeichen für die Aufstiegsaussichten des MSV in Köln.

    Wer hier länger liest, weiß, mit magischen Denken nehme ich gerne Einfluss auf die Geschicke unseres Vereins. Dabei geht es mir immer um die kleinen Unterschiede, die ja bekanntermaßen in der 3. Liga so entscheidend sind. Ich habe mich entschlossen, das Umfeld und Spieler mit einer Art Verweis auf den letzten Drittliga-Aufstieg besonders zu motivieren.

    Für jedes vom MSV erzielte Tor gebe ich ein Exemplar von „Mehr als Fußball“, meinem Buch über den Sommer 2013 bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später, in eine Verlosung. Und sage mir jetzt bloß keiner, angesichts der letzten Spiele käme da ja wohl nichts zusammen. Kommentiert hier, fügt bei Facebook einen Kommentar mit dem Namen von einem Freund hinzu, Retweet bei Twitter, wie auch immer. Auslosung nehme ich Montag vor.

    Wir sehen uns morgen im Südstadion, wenn ich nach meiner Solo-Fahrrad-Sternfahrt von der Schäl Sick in Zollstock angekommen bin.

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  20. [​IMG]So war vor Wochen der Plan. Schon zu Beginn des Jahres hatte nicht nur ich diesen Gedanken. Der Aufstieg wird in Köln gefeiert. Je näher das Saisonende rückte, desto klarer zeichnete sich ab, wenn der MSV so weiterspielte, könnte dieser Plan wirklich werden. Für mich stand deshalb in Aussicht, zum ersten Mal mit einem Fahrrad zu einer Aufstiegsparty anzureisen. Von der Schäl Sick nach Zollstock, im Grunde gerade für den Kölner in mir auch ein heimliches Stadtderby, ein Auswärtsspiel beim von Viktoria Köln erhofften Zukunfts-Drittliga-Erzrivalen Fortuna Köln. Das sollte ein zweifacher Sieg werden.

    Nach der Überquerung des Rheins singt mir am Heumarkt ein Taxifahrer aus seinem offenen Seitenfenster ein freundliches „Zebrastreifen weiß und blau“ entgegen. Köln! Das mag ich an der Stadt so sehr, diese ständige Bereitschaft in flüchtigen Begegnungen ein heimeliges „Jeföhl“ zu schaffen.

    Lange aufhalten konnte ich mich nicht. Spätestens um 12 Uhr wollte ich am Südstadion sein. Ab dem Höninger Weg, etwa 700 Meter vor dem Stadion dann nur noch das Weiß-Blau auf der Straße. Das Südstadion als Heimspielort der Zebras. Vor dem Stadion dann noch beim Warten auf den Freund aus Duisburg vielen sympathischen Menschen begegnen. Es musste klappen. Zwei Kurven in blau-weiß, dazu die Haupttribüne ebenfalls fast komplett. Das versprach Schalldruck, wenn es eng werden sollte.

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    Wie anders war dieses Spiel als das entscheinde Spiel gegen Kiel vor zwei Jahren für mich. Ich weiß nicht, ob es die größere Unsicherheit seinerzeit war? Meine Aufregung hielt sich jedenfalls in Grenzen. Ich erwartete etwas und das war nicht weniger als eine Mannschaft, die ein ganzes Spiel lang so druckvoll spielte, dass sie keinen Zweifel am Gelingen des Plans ließ.

    Von den 15-20 Minuten nach dem Anpfiff kennen wir diesen Druck. Die Minuten danach waren entscheidend. Wie druckvoll blieben die Zebras, wenn sie das Tempo des Spiels drosselten, wenn sie versuchten die Kontrolle zu behalten, ohne ans Limit zu gehen? Und wirklich, gegen Fortuna Köln gelang es in der ersten Halbzeit dauerhaft torgefährlich zu bleiben. Dieses Mal klappte es, den Rhythmus zu variieren. Dieses Mal war das Offensivspiel variabel, wechselten sich halbhohe Bälle ins Sturmzentrum mit Flügelläufen ab. Dieses Mal gab es das flache steile Spiel in die Schnittstellen der Fortunen-Defensive.

    Wie wertvoll Stanislav Iljutcenko in den letzten Wochen war, ließ sich auch gegen die Fortuna erkennen. Seine Laufarbeit öffnet nicht nur Räume für die flachen steilen Zuspiele. Er ist auch jener Mann in der Offensive, den der King zum Zusammenspiel braucht. Die Mannschaft erspielte sich in den ersten 45 Minuten über die gesamte Zeit immer wieder große Chancen. Zweimal hatten wir den Torschrei auf den Lippen, zweimal konnten wir nicht begreifen, wie der Ball noch am Tor hatte vorbeigehen können. Einmal war es Stanislav Iljutcenko und einmal der King, die knapp verfehlten.

    Als dann das Führungstor in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten durch Andreas Wiegel fiel, war das nur ein weiteres Zeichen für diesen Verlauf der ersten Halbzeit. Die Mannschaft suchte bis zum Pausenpfiff ihre Chance. Es wurde nachgesetzt und wenig hinten rum gespielt. Bei Balleroberung ging es meist sofort Richtung Tor. So war nach einem Fehler eines Fortunen-Spielers im Halbfeld der eigenen Hälfte, der Raum frei für das Kurzpassspiel in den Strafraum hinein. Dreimal schnell weitergeleitet und Andreas Wiegel brauchte nur noch frei stehend einzuschieben. Der Aufstieg rückte näher.

    Doch nach dem Wiederanpfiff wurde etwas vorsichtiger gespielt, blieb der Druck auf angreifende Fortunen-Spieler nicht immer hoch genug. Aber es blitzte nur auf, was wir aus den letzten Spielen kannte. Hätte es diese Spiele nicht gegeben, so wäre das vielleicht gar nicht aufgefallen. Wahrnehmung funktioniert so. Es gibt immer einen Zusammenhang, in den etwas eingeordent wird. Beispielhaft war ein Fortuna-Angriff über den linken Flügel. Der Ball wurde abgewehrt und kam zum Außenspieler zurück. Zlatko Janjic stand etwa zehn Meter von ihm entfernt. Wie langsam er auf diesen Spieler mit Ball zutrabte, steht für einen solcher Momente, in denen die Mannschaft in der Defensive nicht präsent genug war. Doch konnte die Fortuna dieses Nachlassen nicht ausnutzen. Die Spieler waren nicht präzise genug. Der Freiraum nutzte ihnen nichts.

    Stattdessen gelang das Kingsley Onuegbu das 2:0 – eines seiner typischen Tore. Bei enger Deckung einen hohen Ball mit der Brust annehmen, abtropfen lassen und vollstrecken. Nach diesem Tor erst spürte ich meine Anspannung, die sich von mir unbemerkt meiner ermächtigt hatte. Erst die Erleichterung machte mir deutlich, wie sehr ich gebangt hatte vor dem bekannten Schleifenlassen des Spiels, vor der Behäbigkeit, die sich auf dem Spielfeld hätte zeigen können. All das war hinfällig. Der MSV blieb endgültig da. Diese Fortuna würde den Sieg nicht mehr gefährden.

    Allmählich stellte sich die Feierstimmung an. Das dritte Tor durch Simon Brandstätter war Zugabe und Sahnehäubchen. Der MSV ist wieder da. Das Versprechen zu Saisonbeginn „Wir kommen wieder“ ist eingelöst worden. Der Verein hat diesen Aufstieg zum finanziellen Überleben gebraucht. Wir kommen wieder und wollen dieses Mal bleiben. Die Arbeit dazu fängt jetzt schon an.

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    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Andreas Wiegel, Fortuna Köln, Kingsley Onuegbu, Simon Brandstetter, Stanislav Iljutcenko, Zlatko Janjic [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  21. [​IMG]Jeder Fußballnachmittag im Stadion hat seine Liturgie. Der DFB als Kirche des Fußballizismus wirkt dabei als ordnende Instanz. Als ich gestern an die Lesung bei Tausendundein Buch gedacht habe, gefiel mir die Vorstellung für solch eine Lesung mit Fußball-Texten eine Liturgie zu begründen. Wenn schon der Stadionbesuch Messfeiern gleicht, müsste doch auch einer Lesung dieser Geist innewohnen. Lobpreisende Worte, ritualhafte Gesänge, und schon sind wir auf dem Weg zu einer freien Kirche des Fußballizismus.

    Nach dem Anpfiff alles möglich – Infos zum Programm mit einem Klick
    Ort: Tausendein Buch, Oststraße 125, Duisburg-Neudorf
    Zeit: 19. Mai, 19.02 Uhr

    So eine Liturgie kann sich dann durchsetzen, wenn sie sich auf eine Tradition berufen kann. Mir kam dabei der Gesang der deutschen Nationalmannschaft vor der Fußballweltmeisterschaft 1974 in den Sinn. „Fußball ist unser Leben. König Fußball regiert die Welt“. Das haben die Nationalspieler damals – ja, was? – gesungen kann man das nicht wirklich nennen.



    Kurze Nebenbemerkung in Klammer. Unter anderem war Klaus Wunder bei der Aufnahme ein Jahr vor der Weltmeisterschaft dabei. Damals hatte er noch Chancen auf die WM-Teilnahme.




    Wie fremd sich das heute anhört: König Fußball. Was die Bedeutung dieses Sports für die Gesellschaft angeht, war diese Metapher zwar visionär. Allerdings wirkt der bildhafte Rückgriff auf Ständeordnung und Aristokratie tatsächlich so, als ob unsere Großeltern von ihrer Jugend erzählen. Den Fußball der Gegenwart beschreiben andere Bilder der Bedeutung. Was einer Liturgie übrigens nicht schadet. Da kann es schon eine gehörige Portion Großelternsprache sein.

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  22. Drittligameister MSV Duisburg, so leicht die Stimmung im Stadion, so leicht das Spiel der Mannschaft. Ohne Druck gelingt ein glänzender 5:1 Sieg gegen Zwickau. Mehr Worte gibt es morgen. Heute wird auch hier noch einmal nur gefeiert.

    Der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da, der MSV ist wieder da.

    Und natürlich ist es so schon immer gewesen…




    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: 3. Liga, Alle auf den Zaun, Andreas Wiegel, Branimir Bajic, Dustin Bomheuer, Enis Hajri, Fabian Schnellhardt, Ilia Gruev, Ivica Grlic, Kevin Wolze, Kingsley Onuegbu, Lukas Daschner, Mark Flekken, Meister, Nie mehr 3. Liga, Simon Brandstetter, Stanislav Iljutcenko, Tim Albutat, Tugrul Erat, Zlatko Janjic [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  23. Der MSV Duisburg wollte Meister der 3. Liga werden. Damit das auf jeden Fall gelingt, musste das Spiel gegen den FSV Zwickau gewonnen werden. Anscheinend war mit dem Druck während nur eines Spiels leichter umzugehen als mit dem grundsätzlichen Druck aufsteigen zu müssen. Beim 5:1-Sieg gegen den FSV Zwickau zeigte die Mannschaft eine glänzende Leistung. Mit diesem Sieg schloss sich der Kreis dieser Saison. Denn solch souveräne Spiele hatten wir zu Beginn der Spielzeit ebenfalls schon gesehen.

    Das Selbstbewusstsein der Mannschaft war für jeden erkennbar. Es drückte sich im unbedingten Offensivspiel aus. Der FSV Zwickau war allerdings auch bereit, das Spiel mit zu gestalten. Diese Zwickauer agierten nicht defensiv, sondern suchten ebenfalls ihre Chance im Angriff. So wurde diese Begegnung auch deshalb ein attraktives Fußballspiel, weil die Zwickauer etwas riskierten. Vielleicht müssen wir uns für den Rückblick auf die Saison dieses Spiel vergegenwärtigen und das Zwickauer Offensivspiel. Vielleicht werden wir dann milder mit der Vorsicht dieses MSV während der Saison, eine Vorsicht, die so schnell den Eindruck einer behäbigen Spielweise hinterließ.

    [​IMG]Vor dem Spiel herrschte allerorten eine entspannte Stimmung. Früher als bei den anderen Ligaspielen strömten wir alle zum Stadion. Am Bahnhof die Begegnung mit den schon am Freitag angereisten Zwickauern. Der Gästeblock war voll für die weite Anreise. Was die Bedeutung des Vereins in Zwickau zeigt. Eine Bedeutung, die auch wir in Duisburg für den MSV kennen und die uns um diesen Verein während der Saison hat Zittern lassen. Nun waren wir entspannt, weil das Überleben des Vereins in der Größe, die wir uns ersehnen, nur durch den Aufstieg mögich gewesen war. Das einzig wirklich wichtige Ziel dieser Saison war erreicht. Jetzt ging es darum, die gute Laune zu bestärken.

    [​IMG]Die Mannschaft tat uns den Gefallen. Die Spieler wollten Meister werden. Der Rückstand in der 16. Minute irritierte nur bis zum Wiederanstoß. Sofort nahm der MSV das Heft wieder in die Hand und suchte seine Chance auf den Ausgleich. Die Räume für Kombinationsspiel waren da. Schnelles Spiel über die Flügel gelang, und so ein schnelles Flügelspiel führte nur drei Minuten später zu einem scharfen Pass in den Strafraum, wo Andreas Wiegel trotz enger Deckung direkt abschloss. So selbstbewusst kann er also auch spielen. Sein zweites Tor zur Führung kurz vor der Pause schien folgerichtig. Ein weiter Pass in die Spitze, den er sich erläuft, um den Torwart zu umkurven und einzuschieben.

    Die Stimmung wurde noch entspannter. Munter ging es nach der Halbzeitpause hin und her. Schöne Aktionen einzelner Spieler waren zu sehen. Wenn Dustin Bomheuer auf Höhe des eigenen Strafraums den Ball nicht wegschlägt, sondern nach Dreieckspiel noch einen Haken schlägt, um den angreifenden Stürmer aussteigen zu lassen, wissen wir, wie sicher sich diese Spieler alle waren. Von Fabian Schnellhardt erwarten wir solch Selbstbewusstsein und bewundern seine minimalen Bewegungen bei der Ballannahme, mit denen er seine Gegenspieler ins Leere laufen lässt.

    Enis Hajris Kopfballtor zum 3:1 war ein Sinnbild für seine letzten Spiele. Sein Wille war in diesen letzten Wochen vor dem Aufstieg zu einem Tragpfeiler der Mannschaftsleistung geworden. Die Wucht dieses Kopfballs hatten wir zuvor schon gesehen gegen Frankfurt, gegen Lotte – mit unterschiedlichem Erfolg. Nun machte er den Sieg sicherer. Und nur eine Minute später erhöhte Kingsley Onuegbu lehrbuchmäßig ebenfalls per Kopf nach einer Janjic-Flanke. Solche Spielaktionen sahen nun alle leicht aus. Diese Spieler auf dem Feld waren im Kopf frei geworden. Was wir sahen war nun die reine Freude am Spiel. Wir auf den Rängen feierten und freuten uns noch über das Tor vom eingewechselten Kevin Wolze kurz vor Schluss.


    In dieser entspannten Freude wurde schließlich der Drittligameister MSV Duisburg gefeiert. Die Saison war für uns alle emotional anstrengend gewesen. So oft hatte uns das Spiel dieser Zebras enttäuscht. Für die Spieler war es aus anderen Gründen emotional anstrengend. Es gab kaum Spielraum für Fehler. Am letzten Spieltag haben wir alle gemeinsam unser Leben mit dem Fußball des MSV wieder zurecht gerückt. Dieser 5:1-Sieg war in gewisser Weise ein Vergessen der Überlebensnotwendigkeiten, ein Vergessen von all dem, was diese Saison so schwer hat werden lassen. Dieser Sieg war ein Seelenbalsam für uns alle. Auf diese Weise können wir der 2. Liga entgegensehen. Wir wissen alle, wie schwer es wird, die Klasse zu halten. In guter Stimmung aber ist die Zuversicht einfach viell größer.

    [​IMG]Kleine Anekdote am Rande: Im Moment des Abschieds vom MSV-Ausstatter bekomme ich zufällig mit, eines von vielen Uhlsport-Werbegesichtern gewesen zu sein. Kees Jaratz auf dem Werbefoto eines Sportartikelherstellers ist nun auch Geschichte. Ich überlege noch, warum das ein gutes Vorzeichen für die kommende Saison ist.



    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Andreas Wiegel, Dustin Bomheuer, Fabian Schnellhardt, FSV Zwickau, Kevin Wolze, Kingsley Onuegbu, Tugrul Erat, Uhlsport [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  24. Ein Debattenkommentar von Jens-Christian Rabe in der Süddeutschen Zeitung gibt nun den Ausschlag. Zeiten wie diese, so meint er, bräuchten mehr Deutungsmut. Sie bräuchten mehr Interpreten und zwar solche, die nicht eitel auf ewige Wahrheiten schielen, sondern einfach „frohen Mutes den klügstmöglichen Vorschlag zum Weiterreden und Weiterdenken machen.“ Ich nehme ihn also mal beim Wort und versuche mich in einer solchen Deutung, weil mir seit dem Spiel am Samstag eine türkische Fahne nicht aus dem Kopf geht.

    Ich vermute, Familie und Freunde von Tugrul Erat saßen auf der Tribüne. Jemand aus der Gruppe schwenkte während des Spiels schon sehr ausdauernd die türkische Fahne. Tugrul Erat hat einen türkischen Pass. Sie galt ihm als Unterstützung, und diese Fahne kann natürlich alleine seine Wurzeln in der türkischen Kultur ausdrücken. In etwa so wie ich in Köln meine Verbindung zum Ruhrgebiet weiter pflege und sie mit meinem Kölnersein munter mische. In so einem Sinne wäre es kein Problem, dass Tugrul Erat nach dem Schlusspfiff die Fahne gegeben wurde und er sie sich vor der Ehrung umhing.

    Die Pfiffe im Stadion in dem Moment zeigten aber schon, es gibt sehr wohl ein Problem. Diese Fahne der Türkei trägt in den letzten Wochen mehr als die Botschaft türkischer Kultur in die Welt. In den letzten Wochen hat diese türkische Fahne im öffentlichen Raum eine politische Botschaft transportiert. Die türkische Fahne war von den Anhängern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan okupiert worden.

    Wer die türkische Fahne in der deutschen Öffentlichkeit zeigte, wollte damit auch seine Unterstützung der Politik Erdoğans zeigen. Der türkische Staatspräsident schafft die Demokratie in der Türkei ab. Der Terrorismusverdacht ist sein Mittel, um die Meinungsfreiheit im Land zu unterbinden. Eine freie Presse ist so gut wie verschwunden. Unzählige Journalisten sind in Haft. Rechtsanwälte geraten in Gefahr, wenn sie auf die Einhaltung von Gesetzen drängen. Willkürverhaftungen sind an der Tagesordnung. Enteignungen gibt es. All das ist bekannt und wird in der deutschen Presse immer wieder von sehr unterschiedlichen Stimmen berichtet. Deutsche Journalisten schreiben darüber. Deutsche Zeitungen geben unabhängigen türkischen Journalisten und Schriftstellern Platz, damit sie über ihre Erfahrungen schreiben können. Zum Teil sind diese Menschen aus der Türkei geflohen. Der deutsch-türkische Korrespondent der Welt Deniz Yücel sitzt seit Wochen in Haft.

    All das steht momentan mit der türkischen Fahne als Botschaft in der Öffentlichkeit. Ich will kein Wasser in den Meisterschaftsfeierwein schütten. Dennoch möchte ich in Zeiten wie diesen so eine Botschaft nicht auf dem Rasen meines Vereins sehen. Später hat Tugrul Erat die Fahne zusammengefaltet. Vielleicht ist ihm dann erst der Gedanke gekommen, was diese Fahne zur Zeit alles auch bedeutet. Es mag sein, dass andere weniger empfindlich sind und nur die Freude des Moments sehen. Ich bin so empfindlich, weil ich sehe, dass in Europa überall demokratische Werte von immer mehr Menschen nicht mehr als notwendige Bedingungen für die eigenen Lebensmöglichkeiten angesehen werden. Deshalb müssen wir über diese türkische Fahne auf dem Rasen des Stadions reden.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Türkei, Tugrul Erat [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  25. In gewisser Weise geht es heute schon wieder um eine Debatte – nämlich die, wie sich der Fußball als Unterhaltungsbranche entwickelt und was dabei verloren geht. Nachdem sich Klaus Hansen über den Aufstieg des MSV gefreut hatte, wurde er wehmütig und hat die Gründe dafür im Fußball der Gegenwart gefunden. Dabei hatte er zunächst nur über die Spielweise des MSV nachgedacht. Allerdings muss ich hinzufügen, Klaus Hansen hatte das letzte versöhnliche Spiel gegen Zwickau noch nicht gesehen, als er den Text geschrieben hatte. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

    Postsaisonale Melancholie

    Paul Auster sagt, dass es im Sport „Gewinner und Verlierer gibt“; aber das ist banal. Nicht banal und geradezu tiefgründig ist seine Feststellung: Im Sport gibt es „viel mehr Verlierer als Sieger“. Eine Erkenntnis, die selbst auf höchster Erfolgsstufe gilt: Bayern München hat 27mal die die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen – 83mal aber nicht. Real Madrid hat 11mal das europäische Championat gewonnen – 51mal aber nicht. Brasilien ist 5mal Weltmeister geworden – 15mal aber nicht.

    Was Paul Auster nicht wissen kann, weil er Amerikaner ist und die großen amerikanischen Sportarten kein Unentschieden kennen, ist die Tatsache, dass nicht verloren haben muss, wer nicht gewonnen hat. Der genossenschaftlichen Punkteteilung sei Dank! (Leider durch die 3-Punkte-Regelung verwässert.) Das Remis erlaubt es sogar, dem Nichtverlieren Priorität vor dem Gewinnen einzuräumen. Dazu passt natürlich die Zielsetzung für die kommende Saison in der 2. Liga: nicht absteigen!

    Ans Gewinnen denkt in Meiderich schon lange keiner mehr. – Wie kann ein Verein ohne Titel, dem der Glauben abhanden gekommen ist, je auch nur einen Titel von Belang erringen zu können, vor seinen Fans, zumal den nachkommenden, bestehen? Indem er ohne Unterlassung für Spannung sorgt. Schon seit Jahren ist der Abstiegskampf in der Bundesliga spannender als der Meisterschaftskampf, und darum interessanter.

    Sorgt für Spannung, Zebras, und überwindet den „Beamtenfußball“ dieser Saison, geht Risiko ein, macht Dinge, für die euch der liebe Gott nicht vorgesehen hat! Und wenn es nach unten geht, aber spannend, bleiben auch die Fans bei der Stange. Denn mit eben dieser Spannung kann es auch wieder nach oben gehen. – Dies schreibt ein Herzensfan, der alle ökonomischen Belange des modernen Fußballs hier einmal außen vor lässt.

    Aber wir alten Fans, die wir zwischen 60 und 70 sind, kommen alle aus dem Amateurfußball, der uns geprägt hat. Vielleicht ist es gut, dass wir aussterben. Denn der Berufsfußball kann mit uns und wir mit ihm wenig anfangen. Die neuen Fußballfans sind von ESC-Fans nicht mehr zu unterscheiden. Die neuen Stadion-Sprecher – siehe RB Leipzig – sind von glamourösen Show-Moderatoren des Unterhaltungsfernsehens auch nicht mehr zu unterschieden. Das geht alles in eine Richtung, die nicht mehr meine Richtung ist. Das Schlimme ist die Ausweglosigkeit. Ich gehe zu einem Spiel letzten Kreisklasse Rhein-Erft, wo man nicht mehr absteigen kann, weil es darunter nichts mehr gibt. Aber auch da tragen die Spieler Trikots mit Sponsoren-Namen auf der Brust; selbst da bedankt man sich vor dem Anpfiff über Megaphon beim edlen Spender, „der für das heutige Spiel den Ball zur Verfügung gestellt hat.“ Der Fußball als Werberahmenprogramm ist nicht mehr mein Fußball.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien Tagged: Aufstieg, Beamtenfußball, Fußball, Klaus Hansen, Kreisklasse, Paul Auster, RB Leipzig, Unterhaltung [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  26. Essener Straßennamen

    Doch, gut, die Hafenstraße weist drauf hin,
    was Becken am Kanal für Essen sind.
    Doch, ja, das macht für Essen wirklich Sinn,
    das sind so Häfen für ein kleines Kind.

    Mit wenig Schiffsverkehr, kaum Fläche Wasser,
    der Name nur verspricht die weite Welt.
    Wenn man dorthin fährt, wird die Aussicht blasser.
    Für Essener aber gilt, die Stimmung hält.

    Demnächst soll es die Fußballstraße geben.
    An die Pokalestraße wird gedacht.
    Erst so kann Essen dann auch damit leben,
    wie Duisburg Wirklichkeit aus Namen macht.



    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Fußballlyrik, Niderrheinpokal, Rot-Weiss Essen [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  27. Die Mannschaft des MSV war gestern sehr viel motivierter als ich heute. Ein Text für das Ruhrort-ABC wartet, und der wird sehr viel länger gelesen werden, als die Worte heute über den Sieg des MSV im Niederrheinpokal 2017. Das Ruhrort-ABC benötigt also meine Aufmerksamkeit sehr viel mehr als dieses Finale. Welch brisante Spiele waren das in den ersten beiden Drittligajahren vom MSV in diesem Wettbewerb. Viel war davon nicht mehr zu spüren. Das war schon im Spiel gegen RWO so.

    Zum einen habe ich den Eindruck, die letzte Saison in der 2.Liga hat für viele von uns den Wert dieses Wettbewerbs gemindert. Wir sind in diese Saison mit dem Selbstbewusstsein eines Zweitligisten gegangen. Auch deshalb waren wir so oft unzufrieden mit der Leistung der Mannschaft in den Punktespielen. So war der Aufstieg das einzig wichtige Ziel und entsprechend gering war die Aufmerksamkeit für den Niederrheinpokal. Doch gerade im Niederrheinpokal war zu erkennen, das Selbstbewusstsein hat es zurecht gegeben. Am Sieg des MSV gegen RWE gab es keinen Zweifel.

    Die Zebras spielten souverän. Jeder einzele Spieler schien sich seiner überlegenen Fähigkeiten sicher. Als einziger fiel Mael Corboz im defensiven Mittelfeld etwas aus der Reihe. Offensichtlich sollte er währnd der Saison im Niederrheinpokal Spielpraxis gewinnen. Er wirkte sehr vorsichtig und fast immer darauf bedacht, nur keinen Fehler zu machen. Er lief mit und muss für Einsätze in anderen Wettbewerben deutlich mehr Verantwortung übernehmen.

    In der ersten Halbzeit hatte die Mannschaft das Spiel komplett im Griff. Ruhig, kontrolliert, aber stets mit Zug zum Tor wurden die Angriffe heruntergespielt. Die Führung durch Simon Brandstetter nach hervorragender Vorarbeit von Fabian Schnellhardt war verdient. Nach der Halbzeitpause dann die Pyroshow auf beiden Seiten. Fußball als Bühne für Selbstdarstellung und den Versuch, sich in dieser Gesellschaft wichtig zu fühlen. Ihr seht, ich versuche meinen Ärger etwas zu bändigen, indem ich Erklärungen anbiete. Nach der längeren Spielunterbrechung passierten den Essenern leichtere Stockfehler, die die Zebras zu gefährlichen Offensivaktionen nutzten. Die Folge: ein Freistoß nahe der Strafraumgrenze, den Kevin Wolze sehr gefühlvoll ins Toreck hob.

    Die Freude von Ilia Gruev an der Seitenlinie zeigte so deutlich, wie sehr er nach dem Aufstieg in Köln auf diesen perfekten Saisonabschluss hingearbeitet hat, wie sehr er ihm am Herzen lag. Danach gelang es RWE ab der 60. Minute etwa etwas Druck zu entwickeln. Zum ersten Mal kam ein wenig Pokalkampf auf. Mit etwas Glück wäre vielleicht ein Anschlusstreffer gefallen. Ein Abseitstor fiel ja sogar, aber der MSV wirkte weiter sehr souverän angesichts der beschränkten Offensivmöglichkeiten der Essener in Strafraumnähe.

    Nach dem Schlusspfiff leerte sich das Stadion schnell. Dieser Niederrheinpokal war also auch für die Essener als Wettbewerb nicht wirklich wichtig gewesen. Es gab nichts auszukosten. Auch die Spieler von RWE erhielten schließlich eine Medaille bei der Siegerehrung. Diese Siegerehrung war unscheinbarer als vor drei Jahren in Duisburg. Sie entsprach der Bedeutung dieses Wettbewerbs, der ja durch den Titel „Tag der Amateure“ und der Dauerpräsenz durch die TV-Übertragung sämtlicher Länderpokalspiele aufgewertet werden soll. Dabei offenbart sich einfach nur der Widerspruch, den professionellen Unterhaltungsbetrieb Fußball mit dem Breitensport des Amateurbereichs auszusöhnen.

    Wenn ich darüber wirklich nachdenke, werde ich genauso ärgerlich wie über die Pyro-Selbstdarsteller auf beiden Seiten. Zu Ärger nach einem Finalsieg des MSV habe ich aber keine Lust. Also, Niederrheinpokalsieger EM-ES-VAU, und damit Schluss für heute, höchstens noch ein paar Fotos anschauen und Bewegtbilder.



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    Die Mannschaft wartete auf die Siegerehrung und vertrieb sich die Zeit beim gemeinsamen Feiern mit den Fans.


    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Fabian Schnellhardt, Kevin Wolze, Niederrheinpokal, Rot-Weiss Essen, Simon Brandstetter [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  28. Ein paar Mal habe ich schon darüber nachgedacht, ob ich in der Heimatliedsammlung neben dem Ruhrstadt-Stadtteil Duisburg auch die anderen Stadtteil-Sektionen eröffnen sollte. Wenn ich das mache, muss eine eigene Seite her. Heute erwähne ich das, weil der Gasometer in Oberhausen als besungene Landmarke zum zweiten Mal im Ruhrstadt-Heimatlied auftaucht. „Oberhausen“ von den Misfits ist hier eben nur nicht aufgenommen, weil es sich auf diesen Ruhrstadt-Stadtteil konzentriert. Alleine wegen dieses Lieds müsste ich meine Sammlung ausweiten. So sehr gefällt es mir.

    Nun habe ich von Mottek den Gasometer ein weiteres Mal besungen gefunden – mit der Perspektive Ruhrstadt, die man Dortmund bis zum Rhein sehen kann, wenn man oben steht. Das ist nun etwas übertrieben, aber Heimatlieder nehmen es oft nicht ganz genau. Es geht ja mehr ums Gefühl, wenn man dort oben auf die Städtelandschaft sieht. Eigentlich ist Mottek eine Coverband und spielt Rock quer durch die Musikgeschichte. Anscheinend haben sie aber auch ein paar eigene Stücke gemacht. Es sei denn, auch „Kommsse rauf, kannze kucken“ hat ebenfalls einen anderen Original-Interpreten, den ich auf die Schnelle nicht gefunden habe.

    Wenn in Köln ohne den Dom in den Standardkarnevalsschlagern nichts geht, so könnte nach und nach der Gasometer der Kölner Dom des Ruhrstadt-Heimatlieds werden.


    Und die Gelegenheit zu „Oberhausen“ von den Missfits lasse ich mir nun auch nicht nehmen.




    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

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  29. Fußball unser, der du wirst gespielt
    auf heiligen Rasen.
    Dein Torschuss komme,
    dein Wettkampf geschehe.
    Wie in Arenen
    so auf Bezirkssportanlagen.
    Unser sehenswertes Spiel gib uns heute
    und beschenke uns mit großem Sport.
    Und zeige dich nicht nur als Arbeit,
    sondern erlöse uns vom Alltag.
    Denn nach dem Anpfiff
    ist allen alles möglich.
    Stets neu
    und immer wieder.​

    Mit elf​

    Geht in die Sommerpause in Frieden, murmeln gerade sämtliche alten Pfarrer meiner Kindheit mir zur Erlösung der Sonntagsmessen-Langeweile. Was diese Langeweile angeht, nicht dass ihr denkt, in der Sommerpause sind hier Betriebsferien. Zu schreiben gibt´s immer was. In dem Sinne, wahrscheinlich bis morgen.​


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  30. Ein Außenseiter gewinnt das alles entscheidende Spiel. Diese Geschichte ist ein Klassiker des Sportfilms, egal in welcher Sportart, egal in welchem Land. In der Literatur ist dieser Plot-Klassiker gar nicht so populär. Der Engländer J.L. Carr aber hat ihn in seinem 1975 erstmals erschienenen Roman „Wie die Steeple Sinderbey Wanderer den Pokal holten“ auf die Spitze getrieben. 547 Einwohner hat Steeple Sinderbey, das Yorkshire-Dorf, und es gibt dort einen Fußballverein, der in der Provinzliga Englands spielt. Dennoch gelingt es dem Dorfverein auf dem Weg ins Finale des FA Cups Leeds United, einen nicht näher bestimmten Manchester-Erstliga-Club und Aston Villa zu schlagen. Den Pokal gewinnt die Mannschaft im Finale gegen die Glasgow Ranges. Ich recherchiere jetzt nicht, ob es mal eine Zeit des FA Cups gab, in der alle Verbände Großbritaniens teilnahmen.

    Um eine möglichst genaue Positionierung des Märchenhaften in der historischen Wahrheit geht es ohnehin nicht. Es geht alleine um die Glaubwürdigkeit dieser Geschichte für sich genommen, so wie es J.L. Carr selbst für eine 1992 erschienene Neuauflage des Buchs im Vorwort anspricht. In dieses Buch sind seine Erinnerungen an seine eigenen Erfahrungen mit dem Fußball aus den 1930r Jahren eingeflossen. Die Handlung müsste aber irgendwann Anfang der 1970er Jahre spielen. Für Fußballfans wird genau das vielleicht ein Problem sein. Denn sobald ein Fußballfan auf die Fußballwirklichkeit der 1970er Jahre gestoßen wird, könnte es ihn aus der Geschichte reißen.

    Der Roman handelt nicht vom Fußball der 1970er Jahre. Die Sprache des Romans in der Übersetzung von Monika Köpfer erinnert nämlich an noch weiter zurück liegende Zeiten. Sie erinnert an einen Fußball in Kinderschuhen. Im Verlauf des Romans war ich überrascht, als von TV-Journalisten die Rede war, so sehr hatte die Sprache mir eine Welt ohne Technologie der 1970er Jahre suggeriert. J. L. Carrr zeigt vor allem die Dorfwelt, und er erzählt in Sachen Fußball ein Märchen im ureigensten Sinn.

    Das liegt nicht nur an der Sprache. Schon die kleine Welt des Dorfes wirkt aus der Zeit gefallen. Der Ich-Erzähler schildert seine Geschichte der „Wanderers“ als Vorarbeit zur eigentlichen Chronik jener Saison. Dieser Erzähler berichtet zwar auch über die jeweiligen Spiele und über die immer unwirklicheren Zustände im Dorf, wenn die Anhänger der Gastvereine des professionellen Fußballs die wenigen Straßen in der Provinz überfluten.

    Er erzählt aber gleichgewichtig von dem überschaubaren Dorfleben, in dem ein am Fußball uninteresserter wohlhabender Patriarch den Vereinsvorsitz hat, weil er eben als der wichtigste Mensch im Dorf von allen möglichen Vereinen Präsident ist. Er ist ein kleiner König in der Provinz. Daneben gibt es einen tchechischen Exilanten, der als Schuldirektor ein visionärer Pädagoge ist und die methodische Grundlage für den erfolgreichen Dorffußball gibt. Es gibt einen Ex-Profi in der Dorfmannschaft. Eine private Tragödie hat ihn den Beruf als Fußballer aufgeben lassen. Skurrile Figuren erinnern zudem an das einst sehr lebendige Klischee der exzentrischen Briten.

    All das wird gefällig erzählt, und der Roman hat in England über die Jahre großen Erfolg gehabt. Mir selbst klingt die Sprache zu sehr nach Vergangenheit, ohne dass ich für diesen mir zu betulichen Sound einen erzählerischeren Mehrwert der Geschichte erhalte. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Leser, die weniger mit dem Fußball an sich verbunden sind, diesen behaglichen Ton der Geschichte zu schätzen wissen.

    Mir ging es sogar so, dass ich der von Thomas Sarbacher eingesprochenen Hörbuchfassung gerne zugehört habe. Die Sprache des Buchs verlangt geradezu danach, vorgelesen zu werden. So entstand der märchenhafte Raum sehr viel unangreifbarer für mich, als es bei der eigenen Lektüre möglich war. Als ich selbst las, stand für mich die Kluft zwischen der Sprache und der Gegenwart des Erzählten zu sehr im Vordergrund. Thomas Sarbacher hat das Buch großartig eingesprochen. Zumal es auf den ersten Seiten ungeheuer schwierig gewesen muss bei all den Orts- und Personennamen, die manchmal dicht aufeinander folgten. Sofort erinnert das nämlich an eine der ganz großen Sprechleistungen von Evelyn Hamann mit einem Text von Loriot.






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    J.L. Carr: Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten.

    DuMont Buchverlag, Köln 2017.

    192 Seiten.

    € 22,00





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    Ungekürzte Lesung mit Thomas Sarbacher
    4 CDs | ca. 5 h 11 min

    Der Audio Verlag

    Unverbindliche Preisempfehlung: € 19,99

    Einsortiert unter:Der literarische Fußball Tagged: Aston Villa, DuMont Buchverlag, Evelyn Hamann, FA Cup, J.L.Carr, Loriot, Steeple Sinderby Wanderers [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  31. Die Entwicklung beim TSV 1860 München ließ sich über die Jahre gut in der Berichterstattung durch die Süddeutsche Zeitung mitverfolgen. Der Verein war auf Gedeih und Verderb seinem Investor Hasan Ismaik ausgeliefert. Der Grundkonflikt war über die Zeit seines Investements hin immer derselbe. Er wollte die absolute Macht in Verein und Wirtschaftsunternehmen. Wahrscheinlich ist ihm zu Beginn seines Investements überhaupt nicht klar gewesen, dass in Deutschland gerade diese Machtübernahme durch die 50+1-Regelung wirklich verhindert werden soll. Anders kann man sich nicht erklären, wieviel Energie in anwaltliche Arbeit gegangen ist, um auf Entscheidungsprozesse in dem Verein und in der KGaA Einfluss zu nehmen. Vorstände sind zurück getreten, weil nur dieser Rücktritt das Überleben des Vereins ermöglichte. Denn immer ging es beim Geldfluss auch um die Frage, wie kann Ismaik oder seine Bevollmächtigten das operative Geschäft kontrollieren.

    In der Süddeutschen Zeitung ist heute zu lesen, wie Hasan Ismaik vor dem Relegationsspiel erneut die absolute Macht einforderte und nur dann bereit war, das für die Zweitligalizenz nötige Geld zu überweisen. Kurios wirkt das Ganze im ersten Moment auf mich, weil seit Jahren beim TSV 1860 München die leitenden Positionen der KGaA nur mit Hilfe und Einverständnis des Investors besetzt sind. Bei näherer Betrachtung ist das sehr interessant, weil diese Angestellten des Wirtschaftsunternehmens schließlich immer auch anderen Interessen als denen des Investores haben folgen müssen. Sie gerieten also in Konflikt mit dem Mann, dem sie ihre Anstellung verdankten. Zwangsläufig wendete sich Ismaik dann jeweils wieder von seinen „Männern“ ab. So kommt es mir jedenfalls vor.

    Im selben Artikel erfahre ich, der Verein muss bis Freitag 11 Millionen Euro vorweisen, um die Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. Ob Ismaik zahlt, steht in den Sternen. Wie aber soll in dieser kurzen Zeit anderweitig Geld aufgetrieben werden? Diese Frage habe ich sofort vor Augen und da ich diese Frage vor Augen habe, erinnere ich mich endgültig an den MSV im Sommer 2013. Das Geschehen beim TSV 1860 München verdeutlicht noch einmal, welch grandiose Leistung von allen beteiligten Menschen die Rettung des MSV Duisburg gewesen ist.

    Es verdeutlicht zum einen, wieviel Arbeit schon vor dem Lizenzentzug zur Verbesserung des Binnenklimas beim MSV Duisburg etwa ab 2012 hatte geschehen müssen. Davon bekam die Öffentlichkeit nichts mit. Nur weil es diese Vorarbeit gab, konnte diese aussichtslos scheinende Situation nach dem Lizenzentzug im Sommer 2013 bewältigt werden. Zum anderen lässt sich im Kontrast zum Geschehen beim TSV 1860 München noch einmal würdigen, welch Kraftakt es war, das benötigte Geld für die Drittligalizenz zusammen zu bekommen und dann in dieser 3. Liga zwei Jahre zu überleben, nur ein Jahr Atempause in Liga 2 zu nehmen und dann erneut mit den finanziellen Bedingungen in Liga 3 den Wiederaufstieg anzustreben. Was für ein Hochseilakt ist das gewesen. Das Gegenbild in München erinnert uns, es war und ist nicht selbstverständlich, dass der MSV Duisburg in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga spielt. Ich bin gerade wieder sehr dankbar für die Rettung des MSV im Sommer 2013 und für die Arbeit im Verein in den Jahren danach.

    Was mir nun die Gelegenheit bietet, noch einmal darauf hinzuweisen: Wer nachlesen will, wie diese Rettung geschehen ist und wie es zum Aufstieg zwei Jahre später kam, der findet in „Mehr als Fußball“ diese Geschichte über den MSV als Geschichte für Duisburg. Denn Duisburg braucht gute Geschichten über sich selbst, Geschichten zum weitererzählen.





    Einsortiert unter:Fußball im Buch, Saison 2016/2017 Tagged: Ismaik Hasan, Lizenzentzug, Mehr als Fußball, TSV 1860 München [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  32. Meine Wege in Köln führen mich immer wieder mal am Südstadion vorbei. Zu meiner Überraschung erinnert dort die Fortuna mit einem Plakat an den Tag des Aufstiegs vom MSV. Ich hielt sofort an, stieg vom Fahrrad ab und gedachte still an den für die Zukunft des MSV so bedeutenden Tag. Ein Foto habe ich dann auch noch gemacht.

    Das ist eine schöne Geste für jeden MSV-Fan, auch wenn Plakatpapier sehr witterungsanfällig ist. Vielleicht findet sich ja mit der Zeit ein Sponsor für eine Steintafel mit eingemeißeltem Text. Bronze- oder Kupfertafel gefielen mir persönlich weniger gut. Ihr könnt euch ja schon mal den geeigneten Text überlegen.

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    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, MSV Duisburg, Saison 2016/2017 Tagged: Aufstieg, Fortuna Köln [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  33. Nächste Woche Freitag gibt es für den von Zebraherde und Fanprojekt veranstalteten Andreas-Görkes-Cup ein Auftaktprogramm, mit dem an Michael Tönnies erinnert wird. In Ruhrort am Sportplatz des Ruhrorter Turnvereins liest Jan Monhaupt aus der von ihm geschriebenen Biografie. Michael Wildberg und der Koss im Jaratz werden mit auf der Bühne sein, damit Erinnerungen weiteres anekdotisches Futter bekommen.

    Samstag gibt es dann das Turnier der Fanclubs samt Einlagenspiel der Traditionsmannschaften. Unten habt ihr das Ganze nochmals als Ankündigungsplakat mit den entsprechenden Zeiten. Ich gehe dort übrigens nicht mit einem nur wenig verhüllenden weiteren Pseudonym vors Publikum – ein bei all der Vorbereitungsarbeit nachsehbares Versehen bei der Plakatproduktion.

    Bei dem Turnier sieht Ruhrort am Samstag zudem ein nicht mehr gedachtes Comeback. Nachdem Ralf Koss sich vom Fußball als Aktiver zurückgezogen hatte, spielte er nur noch Basketball und widmete sich dem Fußball aktiv unter einem Pseudonym ausschließlich mit Worten. Kaderengpässe beim FC Innenhafen machen nun eine Reaktivierung nötig. Wir werden sehen, ob ihm die Tore nicht viel zu groß vorkommen, um erfolgreich zu sein.



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    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien Tagged: Andreas-Görkes-Cup, Fanprojekt Duisburg, Michael Tönnies, Zebraherde [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  34. Am Samstag fand sich in der Süddeutschen Zeitung eine Stellenanzeige für Torhüter. Allerdigs ist sie in die Rubrik „Vermisches“ gerutscht. Deshalb weise ich hier noch einmal darauf hin. Zwar fischt der MSV bei der Kernkompetenz des Torhüters im selben Gewässer, allerdings brauchen wir die Münchner Vorstadt-Bezirksligakonkurrenz nicht zu fürchten, da Ivo Grlic einen deutlich jüngeren Torhüter als Buffon sucht. Eine Erinnerung an den August 2014 will ich zum Wochenbeginn ebenfalls nicht vergessen: Nürnberg im DFB-Pokal kann der MSV. Ein gutes Los.

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    Einsortiert unter:Fundstücke, Saison 2017/2018 Tagged: 1. FC Nürnberg, Bezirksliga, München, Süddeutsche Zeitung, Torwart [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  35. Schon lange warte ich auf die Gelegenheit mal einen schönen Satz des SZ-Journalisten Jens Bisky zu zitieren. Ich wollte diesen Satz nicht für eine Kleinigkeit vergeben. Die reflexhaften Stellungnahmen zur Fangewalt nach den Relegationsspielen sind keine Kleinigkeit. Heute kann ich diesen Satz endlich verwenden. „Keine Ahnung, aber viel Meinung, das ergibt Bescheidwissen.“ So ist es.

    Wussten doch viele Bescheid, wie man verhindern kann, dass Sitzplatzschalen auf das Spielfeld fliegen, wie in München bei der Niederlage von 1860 im Relegationsspiel gegen Regensburg geschehen. Der Vereinspräsident von Hannover 96 Martin Kind weiß das etwa ebenso wie Niedersachsens SPD-Innenminister Boris Pistorius, der sich schon mal warm-meint für den Bundestagswahlkampf. Wie verhindert man also, dass jemand seine Sitzplatzschale wirft? Das liegt bei Sitzplatzbesuchern ja auf der Hand. Als wirklich nur äußerste Maßnahme wären die Stehplätze eben abzuschaffen. Ich wiederhole das, damit wir alle das besser verstehen. Sitzplatzschale auf dem Feld: böse. Deshalb Stehen: böse. Und Sitzen? Tja… Denkt lange drüber nach. Man braucht einige Zeit für diese besondere Erkenntnis.

    Das Leben ist aber auch kompliziert, und die Empörung über Fangewalt groß. Da helfen zwischendurch immer mal wieder einfache Rezepte. Dann weiß die Welt, notfalls haben die Verantwortlichen alles im Griff. Anwenden will man es ja nicht, doch es bringt ein gutes Gefühl, wenn man weiß, wo das Böse des Lebens sich gerade aufhält. Schließlich wird sonst der Fußball kaputt gemacht. Von den Bösen eben. Da sind sich alle einig. Natürlich weiß das auch Peter Neururer, wie er zu allem eine Meinung hat. Ihm blieb es in einer Kolumne für BILD vorbehalten, keine Ahnung zu haben und einen Gewaltreaktions-Klassiker variierend hervorzukramen. Variierend deshalb, weil er alle gewaltbereiten Fans zunächst als Ultras ansprach und dann erst zur alten Leier anhob, diese Menschen nun seien keine Fans sondern Kriminelle.

    Er schreibt das leicht dahin, weil er sich nicht nur mit den Fußballverantwortlichen sondern auch mit vielen Besuchern eines Fußballspiels einig weiß. So eine Ausgrenzung erleichtert sehr. Was soll auch der Fußball selbst mit solchem Verhalten zu tun haben? Das aber ist die interessante Frage. Denn sogar wenn Menschen im Stadion kriminell werden, bleiben sie dennoch Fußballfans. Das will keiner im Fußball gerne wahrhaben. Ich übrigens auch nicht. Niemand sagt zu einem Autofahrer, der illegale Rennen fährt und Menschen gefährdet, er sei kein Autofahrer. Er ist aber ein Autofahrer, der sanktioniert wird. So einfach ist das.

    Da wir das nun geklärt haben, können wir uns der interessanten Frage zuwenden. Allerdings will ich hier nicht den Fußballnostalgiker geben, der den Kommerz beklagt und die Tradition gegen das Produkt der Unterhaltungsindustrie ausspielt. Das wäre etwas zu einfach. Ich will mich nicht über einen Fußball mokieren, der als Teil der Unterhaltungsindustrie zu Auswüchsen führt, die mich nicht mehr interessieren. Es sei denn mein eigener Verein gerät in die Nähe seiner Möglichkeiten. Schon stecke ich in all den Widersprüchen, die dieser Fußball der Gegenwart aufwirft. Das ist aber ein anderes Thema.

    Mir geht es um Gefühle und Bedeutung; Gefühle, die Vereine wecken wollen sind zugleich Gefühle, die von Fans als wesentlich für ihre Identität angesehen werden. Die Komplizenschaft von Unterhaltungsindustrie und Tradition sollte sofort einsichtig sein. Wo an der Oberfläche die Gegensätze zelebriert werden, halten sich die Beteiligten, ohne es sich zuzugestehen, unter dem Tisch an der Hand. Wovon sprechen noch mal all die Vereinsclaims in diesem Fußball der Gegenwart immer wieder? Da wird die Liebe beschworen, die Leidenschaft, die Treue und die Absolutheit des Allumfassenden, das der Verein sein soll. Diese Worte kommen nicht von ungefähr. Sie sind schon immer im Reden der Fans aufgetaucht. Fans wurden Reportagen gewidmet und die Sympathie für solche Haltung schwang immer mit. Erst der Fußball der Gegenwart erlaubt es aber nun den Fans, solche Selbstbeschreibung als sozialen Wert zu empfinden. Denn im Wechselspiel mit der Bedeutung, die der Fußball in dieser Gesellschaft erhalten hat, werden diese Gefühle mehr als eine persönliche Sache. Sie werden sinnhaft über den Sport hinaus. Aufmerksamkeit, Wirksamkeit sind hier die Stichworte, auf die ich noch zu sprechen komme.

    Wenn Vereine also die Fan-Bindung mit dem Bedeutungsspektrum der Liebe aufladen, darf sich niemand wundern, dass das gesamte mit der Liebe verbundene Handeln im Stadion wirklich werden kann. Wer von Liebe spricht, kann auch entäuscht werden. Auf enttäuschte Liebe reagieren Menschen sehr verschieden. Die Menschen lieben zudem nicht immer so selbstlos wie es idealerweise sein sollte. Es erstaunt mich doch sehr, wie ungläubig Vereinsverantwortliche angesichts der Gewalt beim Versagen ihrer Vereine oft wirken. Es ist doch nur Fußball, sagen sie und blenden völlig aus, dass sie für die Emotionalisierung des Geschäftsbetriebs Fußball ständig das komplette Gegenteil erzählen. Was für eine Heuchelei.

    Allerdings können sich Fans mit ihrem Blick auf das Geschehen nicht besser fühlen. Sie wissen nichts davon, dass der Bedeutungsgewinn des Fußballs in dieser Gesellschaft auch ihre Identität aufwertet. In unserer Gegenwart trägt Aufmerksamkeit zum Selbstwert bei. Diese Aufmerksamkeit erhalten junge Menschen in Fußballstadien auf eine Weise wie sie sonst in dieser Gesellschaft kaum so leicht zugänglich ist. In Fußballstadien erleben junge Menschen, dass ihr Handeln von Bedeutung ist. Dieser Bedeutungsgewinn geschah aber nur, weil der Fußball sich immer mehr als Produkt der Unterhaltungsindustrie positionierte.

    Wenn der Fußball dieser Gegenwart kaputt geht, dann geht er als System kaputt. In einem solchen System zeigen die Beteiligten dann mit den Fingern gegenseitig auf sich. Die Beteiligten am Rand des Systems gibt es auch, keine Frage. Doch wie gesagt, ich bin hier nicht als nostalgischer Kulturkritiker unterwegs. Ich wollte nur auf zwangsläufiges Verhalten hinweisen, mit dem umgegangen werden muss. Die Mittel dazu gibt es – von Sozial- und Jugendarbeit bis hin zur Strafverfolgung und, bitte schön, in Zukunft keine zur Schau gestellte Empörung mehr von Verantwortlichen des Fußballs oder Politikern.

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  36. Von Jugendzentrum Zitrone aus engagiere ich mich seit einigen Jahren für das literarische Schreiben von Kindern und Jugendlichen. Dort improvisiere ich dauerhaft eine Art Literaturbüro für den schreibenden Nachwuchs. Letzte Woche habe ich in Kooperation mit der Stadtbücherei Hamborn zum elften Mal die Offene Lesebühne durchgeführt. Auch in diesem Jahr wird die Lesebühne am ersten Septemberwochenende beim Platzhirsch-Festival am Dellplatz ein stadtweites Angebot sein.

    Dieses Festival der freien Kulturszene macht das Erleben von Musik, Literatur und Kunst zu einer gemeinsamen fröhlichen Feier in Duisburg. Es bereichert das städtische Leben, und ich freue mich sehr, dass der MSV wieder bei dieser Feier dabei ist. Denn für diese Lesebühne beim Platzhirsch-Festival wird eine Gruppe der Teilnehmer durch einen Schreibwettbewerb ausgesucht, den der MSV mit auslobt. MSV-Profi Thomas Blomeyer, der Kindertheatermacher Tom Teuer und Kollege Koss werden die besten Texte aussuchen.


    Erzählt von einem besonderen Stadionbesuch. Schreibt über den Fußball, den ihr spielt. Schreibt Siegeslieder oder Geschichten, wie ihr Niederlagen weggesteckt habt! Erzählt von besonderen Momenten mit eurem Team, ob als Fußballer oder als Zuschauer in der schauinsland-reisen-arena. Oder ihr lasst eure Fantasie spielen und erfindet die tollsten Geschichten rund um den Fußball.

    Ihr könnt Aufsätze schreiben und kurze Geschichten. Oder ihr verfasst einen Rap oder Gedichte. Ihr könnt die Texte mit dem Computer schreiben und per E-Mail einschicken. Ihr könnt aber gerne auch handgeschriebene Texte per Post einreichen.

    Einsendeschluss ist der 20. August 2017. Schickt eure Text bitte entweder per Post an MSV Duisburg, ZebraBande, Margaretenstraße 5 – 7, 47055 Duisburg oder per E-Mail an Riccarda.Schroeder-Lorenz@msv-duisburg.de.

    Den kompletten Ausschreibungstext findet ihr mit einem Klick – auf der Seite des MSV Duisburg.

    Unabhängig von dem Wettbewerb können sich aber auch Kinder und Jugendliche mit Texten anderer Inhalte für einen Auftritt bewerben. In dem Fall gilt ebenfalls, was gelesen wird, bestimmen die jungen Duisburger selbst. Das können sowohl Rap als auch Liedtexte sein oder Gedichte. Es kann eine Kurzgeschichte sein oder der Ausschnitt einer längeren Erzählung. Auch hier wählt eine Jury aus den Einsendungen aus. Ich werde die Veranstaltung moderieren und bei Lampenfieber zur Seite stehen. Bis zum 20. August sollten die Texte an ralf.koss[at]web.de geschickt sein, dann haben die jungen Autoren die Möglichkeit sie am ersten Septemberwochenende auf der Bühne zu präsentieren.

    Einsortiert unter:Duisburg, Fußball und Kultur, MSV Duisburg Tagged: Dellplatz, DU schreib(s)t, Jugendliche, Kinder, Literarisches Schreiben, Platzhirsch, Thomas Blomeyer, Tom Teuer [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  37. Neulich war ich im Dortmunder U und bin den Hinweisen auf eine mir unbekannte Bibliothek gefolgt. Schließlich stand ich in einem warm anmutendem Raum voller Bücher, mit einer Galerie, einem Schreibtisch für den Bibliothekar und einem fantastischen Ausblick. Die Bibliothek Weitwinkel umfasst laut eigenen Angaben „rund 20.000 Bücher und Kataloge aus allen Richtungen der modernen und zeitgenössischen Kunst. Er ist zum einen nach Monographien über Künstlerinnen und Künstler, zum anderen nach Orten und Museen geordnet, aufgestellt.“

    Der Bestand fußt auf dem Katalog-Archiv des Museums Ostwall, das durch den Katalogtausch zwischen den Kunstmuseen aufgebaut worden ist. Mit den Planungen für das Dortmunder U war beschlossen, dass dieses Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte. So gibt es im Ruhrstadt-Stadtteil Dortmun nun dieses Bibliotheken-Kleinod, das mit seiner besonderen Atmosphäre nicht nur Kunstinteressierte zum Arbeiten einlädt.



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    Kontakt

    Telefon: (0231) 502 96 47
    E-Mail: weitwinkel[at]stadtdo.de

    Öffnungszeiten
    Di + Mi: 13:00 — 17:00 Uhr
    Do: 13:00 — 18:00 Uhr
    Mo, Fr, Sa und So: geschlossen

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  38. Ein letztes Sommerpausenwochende liegt hinter uns. Das Sommerpausenende naht. Sommerpausenende. Das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Zwar stehen wir noch nicht vor dem ersten Saisonspiel aber vor dem Trainingsauftakt. Das muss an diesem Internet und diesem digitalem Gedöns liegen, dass alles so schnell geht. Dass das aber nicht nur im Berufsleben sondern auch im analogen Fußball so ist. Wer hätte das gedacht? Der Aufstieg war doch gerade mal vorgestern. Vielleicht ist es aber auch einfach nur Entzug. Ich brauche meine Wochendosis Kurve.

    [​IMG]So ein Andreas-Görkes-Cup am Wochenende ist deshalb leider nicht mal etwas wie ein Methadonprogramm. So schön es auch Freitag und Samstag auf dem Sportplatz des Ruhrorter Turnvereins war. In diesem Jahr stand der Andreas-Görkes-Cup im Zeichen von Michael Tönnies. Zum Auftakt am Freitagabend durften Jan Mohnhaupt und ich versuchen, den im Januar Verstorbenen zu würdigen. Wir unterhielten uns über ihn, und Jan Mohnhaupt las Passagen aus seinem Buch. Zudem hatte er ein Videoclips mitgebracht. Fast fünf Monate sind seit dem Tod von Michael Tönnies vergangen. Leise Melancholie hing in der Luft, die dem Lachen wich, als Jan Mohnhaupt eine der für den heutigen Fußball unvorstellbaren Anekdoten aus dem Leben von Michael Tönnies erzählte.

    [​IMG]Am Samstag fand das Fan-Turnier statt samt Einlagenspiel zwischen dem Team Tönnies und der Traditionsmannschaft vom MSV. Pino Steiningen und Andreas Voss waren gekommen. Peter Közle war da, Michael Struckmann und noch einige andere mehr. Bei Facebook finden sich Fotostrecken von dem Tag.

    Als ich spät nach Hause fuhr, fragte ich mich die ganze Zeit, gegen wen wir gleich nochmal zum Saisonauftakt spielten. Am Bahnhof stellte ich mich erstmal an die Haltestelle am Ostausgang und wartete auf den Stadionbus. Ich wusste natürlich, wenn der Kurvendealer nichts im Angebot hat, bleibt auch das Dienstleistungsangebot drumherum spärlich. Ich konnte aber nicht anders. Sommerpausenende, welch schönes Wort.

    Einsortiert unter:Fußball im Buch, Historie, MSV Duisburg, Spieler damals und heute Tagged: Andreas Voss, Andreas-Görkes-Cup, Franz-Josef Steininger, Jan Mohnhaupt, Michael Struckmann, Peter Közle [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  39. Die Saisonvorbereitung für den Klassenerhalt hat letzten Donnerstag begonnen, und eines ist jetzt schon deutlich erkennbar. Die Zweite Liga sieht in dieser Saison einen MSV Duisburg, der mit einem anderen Selbstverständnis in die Saison startet als vor zwei Jahren. Das ist ein guter Grund, um dieser Saison mit Zuversicht entgegen zu sehen. Der Kopf ist tatsächlich hochgereckt und die Brust rausgestreckt. Den Bauch müssen allenfalls wir auf den Rängen dabei einziehen, um eine gute Figur zu machen.

    Vor zwei Jahren war das anders. Den Aufstieg des MSV Duisburg bestimmten 2015 noch immer die Nachwirkungen des Zwangsabstiegs. Ich spreche von atmosphärischen Auswirkungen. Der Verein, wir und die Mannschaft waren sich ihrer selbst nie ganz sicher. Der Aufstieg gelang durch eine immer mächtiger werdende, sich selbst nährende Erfolgsserie. Der Aufstieg war nicht das Ergebnis eines im Detail umgesetzen Plans.

    Ungeachtet dessen fühlte sich die Zweite Liga nach der Klasse an, der der MSV mindestens angehören sollte. Gleichzeitig lagen zwei Jahre hinter uns, in denen die Verantwortlichen im Verein immer wieder von den Schwierigkeiten der Gegenwart, ob finanziell oder sportlich in Anspruch genommen waren. Die täglichen Anforderungen in der Dritten Liga hatten viel Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, Aufmerksamkeit, die dem Blick auf die Zukunft verloren ging. Die Zweite Liga schien auf gewisse Weise trotz nur kurzer Abwesenheit Neuland gewesen zu sein. Vor dem Aufstieg in diesem Jahr hatte es mehr Ruhe gegeben, auch wenn die spielerische Leistung der Mannschaft vielen, mich eingeschlossen, nicht immer gefiel. Dennoch war die Zweite Liga die ganze Saison über stets als Bild der Zukunft vorhanden. Der MSV Duisburg kehrt in die Zweite Liga mit größerer Selbstverständlichkeit zurück als vor zwei Jahren.

    Wenn Ilia Gruev sagt, wir müssten die Euphorie des Aufstiegs mitnehmen in die neue Saison, klingt das für mich nicht nach unbedingt notwendigem Hilfsmittel, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das klingt nicht nach beliebiger Fußball-Floskel, sondern nach realistischem Bezug zur Gegenwart des MSV. Für mich zeigt sich in seinen Worten, dass der MSV gerade sehr mit sich selbst im Einklang ist und wir darauf vertrauen können, dass Verantwortliche und Mannschaft sich wie in der letzten Saison ihrer selbst und ihrer Fähigkeiten sicher sind.

    Das ist der Unterschied zum Aufstieg von vor zwei Jahren. Damals wussten die Menschen im Verein und wir drumherum nicht so recht, wer der MSV in dieser Zweiten Liga nun war. Das wussten wir alle nicht, obwohl uns allen klar war, dass die Mannschaft gegen den Abstieg spielen würde. Dieses Nicht-Wissen erschwerte die Konzentration auf die eigentliche Aufgabe, den Sport. Heute wissen die Verantwortlichen im Verein und wir besser, wo der MSV Duisburg im Moment steht. Und deshalb wird es hoffentlich etwas leichter, sich auf den Sport zu konzentrieren. Die Ausgangslage sieht auf den ersten Blick genauso aus wie vor zwei Jahren. Doch die Rahmenbedingungen sind besser. Über die fußballerischen Möglichkeiten der Mannschaft wird dann auch noch zu sprechen sein.

    Und noch eins, ihr könnt es ruhig zugeben. Sagt mir nicht, dass ihr nicht auch schon einmal dran gedacht habt nach der Pokalauslosung. Ein Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu Beginn der Saison. Da gab es doch am Ende der Saison dann etwas, was uns sehr gefiel. Es muss ja nicht gleich noch einmal ein Aufstieg sein.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: Ilia Gruev, Saisonvorbereitung [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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