Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

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  1. Wenn ich auf den Verlauf der Saison für den 1. FC Köln sehe, finde ich es interessant, in welch verdrehter Weise, die übliche Frage nach der Entlassung des Trainers aufgeworfen wird. Denn die Trainerdebatte findet rund um den FC bislang nicht statt. Also muss eine Meta-Trainerdebatte her. Nicht der Trainer selbst wird in Frage gestellt sondern die vermeintliche Handlungsbeschränkung des 1. FC Köln in Sachen Trainerfrage. Peter Stöger sei zu beliebt bei den Verantwortlichen selbst und bei den Zuschauern. Er passe einfach gut nach Köln. Zumindest war das gestern (?) so ähnlich in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Daran fällt auf, wie beschränkt das öffentliche Bild vom 1. FC Köln ist. Anscheinend ist es nur schwer vorstellbar, dass der Verein mit einem Trainer aufsteigt, die Klasse hält und dann wieder absteigt. Wer nicht handelt, hat keine strategische Absicht, sondern ist womöglich gehemmt.

    Es wird ja nicht darüber gesprochen, welche anderen taktischen Ideen zu der vorhandenen Qualität des Kaders das Spiel des FC verbessern könnten. Zwar werden all die Bedingungen für den Misserfolg des Vereins gewürdigt, die unzähligen Verletzten werden genannt, ebenso wie die minimalen Momente von Pech und Schiedsrichterentscheidung, die ein Spiel kippen lassen, doch das hat keinen Einfluss auf die Kultur der Entlassung samt den unausgesprochen Gesetzen, die anscheinend beim FC erwartet wird. Es ist offenbar nur schwer vorstellbar, dass kontinuierliche Arbeit auch Arbeit unter widrigen Bedingungen bedeutet. Wenn es konkrete Kritik an Peter Stögers gäbe, könnten über einen Wechsel des Trainers geredet werden. Aber auf diese Weise eine Meta-Debatte über die Unmöglichkeit einer Debatte führen, wie kurios.

    Ist Freiburg der einzige Verein, der es geschafft hat, eine andere Kultur bei der Bewertung von Trainerarbeit zu entwickeln? Ich habe das nicht so im Blick. Ihr könnt euch aber vorstellen, welche Kultur ich mir in Duisburg wünsche. Ilia Gruev macht seine Arbeit ziemlich gut, und die wird nicht schlechter, wenn der Verein in Abstiegsnot gerät. Und ich denke jetzt nicht an Zweitligaabstiege. Da bin ich ganz entspannt. Ich denke an die Zukunft und an noch bessere Konkurrenz, gegen die der MSV die Klasse halten muss. Muss ich eigentlich auch von Visionen sprechen, wenn ich mir schöne Vorstellungen von einem MSV in den kommenden Jahre mache? Oder heißt es unter Anhängern Träumereien?

    Einsortiert unter:MSV Duisburg Tagged: 1. FC Köln, Ilia Gruev, Peter Stöger [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  2. Morgen spielt der MSV gegen die SpVgg Greuther Fürth. An diesem Verein habe ich dann mal wieder gemerkt, wie wenig mich der Fußball in der Bundesliga und drüber inzwischen überhaupt noch interessiert. Ohne den MSV hat das ganze Geschehen dort für mich so eine Art Bunte-Seiten-Nachrichtenwert bekommen. Kuriositäten und Sensationen als kurze Meldung nehme ich dann wahr. Mehr nicht. Dunkel erinnerte ich mich nämlich an eine Bundesligasaison der Fürther. Wenn mir einer mit Nachdruck gesagt hätte, das war noch letztes Jahr, ich hätte das geglaubt. Nun verrate ich euch nicht, wann die Fürther tatsächlich in der Bundesliga gespielt haben. Das könnt ihr MSV-Monokultur-Spezialisten schön mal selbst rauskriegen.

    Die Vorberichte zum Spiel morgen konzentrieren sich in Duisburg auf Mark Flekken, der zu Beginn der Saison vom Gegner zum MSV wechselte. Von Mark Flekken und Ilia Gruev ist zu hören, die Niederlage gegen Regensburg sei abgehakt. Fürth sei besser, als es der Tabellenplatz vermuten ließ. Das ist ein Standardsatz aus dem Trainerhandbuch für Pressekonferenzen vor einem Spiel. Allerdings passt dieser Satz nicht richtig. In dieser Liga ist jeder Verein ab Platz 7, besser als es der Tabellenplatz vermuten lässt, manchmal aber auch sehr viel schlechter. Insofern steht der passende Satz auf einer anderen Seite des Trainerhandbuchs, verschlagwortet unter Liga, enge und Schlagen können, jeder. In Fürth weiß der Trainer Damir Buric nach dem 4:0 Sieg gegen St. Pauli, die Mannschaft könne selbstbewusster auftreten, aber der Gegner werde noch konzentrierter zu Werke gehen. Ich sehe Ilia Gruev dazu nicken und hoffe auf den Ertrag der Konzentrationsmaximierung.

    Mit dem heutigen 1. Dezember werden überall in Deutschland Türen von Adventskalendern geöffnet. Es gibt sie an der Wand hängend, als Lebendige Adventskalender in Ruhrort etwa oder in Neumühl, und es gibt sie als Fußball-Weihnachtskalender von 120 Minuten, an dem ich mich beteilige. Dort, wo es ohnehin auch das Jahr über längere Erzählstücke zu lesen gibt, wird mit dem Fußball-Adventskalender von besonderen Begebenheiten rund um den Fußball zu lesen sein. Veröffentlicht werden die Texte auf den Seiten der Teilnehmer des Kalenders. In meinen Räumen hier werden vom 5. bis 8. die Kalendertüren geöffnet.

    Das erste Türchen öffnet sich heute bei 120 Minuten.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: 120 Minuten, Adventskalender, Damir Buric, Ilia Gruev, Mark Flekken, SpVgg Greuther Fürth [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  3. Der Tag des lang gestreckten Beins

    Ein freier Schuss,
    gezirkelt von der Strafraumgrenze.
    knapp an der Torwarthand vorbei.
    Der Ball fliegt mit Effet,
    der Weg ins Tor ist offen,
    und aus dem Rückraum springt ein Stürmer
    sehr stürmerhaft herbei.
    Zur rechten Zeit am rechten Ort,
    das macht den guten Stürmer aus.
    Und sei der Ort die Defensive.
    Das Stürmerbein so lang gestreckt, wie es nur geht.
    So kann er Tore vorn erzielen
    und hinten seine Mannschaft vor dem Rückstand retten.

    So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
    dem Stani, Iljutcenko,
    so lang gestreckt, wie es nur geht.

    Als Stani um den freien Ball kämpft,
    knapp neben dem Fünfmeterraum,
    bedrängt vom gegnerischen Torwart,
    der diesen Ball mit einem Sprung erreichen will,
    streckt er sein Bein schon wieder lang und noch viel länger,
    Der Torwart greift ins Leere,
    und Stani kann den Ball fein spitzeln
    zu Moritz Stoppelkamp,
    der frei steht und so sicher flankt,
    präzise auf den Kopf von Cauly Souza.
    Das Führungstor dank Stanis lang gestrecktem Bein.

    So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
    dem Stani, Iljutcenko,
    so lang gestreckt, wie es nur geht.

    Nur wenig später schneller Antritt
    von Stanislav – dem Stani – Ijutcenko.
    Er zieht am rechten Strafraumrand zum Toraus,
    und sprintet Meter gegen seinen Gegenspieler,
    der grätschend jetzt zur Ecke klären will.
    Doch Stani hat etwas dagegen.
    Er weiß, er kann sein Bein an diesem Tag lang strecken,
    so lang und noch ein wenig länger.
    So hebt er gegen Grätsche rutschend
    den Ball zur Strafraummitte weiter.
    In diesen Pass läuft Boris Tashchy,
    das zweite Tor macht er
    mit technisch anspruchsvollen Schuss.
    Kein lang gestrecktes Bein ist noch mehr nötig.
    Das 2:0 reicht bis zum Schluss.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: Boris Tashchy, Cauly Souza, Moritz Stoppelkamp, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  4. Noch ist der Fußball ein junger Sport in Deutschland. Doch 1905 zeigt der Duisburger SV als einer der ersten Vereine im Kaiserreich mit einem Zaun um die eigene Sportanlage, hier entsteht etwas Dauerhaftes, und das soll geschützt werden. Keine Leichenzüge zum nahe liegenden Friedhof unterbrechen nunmehr Spiele, und nicht zuletzt kann so von Zuschauern auf einfachere Weise als zuvor Eintrittsgeld genommen werden.

    Manche Spieler des Duisburger SV kennen sich noch aus der Zeit, als sie Anfang der 1890er Jahre im Duisburger Turnverein von 1848 zum ersten Mal den Ball auf ein Tor geschossen haben. Auch im Ruhrgebiet sind es die jungen Söhne des Bürgertums, die sich mit dem neuen Sport Fußball gegen den Sport der Väter, das Turnen, wenden. Arbeiter haben im deutschen Kaiserreich keine Zeit, um Fußball zu spielen. Je intensiver die jungen Männer Fußball spielen, desto deutlicher wird eine Art Sportkulturkonflikt in den Turnvereinen. Dort gibt es das weiter gelebte Ideal der ganzheitlichen körperlichen „Ertüchtigung“. Sie ist eng verbunden mit dem Nutzen für das Militär. Im Fußball rückt der Wettkampfgedanke in den Vordergrund. Fußballer suchen Spannung und die besondere Leistung in Konkurrenz. Die Lösung des Konflikts ist die Trennung. Eigene Fußballvereine entstehen wie 1900 der Duisburger SV.

    Die „Rotblusen“, so wird die Mannschaft ab der Saison 19095/1906 genannt, verlieren nur selten ihre Spiele. Als erster Verein der Region engagiert der DSV 1910 einen Trainer. Er kommt aus England, wo der Fußball schon professionell gespielt und entwickelt wird. Dagegen ist in Deutschland mannschaftliches Training statt individueller Körperertüchtigung kaum bekannt. Sein exklusives Wissen wird ihm mit dem damals sehr hohen Jahresgehalt von 2000 Mark entlohnt, das zur Hälfte mit den „Zaunkasse“ genannten Eintrittsgeldern gezahlt wird.

    Bis 1927 gewinnt der Verein zehnmal die Westdeutsche Meisterschaft und erreicht 1913 als erste Mannschaft aus dem Westen sogar das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Leipzig, das allerdings 1:3 verloren geht. Alleine der Duisburger SC Preußen ist zeitweilig ebenso spielstark. Beide Vereine machen Duisburg vor dem 1. Weltkrieg zur frühen Fußballhochburg des Ruhrgebiets, in der Grundlagen des zukünftigen Massensports mitentwickelt werden.

    Denn bis 1908 ist mit Gottfried Hinze ein Mann Torwart der Mannschaft, der zugleich als Schiedsrichter aktiv ist und im Rheinisch-Westfälischen Spielverband als Funktionär im Jahr 1902 entscheidend mitwirkt, einen regelmäßigen Meisterschaftspielbetrieb zu organisieren. 40 Vereine mit etwa 1000 Mitgliedern gibt es zu dieser Zeit in dem Verband, 23 Vereine nehmen am ersten Meisterschaftswettbewerb teil. Wenig später wird Gottfried Hinze den Zusammenschluss des Westfälischen Spielverbandes mit dem Deutschen Fußballverband voran treiben. Für all diese fußballerischen Aktivitäten bleibt dem 1873 in Aachen geborenen Gottfried Hinze die Zeit, weil er ein Geschäft für „Bergwerks- und Hüttenartikel“ führt. Zum Vorsitzenden des DFB wird er 1905 gewählt. Er bleibt es bis 1925 und wird danach zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als Gottfried Hinze 1953 stirbt, trauert Deutschlands Sportwelt, und deren bedeutendste Funktionäre sowie unzählige Fußballer von Nationalspielern bis hin zu Jugendspielern des DSV erweisen dem Fußballpionier bei seiner Beerdigung die letzte Ehre.



    Tür 6 öffnet sich morgen in diesen Räumen wieder.

    Der Fußball-Weihnachtskalender ist ein gemeinsames Projekt von @berlinscochise, Zebrastreifenblog, Cavanis Friseur, turus.net, Nachspielzeiten und 120minuten.

    Informationen zur Fußballblog-Weihnachtskalender-Idee und eine Liste mit allen bisherigen Türchen, die natürlich fortlaufend aktualisiert wird, findet Ihr hier.





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  5. Im Dezember 1977 trat am ersten Samstag des Monats der MSV Duisburg beim FC :kacke: 04 an. Es war das letzte Spiel der Hinrunde, und viel erhoffte ich mir nach den Ergebnissen der davor liegenden Jahre nicht. Bei den drei Niederlagen in den Spielzeiten zuvor war der MSV zweimal mit fünf Gegentoren nach Hause gefahren. Andererseits lag eines der beeindruckendsten Spiele der MSV-Geschichte gerade knapp einen Monat zurück. Das war jener legendäre MSV-Heimsieg gegen den FC Bayern München, bei dem Bernard Dietz den MSV nach zweimaligen Rückstand in der 78. Minute mit 4:3 in Führung brachte und als einziger und damit viermaliger Torschütze des MSV bis dahin für die Führung sorgte. Fünf Minuten später brachte ein Tor von „Ronnie“ Worm die endgültige Entscheidung. Das 6:3 von Norbert Stolzenburg war dann noch das Sahnehäubchen in diesem Spiel.

    Bis zu diesem kalten Dezembersamstag hatte ich also eine der besseren Spielzeiten vom MSV gesehen, der in meinem jugendlichen Empfinden schon seit Ewigkeiten mein Verein war. Als mein Stiefvater mir anbot, nach Gelsenkirchen zu fahren, war das eine Überraschung. Seine Heimat war Oberhausen, sein Sport war früher der Feldhandball und am MSV-Geschehen nahm er erst Anteil durch mich. Da vor den Heimspielen Schalkes auf der A 42 schnell ein Stau vor der Stadionabfahrt entstand, wollte er früh in Meiderich aufbrechen. Viel zu früh. Problemlos erreichten wir den Parkplatz, der noch so gut wie leer war. Nur vereinzelt schlenderten Zuschauer zusammen mit uns zum Stadion. Die Stadiontore waren noch geschlossen, und die Ordner verteilten sich gerade auf die Eingänge. In den Kartenhäuschen wurde alles getan, nur keine Eintrittskarten verkauft.

    In der blau-weißen Schalker Umgebung fiel mein etwa zwei Meter langer MSV-Schal in denselben Farben nicht weiter auf. Ganz im Gegenteil, wie sich herausstellte. Als ich zu einem Kassenhaus laufen wollte, sprach mich ein Mann an. Ob ich mir ein paar Mark verdienen wollte?, fragte er. Eintritt für das Spiel müsste ich auch nicht zahlen, fügte er hinzu und mein Platz befände sich sogar auf der Sitzplatztribüne. Ich müsste nur vor dem Spiel am Eingang die Eintrittskarten der Zuschauer abreißen. Er würde auch dafür sorgen, dass ich auf jeden Fall so früh gehen könne, dass ich zum Anpfiff an meinem Platz sei.

    Ich zögerte. Doch aufmunternde Worte von meinem Stiefvater zusammen mit der Aussicht, das erste Mal einen Sitzplatz einzunehmen, gaben den Ausschlag. So stand ich kurz danach an einem Eingangstor. Die Schalker Zuschauer freuten sich am vermeintlichen Blau-Weiß des Schals um den Hals des ungewohnt jungen Kartenabreißers. Für mich sahen die Ordner alle nach Rentnern aus. Aber wahrscheinlich war es damals nicht anders als heute, und auch Männer im mittleren Alter rissen die Karten ab. Nur Sicherheitsunternehmen gab es eben nicht als Sub-Unternehmer, und Fan-Utensilien waren fast immer eine Angelegenheit von Jugendlichen. Deshalb fiel der Schal am Stadioneingang besonders auf. Denn erwachsen waren damals nahezu alle Zuschauer ab Mitte zwanzig.

    Besonders wohl fühlte ich mich nicht. Keineswegs wagte ich all den Männern zu widersprechen, die mir väterlich und erwartungsfroh den :kacke:-Sieg verkündeten. Dafür hielt sich der Ansturm in Grenzen. Das Entwerten der Eintrittskarten war kein Problem. Kurz vor dem Spiel durfte ich dann mit einer ersten Gruppe von Ordnern zu meinem Tribünenplatz gehen. Er befand sich nahe an einer Kurve, auf dem Oberrang der Tribüne, etwas abseits von den anderen Zuschauern. Unter all den älteren Männern, die sich schon seit Jahren zu kennen schienen, fühlte ich mich einsam. Dieses Fußballspiel des MSV wurde anders als das Gemeinschaftserlebnis Stadion, das ich bislang kannte.

    An die erste Halbzeit des Spiels habe ich nur verschwommene Erinnerungen. Ich meine, das Spiel war ausgeglichen, und der MSV gestaltete das Spiel offen. Das Halbzeitergebnis von 0:0 könnte meine Erinnerung bestätigen. In der Pause wurde das Geld ausgezahlt. Ich weiß nicht mal mehr, wie groß die Summe gewesen ist. Zwanzig Mark? Fünfzehn? Als die zweite Halbzeit begann wusste ich allmählich nicht mehr, ob ich vor dem Spiel richtig entschieden hatte. Auf dem Stehplatz hätte es mir mehr Spaß gemacht, das Spiel zu sehen. Andererseits wusste ich, am Montag konnte ich in der Schule eine gute Geschichte erzählen. Und diese Geschichte wurde noch besser.

    Das Spiel blieb zwar zäh, aber dann erhielt Kurt Jara etwa Mitte der zweiten Halbzeit in zentraler Position an der Mittellinie den Ball und begann in die gegnerische Hälfte zu dribbeln. Kurt Jara war 1975 vom FC Valencia zum MSV gekommen. Zusammen mit dem Niederländer Kees Bregmann hatte er die Spielkultur des MSV verwandelt. Größere technische Fertigkeiten waren auf dem Rasen ab Mitte der 1970er Jahre zu sehen. An jenem Tag in Gelsenkirchen hielt sich das allerdings in Grenzen. Dafür lief Kurt Jara ungehindert Richtung Schalker Tor und setzte zum Schuss an. Solche Weitschüsse begleitete er mit einer sehr typischen, weit ausholende Armbewegung. In meiner Erinnerung taucht diese Armbewegung immer wieder auf. Dabei weiß ich nicht mal genau, ob ich sie für das :kacke:-Spiel nicht aus einem Heimspiel oder aus einem Sportfoto in meine Erinnerung hineinkopiert habe.

    Mit Sicherheit weiß ich, Volkmar Groß im Tor der Schalker war bei dem Schuss chancenlos. Dieses 1:0 durch Kurt Jara in der 72. Minute war zugleich der Endstand des Spiels. Unter all den älteren Schalker Herren wagte ich nicht, mich laut zu freuen. So erhielt ich an diesem Nachmittag in Gelsenkirchen neben freiem Eintritt und dem zusätzlichem Taschengeld noch eine überraschende Übung in Selbstbeherrschung. Erst bei der Rückfahrt konnte ich den von mir nicht erwarteteten Auswärtssieg genießen. Und ich begann mich zu freuen über die erste und einzige Siegprämie, die ich als Zuschauer erhalten habe. Eine Siegprämie vom Verlierer, vom FC :kacke: 04.

    Tür 7 öffnet sich morgen an dieser Stelle.

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  6. In meiner Jugend gehörte das Electric Light Orchestra nicht gerade zu meinen bevorzugten Bands, auch wenn man schon Anfang der 1970er Jahre als Hörer der Diskothek im WDR mit Mal Sondock wegen ihres Chuck-Berry-Covers Roll over Beethoven nicht an ihnen vorbeikam. Dazu muss man wissen, damals gab es noch eine für alle Pop- und Rockmusikstücke wirksame Vergänglichkeit. Jeder Hit, der ein Jahr zuvor herausgekommen war, begann in eine namenlose Übergangszeit von unbestimmter Dauer einzutreten, um schließlich in der Sphäre der „Oldies“ anzukommen. Dort war das Alte, hier war das immer Neue. Deshalb konnte in einer wöchentlichen Rubrik der Diskothek im WDR an das Alte erinnert werden. In einer Endlosschleife wurden die Künstler alphabetisch abgearbeitet und die Oldies der Woche gewählt.

    Kam der Buchsstabe „B“ an die Reihe, war unweigerlich Chuck Berrys Roll over Beethoven zu hören, und der Verweis auf die Aufnahme des Electric Light Orchestra blieb nicht aus. Nach dem ersten Hit mit dem Chuck-Berry-Cover entwickelte sich die Musik des Electric Light Orchestera in eine andere Richtung. Die Rockeinflüsse und Experimentelles gingen zurück, die Melodien wurden eingängiger und populärer. Meinen Geschmack trafen sie immer noch nicht. Ein Song aber sprang mir dennoch irgendwann in die Ohren: The diary of Horace Wimp.

    Weder wusste ich damals, dass Fußball den Text dieses Songs bestimmt, noch machte ich mir Gedanken über den Grund für meine besondere Aufmerksamkeit. Heute erfahre ich, der musikalische Laie, es gab gute Gründe, warum ich den Song mochte. ELO-Kopf Jeff Lynne variierte mit diesem Song den Beatles-Klassiker A Day in the life hier bei youtube – und präsentierte mir damit eines meiner Lieblingsstücke der Beatles in neuem Gewand.

    Und nun zum Fußball, der im Song abwesend ist und doch das Leben von Horace Wimp bestimmt. Jeff Lynne nimmt den Verlauf einer Woche, um zu erzählen, wie aus einem einsamen Menschen, der noch nie eine Freundin hatte, ein glücklicher Bräutigam wird. An jedem Wochentag geschieht etwas neues, mit dem wir Horaces Wimps Leben etwas näher kennnenlernen. Nur was er samstags macht, erfahren wir nicht. Als der Song 1979 erschien, wurde kein TV-Programm täglich mit der Unterhaltungsware Fußball bestückt. Es gab einen einzigen Spieltag, und das war der Samstag. Jeder Fan eines Fußballvereins weiß, dass wenigstens so ein Fußball-Samstag die Tristesse des Alltags erträglich macht. Horace Wimp ist samstags im Stadion. Dieses Stadion ist der einzige Ort, wo Horace Wimp seinem Leben bis dahin hat entfliehen können.

    Deshalb schreibt der Fan von Birmingham City Jeff Lynne nichts darüber, was Horace Wimp am Samstag erlebt. Das liegt auf der Hand. Darüber brauchen wir Ende der 1970er Jahre nicht zu reden. Ein Mensch wie Horace Wimp sieht samstags ein Fußballspiel. Dass das auch noch so bleibt, nachdem er sonntags geheiratet hat, kommt mir sehr wahrscheinlich vor. Hoffen wir, dass seine große Liebe für diesen Stadionbesuch auch heute noch Verständnis hat. Und lassen wir es offen, ob Jeff Lynne beim Schreiben schon im Kopf gehabt hat, wieso der Samstag im Liedtext fehlt. Seine Erklärung Jahre später ist jedenfalls eine schöne Geschichte.


    Ein großer Hit wurde The diary of Horace Wimp für ELO nicht. Richtig erfolgreich wurde erst die Variation der Variation: Mister Blue Sky.

    Tür 8 öffnet sich morgen an dieser Stelle.

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  7. In Lisle-sur-Seine, einer fiktiven französischen Kleinstadt, werden eine junge Frau und ein Polizist der Drogenfahndung von einem Motorrad aus mit einem Maschinengewehr erschossen. Commissaire Daquin und seine Kollegen können sich diesen Anschlag nicht erklären. Der Drogenfahnder scheint mit der Frau verabredet gewesen zu sein, ohne sie gekannt zu haben. Die Ermittlungsmaschinerie läuft an und führt schnell zum lokalen Fußballverein, der aus der vierten Liga kommend in schneller Zeit zum ernsthaften Anwärter auf die französische Meisterschaft geworden ist. Groß wurde der Verein dank seines Vorsitzenden Monsieur Reynaud, einem Bauunternehmer und zugleich Bürgermeister der Kleinstadt.

    Bereits 1998 ist „Abpfiff“ von Dominique Manotti in Frankreich erschienen. Nicht die Machenschaften im Fußball als zentrales Thema des Romans begründen für mich dessen Qualität. Der Fußball dient als Karriereinstrument außerhalb des Sports, es geht um Doping und Bestechung. Die Grundentwicklung des Plots ist bei all seinen Wendungen vorhersehbar für die meisten Fußballinteressierten und Krimikenner. So viele Möglichkeiten mit dem Fußball Krimininalität zu erzählen gibt es nun mal nicht. Das aber verweist zugleich auf die besondere literarische Qualität des Romans. Dieser Roman lebt von der Sprache der Autorin, die mit kargen, pointierten Sätzen ihre Wirklichkeit umfassend aufscheinen lassen kann. Manchmal reichen einzelne Worte für Gefühlslagen und Entwicklung, ganze Absätze wirken wie Szenenbeschreibungen von Drehbüchern. Dominique Manotti hat die Kunst des Weglassens perfektioniert. Das verhilft ihren Romanen zum eindrucksvollen Tempo, bei dem es ihr dennoch gelingt, die Figuren lebendig und facettenreich werden zu lassen. Dominique Manotti schreibt Sprachkunstwerke, die zugleich sehr unterhaltsam sind. Beeindruckend.

    Kurios mutet mich manche Deutung dieses Romans bei seinem Erscheinen in Deutschland an. Dominique Manottis Geschichte wurde als Beleg für den korrupten Fußball der Gegenwart genommen. Auf die FIFA mit ihren Skandalen wurde reflexhaft verwiesen. Die „dunklen Seiten“ des heutigen Fußballs soll sie sichtbar machen. Wer aus Romaninhalten solche Schlagwörter macht, beglückt den Verlag werbewirksam und könnte auch erzählen, dass das Romanportrait eines Pass- und Geldfälschers uns einen Einblick in die kriminelle Welt des Datenbetrugs im Internet gibt.

    Der Roman erschien in Frankreich 1998 und bezieht sich dementsprechend auf einen Fußball der Vergangenheit und dabei nur auf den der Vereinsebene. Handlungszeit ist sogar 1990. Entsprechend ist die Kriminalität auch eine der Vergangenheit. Wenn sich Dominique Manotti von einem realen Geschehen inspirieren ließ, dann offensichtlich unter anderem von dem Bestechungsskandal bei Olympique Marseille aus dem Jahr 1993, in dem Bernard Tapie als Vereinspräsident Hauptakteur war.

    Die Geschichte mit dem „Einblick in den Fußball der Gegenwart“ müsste auf Vereinsebene von Konzernstrukturen erzählen, von Abhängigkeiten zwischen Medien- und Fußballakteuren, von dem wirtschaftlichen Risiko auf Seiten der Medienkonzerne und der Sponsoren, wenn es um den Ruf des Fußballs geht. Dominique Manottis fiktiver Kleinstadt verein hat aber eine Organisationsstruktur des Fußballs zum Vorbild, wie sie im Spitzenfußball kaum mehr vorkommt. Ein Unternehmer, in dem Fall eben ein Bauunternehmer, pusht als Präsident den lokalen Fußballverein zum Erfolg und nutzt sein Engagement im Fußball zugleich, um persönliche Karriereziele zu verfolgen. Dieses erzählerische Motiv dürfte in den unterern Ligen noch für Wiedererkunng sorgen. Angesichts von Konzernstrukturen der Vereine in den europäischen Spitzenligen, ist so eine lokale Unternehmergröße zur Randfigur geworden, geschweige denn, dass diese Geschichte irgendetwas mit den FIFA-Skandalen zu tun hat, außer dass der Fußball eben Raum auf vielen Ebenen für Kriminalität bietet. All das berührt die literarische Qualität des Romans von Dominique Manotti nicht. Die bleibt unbenommen.

    Dominique Manotti: Abpfiff. Deutsch von Andrea Stephani, Ariadne Kriminalroman.

    Tür 9 öffnet sich morgen bei Cavanis Friseur.

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  8. Als der FC St. Pauli letzte Woche ein zweites Mal so hoch verlor, überlegten wir im Stadion kurz, welche Folgen diese hohen Niederlagen für den MSV beim Auswärtsspiel morgen haben könnten. Zum einen gab es bei uns die optimistische Fraktion mit dem Credo, der Gegner sei noch mehr verunsichert, die andere Fraktion dachte, jetzt hat es der MSV schwerer, weil sich St. Pauli nach zwei solchen Niederlagen vor eigenem Publikum erst recht beweisen will.

    Solche Überlegungen sind nun durch die Einflussgröße Trainerentlassung hinfällig geworden. Der neue Trainer Markus Kauczinki verändert die Ausgangslage komplett. Die Spieler des Gegners müssen sich neu zeigen. Sie strengen sich deshalb vielleicht gerade jetzt im ersten Spiel unter dem neuen Trainer besonders an. Es gibt vielleicht vom neuen Trainer andere Spielideen, auf die Ilia Gruev noch nicht vorbereitet ist. Andererseits lässt sich aus der Arbeit Kauczinkis in Ingolstadt oder Karlsruhe etwas ablesen. Dass das beim MSV versucht wurde, davon dürfen wir bei Ilia Gruevs Arbeitsweise ausgehen.

    Trainerwechsel haben statistisch betrachtet keinen Erfolg. Das ist inzwischen oftmals schon geschrieben worden, was nichts an den so oft hilflosen Versuchen das Schicksal zu beeinflussen ändert, wie gerade der 1. FC Köln sehr schön beweist. Ebenfalls sagt das nichts über den Einzelfall aus, geschweige denn etwas über das spezielle erste Spiel nach einem Trainerwechsel. Aber in diesem Fall gibt es den Transfermarkt mit der sehr schönen Statistikseite „Trainereffekt“, die ich bislang noch nicht kannte. Mit einem Blick lässt sich dort überprüfen, welche Auswirkung ein Trainerwechsel kurz- oder langfristig hatte. Die Daten beziehen sich nur auf die Bundesliga, aber das reicht erst einmal für ein beruhigendes Gefühl.

    In der laufenden Saison hat es in der Bundesliga vier Trainerentlassungen gegeben. Die Bilanz der vier neuen Trainer lautet: ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden. Für den Sieg war Jupp Heynckes verantwortlich, und der fällt mit seinen bayernspezifischen messianischen Fähigkeiten ohnehin aus der Wertung.

    Ich fasse die Trainerwechsel während der laufenden Saison für die letzten 6 Spielzeiten mal tabellarisch zusammen:

    2016/2017: 10 Trainerwechsel – 2 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen
    2015/2016: 7 Trainerwechsel – 1 Sieg, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen
    2014/2015: 9 Trainerwechsel – 5 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen
    2013/2014: 11 Trainerwechsel – 4 Siege, 5 Unentschieden, 2 Niederlagen
    2012/2013: 10 Trainerwechsel – 4 Siege, 4 Unentschieden, 2 Niederlagen
    2011/2012: 11 Trainerwechsel – 5 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen

    Die Stichprobe ergibt bei 58 Trainerwechsel für das erste Spiel unter dem neuen Trainer 21 Siege, 20 Unentschieden, 16 Niederlagen. Wenn wir mit einem Unentschieden in Hamburg zufrieden sind, reist der MSV also mit einem kleinen Vorteil nach Hamburg. Und wenn wir der Statistik eine zeitliche Dimension geben, lässt sich gar ein Trend ablesen. Der Sieg im ersten Spiel nach einem Trainerwechsel wird seit zwei Spielzeiten immer unwahrscheinlicher. Tut uns leid, FC St. Pauli, Zahlen lügen nicht, allzu viel braucht ihr morgen nicht zu erwarten.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: FC St. Pauli, Ilia Gruev, Markus Kauczinski [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  9. [​IMG]Manchmal gehe auch ich ins Stadion, und der Fußball auf dem Rasen ist weniger wichtig als ich selbst. Denn ohne mich hätte dieser Fußball nicht stattgefunden. Gut, an die 30.000 Zuschauer dieses Spiels und bestimmt auch die Spieler selbst sind sicher anderer Meinung, aber dieses Spiel des MSV beim FC St. Pauli erinnerte mich an eine zutiefst existentielle Frage. Was die Menschheit seit Jahrtausenden als Problem des Erkennens zunächst philosophisch und dann auch naturwissenschaftlich hin und her bewegt, bearbeitete ich am Sonntagnachmittag bei St. Pauli im Stadion. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich habe das gesamte Spiel gesehen, ohne alles gesehen zu haben – das Ausgleichstor zum 2:2 etwa, aber auch die vermeintlichen Fouls vor den Elfmetern auf der Gegenseite. Dieses Spiel vom MSV gegen St. Pauli hätte es für mich nicht gegeben, wenn ich nicht gesehen hätte, was ich nicht gesehen habe.

    Es war wie beim Eishockey. Wer zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel sieht, sieht auch nichts vom Spiel, weil der Blick des Betrachters der vom Puck gesteuerten Bewegung des Spiels zunächst fast immer hinterher hängt. Man muss das Spiel sehen lernen. Was beim langsameren Fußball genauso ist, aber nicht auffällt, weil wir meinen, es sei einfach, dem Ball zu folgen. Aber auch den Fußball muss man sehen lernen. Womit ich vor Jahrzehnten begonnen habe. Deshalb sah ich gestern, was meine Augen nicht haben wahrnehmen können. Das meiste hat mein Kopf erledigt und die fehlenden Momente des Spiels immer wieder ergänzt.

    Als Spezie eines Herdentieres habe ich bei dieser Wahrnehmung die Hilfe der Herdenstimmung nutzen können. Hinzu kamen Eindrücke der Hamburger Voll- und Teilzeit-MSV-Anhänger, mit denen ich nun schon zum wiederholten Male im norddeutschen Raum einen Auswärtsspieltag des MSV verbracht habe. Alles in allem ergibt sich nun eine ansehnliche erste Halbzeit, in der der MSV das Spiel sicher in der Hand hatte. Souverän wurde dem Druck der Paulianer in den ersten zehn Minuten stand gehalten. Danach war deutlich, gegen diese MSV-Defensive fand St. Pauli kein Mittel. Die Souveränität von Gerrit Nauber wirkte in die Mannschaft hinein. Wir durften auf eine gelungene Offensivaktion mit Torerfolg warten oder uns auf ein Unentschieden einrichten.

    So war die Führung durch das Elfmetertor von Kevin Wolze keine überraschende Folge dieses Spiels vom MSV, auch wenn wir den Elfmeterpfiff selbst mehr als willkommene Gabe sahen. Der Schrecken war dann groß, als Gerrit Nauber durch einen Schuss ausgeknockt wurde. Stabile Seitenlage auf dem Spielfeld kommt nicht häufig vor und ließ Schlimmes ahnen. Als er dennoch weiterspielte, war die Hoffnung auf sein Durchhalten groß.

    Er kam nach dem Halbzeitpfiff nicht mehr aus der Kabine, und damit war klar, nun würde es sehr schwierig. Denn St. Pauli bestätigte die Vermutung, nach dem Wiederanpfiff mit sehr viel Druck aufzutreten. Die Defensive des MSV begann zu schwimmen, und unsere Hoffnung, dass die Mannschaft die normalerweise 10 bis 15 Minuten vermehrte Offensivkraft des Gegners in einer solchen Begegnung schadlos überstehen würde, schwanden schnell. Nicht nur der Ausgleich fiel, St. Pauli ging in Führung. Für den MSV bestand sofort die Möglichkeit, die Niederlage noch zu verhindern, weil sich St. Pauli nach dem Führungstor ebenfalls sofort wieder zurück zog. Die MSV-Defensive war entlastet, und die Mannschaft konnte auf den Ausgleich hin spielen. Vielleicht brachte die rote Karte gegen St. Paulis Spieler einen Vorteil. Sicher bin ich mir nicht. Ich glaube, ein Ausgleich wäre auch beim elf gegen elf möglich gewesen, so unermüdlich wie die Zebras sich Richtung Tor St. Paulis bewegten. Das Tor von Stanislav Iljutcenko habe ich mir dann wieder sehr lebendig vorgestellt.

    Wie der MSV dieses Unentschieden erspielt hat, macht Freude. Diese Mannschaft reagiert variabel auf Spielstände und Spielsituationen. Diese Mannschaft strahlt eine Selbstsicherheit aus, die beeindruckt. Die Hektik des Spiels in der zweiten Halbzeit ging von den verunsicherten Paulianern aus. Die Zebras ließen sich davon nicht anstecken, sondern nutzten die dadurch entstehende Unruhe beim Gegner. Hoffen wir nur noch, dass Gerrit Nauber möglichst nächsten Spieltag wieder da ist. So weit möchte ich dann doch nicht selbst die Wirklichkeit in meinem Kopf herstellen müssen und ihn im Spiel gegen Dresden mir vorstellen, obwohl er nicht auf dem Spielfeld steht. Sonst wird meine Wirklichkeit dann mittelfristig so anders als die von euch, dass es schwierig werden könnte.





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    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: FC St. Pauli, Gerrit Nauber, Kevin Wolze, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  10. Der MSV lehrt uns auch in dieser Saison etwas über das Leben. Neulich noch waren wir davon überfordert als Aufstiegsfavorit durch den Alltag zu gehen. Wir hatten keine passenden Gefühle. Wir wussten nicht, welche Erwartungen an ein Spiel die richtigen waren. Wir waren wie die Neureichen früherer Zeiten, die ihr Geld mal viel zu viel und mal viel zu wenig ausgaben. Wir waren mit den Erwartungen an die Mannschaft ganz oft ein wenig drüber. So wurden wir unzufrieden trotz Tabellenführung. Wir fanden keinen passenden Ausdruck für unsere Sorgen, dass die Mannschaft das unbedingt nötige Saisonziel verpassen könnte. Wir mussten erst lernen dem Favoritendasein zu vertrauen.

    In dieser Saison zeichnet sich schon wieder etwas Neues ab. Ein paar Mal habe ich schon von meiner Entspanntheit im Stadion geschrieben. Immer wieder fällt mir auf, dass ein für mich in den letzten Jahrzehnten typisches MSV-Gefühl völlig fehlt. Es schwindet meine Sorge, in den letzten Minuten könne noch alles Erreichte gefährdet werden. Es schwindet meine Sorge das Saisonziel könne verfehlt werden. Über Jahre ging es in Duisburg immer dramatisch zu. Wenn wir ins Stadion gingen, schien sehr schnell immer alles auf dem Spiel zu stehen. Wir mussten unbedingt aufsteigen. Wir durften nicht absteigen. Und immer fielen Tore in den letzten Minuten.

    Nun spielte der MSV gegen Dynamo Dresden und ich habe dieser Mannschaft vertraut, obwohl Moritz Stoppelkamp und Boris Tashchy fehlten. Ich wäre wegen dieser Ausfälle sogar mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Das ist ein Zeichen von Vertrauen in die Mannschaft. Denn ich bin mir des mittel- und langfristigen Erfolgs dieser Mannschaft sicher, so dass ich mögliche gegenwärtige Misserfolge einrechnen kann. Umso schöner ist der verdiente 2:0-Sieg gegen Dynamo Dresden. Das ist das neue MSV-Gefühl dieser Saison, die Bedrohung ist aus dem Spielverlauf geschwunden. Die Spannung im Spiel ist seit Jahren zum ersten Mal wieder eine durchweg angenehme Spannung.

    Zwei Mannschaften mit ähnlicher Qualität haben sich gestern gegenüber gestanden. Zwei Mannschaften, deren Defensive gleich gut war, zwei Mannschaften, die im Offensivspiel sich ein wenig unterschieden. Dresden versuchte in Strafraumnähe etwas öfter das Kurzpassspiel, nachdem ein langer Ball das Mittelfeld überbrückt hatte oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mitelfeld gespielt hatte. Der MSV suchte schneller den Abschluss und wollte mit weniger Pässen torgefährlich sein, nachdem der längere Ball gespielt worden war oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mittelfeld gespielt hatte. Und dann gab es noch einen weiteren Unterschied. Für den MSV gab es das schnelle Flügelspiel auch ohne Flügelwechsel. Der Ball ging steil auf Ahmet Engin, und der nahm Tempo auf.

    So war es klar, ein Tor würde nach einem Fehler fallen. Keine der beiden Mannschaften hatte die Möglichkeit, den Gegner auszuspielen. Der Fehler geschah auf Dresdner Seite kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ein steiler Pass am linken Flügel auf Ahmet Engin rollte knapp an der Außenlinie entlang. Für einen winzigen Moment dachte der Dresdner Defensivspieler, der Ball geht ins Aus. Sein Zögern war fast unmerklich. Es reichte aber zum entscheidenden Vorteil für Ahmet Engin im Sprint. Er zog am Defensivspieler vorbei Richtung Torauslinie, danach in die Mitte und passte zum hereinstürmenden Stanislav Iljutcenko. Das Führungstor fiel, angepfiffen wurde nicht mehr. Bis dahin hatte es schon zwei, drei gute Chancen für den MSV gegeben, während die Dresdner keine Torgefahr entwickeln konnten.

    Nach dem Wiederanpfiff erwarteten wir ein ähnliches Auftreten der Dresdner wie von St. Pauli letzte Woche. Zum Glück, so dachten wir, gab es ja Gerrit Nauber, der erneut souverän und ruhig die Defensive organisierte, dass es eine helle Freude war. Doch zunächst standen die Dresdner schwächer als in der ersten Halbzeit auf dem Platz. Der MSV drückte die Mannschaft sofort in die Defensive und versuchte, das zweite Tor zu erzielen. Diese Chance gab es, als Ahmet Engin erneut auf dem linken Flügel bei einem Konter davon zog. Besser lässt sich so ein Konter nicht spielen – bis auf den Abschluss des frei stehenden Fabian Schnellhardt, der den Ball mit der Sohle erwischte und nicht mit dem Spann. Der Ball kullerte dem Torwart in den Arm, und zum ersten Mal in dem Spiel blitzte für mich der Gedanke auf, hoffentlich rächt sich dieses Vergeben von Chancen nicht am Ende.

    Tatsächlich wurden die Dresdner stärker. Dennoch war die Mannschaft nicht präzise genug im Abschluss. Einmal kam im Strafraum ein Dresdner zum freien Abschluss. Sein Schuss ging hoch am Tor vorbei. Dann kam der Auftritt des eingewechselten Lukas Daschner. Zunächst hatte er in der Rückwärtsbewegung etwas aufgeregt auf mich gewirkt, verständlich bei dem Spielstand und seiner geringen Erfahrung. Nun kam er an den Ball, trieb ihn kurz an der rechten Außenlinie entlang, um etwa auf Strafraumhöhe in die Mitte zu ziehen. Ein Abwehrspieler nach dem anderen versuchte ihn zu stellen, vergeblich, denn Daschner lief immer weiter an der Strafraumgrenze entlang auf die andere Seite. Wir warten auf das Abspiel auf den frei stehenden rechten Flügel, doch dann kam das Foul.

    Kevin Wolze trat zum Freistoß an, und wir wissen, dass er diesen Schuss aus der Entfernung über die Mauer kann. Die Dresdner bauten sehr optimistisch ihre Mauer in drei Meter Entfernung vom Freistoßpunkt auf. Der Schiedsrichter bat sie zurück. Kevin Wolze lief an und hob den Ball so weich und präzise über die Mauer knapp unter die Latte zum Endstand von 2:0 ins Tor. Ich zitterte nicht um den Sieg. Ich freute mich über diese souveräne Leistung des MSV. Auf diese Weise in die Winterpause zu gehen, macht Spaß, und ein wenig staunten wir nach dem Schlusspfiff noch über unser aller Entspanntheit und Vertrauen in diese Mannschaft. Für einen Moment waren wir mit diesem MSV auch ohne Schnee in einem Winterwunderland. Mit ein wenig Abstand ist das kein Wunder, sondern das Ergebnis von welcher Arbeit noch mal? Jetzt alle im Chor, weil es stimmt: von seriöser Arbeit. Winter Wonderland dürfen wir trotzdem fürs Gefühl mal singen.


    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: Ahmet Engin, Gerrit Nauber, Ilia Gruev, Kevin Wolze, Lukas Daschner, SG Dynamo Dresden, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  11. Ich werde den Zebrastreifenblog nicht in einen Onlineshop verwandeln, aber in den letzten Tagen vor Weihnachten will ich auf dieses nur bei mir erhältliche Fußballbuchpaket hinweisen.

    [​IMG]Mehr als Fußball ist weiter lieferbar. Das Buch ist in den meisten Duisburger Buchhandlungen erhältlich, im ZebraShop und beim Oligarchen des Onlinebuchhandels. Mehr als Fußball – so habe ich das Buch genannt, in dem ich vom Zusammenhalt in Duisburg im Sommer 2013 rund um den MSV und von der Zeit bis zum Wiederaufstieg des Vereins in die 2. Liga zwei Jahre später erzähle

    Mit einem Klick zu den Informationen zum Buch und zu Leseproben.

    Ralf Koss, Kees Jaratz: Mehr als Fußball, 363 Seiten, € 14,90
    ISBN 978-3-00-054423-1 Plus 2,10 Euro Versand, wenn ihr bei mir per Kontaktformular bestellt.


    [​IMG]Nicht mehr im Buchhandel lieferbar ist dagegen 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Deshalb finden sich die Leserstimmen zum Buch zwar bei Amazon, das Buch neu und ungelesen in der Hand halten, das könnt ihr nur, wenn ihr bei mir bestellt.

    Zu Weihnachten und zwischen den Jahren gibt es nun beide Bücher im Paket für 20 Euro plus Versand von € 2,50. Je nachdem, wo ihr in Duisburg wohnt, kann ich euch das Paket auch vorbeibringen.

    Alle, die Mehr als Fußball schon besitzen, können auch 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss separat bestellen. Für euch das Sonderangebot zu Weihnachten und zwischen den Jahren: 5 Euro plus 2 Euro Versand.

    Zunächst habe ich bei Buchbestellungen immer sofort nach dem Mail-Eingang versendet im Vertrauen auf Bezahlung. Leider gab es so viele Besteller, die nicht bezahlt haben, dass ich nur noch nach Vorkasse verschicke. Kontodaten bekommt ihr nach Bestellung



    [contact-form]
    Rechtliche Hinweise und Datenschutz.

    Einsortiert unter:Fußball im Buch Tagged: 111 Fussballorte im Ruhrgebiet, Mehr als Fußball [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  12. Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt, fehlt mir glatt ein Tag des Jahres, an dem ich Weihnachtsgeschenke kaufe. Das spürt auch der Einzelhandel, wie die einschlägig bekannten Sprecher uns in ihren Verlautbarungen bestätigen. Alles in allem sind aber alle dennoch am Ende zufrieden sein, nicht nur wir hier im Zebrastreifenblog haben nämlich festgestellt, auch am Samstag vor Heiligabend bieten die Läden dieser Welt vielfältige Möglichkeiten des Weihnachtskomsums.

    So haben wir jetzt die nötige Ruhe, um euch schöne Feiertage zu wünschen. Auch wenn Der Stig schon lange nichts mehr hier geschrieben hat, lässt er es sich nicht nehmen, euch von seiner dänischen Heimat Aarhus aus zu grüßen. Und Ralf ist ohnehin inzwischen fast immer dabei, wenn ich hier schreibe. Dreimal also, rufen wir euch zu, haltet inne, streitet nicht, wenn ihr in alle zusammen aufeinander hockt. Esst lieber noch ein Stück Braten, ein Plätzchen oder Kuchen. Dann sagt ihr leise stöhnend, wie gut es euch geht und stellt euch den Schnee vor, den es Weihnachten ohnehin nie gibt.

    So soll Weihnachten sein, das wird auch immer wieder gerne besungen. Selbst in der Ruhrstadt ist das so. Und da es so gut wie nie weiße Weihnachten gibt, ist die Lösung für den Text ein Wunschlied wie die Schlagerband Ruhrschnellweg singt. „Weiße Weihnacht bei hier bei uns im Pott, datt wär wie ein Geschenk direkt vom lieben Gott“. Ruhrschnellweg war hier schon einmal mit einer Folge in der Ruhrstadtsektion des Heimatlieds vertreten. So weit ich das erkenne, sieht sich die Band als eine Art Musikantenstadl-Vertretung des Potts. Der Musikantenstadl war des WDR war wohl eine Weihnachtssendung, die auf Zeche Zollverein aufgezeichnet wurde. Musikantenstadl-Weihnachten können wir auch im Pott. In dem Sinne: Frohe Weihnachten!




    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

    Einsortiert unter:Halbzeitpausengespräch Tagged: Heimatlied, Ruhrgebiet, Ruhrschnellweg, Weihnachten [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  13. Im Sommer bin ich für die Lesung beim Platzhirsch Festival tief ins Youtube-MSV-Archiv getaucht. Ich hatte nicht viel Zeit, und die Zeit wurde dann noch knapper, weil ich erstmal nicht mehr weiter suchte, sondern bei den Bewegtbildzusammenschnitten von Abdelaziz Ahanfouf hängen blieb. Was für schöne Tore hat Ahanfour für den MSV zwischen 2003 und 2006 erzielt. Und wie wunderbar konnte er im und in der Nähe vom Strafraum fallen. Das hat er dann irgendwann etwas übertrieben, und er fiel schon, als sein Gegenspieler sich ihm erst näherte. Wenn man die Stationen seiner Karriere ansieht, überrascht es nur im ersten Moment, in wievielen Vereinen er gespielt hat und wie sehr dennoch diese Karriere mit dem MSV verbunden ist. Wenn man seine Tore sieht, weiß man, warum das so ist. Ich will heute hier nicht mehr viel zu ihm schreiben. Denn ich will jetzt zwischen den Jahren mit einer gewissen Endjahresmüdigkeit nach Weihnachten eigentlich wieder nur Bilder sehen. Schöne Bilder, die ich mit euch teilen will.


    Eines meiner Lieblingsdribblings von ihm.


    Das erste Tor in diesem Clip darf natürlich auf keinen Fall fehlen.


    Wie ihr an der Zählung seht, gibt es noch mehr Zusammenschnitte. Für heute soll es aber reichen.

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  14. Gerade versuche ich mich daran zu erinnern, ob in den seligen Fußballreporterzeiten der 60er- und 70er-Jahre-Sportschau neben der Granate und der Bombe auch die Rakete als bildhafter Verweis auf Schussgeschwindigkeiten zu hören war. Noch war das Militärische im Alltag selbstverständlich abrufbar. Für Fabian Schnellhardts Tor des vergehenden Jahres gegen Preußen Münster in der Nachspielzeit wäre solch ein Aufschrei jedenfalls sicher gewesen. Was für eine Granate! Was für ein Bombenschuss! Was für eine Rakete! Ich nehme das jetzt aber als gegeben an. Deshalb gilt heute: die Raketen für mein Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr gibt mir Fabian Schnellhardt in Endlosschleife. Kommt gut rein ins neue Jahr. Wir sprechen uns 2018 wieder. Dann gibt es aber so was von richtige Wünsche und den Rückblick auf die meistgelesenen Texte des Jahres 2017.


    Einsortiert unter:Saison 2016/2017, Saison 2017/2018 Tagged: Fabian Schnellhardt [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  15. Der Stig ist gestern aus Aarhus wieder zurückgekommen. Anders als in den letzten Jahren wollte er Silvester in Duisburg feiern. So sind Ralf, Der Stig und ich hier im Zebrastreifenblog zum ersten Mal gemeinsam vor Ort, um euch alles Gute für das neue Jahr zu wünschen. Es hat sich bewährt, den Fußballern und den Verantwortlichen im Verein unserer Zuneigung von diesen Wünschen einen großen Sack abzupacken und mit auf deren Weg zu geben. Im letzten Jahr hat der große Wünscheverwalter das sehr wohlwollend in Erfolge des Vereins umgewandelt.

    Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Allerdings habe ich von nun an die Regeln geändert. Im Zebrastreifenblog gibt es nun zwei Beiträge außer Konkurrenz. Der Stig ist ja immer leicht erregbar und hatte schon rumgeschrien, ich soll die zwei Beiträge endlich löschen. Der Zebrastreifenblog sei ein modernes Medium mit journalistischem Anspruch. So Katzenbilder könnten sich alle sonstwo hinstecken. Er meinte die BVB-Torten. Sie sind so was wie die Katzenbilder des Zebrastreifenblogs. Populärer als diese BVB-Fußballtorten waren wie in den hundert Jahren zuvor keine anderen Beiträge. Von nun an erhalten Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“ und Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″ nur noch eine namentliche Erwähnung. So können sie bei der Party dabei sein, aber still in der Ecke sitzend.

    Der Stig hatte natürlich komplett vergessen, dass diese Tortenbilder auch einen nicht zu verachtenden Werbeeffekt haben. Der Mensch will visuell eingefangen werden, um ihn dann mit neuen Reizen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten. Alles, was Facebook kann, kann ich viel besser. Denn ich mache es für den guten Zweck. Vielleicht findet der ein oder andere Leser von den Torten zu Worten mit Gewicht über den wirklich wichtigen Verein etwa in diesen Räumen hier.

    Gerade dieses Mal gibt es unter den meistgeklickten Texten des letzten Jahres zwei, die vom eigentlich Sport hin zu grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft führen. Platz 5 belegt: Mit welcher Botschaft weht eine türkische Fahne? Den Text habe ich nach dem letzten Drittligaspiel geschrieben. Die Spieler feierten Aufstieg und Drittligameisterschaft auf dem Rasen. Tugrul Erat legte sich dabei zunächst eine Fahne der Türkei um. Was für mich in Ordnung gewesen wäre, wenn die Fahne in jenen Wochen damals in Deutschland nicht von den Erdogan-Unterstützernn okupiert worden wäre. Sie war für mich nicht mehr das Staatssymbol. Das ließ sich natürlich auch anders sehen. Mein Text stieß leider nur bei Facebook eine Debatte an, und um diese Debatte ging es mir eigentlich. Öffentliche Debatte heißt Austauch von Argumenten und nicht Gegenüberstellen von Meinungen mit anschließendem Krakelen. Diese Argumente wurden damals ausgetauscht.

    Für den drittplatzierten Beitrag des Vorjahres hoffte ich sehr auf Konstanz in der Klickhäufigkeit. Tatsächlich findet sich dieser Beitrag 2017 erneut in meiner Bestenliste, auf Platz 4, wieder. Über die Zeit habe ich den Text zweimal angepasst, denn das Buch über die Rettung des MSV im Sommer 2013 und die anschließende Zeit bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre ist nun ein Jahr in Duisburger Buchhandlungen, beim Online-Oligarchen und eben mir weiterhin erhältlich. Also, erneut auf Wiederholung gehofft für: Jetzt bestellen – Mehr als Fußball. Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV. Und natürlich auch gerne noch bestellt, denn die zweite Auflage liegt weiterhin bereit.

    Auf Platz 3 findet sich der Spielbericht zum Heimspiel des MSV gegen Magdeburg: Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird. Die Klickzahl ist auch mit Hilfe der Auswärtsfans erreicht worden. Sie hatten schon in Duisburg die Süd beeindruckend gefüllt und ihre Mannschaft so supportet, wie es bis dahin an der Wedau in den letzten Jahren meiner Erinnerung nach nicht geschehen war. Das Spiel endete Unentschieden, und wir dachten seinerzeit noch, wir hätten zwei mögliche Aufsteiger gesehen. Aufgestiegen ist dann ja doch nur die uns nächste Mannschaft unserer Zuneigung.

    Platz 2 belegt: Der TSV 1860 München als Gegenbild vom MSV. Auch hier spielte das Interesse der Fans aus München bei der Klickzahl eine Rolle. Für mich zeigten Insolvenz und Folgen bei 1860 noch einmal, welch besonderes Geschehen der Zusammenhalt im Sommer 2013 rund um den MSV in Duisburg gewesen ist. Denn Fans, die für ihren Verein einstehen, sind das eine. Das reicht aber nicht, um einen bedrohten Verein zu retten. Ohne all diejenigen, die mit dem MSV finanziell verbunden waren und sich ebenfalls für den Verein und Duisburg verantwortlich fühlten, wäre dieser Zusammenhalt ins Leere gelaufen.

    Auf Platz 1 befindet sich ein Text, der uns hilft, den Zufall als Erfolgsprinzip im Leben zu akzeptieren. Nicht wegen seines Inhalts, wegen des besonderen Grunds für die Klickzahl. Die meisten Klicks des Jahres galten: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben. Populär wurde dieser Text sieben Jahre später, als im Forum der Frauenzeitschrift Brigitte die Frage aller Bielefeld-Fragen aufkam, warum die Alm wohl Alm heißt. So kam der Text zu später Popularität. 2010 hatte auch ich mal nachgesehen und mich über die langweilige, recht beliebig wirkende Alm-Geschichte auf der Arminia-Seite amüsiert und gedacht, so eine Anekdote als Erklärung anzuführen, das kann ich unterhaltsamer. Gedacht, geschrieben und nun ist eine zweite Erklärung in der Welt, die manche Brigitte-Leserinnen und -Leser nun vielleicht für genauso wahr halten können wie jede andere Anekdote. Fake-News sind übrigens etwas ganz anderes.

    Und nun der Blick nach vorne. 2018, wir im Zebrastreifenblog, wir sind bereit. Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch in diesem Jahr einen Teil unserer Arbeitszeit in diesen Räumen hier verbringen und weiter vom neuen MSV-Gefühl schwärmen. Meine Art über den Fußball zu schreiben hat mich in dieser Saison immer wieder auch zu anderen Textformen geführt, weil ich viel von dem, was in einem Spiel über den Fußball hinausgeht, schon einmal gedacht und in Worte gebracht hatte. Die Spieltagslyrik als andere Form meines Schreibens machte mir große Freude, und manchmal stelle ich mir einen Mäzen vor, der es mir ermöglichte, eine Saison lang nach jedem Spiel ein Spieltagsgedicht zu verfassen; ein Spieltagsgedicht, das nicht schnell geschrieben werden muss, bei dem ich mir Zeit lassen kann, um formal und sprachlich noch anspruchsvoll, um jene Kunst zu schaffen, die so leicht daher kommt, dass sie den besten spielerischen Momenten des MSV entspricht. Mal sehen, wir auf den Rängen dürfen auch manchmal träumen.

    Also, 2018, wir gehen ins Stadion, wir sehen uns, wir lesen uns. Klingt verdammt gut, 2018, so kann es weitergehen.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, Halbzeitpausengespräch, Saison 2016/2017, Saison 2017/2018 Tagged: 1. FC Magdeburg, Bielefelder Alm, Borussia Dortmund, DSC Arminia Bielefeld, FSV Zwickau, TSV 1860 München, Tugrul Erat [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  16. Trainingsauftakt für den MSV nach der Pause im Winter, von dem es früher in der Werbung hieß, das sei die Erkältungszeit. Mal sehen, ob heute an der Westender Straße jemand fehlt. Früher hätte ich diese Frage nicht gestellt. Denn früher waren Fussballer noch ganz harte Jungs. Die spielten mit Halswirbelbruch ebenso wie mit gebrochenener Wade. Eine Erkältung war damals gar nichts, und notfalls gab es ein überraschendes Hilfsmittel, das die Leistungskraft zurückgab, äußerlich angewendet wurde und den Ruf des Fußballs ein dopingfreier Sport zu sein nicht gefährdete.






    Wer den Jahresrückblick des MSV noch nicht gesehen hat, der schaue gerne weiter. Nach meinem Geschmack gibt es etwas zu viel Historie für einen Jahresrückblick. Denn die zwei Fliegen „Jubiläum“ und „2017“ mit einer Klappe zu schlagen und auch noch beide zu treffen, passt für mich nicht zusammen. Das sind aber nur ein paar gestalterische Gedanken, die mit jedem neuen Fußballbild immer mehr verfliegen. Am Ende denkt nur noch der MSV-Anhänger in mir und sagt, schön.




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  17. [​IMG]

    Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ präsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

    Lese ich Fortunafan-Stimmen zu Christian Gartners Können kommt mir der Gedanke, die Fortuna braucht ein kleines Dankeschön. Im MSVPortal hat sich der User Yogi die Mühe gemacht, solche Stimmen zusammen zu stellen, und diese Stimmen lassen vermuten, der MSV konnte einen Spieler verpflichten mit großen technischen Fertigkeiten sowie gutem Auge für Räume und Mitspieler. Dieses spielerische Können ist in Düsseldorf durch vielschichtige Gründe irgendwann nur noch ein Versprechen gewesen. Christian Gartner ist ein Spieler mit großem Potential. Solche Spieler kommen immer mit dem Risiko, in Duisburg könne sich der Misserfolgsweg beim alten Verein wiederholen. Doch wenn das Risiko vorhanden ist, gibt es auch die Chance auf den Erfolg. Nur wegen des Risikos kann der MSV Spieler dieser möglichen Qualität verpflichten.

    Die Chance ergibt sich, weil der Mensch ein soziales Wesen ist. Christian Gartner wurde in Düsseldorf von mehreren Trainern mit der Zeit vornehmlich auf eine bestimmte Weise gesehen. Ihr wisst das, Leistung lässt sich auch folgendermaßen erklären, je öfter Fehler gesehen werden, die jemand macht, desto eher wird er nicht nur diese Fehler noch einmal begehen. Für die Leistung noch gewichtiger ist das gefestigte Bild, das die Menschen von jemandem haben. Das Bild gibt eine Perspektive vor. Jede Handlung, die nicht zu diesem Bild passt, wird erst gar nicht wahrgenommen oder als Ausnahme angesehen. Deshalb verändert eine andere Umgebung den Menschen an sich. Es gibt in der anderen Umgebung noch kein gefestigtes Bild. Der betrachtende Blick ist freier. Dinge können gesehen werden, die zuvor gleichsam nicht vorhanden waren. Das ist Christian Gartners Chance beim MSV. Das ist unsere Hoffnung auf seine spielerische Qualität, die wirklich wird.

    Der Fortuna gilt der Dank, weil sich dort ein Bild des Misserfolgs verfestigt hat. Darauf einen Fußballkuchen. Was mir zudem die Gelegenheit noch einmal auf mein super super Jahresübergangsangebot hinzuweisen. Die 111 Fußballorte im Ruhrgebiet für 5 Euro plus Versand. Gerne auch zusammen bestellt mit Mehr als Fußball als Paket für 20 Euro plus Versand. Klicken und bestellen.






    Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: 111 Fussballorte im Ruhrgebiet, Christian Gartner, Fortuna Düsseldorf, fussballtorte, Soccer Cake [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  18. Die 41. Duisburger Filmwoche wurde im letzten November mit der Deutschlandpremiere eines Fußballfilms eröffnet. Die anderen Plätze zeigt die Lebenssituation von arbeitslosen Fußballprofis. Gedreht wurde der Film vor allem in der Stadt seiner Deutschlandpremiere, eben in Duisburg, denn in der Sportschule Wedau bietet die VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler, während der Sommerpause ein Trainingscamp für arbeitslose Fußballer an. Die Fußballer können sich fit halten, während sie auf späte Aktivitäten auf dem Transfermarkt hoffen.

    Den beiden Filmemacher Simon Quack und Marco Kugel ging es um Lebens- und Arbeitsmarktbedingungen von Fußballprofis der hinteren Reihen, jenen Fußballern, die nicht mehr, noch nicht oder noch nie als erste auf den Nachfragelisten der Sportdirektoren stehen und gestanden haben. Am VDV-Camp nehmen ganz junge Spieler teil und Spieler, die das Ende der aktiven Laufbahn schon in Erwägung ziehen. Es gibt Spieler, die zwar nicht auf allerhöchstem Niveau gespielt haben und dennoch mit ihren Vereinen in der Bundesliga außergewöhnlich erfolgreiche Zeiten erlebt hatten. Es gibt Spieler, die von Verein zu Verein ziehen.

    Zwar gibt es in Die anderen Plätze einzelne Spieler, die häufiger zu Wort kommen, doch der Lebenszusammenhang in diesen Sommermonaten erscheint als unüberschaubares Ensemble von Menschen, in dem die Spieler vereinzelt sind und bei dem dennoch ein Zusammenhalt als Glauben beschworen werden muss. Denn dieser Zusammenhalt ist zugleich Leistungsvoraussetzung in Fußballkadern heutiger Tage.

    Marco Kugel und Simon Quast entfalten die Wirklichkeit der arbeitslosen Fußballprofis ohne starke Geschichten von einzelnen Hauptfiguren, zugleich wollen sie atmosphärisch sein und nicht zu analytisch. So verliert der Films im zweiten Teil Dynamik. Höhen und Tiefen nähern sich an und der Alltag der arbeitslossen Fußballprofis wird zum melancholisch dahintreibenden Bilderfluss.

    Für uns in Duisburg bietet der Film die Begegnung mit einigen bekannten Gesichtern. Dietmar Hirsch ist im Camp Trainer gewesen. Beim MSV war er Spieler von 1995 bis 2000 und noch einmal von 2003 bis 2005. Philipp Bönig kommt oft zu Wort, und auch wenn seine Karriere wahrscheinlich eher mit dem VfL Bochum verbunden wird, beim MSV hat er seine ersten beiden erfolgreichen Profijahre von 2001 bis 2003 verbracht. Ich war damals enttäuscht, als er nach Bochum ging. Mit Christopher Schorch läuft auch ein Spieler aus der jüngsten Vergangenheit durchs Bild, ohne dass er im Film sich weiter äußert.

    Bei der Duisburger Filmwoche gehören protokollierte Diskussionen über die gezeigten Dokumentarfilme direkt nach den Filmvorführungen zum Festivalprogramm. Zum Protokoll der Diskussion über die Die anderen Plätze geht es mit einem Klick einsehbar.

    Zwei Tage nach der Premiere in Duisburg habe ich Simon Quast und Marco Kugel getroffen, um mit ihnen über ihren Dokumentarfilm zu sprechen. Simon Quast erwies sich als Anhänger von Borussia Mönchengladbach, hingegen der Hamburger Marco Kugel zwar fussballinteressiert ist, doch keinm Verein besonders anhängt.

    Zebrastreifenblog: Zwischen den Spielzeiten bietet der VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler ein Traininigscamp für arbeitslose Fußballer in der Duisburg Sportschule an. Wie seid ihr auf dieses Thema eures Dokumentarfilms „Die anderen Plätze“ gestoßen?

    Simon Quack: Wir wollten einen Film über Arbeitslosigkeit machen. Dazu gab es verschiedene Überlegungen und Recherchen. Dann hat uns während einer Filmwoche hier in Duisburg jemand von dem Fußballcamp für arbeitslose Fußballprofis erzählt. Weil wir uns für Fußball interessieren, aber davon noch nie gehört hatten, hat uns das neugierig gemacht. Schon im Jahr darauf, 2014, haben wir uns dann angesehen, wie dieses Fußballcamp läuft und wie das aufgebaut ist.

    Zebrastreifenblog: Habt ihr in dem Jahr auch begonnen zu drehen?

    Marco Kugel: Nein, wir haben vor allem im Sommer 2015 gedreht und noch einmal vier, fünf Tage im Jahr 2016. Dietmar Hirsch, der verantwortliche Trainer in dem Camp, bekam zum Ende des Camps einen neuen Job beim VfB Oldenburg, und so haben wir uns entschlossen, wir fahren nach Oldenburg und sehen, wie es ihm dort geht.

    Zebrastreifenblog: Seid ihr mit eurem Vorhaben beim VDV auf offene Ohren gestoßen?

    Marco Kugel: Doch, ja, es gab nur eine einzige Bedingung. Der VDV wollte prüfen, ob wir seriöse Filmemacher waren. Es gab wohl schlechte Erfahrungen, und sie hatten die Befürchtung, dass es den Film niemals geben wird. Wir sollten also zeigen, dass eine Produktionsfirma hinter uns steht, dass wir Geld für die Produktion hatten und wir den Film fertig machen konnten.

    Zebrastreifenblog: Und wie begegneten euch die Fußballer selbst? Als Dokumentarfilmer braucht ihr ja Menschen, die sich euch so weit wie möglich öffnen. Fußballer heute lernen aber mit als erstes gegenüber dem Medienbetrieb vorsichtig zu sein.

    Marco Kugel: Wir hatten mit den Spielern vereinbart, wer keine Lust zum Sprechen hat, der sagt es einmal und den lassen wir in Ruhe. Es kam aber fast nie dazu. Die Spieler waren sehr offen und sehr reflektiert. Der erste Schritt in die Öffentlichkeit für die Spieler war ja schon die Anmeldung zum Camp. Die Spieler, die das gemacht haben, haben sich damit zu ihrer Situation bekannt.

    Simon Quack: Vielleicht gab es zu Beginn eine kleine Irritation bei den Spielern. Sie wussten beim Campauftakt noch nicht, dass wir dabei sind. Wir wurden aber nur wenige Male gebeten, die Kamera auszumachen und das waren Momente, in denen es vollkommen nachvollziehbar war.

    Marco Kugel: Dabei ging es um Datenschutz, bei denen Einzelheiten aus Verträgen mit Vereinen zur Sprache kamen. Das hat uns auch nicht interessiert.

    Zebrastreifenblog: Erinnert ihr euch noch daran, welche Vorstellungen ihr über den möglichen Film bei Drehbeginn hattet?

    Marco Kugel: Es gab eine inhaltlich klare Vorstellung, aber im Fortlauf gehört dann ja noch viel mehr dazu, den Film zu machen. Wichtig war es für uns den Blick für den Fußball als Arbeit zu bewahren. Wir versuchten uns immer daran zu erinnern: was wir sehen ist deren Job. Das ist deren Beruf, was auf dem Platz und auch abseits des Platzes stattfindet. Das war viel wichtiger, als die große Vorstellung zu besitzen, wo es hingeht. Wir wollten eben keine Lobhudelei des Sports machen. Wir wollten den Leistungssport als Arbeit ernst nehmen. Wir wollten das Angestelltenverhältnis der Spieler ernst nehmen.

    Zebrastreifenblog: Im fertigen Film rücken einzelne Spieler in den Vordergrund. Philipp Bönig oder Dietmar Hirsch etwa kommen öfter zu Wort, dazu noch Maximilian Riedmüller und Anel Hodzic. Gab es beim Dreh Enttäuschungen, weil ihr euch für bestimmte Fußballer mehr interessiert habt und ihr dann mit denen während eurer Drehzeit keine runde Geschichte erzählen konntet?

    Marco Kugel: Nein, wir hatten einen anderen Ansatz. Wir wollten von vorherein am liebsten gar keine Protagonisten. Wir wollten wirklich 30 Leute zeigen, 50, 80, um auch der Realität näher zu kommen. Es gibt einen krassen Durchsatz in den Ligen und im Camp auch. Der eine wird aus dem Camp wegverpflichtet, dann kommen zwei neue. Du hast keinen Schimmer an dem einen Montag, wer am nächsten Montag noch da ist. Alles verändert sich immer noch ein bisschen schneller. In den Ligen eben auch. Nach vier Jahren siehst du kein bekanntes Gesicht mehr. Wir wollten mit allen sprechen, und wie es dazu kam, wer am Ende im Film zu sehen war, hing zum Teil von Zufällen ab.

    Simon Quack: Wir haben uns beim Dreh in der Sommerpause noch nicht groß Gedanken darüber gemacht, wen wir nach der Camp-Zeit besuchen wollten. Es war uns zum Beispiel währenddessen nicht klar, dass Anel Hodzic jemand wird, den wir später noch besuchen, weil wir die Busfahrt mit ihm hatten und er dabei uns relativ lange, auch sehr intim von sich erzählt hat.

    Marco Kugel: Wir wollten auch nicht unbedingt die Leute, die die beste Story hatten. Wir sind fast demütig daran gegangen. Wir haben uns aus bestimmten Gründen mit einem Spieler verabredet und ob der jetzt aus einer dramaturgischen Perspektive für den Film spannend ist, das war nicht so wichtig, weil jeder am Schluss ein Schicksal erzählen kann. Deswegen gab es auch keine Enttäuschung.

    Zebrastreifenblog: Mit diesem Anspruch und dem Verzicht auf einzelne Protagonisten war es aber bestimmt schwierig, den Spannungsbogen für den Film zu entwickeln?

    Marco Kugel: Wir haben tatsächlich als Kritik schon gehört, warum seid ihr nicht an dieser Person drangeblieben? Bei Maximilian Rietmüller etwa wurde gefragt, warum ist der nicht mehr im Film? Darauf antworten wir, weil das die Wirklichkeit abbildet. Es dreht sich auch sonst keiner nach den Jungs um, wenn sie nicht mehr spielen. Wir wollten nicht das größte Glück oder die tiefste Trauer zeigen. Es ging uns darum, Strukturelles offen zu legen.
    Andererseits haben sich dann ja doch einige Spieler in den Vordergrund geschoben. Sie bilden im Grunde die verschiedenen Möglichkeiten ab, wie es nach dem Camp weitergeht. Dietmar Hirsch hatte einen neuen Trainerjob bekommen. Philipp Bönig ist gerade an der Schwelle zum Karriereende gewesen. Er sagte sich, ich bin 35 Jahre alt, ich komme nirgendwo mehr unter, dann fange ich einen neuen Job an. Da war Maximilian, der wegen seiner Verletzung aufhören muss, der mit einer Physiotherapie-Ausbildung anfängt und da gibt es den jungen Anel, der zwar aus dem Camp heraus einen Verein findet aber in der Winterpause dann schon wieder freigestellt wird.

    Zebrastreifenblog: In dem Zusammenhang fallen mir dann sofort Worte von Dietmar Hirsch ein, die geradezu als Leitmotiv im Film immer wiederkommen. Wenn die innere Einstellung vorhanden sei, werde man belohnt, sagte er in seinen Ansprachen. Gleichzeitig zeigt der Film aber, so ist es eben nicht immer. Trotz der richtigen inneren Einstellung bleiben viele nun einmal ohne Belohnung.

    Simon Quack: Das stimmt zwar, aber letztlich appeliert Dietmar vielleicht an die einzige Möglichkeit, um aus der Situation, in der sich die Spieler befinden, etwas Positives zu ziehen.




    Trailer „Die Anderen Plätze“ von Marco Kugel und Simon Quack (2017) from Sein+Hain Film on Vimeo.

    Einsortiert unter:Der Fußball im Film Tagged: Arbeitslosigkeit, Christopher Schorch, Die anderen Plätze, Dietmar Hirsch, Duisburg, Duisburger Filmwoche, Marco Kugel, Philipp Bönig, Simon Quack, VDV [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  19. Unsere geprägten Leben

    Bei den 39. Duisburger Akzenten möchte ich Kriegserfahrungen von Duisburgern bei einer szenischen Lesung zu einer Art Gespräch werden lassen. Das Ganze findet im Ruhrorter Lokal Harmonie statt. Gespräch nenne ich diese Lesung deshalb, weil Duisburger sehr unterschiedliche Kriege erlebt haben. Die älterenen Duisburger kennen den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche. Duisburger flüchteten aber auch vor den Jugoslawienkriegen der 1990er, vor den Bürgerkriegen Afrikas oder in der Gegenwart vor dem Syrienkrieg. Über die eigenen zum Teil traumatischen Erfahrungen zu sprechen ist nicht leicht. Deshalb möchte ich zur Vorbereitung der Lesung im März am 20. Januar von 15 bis 18 Uhr zu einem Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in das Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6, einladen. Aufgerufen sind Duisburger aller Generationen und Herkünfte. In dieser Erinnerungswerkstatt wird das persönliche Erleben durch Aufzeichnung zur bleibenden Zeitzeugenschaft.

    Wenn an diesem Termin jemand keine Zeit hat oder wenn jemand nur im persönlichen Gespräch von seinen Erfahrungen erzählen will, kann er mich gerne über das Kontaktformular anschreiben, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.

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  20. Die Wahrheit, es gibt sie manchmal noch, und außerdem als eine, die unterdrückt wird. Allerdings muss dazu die Welt so überschaubar sein wie in Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ aus dem Jahr 1882. In einem Kurbad als Handlungsort gibt es nämlich einfache Machtstrukturen und überschaubare Interessen. Am Theater Oberhausen hatte das Stück letzten Freitag in der Inszenierung des Intendanten Florian Fiedler seine Premiere und erhielt starken Beifall.

    Florian Fiedlers Inszenierung bringt das Drama der Gegenwart nahe. Das Bühnenbild stimmt uns auf klassische Moderne ein, die später sich in Gegenwart wandelt. Ein einstöckiger Flachdachbungalow ragt rechts in die Bühne hinein. Kurgäste in Bademänteln flanieren daneben und nähern sich auch dem Publikum über einen Holzsteg, der von der Bühnenmitte bis in die letzte Reihe des Zuschauerraums führt. Ein Trio spielt unterdessen unplugged Easy-Listening-Pop der 60er Jahre und schafft eine entspannte Grundstimmung im Theaterraum. Immer wieder wirkt im Verlauf des Stücks Pop- oder Rockmusik als eine Art Kommentar der Handlung. Diese anfängliche Leichtigkeit ändert sich, als der im Bungalow wohnende Badearzt Dr. Thomas Stockmann das Ergebnis einer Wasserprobe erhält. Das Heilwasser des Kurortes ist verunreinigt durch den Gerbereibetrieb seiner Schwiegermutter. Der Arzt hat es geahnt. Die Menschen müssen gewarnt werden.

    Schnell wird aber deutlich Stockmanns Bruder, der Bürgermeister, möchte nicht viel Aufhebens um die Wahrheit machen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für den Ort liegen auf der Hand. Die zwei Journalistinnen der lokalen Zeitung „Der Volksbote“, zum Teil karikierend gespielt von Banafshe Hourmazdi und Emilia Reichenbach, erweisen sich nur vordergründig einem aufklärerischen Gedanken verpflichtet. Auch die von Lise Wolle gespielte Druckereibesitzerin und Vorsitzende des Hausbesitzer- und Mäßigungsvereins ändert ihre Meinung unter dem Einfluss des Bürgermeisters. Das graue Kostüm als weiblicher Uniform unserer Gegenwartswirtschaft verweist auf Prinzipien ihres Handelns.

    Jürgen Sarkiss spielt den Bürgermeister als alerten Politiker, freundlich im Ton, bestimmt in der Meinung. Macht zeigt er zunächst subtil, dann offen und die Bürger des Badeortes weiß er auf seine Seite zu bringen. Als es in einer Bürgerversammlung so weit ist, nimmt Florian Fiedler plakativ Bezug zur Gegenwart. Bei der pseudodemokratischen Veranstaltung wird das vom Badearzt erhoffte Verkünden der Wahrheit durch die aus TV-Polit-Shows bekannten Stimmungsbarometer aufgehalten. Die Bürger werden nicht entscheidend befragt sondern durch unwichtige Meinungsäußerung ermüdet. Auf eine Leinwand projezierte Fotos von umstrittenen Publizisten wie Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin oder Akif Pirincci illustrieren diese Bürgerversammlung.

    In dem Zusammenhang halte ich eine Anmerkung für notwendig: Harald Martenstein hier einzureihen wirkt auf mich ebenso populistisch wie die Haltung der Publizisten, die mit der Reihung kritisiert werden soll. Im Unterschied zu den anderen Populisten, verweist er immer wieder auf die Bedeutung von öffentlicher Debatte. Ich finde auch, er ist vor einiger Zeit oft merkwürdig altväterlich in mancher seiner Meinungen geworden, aber er gibt nicht vor, Wahrheit zu sprechen sondern Meinung, und das bedeutet, dass man anderer Meinung sein kann. Eine Haltung, die man von den rechtspopulistischen Publizisten in dieser Reihe nicht behaupten kann.

    Der Populismus erweist sich als Demagogie, wenn der Bürgermeister verhindert, dass sein Bruder in der Bürgerversammlung die Wahrheit aussprechen kann. Das Opium für das Volk ist in der Gegenwart dann nicht die Religion sondern die Unterhaltungsindustrie, Sparte Rockmusik. Die verbündeten Wahrheitsunterdrücker des Badeortes geben ein Rockkonzert, das mit dem „Let me entertain you“ nochmals plakativ endet.

    Clemens Dönicke spielt den Badearzt als Idealisten, der nicht versteht, wie ihm geschieht, wenn er von seinem aufklärerischem Gedanken nicht ablässt. So wirkt die soziale Ächtung und der wirtschaftliche Ruin auch weniger als Preis, den er für seine Haltung zu zahlen bereit ist, denn als Naturgewalt, der er sich ausgesetzt fühlt. Am Ende fühlt er sich alleine am stärksten und kann gerade deshalb nichts bewirken.

    Mit diesem Schluss des Dramas zeigen sich die Beschränkungen einer Wirklichkeit aus dem Jahr 1882. Die in „Ein Volksfeind“ inszenierte Gegenwart kennt kein Internet und keine sozialen Netzwerke. In dem Badeort existiert noch eine naive Vorstellung von Wahrheit. Wahrheit ist in dieser Welt eindeutig erkennbar. Sieht man in der Wirklichkeit des Badeortes ein Beispiel für Wirkmechanismen unserer Gegenwartsgesellschaft, gerät man schnell an aufklärerische Grenzen des Dramas. Ein Pegida-Anhänger kann in Oberhausen ins Theater gehen, über die Publizistenreihe im Stück vielleicht kurz irritiert sein und ansonsten sein Verständnis von Gesellschaft bestätigt sehen. Er kann sich mit dem Badearzt identifizieren und sieht die eigene Wahrheit von der Lügenpresse und den machthabenden Politikern unterdrückt.

    Aufklärung heißt immer das Gebot. Aber wer bestimmt Wahrheit, wenn jeder Wahrheit verkünden kann? Der Badearzt Dr. Thomas Stockmann von heute würde nicht mehr resigniert auf einem Stuhl sitzen. Ein Mensch mit solch aufklärerischer Energie würde heute sofort einen Blog zu schreiben beginnen. Er würde seine Wahrheit erzählen. Mit welchen Folgen?



    Bei den Ruhrbaronen zeigt sich Honke Rambow nicht sehr überzeugt von der Inszenierung. Dagegen gefällt Stefan Keim für WDR3 sehr, was er gesehen hat.

    Weitere Aufführungen: 21. und 26. Januar, 10., 16. und 25. Februar, 5. Mai. Informationen zum Stück und Kartenbestellung beim Theater Oberhausen mit einem Klick.

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  21. Was wäre es schön, wenn wir den Fußball tatsächlich in seinem Wesen des Spiels ernst nehmen könnten. Dann gäbe es keinen Nachrichtenwert für einen BILD-Mann, wenn Ennatz Dietz meint, gegen einen Aufstieg wehre sich niemand. Natürlich wehrte sich niemand gegen einen Aufstieg, denn gegen Gesundheit wehrt sich auch niemand. Oder gegen eine Belohnung für die eigene Leistung.

    Lassen wir mal die Großvereine des Unterhaltungsbetriebs außen vor. Die Zweite Liga ist mit ihrer Ausgeglichenheit gerade ein Sinnbild für das Wesen des Fußballs. Denn ein Wesenskern des Fußballs ist die besondere Mischung von Zufall und Leistung als Voraussetzung für Erfolg. Das Wesen des Fußballs kritisiert unentwegt die Grundüberzeugungen unserer Leistungsgesellschaft. Leistung garantiert nicht viel im Leben. Auch wenn das immer wieder vergessen wird.

    Wenn wir das Wesen des Fußballs ernst nähmen, wäre jeder begeistert über einen Aufstieg. Wir machten uns nicht einen Gedanken darüber, ob der Aufstieg zu früh käme oder nicht. Wir nähmen das Glück, wie es kommt. Wir würden Nachsicht haben beim Misserfolg, wenn jeder sein Bestes gegeben hat. Wir würden aufsteigen und gegebenfalls traurig aber vorwurfslos wieder absteigen. Wir betrachteten die Zukunft als unwägbar, selbst wenn man alle möglichen Gefahren bedacht hat und sich für anstehende Aufgaben so gut vorbereitete, wie es jeder für sich kann.

    Wenn wir den Fußball in seinem Wesen ernst nehmen könnten, wäre Fußball in unserer Gesellschaft wahrscheinlich nicht mehr so populär. Davon ab, fühlt sich ein Aufstieg immer verdammt gut an.

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  22. Angela Merkel hat doch immer viel zu tun, nicht nur jetzt mit den Koalitionsverhandlungen, und dass sie selbst, also, das glaube ich nicht. Der Zebrastreifenblog gehört ja ins Ressort von Monika Grütters. Sie ist Staatsministerin für Kultur und Medien. Aber ob sie auch auf lokaler Ebene sich zuarbeiten lässt? Das scheint mir zweifelhaft. Vielleicht hat Ralf Jäger als MSV-Fan es dem Sigmar gesteckt? Im Auswärtigen Amt sind ja die Goethe-Institute zu Hause. Kulturvermittlung im Ausland. Bin ich demnächst mit dem Zebrastreifenblog für die deutsche Fußballkultur auf Lesetour in Asien? So was könnte doch sein. Seit gestern eine Mail bei mir reinrauschte, träume ich jedenfalls von einer paradiesischen Zukunft. Denn die deutsche Regierung will dem Zebrastreifenblog helfen:


    Betreff: {zebrastreifenblog} deutsche Regierung will dir helfen!

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    Alles, was Sie tun müssen, ist zu wissen, wo und wie Sie fragen können!

    Bitte klicken Sie hier, um zu sehen, ob Sie sich qualifizieren.

    Empfänger müssen gefunden werden, um zu verteilen
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    Jeden dieser Gründe für die Verteilung der Ressourcen kann ich für mich in Anspruch nehmen, besonders dieses „vieles mehr“. Etwas sorgenvoll schaue ich nur auf die Unsicherheit, die mit der Aufforderung zum Klicken einhergeht. Erst soll mir geholfen werden, dann wird später erst entschieden, ob ich mich qualifizieren kann. Und die Qualifikation ist offensichtlich mein Wissen, wo und wie ich fragen kann. Wahrscheinlich bin ich dann auf einmal mitten drin in diesen Koalitionsverhandlungen und keiner ist zuständig. Da weiß ich doch jetzt schon, was passiert. Jeder ist nur geschäftsführend da. Keiner will entscheiden, ob ich richtig den Richtigen gefragt habe. Und womöglich bin ich dann der Grund, warum die Verhandlungen platzen, weil sie sich nicht einig werden über meine Anfrage. Besser ich warte noch und versuche es später.

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  23. Singbar nach einer altbekannten Weise des Herrn Grönemeyer

    Richtung Osten,
    Wo`s den Verein g’rad zerhaut,
    geht’s durcheinander,
    viel schlimmer
    viel schlimmer als man glaubt.
    Von uns aus im Osten.
    Von uns aus im Osten.​

    Man träumte vom Aufstieg
    und spielte nur mau.
    Der VauEfEl muss siegen.
    Gibt sich als ehrliche Haut.
    Leider wurd´s total versaut
    und das macht ihn g’rad aus.​

    In den Gremien herrscht Ärger.
    Man hört ihn laut in der Nacht.
    Nicht jeder ist so bescheiden,
    dass er sich ausschließlich für die Sache stark macht.
    Ein Club im Revier.​

    VauEfEl, wir komm’n zu dir
    VauEfEl, so siegen wir
    Tja, Glück auf
    Duisburg​

    Es gibt keine Ruhe
    Trainer wechseln jederzeit.
    Enttäuscht sind auch Spieler,
    denn wenn das Herz nicht zählt,
    bleibt nur noch großes Geld
    Wer bleibt dann beim VauEfEl?​

    VauEfEl, wir komm’n zu dir
    VauEfEl, so siegen wir.
    Tja, Glück auf
    Duisburg.​

    Das Stadion wird nicht einmal voll sein.
    Trotz Derby, trotz Not.
    Eine Mannschaft ohne Glauben
    schafft keinen Doppelpass
    bleibt heute blass,
    dieser VauEfEl.​

    VauEfEl, wir komm’n zu dir
    VauEfEl, so siegen wir.
    Tja, Glück auf
    Duisburg.​

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  24. [​IMG]Auf die eigene prophetische Gabe zu verweisen, kommt immer dann gut, wenn die Prophezeiung eingetroffen ist. Eigentlich braucht dieser 2:0-Sieg nichts anderes als den Verweis auf meine gestern online gestellte Fassung von Grönemeyers Bochum. Es fehlte nur das konkrete Ergebnis. Was für ein überzeugender Auswärtssieg. Was für ein selbstbewusster Auftritt von Mannschaft und Anhängern des MSV, und welch zerrüttetes Auftreten des VfL.

    In Bochum ist gerade zu sehen, wie Funktionäre, Anhänger und Mannschaft in gemeinsamer Anstrengung versuchen, aus einer Situation das Schlechteste zu machen, was möglich ist. Der MSV hat diese gemeinsame Anstrengung in Bochum von Anfang in jeglicher Hinsicht genutzt. Wir, in der Gästekurve, haben dieses Stadion zu einer Exklave Duisburgs gemacht, weil der Protest der Bochumer Anhänger gegen die Arbeit der Vereinsverwaltung den Heimsupport auf ein Minimum herunterschraubte.

    Die Mannschaft des VfL tat ihren Teil, trat vorsichtig auf und schien immer ratloser zu werden. Das selbstbewusste, hohe Attackieren der Zebras machte einem anfänglich vorhandenen Versuch, das Spiel zu entwickeln, den Garaus. Die Bochumer bekamen so viel damit zu tun, das eigene Tor zu verteidigen, dass sie kaum mehr in die Nähe des Duisburger Strafraum kamen.

    Ein einziges Mal ergab sich in der Mitte der ersten Halbzeit eine sehr torgefährliche Bochumer Chance. Kurz hatte ich die Sorge, es könne sich der Anfang der Saison wiederholen. Der MSV macht das Spiel und der Gegner die Tore. Doch zu fehlerhaft spielten die Bochumer inzwischen. Was war das für ein Festival an einfachen Ballverlusten, Pässen ins Aus und verstolperten Dribblings auf Bochumer Seite.

    Die Zebras haben die Bochumer Spieler aber auch zu diesen Fehlern gezwungen. So viel Druck wurde auf jeden Bochumer nach der Ballannahme ausgeübt, und die zweiten Bälle blieben fast immer in den Reihen des MSV. Nach Balleroberungen ging es schnell Richtung Bochumer Tor, wenn auch zunächst die große Gefahr ausblieb. Doch einer dieser Konter führte schließlich zum Führungstreffer. Wieder war es Ahmet Engin, der Fahrt aufnahm, quer legte und Stanislav Iljucenko schoss dieses Mal von der Strafraumgrenze aus. Ein variables Konterspiel über mehrere Stationen mit dem Auge der Spieler für die Möglichkeiten. Das ist die Botschaft, die das Tor auch in sich trägt.

    Neulich las ich, Enis Hajri träume von der WM. Gestern dachte ich, ja, richtig so. Dieser Traum macht dich immer besser. Das Bochumer Angriffsspiel lief in der ersten Halbzeit nur über seine Seite. Die Mannschaft stand hoch, entsprechend groß war die Möglichkeit mit einem weiten Pass überspielt zu werden. Das geschah zwei-, dreimal und war eben Folge der Taktik. Das machte mich erst nervös. Doch irgendwann hatte er sein Stellungsspiel perfekt im Griff. Sein Auftreten zeugt inzwischen von einem Selbstbewusstsein, das Staunen macht. Enis Hajri hat sich frei gespielt. Seine Dribblings werden immer geschmeidiger und lassen jeden staunen, der seine Ballführung aus Drittligazeiten noch vor Augen hat. Deshalb konnte er kurz vor dem Halbzeitpfiff über den Flügel gehen und in den Strafraum ziehen, wo er gefoult wurde. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter zur 2:0-Führung.

    Diese Führung reichte dem MSV in der zweiten Halbzeit bis zum Schlusspfiff. Mir hat es nicht gefallen, dass die Mannschaft in den ersten 20 Minuten dieser zweiten Halbzeit passiver aufgetreten ist. Gegen einen anderen Gegner hätte das ins Auge gehen können. Erst im weiteren Verlauf wirkten die Spieler wieder so präsent, dass die Bochumer keine Ruhe mehr zur Ballverarbeitung besaßen. Diese Ruhe hatten die Zebras ihnen zunächst aber gegeben. Entsprechend druckvoller wurde der VfL. Das Risiko ein Gegentor zu erhalten, war für eine Zeit größer geworden. Und wie gesagt, dieses Risiko ist der MSV nach dem Wiederanpfiff eingegangen und hatte sich Bochum keineswegs erspielt.

    Von etwa der 70. Minute an entspannte ich mich. Der MSV hatte das Spiel wieder vollkommen im Griff. Bochumer Angriffe wirkten wie das aufgeregte Anlaufen gegen eine Mauer. Die Spieler prallten ab oder schossen über und neben diese Mauer. Der MSV hatte Chancen, uns alle in der Gästekurve mit einem dritten Tor schon im Spiel vollkommen euphorisch zu machen. Diese Chancen wurden nicht genutzt. Womöglich hätte uns das auch überfordert mitten in der Woche. Solche ausufernde Feste vertagen wir auf die Wochenendspieltage.

    Im Knödelgesang Grönemeyers nun alle zusammen: „Bochum, wir war’n bei dir. Bochum, wir b’siegen dir. Tja, Glück auf. Duisburg.“

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    Viererkette, JaWattDenn, Matze und 2 anderen gefällt das.
    1. Ein Ausgleichstor in der 90. Minute nach einem Zwei-Tore-Rückstand fühlt sich für die ausgleichende Mannschaft und ihre Anhänger nach einem Siegtor an. Sechs Tore in einem Spiel machen den Besuch eines Stadions zu einem unterhaltsamen Freizeitangebot. Wie war der Endstand des Fußballspiels zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Heidenheim?
    2. Lasst uns doch endlich einen Moment mehr Zeit, um mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Dieser Satz hing in der ersten Halbzeit immer klarer als eine große Gedankenblase auf Zebra-Seite über dem Rasen.
    3. Die Heidenheimer kauften den Zebras von der ersten Minute einen großen Teil ihres Schneids ab. Sie griffen früh an, standen hinten sehr sicher und schienen auf dem gesamten Spielfeld in der Nähe des Balls immer ein Mann mehr zu sein. Es war schnell deutlich, dieses Spiel wird nicht einfach für den MSV.
    4. Die Mannschaft des MSV stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Überlegenheit der Heidenheimer. Für die engen Räume war das Kurzpassspiel des MSV meist nicht präzise genug. Zudem gehörten lange, hohe Bälle fast immer den Heidenheimern dank ihrer Kopfballstärke.
    5. Ballverluste des MSV führten zu gefährlichen Offensivaktionen der Heidenheimer. Die Führung der Gäste zeichnete sich von Beginn an als mögliche Entwicklung des Spiels ab.
    6. Nach dem Rückstand kämpfte der MSV darum, im Spiel zu bleiben. Das misslang trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs. Ahmet Engin wurde nach schönen Pass im Strafraum gefoult. Kevin Wolze verwandelte den Elfmeter souverän.
    7. Die Hoffnung auf ein stabileres Spiel des MSV wurde enttäuscht. Heidenheim verhinderte weiter effektiv das Offensivspiel des MSV und brachte die im Mittelfeld eroberten Bälle schnell in die eigene Offensive. Ein zweites Tor fiel und ein drittes als Eigentor von Dustin Bomheuer. Eigentore sind besonders frustrierend, nehmen der eigenen Zuversicht noch mehr Kraft. Mit dieser Bürde ging der MSV in die Halbzeitpause.
    8. Nach dem Wiederanpfiff rangen beide Mannschaften wieder darum, das Spiel zu bestimmen. Es dauerte noch ein paar Minuten, ehe der Vorteil auf Seiten des MSV lag. Dort blieb er dann bis zum Schlusspfiff.
    9. Das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst wäre der kitzelnde Wunsch Kevin Wolzes erhört worden. Treffe noch zum Ausgleich, raunte es verführerisch, nachdem Kevin Wolze ein zweites Mal erfolgreich gewesen war. Mit einem wunderbaren Volleyschuss traf er zum 2:3. Sein drittes Tor zum Ausgleich wollte aber nicht fallen, obwohl er es noch zweimal, dreimal (?) aus der Distanz per Brechstange versuchte. Die verführerische Stimme war in den Momenten etwas zu laut geworden. Er verkörperte aber den Willen, das Spiel zu drehen. Seine Willenskraft wirkte in die Mannschaft hinein, steckte das Publikum an, machte spürbar, in der zweiten Halbzeit ist noch alles drin.
    10. Die Kräfte der Heidenheimer schwanden. Unermüdlich rannte der MSV auf das Tor des Gegners zu. So kurz vor dem Abpfiff ging dem Ausgleich noch ein klar strukturierter Angriff voraus, bei dem Kingsley Onuegbu, am hinteren Pfosten stehend, wunderbar freigespielt wurde.
    11. In Duisburg kommen nur etwas mehr als 13.000 Zuschauer, wenn der MSV nach der Winterpause das erste Auswärtsspiel souverän gewinnt und als Aufsteiger auf dem 5. Tabellenplatz steht. Das ist enttäuschend. Aber es wäre zu kurz gedacht, wenn man dabei nur an den MSV und sein Publikum denkt. Diese Zuschauerzahl entspricht dem zwiespältigen Verhältnis, das viele Duisburger zu ihrer Stadt haben. Da Duisburger immer bereit sind, sich von der Wirklichkeit Duisburgs zu distanzieren, braucht diese Stadt besonders eindrückliche Beweise ihrer Erfolge.
    12. Ein Stehplatzsittengemälde: Selbst volltrunkene Vollidioten finden das Glück in der Liebe und schützenden Halt in der Ehe. Denn Ehefrauen von volltrunkenen Vollidioten trauen ihren Männern beim Griff zum vollen Bierbecher zu, dass sie wissen, was sie mit dem Becher tun werden. Mit hochrotem Kopf und keifender Stimme treten sie für ihren Ehemann ein, der sich nur noch undeutlich artikulieren kann. Sie wittern sogar Gefahr, wenn ich freundlich volltrunkene Vollidioten bitte, diesen Becher auszutrinken, statt ihn erneut in flacher Flugkurve auf die Menschen direkt vor ihm auszuschütten. Der Unmut der Zuschauer entlang der flachen Schneise von etwa fünf Metern war groß gewesen. Ich hatte ihn schützen wollen vor weiterem Unbill. Er brauchte den Schutz nicht. Er hatte seine Frau. Welch hoffnungsfrohe Botschaft für den Wert einer Ehe gibt uns diese Begegnung mit einer fürsorglichen, an ihren Ehemann glaubenden Frau.
    13. Die Zuschauer, die nicht gekommen sind, fühlen sich übrigens durch das Unentschieden bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn siehe oben: Sie kommen nur, wenn der MSV für eine etwas längere Zeit besonders erfolgreich ist.

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  25. Wie gestern schon gesagt, das Leben schreibt nicht immer die schönsten Geschichten. Sonst hätte das Spiel des MSV gegen Heidenheim als eine Mischung aus zwei legendären Spielen des MSV erzählt werden können. Man hätte Kevin Wolze dann Ennatz Ahanfouf rufen können.

    Im November 1977 stand beim 6:3-Sieg des MSV gegen Bayern München ein Spieler besonders im Blick. Ennatz Dietz legte mit den ersten vier Toren die Grundlage für den Sieg. Die Bayern spielten damals eine schlechte Saison und kamen als 13. ins Wedaustadion. Der MSV war 14. und in den 1970er Jahren das Siegen gegen die Bayern noch gewohnt.

    Bewegtbilder habe ich leider nicht gefunden. Wenn ihr persönliche Erinnerungen an das Spiel habt, gerne ab in die Kommentare für das Fangedächtnis des MSV Duisburg. Hier die Torfolge:

    20. Minute 1:0 Bernard Dietz
    24. Minute 1:1 Reiner Künkel
    44. Minute 1:2 Gerd Müller (Foulelfmeter)​

    49.Minute 2:2 Bernard Dietz
    57.Minute 2:3 Gerd Müller
    76. Minute 3:3 Bernard Dietz
    78. Minute 4:3 Bernard Dietz
    83. Minute 5:3 Ronald Worm
    85. Minute 6:3 Norbert Stolzenburg​

    Vom Spielverlauf wäre eine andere Begegnung vorbildhaft gewesen: das 4:3 gegen Wacker Burghausen am 1. Mai 2005. Der MSV war vor dem Spiel Zweiter. Vier Punkte Vorsprung vor dem Drittplatzierten Eintracht Frankfurt und sechs Punkte vor dem Viertplatzierten, dem TSV 1860 München, ergaben eine gute Ausgangsposition, um in den restlichen Spielen den Bundesligaaufstieg zu verwirklichen. Damals gab es auch noch für den Drittplatzierten den direkten Aufstieg. Burghausen kam als Achter der Tabelle. Auch hier gilt: Persönliche Erinnerungen an das Spiel gerne ab in die Kommentare für das Fangedächtnis des MSV Duisburg.

    Hier die Torfolge:

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    Und von dem Spiel gibt es auch Bewegtbilder im Netz:

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  26. In diesen Räumen schreibt Kees Jaratz. Diesen Namen gibt es, weil die 1970er Jahre für den MSV und mich von besonderer Bedeutung waren. In diesem Namen konzentrieren sich Geist und Erfolg dieser Zeit, der viele anderen Namen ungenannt lässt. Doch ohne Rolf Schafstall etwa hätte ich diesen Namen nicht erfinden können. Denn Rolf Schafstall trainierte den MSV in jener Saison 1978/79, als es die Zebras im UEFA-Pokal bis ins Halbfinale schafften. Nun ist Rolf Schafstall im Alter von 80 Jahren gestorben.

    Er wuchs in Neumühl auf, und die Daten seiner Fußballer- und Trainerkarriere werden jetzt überall genannt. Seine fußballerische Heimat war Hamborn 07, und natürlich kommt in Duisburg der Mai 1963 zur Sprache, und damit jenes im Oberligaspiel von Hamborn 07 gegen den MSV gepfiffene Foul, von dem Rolf Schafstall sein Leben lang sagte, es sei kein Foul gewesen. Den Freistoß nach diesem Schafstall-Foul oder -Nichtfoul verwandelte Peter Danzberg zum 2:1, mit dem das Spiel endete. Im Grunde war es ein Foul mit Weitsicht. Denn ohne Foul kein Tor. Ohne Tor keine Qualifikation zur Bundesliga. Ohne Bundesliga keine UEFA-Cup-Teilnahme. Ohne UEFA-Cup kein Trainer mit einer international erfolgreichen Mannschaft.

    Rolf Schafstalls knorriger Art begegnet man im Ruhrgebiet häufiger. Vielleicht wird er deshalb auch von der Region so vereinnahmt, obwohl er als Trainer sehr viel öfter auch außerhalb der Region gearbeitet hat. In Bochum aber erlebte er seine längste Zeit in einem Stück als Trainer. Auch wenn in den Bewegtbildern unten keiner von Schafstalls Pottvereinen seinen Auftritt hat, nehme ich das Spiel von Bayer Uerdingen gegen den VfB Stuttgart, um an Rolf Schafstall zu erinnern. Denn Rolf Schafstall wird durch diese wenigen Minuten in seiner Persönlichkeit sehr greifbar. Nichts anderes soll Gedenken sein: Sich an einen Mensch in seinem Wesen erinnern.

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  27. So schnell geworden ist der Fußball heute.
    Ein Schnee kriegt niemals mehr noch Zeit zum liegen.
    Da schneit es. Schon umringen ihn knapp fünfzig Leute,
    um ihn ins Aus zu schieben für das Siegen.​

    Im Aus ist Einfluss auf das Spiel erstickt.
    Die Spieler kämpfen standfest um den Ball.
    Und wenn dann Engin freien Raum erblickt,
    zieht er hinein und rutscht auf keinen Fall.​

    Vom Strafraumrand schießt er ins Tor.
    Der Schnee sieht hilflos zu und möchte fluchen,
    weil er den Zugriff auf das Spiel verlor.
    Die Lilien aber finden ihn mit Suchen.​

    Der Ausgleich fällt bald. Alles wieder offen.
    Man sieht in zweiter Halbzeit zunächst nicht,
    dass eine Mannschaft stärker ist. Sie hoffen
    beide auf die Spielaktionen mit Gewicht.​

    Ein kleiner Vorteil durch das Chancenplus
    für Zebras, auch wenn’s Tor auf beiden Seiten
    fast schon fällt. Doch erst nach Freistoß kurz vor Schluss
    kommt es zu Stürmertorgefährlichkeiten.​

    Dem Lilien-Spieler-Schubs zur Schiri-Brust
    folgt Wolzes Freistoß in den Strafraum.
    Gewühl, dann schneelos rutschend, ganz bewusst
    drückt Iljutcenko ein. Zum Sieg. Kein Traum.​

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  28. Gerade bekomme ich die Pressemitteilung vom MSV herein: Zlatko Janjic wechselt nach Polen zu Korona Kielce. Kielce was? Das kennen wir doch. Genau. Das ist jener Verein, bei dem der Ex-Bundesliga-Torwart Dieter Burdenski Mehrheitseigner ist und Gino Lettieri im letzten Jahr Trainer wurde. Ich seufze gerade mal kurz, weil ich meine erklären zu müssen, wer Dieter Burdenski ist.

    Zum einen zeigt uns dieser Wechsel, wie sehr auch im Fußball Vertrauen eine notwendige Bedingung für erfolgreiche Arbeit ist. Dass Trainer ihre ehemaligen Spieler gerne erneut verpflichten, so es die Transfersituation gerade ergibt, kommt ja nicht selten vor. Die einmal bewährte Zusammenarbeit erleichtert es, bei einem neuen Arbeitgeber erfolgreich zu sein.

    Zum anderen erweist sich Zlatko Janjic als ehrgeiziger Realist. Er möchte Fußball spielen und nicht nur bestenfalls auf der Bank sitzen. Seine technischen Fähigkeiten hatten die Zebras in den Drittligajahren immer wieder gebraucht. Auch unter Druck den Ball kontrollieren, das kann er. Von Anfang an war aber auch klar, um wirklich stark offensiv zu spielen, braucht er etwas mehr Raum, ein Raum, der ihm in der zweiten Liga nur selten gelassen wird. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gibt es in dieser Saison mehrere Spieler im Kader mit seinen technischen Fähigkeiten, die aber schneller im Kopf und schneller auf den Beinen sind. Der Realist Zlatko Janjic hat das gesehen.

    Schließlich verrät uns dieser Wechsel auch, wie sicher sich Ivo Grlic und Ilia Gruev ihres Weges sind, wie weit im voraus gedacht wird, wie Kaderplanung jetzt schon für die nächste Saison auf Höchsttouren geschieht. Zlatko Janjic hätte nicht gehen können, wenn nicht die Weiterentwicklung des Kaders für die Saioson 2018/2019 längst schon umgesetzt wird.

    Also, viel Erfolg bei Korona Kielce, Zlatko Janjic! Und grüß den Gino von uns.

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  29. [​IMG]
    Foto: Zebras stehen auf


    Gestern war ich schon auf dem Weg in den Straßenkarneval, als mir noch die Reviersport-Meldung über den Angriff von Rechtsradikalen auf die MSV-Fans rund um Zebras stehen auf in die Facebook-Timeline gespielt wurde. Anlass für die gewaltsame Auseinandersetzung war ein Banner von Zebras stehen auf. Die Faninitiative hat zu dem Vorfall eine Stellungnahme veröffentlicht. Der MSV Duisburg hat bereits reagiert und klare Kante gezeigt. Sechs Hausverbote für das Stadion sind bereits ausgesprochen. Außerdem sagt Geschäftsführer Peter Monhaupt im Namen der Gremien, der Mannschaft und der Fans: „Der MSV Duisburg steht für Vielfalt und für Integration. Wir sind offen für alle Menschen, Kulturen und Religionen.“

    Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Mit dem Vorfall in Darmstadt sehen wir: Es gibt weiterhin Menschen, die zum MSV gehen und andere Anhänger wegen ihres Engagements für eine lebenswerte Gesellschaft mit Gewalt einschüchtern wollen. Auch wenn in Berichterstattung und Reaktion des MSV klar die Aggressoren benannt werden, möchte ich in diesen Räumen auch noch etwas zu dem Geschehen schreiben.

    Denn so ein Vorfall braucht eine breite Öffentlichkeit. Einmal mehr wird deutlich, dass das Stadion entgegen allen Wünschens kein politikfreier Raum ist. Vor längerer Zeit habe ich das schon einmal ausführlich begründet. Damals kam es zu Übergriffen auf die Kohorte, und in der danach entstandenen Diskussion zwischen Fans vermischten sich die Argumente. Aus unterschiedlichen Gründen wurde der Kohorte oftmals eine Mitverantwortung für den Überfall auf sie gegeben.

    Beim Vorfall vom letzten Sonntag ist diese als Entlastung wirkende Schuldzuweisung nicht möglich. Zebras stehen auf sind als Gruppe in ihrem Handeln nicht umstritten. Das Banner von Zebras stehen auf hat eine klare Botschaft, die auch für den unpolitischsten Stadiongänger gilt. Denn was wir als erstes wahrnehmen, bestimmt mit, ob wir uns in der Öffentlichkeit sicher fühlen können. Ein Stadion mit einem solchen Banner ist ein sicherer Ort. Denn in einem Stadion ohne rassistische und diskriminierende Meinungen braucht sich niemand bedroht fühlen. So ein Stadion ist ein tolerantes Stadion.

    Doch keine Toleranz den Feinden der Toleranz. Wer dieses Banner vom Zaun reißt, möchte das Stadion zu seinem Hoheitsgebiet machen. Das sind keine Spielereien unter Fans. In dem Fall geht es um Herrschaft über das, was öffentlich sichtbar sein kann. Es geht um Einflussnahme in der Kurve. Das ist Politik. Im Stadion kann es nur dann alleine um den Sport gehen, wenn wir bei so einem Vorfall politisch reden. Das Handeln können wir dem MSV Duisburg überlassen. Aber geredet wird in der Sprache der Politik: Rechtsextremismus muss als solcher benannt werden. Was in Darmstadt geschehen ist, war Gewalt von Rechtsextremisten.

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  30. Seit Rosenmontag liege ich flach. Wahrscheinlich Grippe. Ich habe mal die richtige probiert. Seit heute kann ich wenigstens wieder vier, fünf Gedanken fassen, Texte schreiben aber noch nicht. Ich hatte wenige Fotos beim Spiel gegen Bielefeld gemacht. Die stelle ich mal rein als Pausenbild.

    Das erste Foto zeigt mich als barmherziger Stadionwegbegleiter mit einer Gruppe Bielefelder. Im Bahnhof bin ich der Reisegruppe begegnet, die nur sehr zweifelnd ihres Weges ging. Welch große Erleichterung in den Gesichtern, als ich fragte, ob ich behilflich sein kann. Erstaunlicherweise reichte einigen nicht mein erklärender Hinweis. Einige suchten den Schutz eines vertrauensvollen wirkenden Duisburgers. Ich habe sie dann tatsächlich zum Stadonbus begleitet und nicht wie sonst oft die Gästefans vor die Stadtmauern geführt, auf dass man niemals mehr von ihnen hörte.

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  31. Langsam kehre ich wieder ins normale Leben zurück. Langsam. Über 14 Tage habe ich mit einer Grippe im Bett gelegen und bin selbst jetzt noch erschöpft, wenn ich den Vormittag über am Schreibtisch gesessen habe. Mir ist deshalb vollkommen klar, dass Dustin Bomheuer in Kiel kaum wird spielen können, und auch gegen Düsseldorf wird es mit Sicherheit noch eng. Wahrscheinlich hat sein Infekt doch ähnliche körperliche Folgen wie bei allen derzeit an Grippe Erkrankten. Zu hören ist überall, wie lang anhaltend die Leistungsfähigkeit stark vermindert ist, selbst wenn alle sonstigen Grippesymptome verschwunden sind.

    Die Mannschaft aber fängt Ausfälle auf beeindruckende Weise auf. Um den Auftritt in Kiel ist mir nicht bange. Die letzten drei Spiele haben auf jeweils unterschiedliche Weise gezeigt, dass diese Mannschaft grundsätzlich jedes Spiel bestimmen will. Wenn überhaupt, ist diese Mannschaft nur für einen kurzen Moment zu erschüttern. In den Spielberichten zum Spiel gegen Ingolstadt wird die Atmosphäre des Spiels in der ersten Halbzeit ja gar nicht deutlich. Wer nicht im Stadion war, weiß nicht, wie zerstört das Fußballspiel in der ersten Halbzeit nach dem Ausgleich gewesen ist. Das Spiel war kaputt. Beide Mannschaften versuchten geradezu verzweifelt in den Fluss des Spiels zurück zu kommen. Doch die Grundatmosphäre blieb das Stückwerk. Das war für den MSV in der zweiten Halbzeit dann vorbei.

    Ich freue mich auf den weiteren Verlauf der Saison und bin immer noch entspannt beim Blick auf die Tabelle. Mir kommt es nicht so vor, als sei für den MSV ein Ziel gefährdet. Ich hoffe, ich kann diese Haltung stabil halten. Im Stadion selbst beginnt die drohende Enttäuschung nämlich schon sehr intensiv zu kitzeln, sobald ein Sieg nicht mehr sicher scheint.

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  32. Jetzt bin ich nach meiner Grippe endlich bereit, den Spieltagbetrieb im Zebrastreifenblog wieder aufzunehmen, und dann könnte ein einziges Wort reichen, um die 5:0-Niederlage gegen Holstein Kiel für jede Chronik aufzuarbeiten: Chancenlos.

    Derart unterlegen haben wir den MSV in dieser Saison noch nicht gesehen. In keiner Sekunde des Spiels waren die Zebras konkurrenzfähig. Die Kieler hatten sich nicht besonders mühen müssen, um die Defensive des MSV zu überspielen. Die Kieler konnten sich ihrem Angriffsspiel aber auch vollauf widmen. Offensivaktionen des MSV hat es nämlich in der ersten Halbzeit nicht gegeben. Die Zebras wirkten so, als waren sie gerade noch mit etwas anderem beschäftigt gewesen. Keine Ahnung, was man in Kiel am späten Vormittag so machen kann. Schiffe versenken oder Förde saufen? Auf jeden Fall das Gefühl für die Zeit verlieren, um ab 13 Uhr nicht richtig auf dem Platz zu stehen.

    Der 2:0-Rückstand zur Halbzeitpause war schmeichelhaft. Aber wir hatten die Kieler in den letzten Wochen schon ähnlich überlegen geführte Spiele nicht gewinnen sehen. Doch als in der zweiten Halbzeit ein Hoffnungsschimmerchen energieschwach für mich aufglomm, geriet ein Kieler durch eine leichte Berührung im Duisburger Strafraum ins Straucheln. Der verwandelte Elfmeter ließ mich mein Tagesziel überdenken.

    Mit weniger als einem Unentschieden wollte ich mich zufrieden geben. Die Ehrentreffer-Phrase wirkte allerdings nicht mehr. Mit ihr hörte ich nur einen Sound aus längst vergangenen Ernst-Huberty-Sportschauzeiten. Ich brauchte anderen tröstenden Stoff. Geeignete Kommentar-Vorlagen für das Spiel suchte ich, und obwohl ich weder blonde Perücke noch ein passendes Kleid habe, begann ich den Atemlos-Refrain umzuschreiben.

    Chancenlos hieß das Ziel
    für das Punktespiel in Kiel.
    Chancenlos – ohne Kraft
    haben Zebras das geschafft.
    Chancenlos hieß das Ziel,
    dazu brauchte es nicht viel.
    Chancenlos, leistungsschwach, schon war’s unter Dach und Fach​

    Als das vierte Tor der Kieler nach einer Ecke fiel, konnte ich mir in einem Clip zur Parodie die Spieler als Backgroundtänzer auf der Hinterbühne gut vorstellen. Zum Clip passte schließlich auch das fünfte Tor als Eigentor. Wenn ein Spieler des MSV einen besonderen Erfolg verbuchte, dann war das eben die Parodie eines Tores für die eigene Mannschaft.

    Einen weiteren Kommentar zum Spiel haben übrigens La Brass Banda im Programm. So Niederlagen will ich doch auch sinnvoll nutzen. Gute Musik, ja.

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  33. Am Freitag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

    Eröffnen möchte ich das inoffizielle Akzente-Programm mit Tränen des Vaterlandes, einer zeitlosen Klage über den Krieg, die der Barockdichter Andreas Gryphius 1637 geschrieben hat. Das im Dreißigjährigen Krieg erfahrene Leid hat Gryphius als traumatische Erfahrung beschrieben und damit gleichsam in einen modernen psychologischen Zusammenhang gebracht. Gryphius wusste, der kriegerischen Verwüstung der Welt entspricht die der menschlichen Seele. Dieses Sonett von Andreas Gryphius ist als Kriegsklage für die deutsche Literatur so bedeutsam, dass es auch bei einer Veranstaltung des offiziellen Programms vorgetragen werden könnte. Von einer weiß ich sicher, jener an der ich mitwirke, am 16. März im Ruhrorter Lokal Harmonie.

    Tränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius – 1637​

    Wir sind doch nunmehr gantz, ja mehr denn gantz verheeret!
    Der frechen Völcker Schar, die rasende Posaun
    Das vom Blutt fette Schwerdt, die donnernde Carthaun
    Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrath auffgezehret.​

    Die Türme stehn in Glutt, die Kirch ist umgekehret.
    Das Rathhauß ligt im Grauß, die Starcken sind zerhaun,
    Die Jungfern sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,
    Ist Feuer, Pest, und Tod, der Hertz und Geist durchfähret.​

    Hir durch die Schantz und Stadt rinnt allzeit frisches Blutt.
    Dreymal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flutt,
    Von Leichen fast verstopfft, sich langsam fort gedrungen,​

    Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
    Was grimmer denn die Pest und Glutt und Hungersnoth,
    Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.​

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  34. Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

    Der Duisburger Liedermacher Frank Baier widmete politischen Liedern früh seine Aufmerksamkeit. Nicht nur dass er sie in seine Konzertprogramme aufnahm, er gab schon in den vorvernetzten Zeiten Sammlungen dieser Lieder als Liederbücher heraus. So haben ihn auch jene Lieder interessiert, die begleitend zum Ruhrkampf entstanden sind.

    Bei Duisburg sind viele gefallen besingt den Tod von Arbeitern im Ruhrkampf, der als bewaffneter Arbeiterwiderstand gegen den Kapp-Kutsch in der Weimarer Republik im März 1920 begann. Dieser Widerstand führte zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen zwischen der Arbeiterarmee und den die Demokratie bedrohenden Freikorps. Die Arbeiterarmee konnte trotz unterlegener Bewaffnung die Freikorps besiegen. Als in den Ruhrgebiets-Städten später Teile der Arbeiterschaft zudem die politische Macht ergreifen wollten, gerieten sie in Konflikt mit der Regierung in Berlin. Die Reichswehr wurde in Marsch gesetzt. Deren Oberbefehlshaber zog zur Unterstützung Teile jener Freikorps heran, die wenige Wochen sich als Feinde der Weimarer Republik erwiesen hatten.

    Mit der Folkband Die Grenzgänger hat Frank Baier für sein Programm mit Liedern aus dem Ruhrkampf zusammengearbeitet.




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  35. Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

    In dieser Gegenwart werden Fakten immer häufiger nicht mehr grunsätzlich als Ergebnis eines rationalen Erkenntnisprozesses wahrgenommen. Fakten werden als Meinung behandelt und Meinung als Fakten. Ich nehme eine immer stärkere Bewegung hin zur Meinung ohne argumentative Grundlage durch verbürgte Fakten wahr. Um so notwendiger ist das Beharren auf Fakten und Stärken all jener Institutitonen in dieser Gesellschaft, die Fakten sammeln und sie in einem wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in Frage stellen lassen. Im besten Fall werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit auf leichte Weise zugänglich gemacht.

    An der Universität Hamburg gibt es am Sozialwissenschaftlichen Institut mit der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung, kurz AKUF, eine Institution, die Fakten über die Kriege in der Welt nach 1945 sammelt und sie online stellt. Auf diese Seite lassen sich Strukturen und Verläufe von Kriegen nachlesen. Die theoretische Grundlage der Analysen wird in einem kürzeren Text zu Kriegsdefinition und -typologie offen gelegt. Wer über Krieg nachdenkt, ob künstlerisch, ob politisch, findet bei AKUF die grundlegenden Fakten für sein Nachdenken.

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  36. Wenn ich Straßenbahnderby höre, muss ich immer an einen Stein denken, der in den 1970er Jahren nach einem Abendspiel des MSV in Düsseldorf an der Haltestelle gegen die Scheibe eben einer Straßenbahn geflogen kam. Sicher bin ich mir nicht, was mit der Scheibe geschah. Die gute Geschichte suggeriert mir, sie ging zu Bruch. Beschwören kann ich das nicht. Erinnerungen sind ja manchmal einfach nur das Ergebnis einer als gut erachteten Geschichte.

    Damit die Zweitligasaison 2017/2018 als die kurioseste der Fußballgeschichte eingeht, weil der Punkteabstand zwischen Erstplatziertem und Absteiger nicht mehr als sieben Punkte beträgt, hoffe ich auf einen Heimsieg des MSV. Ganz zu schweigen von meinem ureigenen Interesse am Erfolg der Zebras.

    Genesene Spieler und eine deshalb hoffentlich stabilere Defensive lassen die Voraussetzungen für das Spiel gegen die Fortuna auf jeden Fall besser erscheinen als letzte Woche. Spielerzitate schaue ich mir nach der Erfahrung der letzten Woche allerdings lieber nicht an. Nicht dass ich wieder irgendwas von einer besonderen Einstellung der Spieler lese und irgendeiner Hitze, die die Spieler spüren, einer Hitze, die vermeintlich Leistungsbereitschaft zeigt, aber wahrscheinlich nichts anderes ist als hochtouriger Leerlauf.

    Was die einstige D-Bahn angeht, habe ich übrigens ein paar Bewegtbilder gefunden. Diese D-Bahn erhielt ja immer mal wieder besondere Aufmerksamkeit, weil sie als Straßenbahn einen Speisewagen besaß. Beim Fantransport zwischen beiden Städten war der allerdings geschlossen, wenn nicht ohnehin ganz normale Straßenbahnzüge eingesetzt wurden.

    Als der Speisewagenbetrieb aufgenommen wurde in den 1950er Jahren, war das wohl auch für das Fernsehen von Interesse. Auch wenn der folgende Clip nicht die D-Bahn zeigt, sondern die K-Bahn nach Krefeld, so wird der Speisewagenbetrieb selbst sich nicht unterschieden haben. Während der 1950er Jahre wurde auch im Nahverkehr auf äußere Formen noch sehr viel Wert gelegt. Kellnerinnen mussten unverkennbar Kellnerinnen sein.


    In den 1980er Jahren hieß die D-Bahn dann schon Linie 79. Den Speisewagen gab es noch, doch der Kleidungsstil der Kellnerinnen hatte gelitten. Die Kittelschürze wirkt deutlich weniger stilvoll als das schwarzes Kleid mit weißem Kragen und weißer Schürze.


    Ab Minute 1.29 ist die D-Bahn als Auftaktstraßenbahn der Ruhrgebietstour hier auch noch einmal zu sehen.

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  37. Am Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

    Südlich vom Worringer Reitweg, östlich der A 3 deutet im Duisburger Stadtwald nichts darauf hin, dass dort Mitte April 1945 Walter Model, der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B der Wehrmacht den Kampf um das Ruhrgebiet aufgab. Für das von mir als Ralf Koss geschriebene Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen habe ich den folgenden kurzen Text zu diesem Ereignis geschrieben. Die Historie des Ruhrgebiets lässt mich weiterhin nicht los. „Orte, im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen“ heißt mein Blog zum Thema. Pressestimmen und Informationen zum Buch gibt es dort ebenfalls.

    Flucht vor der Verantwortung

    Die Munition ist aufgebraucht, Lebensmittel sind kaum vorhanden. Nach und nach nehmen die US-amerikanischen Truppen die Städte des Ruhrgebiets ein. Bald ist der Krieg zu Ende. Am 17. April 1945 gibt der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B den geordneten Verteidigungskampf auf. Den im Ruhrkessel eingeschlossenen etwa 300.000 Soldaten stellt er frei, in Gruppen kämpfend die feindliche Linie zu durchbrechen oder sich einzeln durchzuschlagen, zivil oder in Uniform. Vier Tage später greift Walter Model in einem Duisburger Waldstück nahe Lintorf zu seiner Waffe und erschießt sich.

    Als fanatischer Anhänger des Nationalsozialismus will er die Niederlage erklären: »Unter dem Druck der Kriegsereignisse zeigt sich, daß noch immer weite Kreise des deutschen Volkes und damit auch der Truppe vom jüdischen und demokratischen Gift der materialistischen Denkweise verseucht sind.« Ein Kapitulationsangebot hat er abgelehnt, und fast bis zuletzt ist er bereit, seine sinnlosen Befehle unter Androhung von standrechtlichen Erschießungen durchzusetzen.

    Anfang März war die US-Army bei Remagen über den Rhein gesetzt. Nach der britischen Großoffensive nahe Wesel kann das Ruhrgebiet in einer Zangenbewegung umschlossen werden. Großen Widerstand gibt es nicht, während sich die alliierten Truppen im Hinterland des Ruhrgebiets aufeinander zubewegen. Am 1. April treffen sie bei Lippstadt aufeinander. Der Ruhrkessel ist geschlossen

    Indem der Kessel enger gezogen wird, gelingt das erhoffte »mopping up«, das »Aufwischen« der deutschen Truppen, ohne große Verluste der Alliierten. Als ein letztes Mittel des Kampfes bleibt den Nationalsozialisten, die Wirklichkeit zu verdrehen: »Wir wissen mehr, als der Gegner weiß« heißt es auf einem Flugblatt vom Gauleiter Westfalen-Süd, Albert Hoffmann. Das Schließen des Ruhrkessels sei ein großer Erfolg der Wehrmacht und von der Führung geplant gewesen.



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  38. Wenn ich noch zwei Stunden nach einem Fußballspiel Kopfschmerzen wegen meines zeitweilig viel zu hohen Blutdrucks habe, können wir bedenkenlos von einem aufregenden Fußballspiel sprechen. Wahrscheinlich brauche ich demnächst eine ärztliche Unbedenklichsbescheinigung, ehe ich ins Stadion gehe.

    Aufregend war die 1:2-Niederlage des MSV gegen Fortuna Düsseldorf allerdings erst in der zweiten Halbzeit. Denn in dieser zweiten Halbzeit schaffte es der MSV als Mannschaft die individuelle Überlegenheit einzelner Düsseldorfer Spieler wett zu machen. Nachweis dieser individuellen Überlegenheit waren sowohl die präziseren und härteren Schüsse auf das Tor als auch das härtere und etwas sicherere Kurzpassspiel der Düsseldorfer. Der Vorteil der Düsseldorfer war nicht groß, er war aber vorhanden. Wegen dieses Qualitätsunterschieds führt die Fortuna die Zweitligatabelle an, und der MSV spielt oben zwar mit, aber hat weiterhin die 40, besser 42 Punkte im Blick, während wir im Stillen von einem Relegationsplatz träumen.

    Kontrolliertes Spiel hieß in der ersten Halbzeit die Devise nach dem Spektakelfußball des Hinspiels. Dieses kontrollierte Spiel brachte für die Fortuna Schüsse aus der zweiten Reihe, die auf das Tor kamen. Schüsse, die auf das Tor kommen, können dann auch mal reingehen. So entstand das Führungstor der Düsseldorfer wenige Minuten vor dem Pausenpfiff. Einen hohen Abschlag in die Hälfte des MSV ließ Gerrit Nauber einmal auftitschen. Solche auftitschenden Bälle machen mir immer Sorgen. Sie sind oft unberechenbar. So machte nicht nur ein Düsseldorfer Spieler im direkten Zweikampf mit Gerrit Nauber Druck, ein zweiter Düsseldorfer Spieler konnte den nur schlecht geklärten Ball sofort aufnehmen. Die noch nicht wieder geordnete Defensive ließ zu viel Freiraum. Der Schuss aus der zweiten Reihe traf. Wenn ich in einer Schlagzeile von einem Sonntagsschuss lese, schüttel ich allerdings veständnislos den Kopf. Das war kein Sonntagsschuss. Das war einer von mehreren gefährlichen Schüssen. Die Düsseldorfer brauchen kein Glück für solche Schüsse. Die können das.

    Demgegenüber stand eine Chance durch Ahmet Engin für den MSV, oder sagen wir, sich eröffnende Chance. Engin war in den Strafraum gezogen und versuchte quer zu legen statt selbst zu schießen. Das hätte eine große Chance werden können. So wurde der Konter nach Balleroberung im Mittelfeld nur etwas Halbgares.

    Kurz nach dem Wiederanpfiff veränderte ein schneller Abwurf von Mark Flekken das Spiel. Aus diesem schnellen Abwurf entstand ein erster Angriff des MSV, der Fortunas Defensive durcheinander wirbelte. Von da an schwankte das Spiel hin und her. Während die Fortuna weiter auf die Schüsse von der Strafraumgrenze setzte, versuchten die Zebras immer wieder näher ans Tor zu kommen – mit schnellem Flügelspiel oder mit hohen Bällen. Als Kevin Wolze sich über den linken Flügel wunderbar durchgespielt hatte, war der Weg Richtung Tor frei. Nah an der Torauslinie, wurde er von den Beinen geholt. Der Elfmeterpfiff blieb aus. Blutdruckspitze, die erste. Kevin Wolze war in dem Fall mein Blutdrucksenker, weil er seiner Wut freien Lauf lassen konnte. Die gelbe Karte hatte er schon, ich fürchtete das Gelb-Rot. Sofortige Beruhigung war deshalb meine Devise. Vielleicht wirkte es auf das Spielfeld runter.

    Kingsley Onuegbu wurde eingewechselt und erarbeitete sich seine Chance zum Ausgleich. Sein kunstvoller Seitfallrückzieher ging knapp am Tor vorbei. Auf der Gegenseite gab es einen Schuss gegen die Latte. Als kurz vor dem Abpfiff das 2:0 fiel, schien meine Gesundheit nicht mehr gefährdet. Doch weit gefehlt. Nach dem Anschlusstreffer durch Boris Tashchy zwei Minuten später kam erst die wirkliche Prüfung des Tages. In den vier Minuten Nachspielzeit war der Ausgleich tatsächlich zweimal möglich. Die erste Chance vom King wurde zur Ecke abwehrt, und es war klar, diese Ecke würde die letzte Spielaktión. Heute weiß ich nicht einmal mehr, ob der King bei seiner zweiten Chance nach dem Eckball köpfte oder schoss. Neben der Erinnerung an meine Kopfschmerzen ist nur meine Fassungslosigkeit geblieben, dass dieser Ball vom Torwart noch geklärt werden konnte.

    So komme ich zu dem etwas merkwürdigen Eindruck, dass der Sieg der Fortuna einerseits in Ordnung geht, andererseits aber das Unentschieden verdient gewesen wäre.

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    Matze gefällt das.
  39. Am vorletzten Samstag sind die 39. Duisburger Akzente eröffnet worden. Nie wieder Krieg? lautet das Motto des Kulturfestivals. Auch dieses Jahr begleite ich die Akzente im Zebrastreifenblog mit einem inoffiziellen Programm ohne Bühnenpflicht für jeden Tag.

    Für den heutigen Beitrag zur deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte greife ich noch einmal auf einen Text zurück, der in dem Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen erschienen ist. Auch in diesen Räumen hatte ich ihn schon einmal veröffentlicht. Das Akzente-Thema dieses Jahres bietet Gelegenheit für eine Wiederholung. Denn bei der Beschäftigung mit dem Krieg brauchen wir immer auch Hoffnung auf die Möglichkeit zu Versöhnung und Frieden. Im Ruhrorter Hafen arbeiteten kurz nach dem 2. Weltkrieg Männer aus Frankreich und Deutschland in derselben französischen Spedition. Aus Kollegen wurden Freunde. Die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Nationen wurde nicht mehr vererbt. Aus Ferne war Nähe geworden. Im Ruhrorter Hafen wurde etwas gelebt, was als Hoffnung für beide Nationen erst später auf politischer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.

    Der Basketballfreiplatz am Ruhrdeich
    Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

    [​IMG]Als 1950 der französische Außenminister Robert Schuman dem Misstrauen zwischen Frankreich und Deutschland mit der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftens begegnet, dachte er noch nicht an Freundschaft. In Ruhrort ist das damals schon anders. Jene Freundschaft, die dann 13 Jahre später Konrad Adenauer und Charles De Gaulle mit dem Élysée-Vertrag endgültig vertiefen wollen, ist in dem Hafenstadtteil schon bald nach dem Krieg gelebter Alltag für junge Franzosen und Deutsche.

    Der Basketball vereint diese Männer. Bei den Franzosen ist der Sport beliebt, und die jungen Ruhrorter finden das in Deutschland noch exotisch wirkende Mannschaftsspiel interessant. Eine Art Betriebssportgruppe entsteht. Denn alle diese jungen Basketballer arbeiten bei der französischen Staatsspedition Compagnie Générale Du Rhin. Allerdings fehlt ihnen ein richtiges Basketballfeld. An eine Sporthalle ist gar nicht erst zu denken.

    Da trifft es sich gut, dass der Platzwart der Tennisanlagen des VfvB Ruhrort/Laar in dem Schifffahrtsunternehmen nach Arbeit fragt. Neben diesen Tennisanlagen am Ruhrdeich gibt es eine Brachfläche. Der Franzose Jean Amiot wird zur treibenden Kraft bei der Anlage des Basketballplatzes. Mit Spaten und anderem Gartenbaugerät wird eine plane Fläche hergerichtet, Sträucher werden gerodet, grobe Steine beiseite geräumt. [​IMG]Die Bretter für die Basketballkörbe werden im Schifffahrtsunternehmen gezimmert. Als zwei Jahre später die jungen Männer Meisterschaftsspiele bestreiten wollen, erhält der VfvB Ruhrort/Laar, vormals nur für Fußball und Tennis eine Adresse, offiziell eine Basketballabteilung.

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  40. Statt eines weiteren Beitrags im inoffiziellen Akzente-Programm des Zebrastreifenblogs gibt es heute einen Hinweis in eigener Sache auf das offizielle Programm der Akzente morgen Abend.

    In Duisburg leben Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkünfte, die den Krieg aus eigener Erfahrung kennen. Die älteren Duisburger haben als Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt. Duisburger im mittleren Alter wissen vom Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu berichten. Noch jünger sind oft jene Menschen, die vor dem gegenwärtigen Syrienkrieg flohen. Im Ruhrorter „Lokal Harmonie“, Hamorniestraße 41, bringe ich morgen, am Freitag, den 16. März, um 19 Uhr im Rahmen der Duisburger Akzente fünf Duisburger bei einer Lesung aus persönlichen Erinnerungen an den Krieg in einen Dialog.

    Eigentlich hatte ich vor, diesen Dialog als von mir geschriebenen Text mit einer szenischen Lesung auf die Bühne zu bringen. Doch während der Gespräche mit den Zeitzeugen veränderte sich das Konzept für den Abend. Denn diese Zeitzeugen haben das Bedürfnis ihre berührenden Erfahrungen im Krieg als eigene geschlossene Geschichte zu erzählen. So wird der Dialog über Haltungen zum und dem Erleben im Krieg live auf der Bühne entstehen – unter uns Auftretenden und mit dem Publikum.

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  41. Sinnvolle Worte zum Spiel des MSV in Braunschweig fallen mir heute schwer. Ihr wisst, im Zebrastreifenblog geht es nicht nur um den auf Fußball reduzierten Spielbericht. Fußball im Zebrastreifenblog ist kein Ergebnissport. Hier geht es um den Zuschauer als ganzen Menschen, und diese ganze Kees Jaratz ist heute ratlos. Fußballberichterstattung gibt es ja an allen Ecken und Enden, hier und da finden sich vielleicht ein wenig andere Wertungen, aber im Grunde lesen wir Wiederholung auf Wiederholung desselben. Diese Art Berichterstattung interessiert mich nicht.

    Und seien wir ehrlich, die Unzahl von Berichten über ein Spiel, lesen wir doch nur bei den Siegen unserer Vereine. Dann können wir nicht aufhören, gute Gefühle mit jedem Lesen neu hervorzurufen. Für Niederlagen reicht eigentlich der einmalige Rückblick, so wir uns dem überhaupt aussetzen. Schnelles Vergessen ist auch keine so schlechte Alternative. Das der Lese-Abstinenz entsprechende Handeln im Leben eines Fußballbloggerst ist die Schreibverweigerung. Ich habe keine Lust, mich schon wieder an dieses vergebliche Hoffen auf den Ausgleich zu erinnern. Das hatten wir doch schon eine Woche zuvor beim Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Das muss doch nicht eine Woche später schon wieder so passieren.

    Natürlich machte die erste Halbzeit den Unterschied zum Spiel gegen Düsseldorf. Aber an die erste Halbzeit will ich mich erst recht nicht erinnern. Nur fürs Protokoll: Das war jene Halbzeit, in der mich eine 4:0-Niederlage beim Schlusspfiff begeistert hätte. Schließlich hätten wir dann das Torverhältnis angesichts der Spielweise der Mannschaft einigermaßen stabil gehalten.

    Was mache ich also mit diesem Spiel, in dem die Mannschaft in der zweiten Halbzeit die Braunschweiger in deren Hälfte einschnürt? Was mache ich damit, dass diese Mannschaft sich Chance auf Chance erspielt, aber einen 3:0-Rückstand als nicht unerhebliches Handicap aus der ersten Halbzeit mit sich schleppt? Ich weiß es nicht. Deshalb will ich heute nicht mehr in Details gehen. Ich habe keine Lust, den Blick auf die Leistung einzelner Spieler zu werfen. Ich kriege schlechte Laune beim Schreiben, und das ist nicht gut an einem Montagmorgen. Vergebene Chancen der zweiten Halbzeit sehe ich gerade wieder viel zu wirklich vor mir und Spieler des MSV, die beim Schlusspfiff enttäuscht zu Boden sinken. Nein, das ist nicht gut. Das Erinnern an eine 3:2-Niederlage muss einen Sinn haben, der über den Fußball hinaus geht. Darum geht es im Zebrastreifenblog immer auch.

    Schöne Worte können den Sinn stiften, sicher. Die Elegie, das Klagegedicht ist eine Jahrhunderte alte lyrische Form. Aber selbst die Klage hilft mir heute nicht weiter. Einen Sinn sehe ich gerade nicht, und für das Bewahren der guten Laune ist es schon zu spät. Ich ärgere mich gerade wieder. Lasst uns aufhören. Länderspielpause. Das klingt gut. Die brauche ich jetzt, und gegen Kaiserslautern wird alles wieder anders sein.

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    vva1977 und Ascard gefällt das.
  42. Ohne Bernard Dietz, ohne Ennatz, wie er gerufen wurde, gäbe es den Namen Kees Jaratz nicht. Er war einer meiner drei Helden des MSV in den 1970er Jahren, aus deren Namen ich mein Alter Ego für den Zebrastreifenblog vor zehn Jahren zusammensetzte. Seine Bedeutung für die Zebras kann man gar nicht hoch genug ansehen. Als er zum Stammspieler der Nationalmannschaft wurde, hatte er diesen persönlichen sportlichen Erfolg auch für die Anhänger des MSV und für die Duisburger. Einer von uns hatte es gegen alle Widrigkeiten geschafft. Nach Duisburg blickten ein Trainer der Nationalmannschaft doch eigentlich nicht. Aber Ennatz spielte einfach zu gut. Es wäre fahrlässig gewesen, solch einen Verteidiger mit dieser Offensivstärke nicht für Deutschland spielen zu lassen. Das meinten erst Helmut Schön und dann Jupp Derwall.

    Den Werdegang von Bernard Dietz, die Anekdoten über ihn, all das lässt sich bei den Kollegen nachlesen. Ich habe für den Zebrastreifenblog nach Bewegtbildern von Bernard Dietz geschaut. Es ist bezeichnend für seine Persönlichkeit, für seine Bescheidenheit, dass es davon nicht allzu viele gibt. Hinzu kommt wahrscheinlich noch der Status des MSV Duisburg in der Medienlandschaft jener Zeit. Sicher sind Interviews aus der jüngsten Vergangenheit zu finden, aber die klassischen Fußballerinterviews, die Erinnerung an bewegende Spiele, all das ist den Mitspielern seiner Generation vorbehalten. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren von Lesern mit Archivzugriffen außerhalb von youtube.

    Die ältesten von mir gefundenen Bewegtbilder von Bernard Dietz zeigen ihn im Spiel des MSV gegen Borussia Mönchengladbach in der Saison 1972/73. Auch in diesem Spiel sehen wir ihn nicht bei einer Defensivaktion sondern zweimal in der Offensive. Auf dem Flügel setzt er sich jeweils durch einmal im eins gegen eins, ab Minute 0.29, und zum zweiten Mal als Vorbereiter des Ausgleichtores im Kurzpassspiel mit Michael Bella ab 1.49. Wenn Bernard Dietz in Strafraumnähe war, herrschte Torgefahr.






    Wer übrigens bei Torgefahr und Ennatz nicht sofort in unseren Sehnsuchtschor einfällt, der macht fünf Linienpendel. Was für ein Spiel von Ennatz gegen die Bayern 1977 im November, als er sie beim 6:3 des MSV mit vier Toren fast im Alleingang besiegte. Und alle noch einmal: Was für ein Spiel von Ennatz…

    Die einzigen Portrait-Bilder aus der aktiven Zeit von Ennatz stammen aus dem argentinischen Archivo DiFilm. Offensichtlich sollte mit diesem Clip Ennatz anlässlich der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien durch Szenen aus Spielen sowie bei der Arbeit in seinem Sportartikelgeschäft vorgestellt werden. Welchem Publikum wird nicht ersichtlich. Vielleicht war es das argentinische TV-Publikum? Sicher ist das jedoch nicht, weil DiFilm auch auf Quellen außerhalb Argentiniens zugreift. Das Archiv enstand – so weit ich das mit rudimentären Spanischkenntnissen verstehe – aus einer privaten Sammlung und wird weiterhin privat geführt. Die eigentliche Quelle des Clips ist auf der Archivseite nicht angeführt.


    Zwei Jahre später war Ennatz bei der Europameisterschaft Kapitän der Nationalmannschaft, die im Finale Belgien besiegte und Europameister wurde. Ein schärferes Bild vom Überreichen des Europapokals als im verlinkten Clip habe ich leider nicht gefunden. Außerdem lässt sich der Clip nur bei Youtube ansehen. Ihr müsst also einmal klicken.

    Der Jubel von damals soll Ennatz heute auch gelten. Herzlichen Glückwunsch, Ennatz! Vom Guten nur das Beste. Wir sehen uns beim MSV.

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  43. Länderspiele sind ja keine wirklichke Alternative in einer spielfreien Zeit vom MSV. Besonders dann, wenn man sie nicht sieht. Ihr wisst das, Fußball, den ich mag, gehört zur Bühnenkunst der kleinen Hallen und Clubs. Gestern Abend war ich deshalb bei einem privaten Garagenkonzert. Mississippi-Blues und Singer-Songwriting aus Schweden. In der Garage bin ich mit dem Duisburger Künstler Helmut Junge ins Gespräch gekommen. Er hatte sich im Oberhausener Gdanska ein Konzert angesehen und etwas dazu geschrieben. Gdanska und Kultur an der Basis können jede Aufmerksamkeit brauchen. Deshalb habe ich ihn eingeladen, seine Worte über den Abend auch in diesen Räumen online zu stellen. Bitte schön, Helmut Junge über die Atmosphäre im Gdanska und ein Konzert der dort beheimateten Reihe „Jazz-Karussel“.

    Ich gehe selten in ein Konzert seltener jedenfalls als alle mir näher bekannten Personen. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht. Aber ich bin musikalisch gesehen schon als Kind das „Schwarze Schaf“ innerhalb einer durchaus musikalischen Familie gewesen.
    Andererseits halte ich mich nicht für unmusikalisch, weil ich ja auch ein paar musikalische Richtungen mag. Wenn ich dann mal eine Form von Musik oder bestimmte Interpreten in mein Herz geschlossen hab, kann es sein, daß ich mich regelrecht daran berausche. Um es gleich vorweg zu sagen, Jazz hat noch nie dazu gehört. Warum nicht? Kann ich nicht erklären.​

    Manche Leute behaupten, sie könnten sich genau beim Jazz besoffen hören. Davon war ich immer meilenweit entfernt, obwohl ich in den letzten Jahren den Eindruck hatte, dass musikalische Elemente als Jazz betrachtet werden, die früher der Weltmusik zugeordnet wurden. Mari Boine kannte ich schon, bevor sie in Moers aufgetreten war, und meine Lieblingsband The Tiger Lillies hatte ich beim stöbern in der Rubrik „Jazz“ überhaupt erst entdeckt. Ja, neugierig bin ich manchmal schon, und dann höre ich auch mal hinein.​

    Diesmal bin ich sogar ins Oberhausener Gdanska in ein Jazz-Konzert gegangen. Eingeladen hatte mich die Jazzsängerin und Kuratorin des „Jazz-Karussels“ Eva Kurowski. Weil sie die Gruppe Accordion Affairs so schön vorgestellt hat „…Stilistisch offen reicht das Programm von Weltmusik verschiedenster Kulturen, über Eigenkompositionen bis hin…“ bin ich neugierig geworden und mit meiner Frau, die viel aufgeschlossener und unternehmensfreudiger ist als ich, dahin. Ich hab es nicht bereut.​

    Schon allein das Gdanska ist wert, sich dort zu treffen, ein Bier zu trinken, oder zu essen, sogar während eines Konzerts. Das ist durchaus angenehm. Ich hätte zwischen Köpi und einem polnischen Bier wählen können, hab die Experimente an dem Abend aber nicht überziehen wollen, und bin beim bewährten heimischen Brauereiprodukt geblieben. Meine Frau bevorzugte Wein. Und so waren wir gut versorgt. Die Atmosphäre im Saal war entspannt, obwohl der Saal gut gefüllt war.​

    Als die Musiker Jörg Siebenhaar (Accordion & Piano), Konstantin Wienstroer (Bass) und Einspringer Jan Wienstroer für den ausgefallenen Peter Baumgärtner an den drums auf die Bühne kamen, war ich gespannt. Eva hatte ja vorher schon geschrieben:„Ein besonders eigener Sound entsteht durch Siebenhaars synchrones Bedienen von Accordion und Piano, was die Möglichkeiten von Arrangement und Improvisation erheblich erweitert. Accordion und Piano werden eins! Das Trio besticht durch die außerordentliche Dynamik von fast gehauchten bis hoch voluminösen Klängen, expressiv oder ultracool.“ So war es. Ich glaube, ab dem vierten oder fünften Stück war ich ganz dabei.​

    In der Pause ergab sich zudem ein interessantes Gespräch mit unserer Tischnachbarin, die eigentlich Bebop Fan ist, aber trotzdem ebenso begeistert war wie wir. Ihr Großvater war der Architekt vom Rathaus in Oberhausen und hat der Stadt jenen Platz geschenkt, der jetzt der Marktplatz ist. Interessante Leute lernt man im Gdanska also auch noch kennen. Nach der Pause gefiel mir die Musik immer noch super. Mit dem Abstand von knapp einer Woche glaube ich, dass ich mich bezogen auf den Jazz, gar nicht mal viel selber bewegt habe. Aber Jazz hat sich weiter entwickelt, neue Elemente aufgesaugt und so hat er sich auf mich zubewegt. Der Gedanke gefällt mir. So wird es sein. Eva Kurowski macht jeden Donnerstag so einen Jazz-Abend im Gdanska. Ich werde wiederkommen.​

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  44. Nun ist der 70. Geburtstag von Bernard Dietz schon wieder ein paar Tage her. Seit heute gibt es Bewegtbilder vom Besuch der MSV-Fans in Walstedde am letzten Donnerstag. Etwa zwei Wochen zuvor hatte auch mich die Frage erreicht, ob ich mitfahren könne und wolle. So war ich bei der durch Wetter, Arbeit und Gesundheit etwas geschrumpften Glückwunschabordnung mit dabei.

    Beim McDonald’s-Zwischenstopp nach der Abfahrt von der Autobahn mussten wir zwar durch die uninformierte Landbevölkerung Nachfragen ertragen zu einem Verein, den wir nicht mögen, doch in Walstedde haben wir dann schnell klar gemacht, woher wir kamen.


    Neben den Glückwünschen hatte ich Ennatz das von mir und Frank Baade geschriebene Buch 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss mitgebracht. In dem Buch hat seine Geschichte zwar keinen eigenen Ort, dennoch kommt das Buch ohne ihn nicht aus. Das Lehmbruck Museum ist nämlich einer jener 111 Fußballorte, und das hängt mit dem MSV-Stürmer der 1970er Jahre Klaus Thies zusammen, der für eine Werbekampagne des Museums in jener Zeit die Lehmbruck-Skulptur, Die Kniende, im Wedaustadion nachstellte. Als ich den Text hatte schreiben wollen, fiel mir zum Einstieg Bernard Dietz ein und der legendäre 6:3-Sieg gegen Bayern München:


    Unter kunstinteressierten Fußballfreunden sei für Duisburg folgender Vergleich erlaubt: Im Werk des 1881 in Meiderich geborenen Bildhauers Wilhelm Lehmbruck ist die »Kniende« wie das Spiel der Spiele von Bernard Dietz, der 1977 fast im Alleingang für den 6:3-Sieg des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München sorgte. Anstrengung, das Ringen um das Ergebnis und die Zweifel am Erfolg sieht man dem Endstand genauso wenig mehr an wie der lang gestreckten Skulptur in Überlebensgröße.

    Bislang waren Tore von diesem Sieg online nicht zu finden. Doch im Geburtstags-Clip vom MSV verstecken sie sich nun und sind endlich wieder zu sehen. Ein Clip, der auch ohne Ennatz-Geburtstag wunderbare Erinnerungen weckt.

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  45. Zum ersten Mal in dieser Saison werde ich am Samstag etwas angespannt ins Stadion gehen. Zum ersten Mal in dieser Saison wird mich alles andere als ein Sieg weiter beunruhigen. Das wird vielen von euch nicht anders gehen. Vier Punkte Abstand zum Tabellenende erwartet man normalerweise nicht bei einem einstelligen Tabellenplatz so spät in der Saison. Die drei Niederlagen nacheinander kratzen allerdings nur deshalb an meinem Vertrauen in die Mannschaft, weil sie von insgesamt sechs Halbzeiten dreimal nicht wirklich auf dem Platz zu stehen schien.

    Diese Auszeiten gab es bei den zwei Auswärtsspielen. Gegen Fortuna Düsseldorf beim Heimspiel war das anders. Nicht jeder teilt meine Meinung, das weiß ich. Doch für mich war der MSV in beiden Heimspielhalbzeiten präsent. Was meine Zuversicht wiederum stärkt. Der Blick auf die Zweitligaheimbilanz gegen den 1. FC Kaiserslautern sagt mir dann, diese Bilanz muss dringend geändert werden. Kein Sieg, vier Unentschieden und eine Niederlage sind zu verbuchen. Diese Bilanz ist allerdings schon sehr viel besser als die Bilanz sämtlicher Punktespiele meiner Erinnerung. Da purzeln die Niederlagen nur so durcheinander, und ich muss mich sehr auf den Viertelfinal-Sieg mit 2:0 der Pokalsaison 2010/2011 konzentrieren. So halte ich meine Zuversicht stabil.

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  46. Natürlich hätte der MSV das Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit derselben übersichtlichen Leistung auch gewinnen können, wenn in der ersten Halbzeit Boris Tashchy frei stehend ins Tor getroffen hätte oder einer der Pfostenschüsse hinein gegangen wäre. Das ist aber nun mal nicht geschehen, und der 4:1-Sieg der Gäste ist verdient, wenn auch – um in Fußballerklischees zu bleiben – um ein Tor zu hoch ausgefallen.

    Es war ein ärgerliches Spiel des MSV, weil dieselben Schwächen der Zebras zu sehen waren, an denen in der Länderspielpause doch so intensiv gearbeitet worden sein soll. Wenn ich schon bei der ersten Ecke der Kaiserslauterner sehe, dass ein Gegnerstürmer völlig frei zum Kopfball kommt, geht mir natürlich genau jene Ankündigung durch den Kopf, das Defensivverhalten bei Standards zu verbessern. Das ist nicht gelungen – nur ein Beispiel.

    Ich habe mich geärgert über dieses Spiel und hatte keine Lust mich zu wiederholen. Diesen Ärger fruchtbar zu machen gelingt nur, wenn ich etwas anderers schreibe als einen Spielbericht mit literarisch anmutenden Einsprengseln. Da muss richtige Dichtung her, Spieltagslyrik, bitte schön:



    Fußball an Karsamstag

    Glocken schweigen, auch die Orgeln.
    Jesus starb den Kreuzestod.
    Auferstanden ist er Sonntag,
    Samstag: Trauer, Leid und Not.​

    Grabesruhe gibt es nicht mehr.
    Spieltag heißt es jetzt stattdessen.
    Den Karsamstag kannst du weiter
    in die Tonne treten und vergessen.​

    Wer kann sich nach schlechtem Spiel
    in stiller Andacht noch besinnen?
    Dreimal sieglos schon zuvor,
    mussten wir das Spiel gewinnen.​

    Tod ist Jesus, und der Mannschaft
    geht es auch nicht mehr so gut.
    Warum hat er uns verlassen?
    Unser Lauf gab Spielern Mut.​

    Nun fehlt hinten Sicherheit.
    Gegner treffen nach Belieben.
    Scheunentor ist Flekkens Tor
    während wir vorn nur versieben.​

    Glocken schweigen, auch die Orgeln.
    Am Karsamstag auferstehen
    ist nicht nur nichts für den Jesus,
    auch die Zebras lassen wenig sehen.​

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  47. Als Teilzeitfreund des Aberglaubens beruhigt mich der Gedanke, dass die Anwendung des Tabellenrechners in den Räumen des Zebrastreifenblogs bislang fast immer die beabsichtigte Wirkung hatte. Abstiegsplätze habe ich jahrelang verhindert. Sogar in der nahezu aussichtslosen Situation der letzten Zweitligasaison hatte ich mir Platz 15 errechnen können. Als es dann nur der Relegationsplatz wurde, war ich schon zufrieden. Heute behaupte ich immer noch, wenn es einen Tabellenrechner für Relegationsspiele gäbe, wir hätten gegen Würzburg nicht zweimal verloren.

    Deshalb wusste ich schon Samstag nach der Niederlage gegen Kaiserslautern, es ist Zeit für den Tabellenrechner. Schließlich bin ich mit Ilia Gruev einig, das Gebot der Stunde heißt, Ruhe bewahren. Was hilft zur Ruhe mehr als die Gewissheit, selbst eine Niederlage gegen Union Berlin wird nicht zum Abstieg führen. Schauen wir also mal, auch wenn die Ergebnisse der Zweiten Liga in dieser Saison hohe Wettquoten ergeben. Vielleicht fehlte für die Erwartbarkeit bislang einfach nur meine Vorhersage.

    Der Einfachheit halber habe ich wieder nur 1:0-Siege oder torlose Unentschieden prognostiziert. Das Ergebnis: Mit drei Unentschieden in den Heimspielen gegen Sandhausen, Regensburg und St. Pauli wird der MSV den 15. Platz erreichen, weil Kaiserslautern in deren vorletzten Heimspiel gegen Heidenheim gewinnt. Das sind die zentral notwendigen Ergebnisse. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie weit die Vereine der Abstiegszone jeweils in meinem geplanten Soll sind. Ist dieses Mal viel Arbeit bei dieser Abstiegszone bis zum siebten oder sechsten Tabellenplatz.

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  48. In den Räumen des Zebrastreifenblogs hat der französische Kurzfilm Refait einen festen Platz. Mit Refait hatte das Künstlerkollektiv Pied la Biche ein Re-Enactement von Halbfinalszenen zwischen Frankreich und Deutschland der WM 1982 geschaffen, jenem Halbfinale, das Deutschland im Elfmeterschießen gewann und in dem Harald Schumacher meine Loyalität zur deutschen Nationalmannschaft gefährdete. Er sprang ja in Straßenschläger-Manier außerhalb des Strafraums Patrick Battiston an und traf ihn mit Ellbogen und Hüfte im Gesicht. Der Schiedsrichter pfiff kein Foul, und Schumacher zeigte sich von den schweren Verletzungen Battistons ungerührt. Battiston war bewusstlos liegen geblieben, hatte zwei Zähne verloren und ein Halswirbel erwies sich im Krankenhaus als gebrochen.

    Den Kurzfilm habe ich mir gerne angesehen. Wie ist es aber, wenn sich ein Künstler mit seinen Re-Enactment-Projekten auf einen oder demnächst zusammen mit einem schauspielenden Partner auf zwei der Fußballer eines Spiels konzentriert und das Spiel in gesamter Länge zur Aufführung bringt? Der Schweizer Künstler Massimo Furlan – hier der Link zu seiner Seite – wird am 30. April die Public Art Munich mit dem Re-Enactement des Vorrundenspiels der WM 1974 zwischen der BRD und der DDR am Originalschauplatz jenes Spiels, dem Olympiastadion, eröffnen. Zwei Stunden dauert diese Performance.

    Schon in Halle und Hamburg hatte Massimo Furlan sich diesem Spiel gewidmet. Seinerzeit war er selbst in die Rolle von Jürgen Sparwasser geschlüpft, der den 1:0-Siegtreffer für die DDR erzielte. Die Fußballspiele, mit denen er sich beschäftigt, müssen eine besondere Bedeutung für das Land haben, in dem er mit seinem Kunstprojekt auftritt. Genauer erläutert Massimo Furlan auf seiner Seite die Arbeitsweise bei seinen Re-Enactement-Projekten. Zweifellos erfüllt dieses WM-Spiel als ein Wettkampf im damaligen Systemvergleich diese von ihm vorausgesetzte Bedeutung für das kollektive Gedächtnis eines Landes.

    Hamburg​


    Halle​






    Vielleicht hat der 1965 geborene Massimo Furlan – der nur im französischen Wikipedia einen Eintrag hat – nicht mehr die Konditiion früherer Zeiten, so dass er nun das statischere Spiel von Sepp Maier darstellt. Jürgen Sparwasser wird vom Schauspieler Franz Beil dargestellt. Eingespielt werden dazu die Original-Radiokommentare.

    Wenn München die Public Art Munich auf der eigenen Seite bewirbt, klingt das so: „Kunstaktionen internationaler Künstler an unterschiedlichen Locations. Unter dem Motto „Game Changers“ thematisieren zahlreiche Performances die Bedeutung historischer und aktueller München-Ereignisse oder Technikentwicklungen für die Menschen.“ Insgesamt „20 sogenannte ‚performative Interventionen‘ werden in einem Zeitraum von drei Monaten“ präsentiert. Welche genau, ist auf der Seite der Public Art Munic zu finden.

    Das nun sind die Worte der Kunstwelt, halten wir uns an den Fußball und schauen noch kurz auf Bewegtbilder aus anderen Projekten von Massimo Furlan. Zu den Spielen selbst etwas zu schreiben, führt hier zu weit. Dazu fehlt mir zudem die Zeit. Wer weiter ausholen möchte, gerne im Kommentar.

    Als Zbigniew„Zibi“ Boniek war er schon Held des polnischen Fußballs.​





    Er war Enzo Scifo im Spiel zwischen Belgien und der UDSSR bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 während einer Perfomance im Stadion von Lüttich.



    Das Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland bei der WM 1982 war auch für Massimo Furlan Thema. Er stellte Michelle Platini in dem Spiel dar.

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  49. Bei Wikipedia erfahren wir, die Vierzig ist die natürliche Zahl zwischen 39 und 41, bei Funkes dagegen etwas ganz anderes, 40, nämlich Punkte, würden in dieser Saison nicht reichen. Mit dieser Meinung wird Lukas Fröde zitiert. Vielleicht neige ich zu einem etwas überpräzisen Sprachverständnis. Aber ich sage ganz gelassen, das Zitat lässt offen, wozu die 40 Punkte nicht ausreichen. Wahrscheinlich kennt Lukas Fröde sowohl das Ergebnis meiner Tabellenrechner-Prognose als auch Zahlensymbolik.

    Ihr wisst, in meiner Rechnung reichen 40 Punkte zum Klassenerhalt. Das passt zu dem bei Wikipedia nachlesbaren Symbolgehalt der Zahl. Dort heißt es, die Vierzig stände in Mythologie und Religion für „Prüfung“ und „Bewährung“. Beides erhält in besagter Mythologie allerdings auch eine deutende Richtung, die ganz im Gegensatz zur Symbolgestalt der Vierzig im Fußball steht. „Initiation“ und „Tod“ sollen ebenfalls mit ihr verbunden sein. Manchmal musste in so ein Symbol schon einiges reingepackt werden, damit es für das vielfältige Leben auch ordentlich angewendet werden konnte. Horoskope lassen grüßen.

    Die Vierzig gibt uns also keine eindeutige Orientierung, auch wenn sie zu Saisonbeginn im Fußball als Zahl der Dauerhaftigkeit, des Ligaerhalts und der gemeinschaftlichen Erlösung gilt. Meist verbindet sich für Fußballer und Fans in der Vierzig die Hoffnung auf die Zukunft mit dem Blick auf die Mühsal des alltäglichen Frondienstes im sportlichen Wettstreit. Die Vierzig steht für Bescheidenheit und übersteigerten Optimismus zugleich.

    Lukas Fröde war wahrscheinlich wie ich in Gedanken schon beim Symbolhaften nach der Vierzigerüberschreitung. Mich interessiert die Vierzig nämlich immer auch als Schwellenzahl, als eine Zahl des Übergangs und der Vergänglichkeit. Die Zweiundvierzig ist ihrem Wesen nach die sehr viel schönere Zahl. Das Symbolhafte der Zweiundvierzig muss allerdings durch andauerndes Erzählen erst noch begründet werden. Bei Wikipedia findet sich für die Zweiundvierzig nicht viel. Für mich steht die Zweiundvierzig für Vollkommenheit im Spiel, Sicherheit beim Torabschluss und gemeinschaftliches Feiern spätestens an einem Sonntag Anfang Mai.

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    klausloehrer gefällt das.
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