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Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

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  1. Wenn ich auf den Verlauf der Saison für den 1. FC Köln sehe, finde ich es interessant, in welch verdrehter Weise, die übliche Frage nach der Entlassung des Trainers aufgeworfen wird. Denn die Trainerdebatte findet rund um den FC bislang nicht statt. Also muss eine Meta-Trainerdebatte her. Nicht der Trainer selbst wird in Frage gestellt sondern die vermeintliche Handlungsbeschränkung des 1. FC Köln in Sachen Trainerfrage. Peter Stöger sei zu beliebt bei den Verantwortlichen selbst und bei den Zuschauern. Er passe einfach gut nach Köln. Zumindest war das gestern (?) so ähnlich in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Daran fällt auf, wie beschränkt das öffentliche Bild vom 1. FC Köln ist. Anscheinend ist es nur schwer vorstellbar, dass der Verein mit einem Trainer aufsteigt, die Klasse hält und dann wieder absteigt. Wer nicht handelt, hat keine strategische Absicht, sondern ist womöglich gehemmt.

    Es wird ja nicht darüber gesprochen, welche anderen taktischen Ideen zu der vorhandenen Qualität des Kaders das Spiel des FC verbessern könnten. Zwar werden all die Bedingungen für den Misserfolg des Vereins gewürdigt, die unzähligen Verletzten werden genannt, ebenso wie die minimalen Momente von Pech und Schiedsrichterentscheidung, die ein Spiel kippen lassen, doch das hat keinen Einfluss auf die Kultur der Entlassung samt den unausgesprochen Gesetzen, die anscheinend beim FC erwartet wird. Es ist offenbar nur schwer vorstellbar, dass kontinuierliche Arbeit auch Arbeit unter widrigen Bedingungen bedeutet. Wenn es konkrete Kritik an Peter Stögers gäbe, könnten über einen Wechsel des Trainers geredet werden. Aber auf diese Weise eine Meta-Debatte über die Unmöglichkeit einer Debatte führen, wie kurios.

    Ist Freiburg der einzige Verein, der es geschafft hat, eine andere Kultur bei der Bewertung von Trainerarbeit zu entwickeln? Ich habe das nicht so im Blick. Ihr könnt euch aber vorstellen, welche Kultur ich mir in Duisburg wünsche. Ilia Gruev macht seine Arbeit ziemlich gut, und die wird nicht schlechter, wenn der Verein in Abstiegsnot gerät. Und ich denke jetzt nicht an Zweitligaabstiege. Da bin ich ganz entspannt. Ich denke an die Zukunft und an noch bessere Konkurrenz, gegen die der MSV die Klasse halten muss. Muss ich eigentlich auch von Visionen sprechen, wenn ich mir schöne Vorstellungen von einem MSV in den kommenden Jahre mache? Oder heißt es unter Anhängern Träumereien?

    Einsortiert unter:MSV Duisburg Tagged: 1. FC Köln, Ilia Gruev, Peter Stöger [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  2. Morgen spielt der MSV gegen die SpVgg Greuther Fürth. An diesem Verein habe ich dann mal wieder gemerkt, wie wenig mich der Fußball in der Bundesliga und drüber inzwischen überhaupt noch interessiert. Ohne den MSV hat das ganze Geschehen dort für mich so eine Art Bunte-Seiten-Nachrichtenwert bekommen. Kuriositäten und Sensationen als kurze Meldung nehme ich dann wahr. Mehr nicht. Dunkel erinnerte ich mich nämlich an eine Bundesligasaison der Fürther. Wenn mir einer mit Nachdruck gesagt hätte, das war noch letztes Jahr, ich hätte das geglaubt. Nun verrate ich euch nicht, wann die Fürther tatsächlich in der Bundesliga gespielt haben. Das könnt ihr MSV-Monokultur-Spezialisten schön mal selbst rauskriegen.

    Die Vorberichte zum Spiel morgen konzentrieren sich in Duisburg auf Mark Flekken, der zu Beginn der Saison vom Gegner zum MSV wechselte. Von Mark Flekken und Ilia Gruev ist zu hören, die Niederlage gegen Regensburg sei abgehakt. Fürth sei besser, als es der Tabellenplatz vermuten ließ. Das ist ein Standardsatz aus dem Trainerhandbuch für Pressekonferenzen vor einem Spiel. Allerdings passt dieser Satz nicht richtig. In dieser Liga ist jeder Verein ab Platz 7, besser als es der Tabellenplatz vermuten lässt, manchmal aber auch sehr viel schlechter. Insofern steht der passende Satz auf einer anderen Seite des Trainerhandbuchs, verschlagwortet unter Liga, enge und Schlagen können, jeder. In Fürth weiß der Trainer Damir Buric nach dem 4:0 Sieg gegen St. Pauli, die Mannschaft könne selbstbewusster auftreten, aber der Gegner werde noch konzentrierter zu Werke gehen. Ich sehe Ilia Gruev dazu nicken und hoffe auf den Ertrag der Konzentrationsmaximierung.

    Mit dem heutigen 1. Dezember werden überall in Deutschland Türen von Adventskalendern geöffnet. Es gibt sie an der Wand hängend, als Lebendige Adventskalender in Ruhrort etwa oder in Neumühl, und es gibt sie als Fußball-Weihnachtskalender von 120 Minuten, an dem ich mich beteilige. Dort, wo es ohnehin auch das Jahr über längere Erzählstücke zu lesen gibt, wird mit dem Fußball-Adventskalender von besonderen Begebenheiten rund um den Fußball zu lesen sein. Veröffentlicht werden die Texte auf den Seiten der Teilnehmer des Kalenders. In meinen Räumen hier werden vom 5. bis 8. die Kalendertüren geöffnet.

    Das erste Türchen öffnet sich heute bei 120 Minuten.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: 120 Minuten, Adventskalender, Damir Buric, Ilia Gruev, Mark Flekken, SpVgg Greuther Fürth [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  3. Der Tag des lang gestreckten Beins

    Ein freier Schuss,
    gezirkelt von der Strafraumgrenze.
    knapp an der Torwarthand vorbei.
    Der Ball fliegt mit Effet,
    der Weg ins Tor ist offen,
    und aus dem Rückraum springt ein Stürmer
    sehr stürmerhaft herbei.
    Zur rechten Zeit am rechten Ort,
    das macht den guten Stürmer aus.
    Und sei der Ort die Defensive.
    Das Stürmerbein so lang gestreckt, wie es nur geht.
    So kann er Tore vorn erzielen
    und hinten seine Mannschaft vor dem Rückstand retten.

    So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
    dem Stani, Iljutcenko,
    so lang gestreckt, wie es nur geht.

    Als Stani um den freien Ball kämpft,
    knapp neben dem Fünfmeterraum,
    bedrängt vom gegnerischen Torwart,
    der diesen Ball mit einem Sprung erreichen will,
    streckt er sein Bein schon wieder lang und noch viel länger,
    Der Torwart greift ins Leere,
    und Stani kann den Ball fein spitzeln
    zu Moritz Stoppelkamp,
    der frei steht und so sicher flankt,
    präzise auf den Kopf von Cauly Souza.
    Das Führungstor dank Stanis lang gestrecktem Bein.

    So lang gestreckt das Bein von Stanislav,
    dem Stani, Iljutcenko,
    so lang gestreckt, wie es nur geht.

    Nur wenig später schneller Antritt
    von Stanislav – dem Stani – Ijutcenko.
    Er zieht am rechten Strafraumrand zum Toraus,
    und sprintet Meter gegen seinen Gegenspieler,
    der grätschend jetzt zur Ecke klären will.
    Doch Stani hat etwas dagegen.
    Er weiß, er kann sein Bein an diesem Tag lang strecken,
    so lang und noch ein wenig länger.
    So hebt er gegen Grätsche rutschend
    den Ball zur Strafraummitte weiter.
    In diesen Pass läuft Boris Tashchy,
    das zweite Tor macht er
    mit technisch anspruchsvollen Schuss.
    Kein lang gestrecktes Bein ist noch mehr nötig.
    Das 2:0 reicht bis zum Schluss.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: Boris Tashchy, Cauly Souza, Moritz Stoppelkamp, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  4. Noch ist der Fußball ein junger Sport in Deutschland. Doch 1905 zeigt der Duisburger SV als einer der ersten Vereine im Kaiserreich mit einem Zaun um die eigene Sportanlage, hier entsteht etwas Dauerhaftes, und das soll geschützt werden. Keine Leichenzüge zum nahe liegenden Friedhof unterbrechen nunmehr Spiele, und nicht zuletzt kann so von Zuschauern auf einfachere Weise als zuvor Eintrittsgeld genommen werden.

    Manche Spieler des Duisburger SV kennen sich noch aus der Zeit, als sie Anfang der 1890er Jahre im Duisburger Turnverein von 1848 zum ersten Mal den Ball auf ein Tor geschossen haben. Auch im Ruhrgebiet sind es die jungen Söhne des Bürgertums, die sich mit dem neuen Sport Fußball gegen den Sport der Väter, das Turnen, wenden. Arbeiter haben im deutschen Kaiserreich keine Zeit, um Fußball zu spielen. Je intensiver die jungen Männer Fußball spielen, desto deutlicher wird eine Art Sportkulturkonflikt in den Turnvereinen. Dort gibt es das weiter gelebte Ideal der ganzheitlichen körperlichen „Ertüchtigung“. Sie ist eng verbunden mit dem Nutzen für das Militär. Im Fußball rückt der Wettkampfgedanke in den Vordergrund. Fußballer suchen Spannung und die besondere Leistung in Konkurrenz. Die Lösung des Konflikts ist die Trennung. Eigene Fußballvereine entstehen wie 1900 der Duisburger SV.

    Die „Rotblusen“, so wird die Mannschaft ab der Saison 19095/1906 genannt, verlieren nur selten ihre Spiele. Als erster Verein der Region engagiert der DSV 1910 einen Trainer. Er kommt aus England, wo der Fußball schon professionell gespielt und entwickelt wird. Dagegen ist in Deutschland mannschaftliches Training statt individueller Körperertüchtigung kaum bekannt. Sein exklusives Wissen wird ihm mit dem damals sehr hohen Jahresgehalt von 2000 Mark entlohnt, das zur Hälfte mit den „Zaunkasse“ genannten Eintrittsgeldern gezahlt wird.

    Bis 1927 gewinnt der Verein zehnmal die Westdeutsche Meisterschaft und erreicht 1913 als erste Mannschaft aus dem Westen sogar das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen den VfB Leipzig, das allerdings 1:3 verloren geht. Alleine der Duisburger SC Preußen ist zeitweilig ebenso spielstark. Beide Vereine machen Duisburg vor dem 1. Weltkrieg zur frühen Fußballhochburg des Ruhrgebiets, in der Grundlagen des zukünftigen Massensports mitentwickelt werden.

    Denn bis 1908 ist mit Gottfried Hinze ein Mann Torwart der Mannschaft, der zugleich als Schiedsrichter aktiv ist und im Rheinisch-Westfälischen Spielverband als Funktionär im Jahr 1902 entscheidend mitwirkt, einen regelmäßigen Meisterschaftspielbetrieb zu organisieren. 40 Vereine mit etwa 1000 Mitgliedern gibt es zu dieser Zeit in dem Verband, 23 Vereine nehmen am ersten Meisterschaftswettbewerb teil. Wenig später wird Gottfried Hinze den Zusammenschluss des Westfälischen Spielverbandes mit dem Deutschen Fußballverband voran treiben. Für all diese fußballerischen Aktivitäten bleibt dem 1873 in Aachen geborenen Gottfried Hinze die Zeit, weil er ein Geschäft für „Bergwerks- und Hüttenartikel“ führt. Zum Vorsitzenden des DFB wird er 1905 gewählt. Er bleibt es bis 1925 und wird danach zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als Gottfried Hinze 1953 stirbt, trauert Deutschlands Sportwelt, und deren bedeutendste Funktionäre sowie unzählige Fußballer von Nationalspielern bis hin zu Jugendspielern des DSV erweisen dem Fußballpionier bei seiner Beerdigung die letzte Ehre.



    Tür 6 öffnet sich morgen in diesen Räumen wieder.

    Der Fußball-Weihnachtskalender ist ein gemeinsames Projekt von @berlinscochise, Zebrastreifenblog, Cavanis Friseur, turus.net, Nachspielzeiten und 120minuten.

    Informationen zur Fußballblog-Weihnachtskalender-Idee und eine Liste mit allen bisherigen Türchen, die natürlich fortlaufend aktualisiert wird, findet Ihr hier.





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  5. Im Dezember 1977 trat am ersten Samstag des Monats der MSV Duisburg beim FC :kacke: 04 an. Es war das letzte Spiel der Hinrunde, und viel erhoffte ich mir nach den Ergebnissen der davor liegenden Jahre nicht. Bei den drei Niederlagen in den Spielzeiten zuvor war der MSV zweimal mit fünf Gegentoren nach Hause gefahren. Andererseits lag eines der beeindruckendsten Spiele der MSV-Geschichte gerade knapp einen Monat zurück. Das war jener legendäre MSV-Heimsieg gegen den FC Bayern München, bei dem Bernard Dietz den MSV nach zweimaligen Rückstand in der 78. Minute mit 4:3 in Führung brachte und als einziger und damit viermaliger Torschütze des MSV bis dahin für die Führung sorgte. Fünf Minuten später brachte ein Tor von „Ronnie“ Worm die endgültige Entscheidung. Das 6:3 von Norbert Stolzenburg war dann noch das Sahnehäubchen in diesem Spiel.

    Bis zu diesem kalten Dezembersamstag hatte ich also eine der besseren Spielzeiten vom MSV gesehen, der in meinem jugendlichen Empfinden schon seit Ewigkeiten mein Verein war. Als mein Stiefvater mir anbot, nach Gelsenkirchen zu fahren, war das eine Überraschung. Seine Heimat war Oberhausen, sein Sport war früher der Feldhandball und am MSV-Geschehen nahm er erst Anteil durch mich. Da vor den Heimspielen Schalkes auf der A 42 schnell ein Stau vor der Stadionabfahrt entstand, wollte er früh in Meiderich aufbrechen. Viel zu früh. Problemlos erreichten wir den Parkplatz, der noch so gut wie leer war. Nur vereinzelt schlenderten Zuschauer zusammen mit uns zum Stadion. Die Stadiontore waren noch geschlossen, und die Ordner verteilten sich gerade auf die Eingänge. In den Kartenhäuschen wurde alles getan, nur keine Eintrittskarten verkauft.

    In der blau-weißen Schalker Umgebung fiel mein etwa zwei Meter langer MSV-Schal in denselben Farben nicht weiter auf. Ganz im Gegenteil, wie sich herausstellte. Als ich zu einem Kassenhaus laufen wollte, sprach mich ein Mann an. Ob ich mir ein paar Mark verdienen wollte?, fragte er. Eintritt für das Spiel müsste ich auch nicht zahlen, fügte er hinzu und mein Platz befände sich sogar auf der Sitzplatztribüne. Ich müsste nur vor dem Spiel am Eingang die Eintrittskarten der Zuschauer abreißen. Er würde auch dafür sorgen, dass ich auf jeden Fall so früh gehen könne, dass ich zum Anpfiff an meinem Platz sei.

    Ich zögerte. Doch aufmunternde Worte von meinem Stiefvater zusammen mit der Aussicht, das erste Mal einen Sitzplatz einzunehmen, gaben den Ausschlag. So stand ich kurz danach an einem Eingangstor. Die Schalker Zuschauer freuten sich am vermeintlichen Blau-Weiß des Schals um den Hals des ungewohnt jungen Kartenabreißers. Für mich sahen die Ordner alle nach Rentnern aus. Aber wahrscheinlich war es damals nicht anders als heute, und auch Männer im mittleren Alter rissen die Karten ab. Nur Sicherheitsunternehmen gab es eben nicht als Sub-Unternehmer, und Fan-Utensilien waren fast immer eine Angelegenheit von Jugendlichen. Deshalb fiel der Schal am Stadioneingang besonders auf. Denn erwachsen waren damals nahezu alle Zuschauer ab Mitte zwanzig.

    Besonders wohl fühlte ich mich nicht. Keineswegs wagte ich all den Männern zu widersprechen, die mir väterlich und erwartungsfroh den :kacke:-Sieg verkündeten. Dafür hielt sich der Ansturm in Grenzen. Das Entwerten der Eintrittskarten war kein Problem. Kurz vor dem Spiel durfte ich dann mit einer ersten Gruppe von Ordnern zu meinem Tribünenplatz gehen. Er befand sich nahe an einer Kurve, auf dem Oberrang der Tribüne, etwas abseits von den anderen Zuschauern. Unter all den älteren Männern, die sich schon seit Jahren zu kennen schienen, fühlte ich mich einsam. Dieses Fußballspiel des MSV wurde anders als das Gemeinschaftserlebnis Stadion, das ich bislang kannte.

    An die erste Halbzeit des Spiels habe ich nur verschwommene Erinnerungen. Ich meine, das Spiel war ausgeglichen, und der MSV gestaltete das Spiel offen. Das Halbzeitergebnis von 0:0 könnte meine Erinnerung bestätigen. In der Pause wurde das Geld ausgezahlt. Ich weiß nicht mal mehr, wie groß die Summe gewesen ist. Zwanzig Mark? Fünfzehn? Als die zweite Halbzeit begann wusste ich allmählich nicht mehr, ob ich vor dem Spiel richtig entschieden hatte. Auf dem Stehplatz hätte es mir mehr Spaß gemacht, das Spiel zu sehen. Andererseits wusste ich, am Montag konnte ich in der Schule eine gute Geschichte erzählen. Und diese Geschichte wurde noch besser.

    Das Spiel blieb zwar zäh, aber dann erhielt Kurt Jara etwa Mitte der zweiten Halbzeit in zentraler Position an der Mittellinie den Ball und begann in die gegnerische Hälfte zu dribbeln. Kurt Jara war 1975 vom FC Valencia zum MSV gekommen. Zusammen mit dem Niederländer Kees Bregmann hatte er die Spielkultur des MSV verwandelt. Größere technische Fertigkeiten waren auf dem Rasen ab Mitte der 1970er Jahre zu sehen. An jenem Tag in Gelsenkirchen hielt sich das allerdings in Grenzen. Dafür lief Kurt Jara ungehindert Richtung Schalker Tor und setzte zum Schuss an. Solche Weitschüsse begleitete er mit einer sehr typischen, weit ausholende Armbewegung. In meiner Erinnerung taucht diese Armbewegung immer wieder auf. Dabei weiß ich nicht mal genau, ob ich sie für das :kacke:-Spiel nicht aus einem Heimspiel oder aus einem Sportfoto in meine Erinnerung hineinkopiert habe.

    Mit Sicherheit weiß ich, Volkmar Groß im Tor der Schalker war bei dem Schuss chancenlos. Dieses 1:0 durch Kurt Jara in der 72. Minute war zugleich der Endstand des Spiels. Unter all den älteren Schalker Herren wagte ich nicht, mich laut zu freuen. So erhielt ich an diesem Nachmittag in Gelsenkirchen neben freiem Eintritt und dem zusätzlichem Taschengeld noch eine überraschende Übung in Selbstbeherrschung. Erst bei der Rückfahrt konnte ich den von mir nicht erwarteteten Auswärtssieg genießen. Und ich begann mich zu freuen über die erste und einzige Siegprämie, die ich als Zuschauer erhalten habe. Eine Siegprämie vom Verlierer, vom FC :kacke: 04.

    Tür 7 öffnet sich morgen an dieser Stelle.

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  6. In meiner Jugend gehörte das Electric Light Orchestra nicht gerade zu meinen bevorzugten Bands, auch wenn man schon Anfang der 1970er Jahre als Hörer der Diskothek im WDR mit Mal Sondock wegen ihres Chuck-Berry-Covers Roll over Beethoven nicht an ihnen vorbeikam. Dazu muss man wissen, damals gab es noch eine für alle Pop- und Rockmusikstücke wirksame Vergänglichkeit. Jeder Hit, der ein Jahr zuvor herausgekommen war, begann in eine namenlose Übergangszeit von unbestimmter Dauer einzutreten, um schließlich in der Sphäre der „Oldies“ anzukommen. Dort war das Alte, hier war das immer Neue. Deshalb konnte in einer wöchentlichen Rubrik der Diskothek im WDR an das Alte erinnert werden. In einer Endlosschleife wurden die Künstler alphabetisch abgearbeitet und die Oldies der Woche gewählt.

    Kam der Buchsstabe „B“ an die Reihe, war unweigerlich Chuck Berrys Roll over Beethoven zu hören, und der Verweis auf die Aufnahme des Electric Light Orchestra blieb nicht aus. Nach dem ersten Hit mit dem Chuck-Berry-Cover entwickelte sich die Musik des Electric Light Orchestera in eine andere Richtung. Die Rockeinflüsse und Experimentelles gingen zurück, die Melodien wurden eingängiger und populärer. Meinen Geschmack trafen sie immer noch nicht. Ein Song aber sprang mir dennoch irgendwann in die Ohren: The diary of Horace Wimp.

    Weder wusste ich damals, dass Fußball den Text dieses Songs bestimmt, noch machte ich mir Gedanken über den Grund für meine besondere Aufmerksamkeit. Heute erfahre ich, der musikalische Laie, es gab gute Gründe, warum ich den Song mochte. ELO-Kopf Jeff Lynne variierte mit diesem Song den Beatles-Klassiker A Day in the life hier bei youtube – und präsentierte mir damit eines meiner Lieblingsstücke der Beatles in neuem Gewand.

    Und nun zum Fußball, der im Song abwesend ist und doch das Leben von Horace Wimp bestimmt. Jeff Lynne nimmt den Verlauf einer Woche, um zu erzählen, wie aus einem einsamen Menschen, der noch nie eine Freundin hatte, ein glücklicher Bräutigam wird. An jedem Wochentag geschieht etwas neues, mit dem wir Horaces Wimps Leben etwas näher kennnenlernen. Nur was er samstags macht, erfahren wir nicht. Als der Song 1979 erschien, wurde kein TV-Programm täglich mit der Unterhaltungsware Fußball bestückt. Es gab einen einzigen Spieltag, und das war der Samstag. Jeder Fan eines Fußballvereins weiß, dass wenigstens so ein Fußball-Samstag die Tristesse des Alltags erträglich macht. Horace Wimp ist samstags im Stadion. Dieses Stadion ist der einzige Ort, wo Horace Wimp seinem Leben bis dahin hat entfliehen können.

    Deshalb schreibt der Fan von Birmingham City Jeff Lynne nichts darüber, was Horace Wimp am Samstag erlebt. Das liegt auf der Hand. Darüber brauchen wir Ende der 1970er Jahre nicht zu reden. Ein Mensch wie Horace Wimp sieht samstags ein Fußballspiel. Dass das auch noch so bleibt, nachdem er sonntags geheiratet hat, kommt mir sehr wahrscheinlich vor. Hoffen wir, dass seine große Liebe für diesen Stadionbesuch auch heute noch Verständnis hat. Und lassen wir es offen, ob Jeff Lynne beim Schreiben schon im Kopf gehabt hat, wieso der Samstag im Liedtext fehlt. Seine Erklärung Jahre später ist jedenfalls eine schöne Geschichte.


    Ein großer Hit wurde The diary of Horace Wimp für ELO nicht. Richtig erfolgreich wurde erst die Variation der Variation: Mister Blue Sky.

    Tür 8 öffnet sich morgen an dieser Stelle.

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  7. In Lisle-sur-Seine, einer fiktiven französischen Kleinstadt, werden eine junge Frau und ein Polizist der Drogenfahndung von einem Motorrad aus mit einem Maschinengewehr erschossen. Commissaire Daquin und seine Kollegen können sich diesen Anschlag nicht erklären. Der Drogenfahnder scheint mit der Frau verabredet gewesen zu sein, ohne sie gekannt zu haben. Die Ermittlungsmaschinerie läuft an und führt schnell zum lokalen Fußballverein, der aus der vierten Liga kommend in schneller Zeit zum ernsthaften Anwärter auf die französische Meisterschaft geworden ist. Groß wurde der Verein dank seines Vorsitzenden Monsieur Reynaud, einem Bauunternehmer und zugleich Bürgermeister der Kleinstadt.

    Bereits 1998 ist „Abpfiff“ von Dominique Manotti in Frankreich erschienen. Nicht die Machenschaften im Fußball als zentrales Thema des Romans begründen für mich dessen Qualität. Der Fußball dient als Karriereinstrument außerhalb des Sports, es geht um Doping und Bestechung. Die Grundentwicklung des Plots ist bei all seinen Wendungen vorhersehbar für die meisten Fußballinteressierten und Krimikenner. So viele Möglichkeiten mit dem Fußball Krimininalität zu erzählen gibt es nun mal nicht. Das aber verweist zugleich auf die besondere literarische Qualität des Romans. Dieser Roman lebt von der Sprache der Autorin, die mit kargen, pointierten Sätzen ihre Wirklichkeit umfassend aufscheinen lassen kann. Manchmal reichen einzelne Worte für Gefühlslagen und Entwicklung, ganze Absätze wirken wie Szenenbeschreibungen von Drehbüchern. Dominique Manotti hat die Kunst des Weglassens perfektioniert. Das verhilft ihren Romanen zum eindrucksvollen Tempo, bei dem es ihr dennoch gelingt, die Figuren lebendig und facettenreich werden zu lassen. Dominique Manotti schreibt Sprachkunstwerke, die zugleich sehr unterhaltsam sind. Beeindruckend.

    Kurios mutet mich manche Deutung dieses Romans bei seinem Erscheinen in Deutschland an. Dominique Manottis Geschichte wurde als Beleg für den korrupten Fußball der Gegenwart genommen. Auf die FIFA mit ihren Skandalen wurde reflexhaft verwiesen. Die „dunklen Seiten“ des heutigen Fußballs soll sie sichtbar machen. Wer aus Romaninhalten solche Schlagwörter macht, beglückt den Verlag werbewirksam und könnte auch erzählen, dass das Romanportrait eines Pass- und Geldfälschers uns einen Einblick in die kriminelle Welt des Datenbetrugs im Internet gibt.

    Der Roman erschien in Frankreich 1998 und bezieht sich dementsprechend auf einen Fußball der Vergangenheit und dabei nur auf den der Vereinsebene. Handlungszeit ist sogar 1990. Entsprechend ist die Kriminalität auch eine der Vergangenheit. Wenn sich Dominique Manotti von einem realen Geschehen inspirieren ließ, dann offensichtlich unter anderem von dem Bestechungsskandal bei Olympique Marseille aus dem Jahr 1993, in dem Bernard Tapie als Vereinspräsident Hauptakteur war.

    Die Geschichte mit dem „Einblick in den Fußball der Gegenwart“ müsste auf Vereinsebene von Konzernstrukturen erzählen, von Abhängigkeiten zwischen Medien- und Fußballakteuren, von dem wirtschaftlichen Risiko auf Seiten der Medienkonzerne und der Sponsoren, wenn es um den Ruf des Fußballs geht. Dominique Manottis fiktiver Kleinstadt verein hat aber eine Organisationsstruktur des Fußballs zum Vorbild, wie sie im Spitzenfußball kaum mehr vorkommt. Ein Unternehmer, in dem Fall eben ein Bauunternehmer, pusht als Präsident den lokalen Fußballverein zum Erfolg und nutzt sein Engagement im Fußball zugleich, um persönliche Karriereziele zu verfolgen. Dieses erzählerische Motiv dürfte in den unterern Ligen noch für Wiedererkunng sorgen. Angesichts von Konzernstrukturen der Vereine in den europäischen Spitzenligen, ist so eine lokale Unternehmergröße zur Randfigur geworden, geschweige denn, dass diese Geschichte irgendetwas mit den FIFA-Skandalen zu tun hat, außer dass der Fußball eben Raum auf vielen Ebenen für Kriminalität bietet. All das berührt die literarische Qualität des Romans von Dominique Manotti nicht. Die bleibt unbenommen.

    Dominique Manotti: Abpfiff. Deutsch von Andrea Stephani, Ariadne Kriminalroman.

    Tür 9 öffnet sich morgen bei Cavanis Friseur.

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  8. Als der FC St. Pauli letzte Woche ein zweites Mal so hoch verlor, überlegten wir im Stadion kurz, welche Folgen diese hohen Niederlagen für den MSV beim Auswärtsspiel morgen haben könnten. Zum einen gab es bei uns die optimistische Fraktion mit dem Credo, der Gegner sei noch mehr verunsichert, die andere Fraktion dachte, jetzt hat es der MSV schwerer, weil sich St. Pauli nach zwei solchen Niederlagen vor eigenem Publikum erst recht beweisen will.

    Solche Überlegungen sind nun durch die Einflussgröße Trainerentlassung hinfällig geworden. Der neue Trainer Markus Kauczinki verändert die Ausgangslage komplett. Die Spieler des Gegners müssen sich neu zeigen. Sie strengen sich deshalb vielleicht gerade jetzt im ersten Spiel unter dem neuen Trainer besonders an. Es gibt vielleicht vom neuen Trainer andere Spielideen, auf die Ilia Gruev noch nicht vorbereitet ist. Andererseits lässt sich aus der Arbeit Kauczinkis in Ingolstadt oder Karlsruhe etwas ablesen. Dass das beim MSV versucht wurde, davon dürfen wir bei Ilia Gruevs Arbeitsweise ausgehen.

    Trainerwechsel haben statistisch betrachtet keinen Erfolg. Das ist inzwischen oftmals schon geschrieben worden, was nichts an den so oft hilflosen Versuchen das Schicksal zu beeinflussen ändert, wie gerade der 1. FC Köln sehr schön beweist. Ebenfalls sagt das nichts über den Einzelfall aus, geschweige denn etwas über das spezielle erste Spiel nach einem Trainerwechsel. Aber in diesem Fall gibt es den Transfermarkt mit der sehr schönen Statistikseite „Trainereffekt“, die ich bislang noch nicht kannte. Mit einem Blick lässt sich dort überprüfen, welche Auswirkung ein Trainerwechsel kurz- oder langfristig hatte. Die Daten beziehen sich nur auf die Bundesliga, aber das reicht erst einmal für ein beruhigendes Gefühl.

    In der laufenden Saison hat es in der Bundesliga vier Trainerentlassungen gegeben. Die Bilanz der vier neuen Trainer lautet: ein Sieg, eine Niederlage, zwei Unentschieden. Für den Sieg war Jupp Heynckes verantwortlich, und der fällt mit seinen bayernspezifischen messianischen Fähigkeiten ohnehin aus der Wertung.

    Ich fasse die Trainerwechsel während der laufenden Saison für die letzten 6 Spielzeiten mal tabellarisch zusammen:

    2016/2017: 10 Trainerwechsel – 2 Siege, 4 Unentschieden, 4 Niederlagen
    2015/2016: 7 Trainerwechsel – 1 Sieg, 3 Unentschieden, 3 Niederlagen
    2014/2015: 9 Trainerwechsel – 5 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen
    2013/2014: 11 Trainerwechsel – 4 Siege, 5 Unentschieden, 2 Niederlagen
    2012/2013: 10 Trainerwechsel – 4 Siege, 4 Unentschieden, 2 Niederlagen
    2011/2012: 11 Trainerwechsel – 5 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen

    Die Stichprobe ergibt bei 58 Trainerwechsel für das erste Spiel unter dem neuen Trainer 21 Siege, 20 Unentschieden, 16 Niederlagen. Wenn wir mit einem Unentschieden in Hamburg zufrieden sind, reist der MSV also mit einem kleinen Vorteil nach Hamburg. Und wenn wir der Statistik eine zeitliche Dimension geben, lässt sich gar ein Trend ablesen. Der Sieg im ersten Spiel nach einem Trainerwechsel wird seit zwei Spielzeiten immer unwahrscheinlicher. Tut uns leid, FC St. Pauli, Zahlen lügen nicht, allzu viel braucht ihr morgen nicht zu erwarten.

    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: FC St. Pauli, Ilia Gruev, Markus Kauczinski [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  9. [​IMG]Manchmal gehe auch ich ins Stadion, und der Fußball auf dem Rasen ist weniger wichtig als ich selbst. Denn ohne mich hätte dieser Fußball nicht stattgefunden. Gut, an die 30.000 Zuschauer dieses Spiels und bestimmt auch die Spieler selbst sind sicher anderer Meinung, aber dieses Spiel des MSV beim FC St. Pauli erinnerte mich an eine zutiefst existentielle Frage. Was die Menschheit seit Jahrtausenden als Problem des Erkennens zunächst philosophisch und dann auch naturwissenschaftlich hin und her bewegt, bearbeitete ich am Sonntagnachmittag bei St. Pauli im Stadion. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Ich habe das gesamte Spiel gesehen, ohne alles gesehen zu haben – das Ausgleichstor zum 2:2 etwa, aber auch die vermeintlichen Fouls vor den Elfmetern auf der Gegenseite. Dieses Spiel vom MSV gegen St. Pauli hätte es für mich nicht gegeben, wenn ich nicht gesehen hätte, was ich nicht gesehen habe.

    Es war wie beim Eishockey. Wer zum ersten Mal ein Eishockey-Spiel sieht, sieht auch nichts vom Spiel, weil der Blick des Betrachters der vom Puck gesteuerten Bewegung des Spiels zunächst fast immer hinterher hängt. Man muss das Spiel sehen lernen. Was beim langsameren Fußball genauso ist, aber nicht auffällt, weil wir meinen, es sei einfach, dem Ball zu folgen. Aber auch den Fußball muss man sehen lernen. Womit ich vor Jahrzehnten begonnen habe. Deshalb sah ich gestern, was meine Augen nicht haben wahrnehmen können. Das meiste hat mein Kopf erledigt und die fehlenden Momente des Spiels immer wieder ergänzt.

    Als Spezie eines Herdentieres habe ich bei dieser Wahrnehmung die Hilfe der Herdenstimmung nutzen können. Hinzu kamen Eindrücke der Hamburger Voll- und Teilzeit-MSV-Anhänger, mit denen ich nun schon zum wiederholten Male im norddeutschen Raum einen Auswärtsspieltag des MSV verbracht habe. Alles in allem ergibt sich nun eine ansehnliche erste Halbzeit, in der der MSV das Spiel sicher in der Hand hatte. Souverän wurde dem Druck der Paulianer in den ersten zehn Minuten stand gehalten. Danach war deutlich, gegen diese MSV-Defensive fand St. Pauli kein Mittel. Die Souveränität von Gerrit Nauber wirkte in die Mannschaft hinein. Wir durften auf eine gelungene Offensivaktion mit Torerfolg warten oder uns auf ein Unentschieden einrichten.

    So war die Führung durch das Elfmetertor von Kevin Wolze keine überraschende Folge dieses Spiels vom MSV, auch wenn wir den Elfmeterpfiff selbst mehr als willkommene Gabe sahen. Der Schrecken war dann groß, als Gerrit Nauber durch einen Schuss ausgeknockt wurde. Stabile Seitenlage auf dem Spielfeld kommt nicht häufig vor und ließ Schlimmes ahnen. Als er dennoch weiterspielte, war die Hoffnung auf sein Durchhalten groß.

    Er kam nach dem Halbzeitpfiff nicht mehr aus der Kabine, und damit war klar, nun würde es sehr schwierig. Denn St. Pauli bestätigte die Vermutung, nach dem Wiederanpfiff mit sehr viel Druck aufzutreten. Die Defensive des MSV begann zu schwimmen, und unsere Hoffnung, dass die Mannschaft die normalerweise 10 bis 15 Minuten vermehrte Offensivkraft des Gegners in einer solchen Begegnung schadlos überstehen würde, schwanden schnell. Nicht nur der Ausgleich fiel, St. Pauli ging in Führung. Für den MSV bestand sofort die Möglichkeit, die Niederlage noch zu verhindern, weil sich St. Pauli nach dem Führungstor ebenfalls sofort wieder zurück zog. Die MSV-Defensive war entlastet, und die Mannschaft konnte auf den Ausgleich hin spielen. Vielleicht brachte die rote Karte gegen St. Paulis Spieler einen Vorteil. Sicher bin ich mir nicht. Ich glaube, ein Ausgleich wäre auch beim elf gegen elf möglich gewesen, so unermüdlich wie die Zebras sich Richtung Tor St. Paulis bewegten. Das Tor von Stanislav Iljutcenko habe ich mir dann wieder sehr lebendig vorgestellt.

    Wie der MSV dieses Unentschieden erspielt hat, macht Freude. Diese Mannschaft reagiert variabel auf Spielstände und Spielsituationen. Diese Mannschaft strahlt eine Selbstsicherheit aus, die beeindruckt. Die Hektik des Spiels in der zweiten Halbzeit ging von den verunsicherten Paulianern aus. Die Zebras ließen sich davon nicht anstecken, sondern nutzten die dadurch entstehende Unruhe beim Gegner. Hoffen wir nur noch, dass Gerrit Nauber möglichst nächsten Spieltag wieder da ist. So weit möchte ich dann doch nicht selbst die Wirklichkeit in meinem Kopf herstellen müssen und ihn im Spiel gegen Dresden mir vorstellen, obwohl er nicht auf dem Spielfeld steht. Sonst wird meine Wirklichkeit dann mittelfristig so anders als die von euch, dass es schwierig werden könnte.





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    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: FC St. Pauli, Gerrit Nauber, Kevin Wolze, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  10. Der MSV lehrt uns auch in dieser Saison etwas über das Leben. Neulich noch waren wir davon überfordert als Aufstiegsfavorit durch den Alltag zu gehen. Wir hatten keine passenden Gefühle. Wir wussten nicht, welche Erwartungen an ein Spiel die richtigen waren. Wir waren wie die Neureichen früherer Zeiten, die ihr Geld mal viel zu viel und mal viel zu wenig ausgaben. Wir waren mit den Erwartungen an die Mannschaft ganz oft ein wenig drüber. So wurden wir unzufrieden trotz Tabellenführung. Wir fanden keinen passenden Ausdruck für unsere Sorgen, dass die Mannschaft das unbedingt nötige Saisonziel verpassen könnte. Wir mussten erst lernen dem Favoritendasein zu vertrauen.

    In dieser Saison zeichnet sich schon wieder etwas Neues ab. Ein paar Mal habe ich schon von meiner Entspanntheit im Stadion geschrieben. Immer wieder fällt mir auf, dass ein für mich in den letzten Jahrzehnten typisches MSV-Gefühl völlig fehlt. Es schwindet meine Sorge, in den letzten Minuten könne noch alles Erreichte gefährdet werden. Es schwindet meine Sorge das Saisonziel könne verfehlt werden. Über Jahre ging es in Duisburg immer dramatisch zu. Wenn wir ins Stadion gingen, schien sehr schnell immer alles auf dem Spiel zu stehen. Wir mussten unbedingt aufsteigen. Wir durften nicht absteigen. Und immer fielen Tore in den letzten Minuten.

    Nun spielte der MSV gegen Dynamo Dresden und ich habe dieser Mannschaft vertraut, obwohl Moritz Stoppelkamp und Boris Tashchy fehlten. Ich wäre wegen dieser Ausfälle sogar mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Das ist ein Zeichen von Vertrauen in die Mannschaft. Denn ich bin mir des mittel- und langfristigen Erfolgs dieser Mannschaft sicher, so dass ich mögliche gegenwärtige Misserfolge einrechnen kann. Umso schöner ist der verdiente 2:0-Sieg gegen Dynamo Dresden. Das ist das neue MSV-Gefühl dieser Saison, die Bedrohung ist aus dem Spielverlauf geschwunden. Die Spannung im Spiel ist seit Jahren zum ersten Mal wieder eine durchweg angenehme Spannung.

    Zwei Mannschaften mit ähnlicher Qualität haben sich gestern gegenüber gestanden. Zwei Mannschaften, deren Defensive gleich gut war, zwei Mannschaften, die im Offensivspiel sich ein wenig unterschieden. Dresden versuchte in Strafraumnähe etwas öfter das Kurzpassspiel, nachdem ein langer Ball das Mittelfeld überbrückt hatte oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mitelfeld gespielt hatte. Der MSV suchte schneller den Abschluss und wollte mit weniger Pässen torgefährlich sein, nachdem der längere Ball gespielt worden war oder die Mannschaft sich mühsam durch das Mittelfeld gespielt hatte. Und dann gab es noch einen weiteren Unterschied. Für den MSV gab es das schnelle Flügelspiel auch ohne Flügelwechsel. Der Ball ging steil auf Ahmet Engin, und der nahm Tempo auf.

    So war es klar, ein Tor würde nach einem Fehler fallen. Keine der beiden Mannschaften hatte die Möglichkeit, den Gegner auszuspielen. Der Fehler geschah auf Dresdner Seite kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ein steiler Pass am linken Flügel auf Ahmet Engin rollte knapp an der Außenlinie entlang. Für einen winzigen Moment dachte der Dresdner Defensivspieler, der Ball geht ins Aus. Sein Zögern war fast unmerklich. Es reichte aber zum entscheidenden Vorteil für Ahmet Engin im Sprint. Er zog am Defensivspieler vorbei Richtung Torauslinie, danach in die Mitte und passte zum hereinstürmenden Stanislav Iljutcenko. Das Führungstor fiel, angepfiffen wurde nicht mehr. Bis dahin hatte es schon zwei, drei gute Chancen für den MSV gegeben, während die Dresdner keine Torgefahr entwickeln konnten.

    Nach dem Wiederanpfiff erwarteten wir ein ähnliches Auftreten der Dresdner wie von St. Pauli letzte Woche. Zum Glück, so dachten wir, gab es ja Gerrit Nauber, der erneut souverän und ruhig die Defensive organisierte, dass es eine helle Freude war. Doch zunächst standen die Dresdner schwächer als in der ersten Halbzeit auf dem Platz. Der MSV drückte die Mannschaft sofort in die Defensive und versuchte, das zweite Tor zu erzielen. Diese Chance gab es, als Ahmet Engin erneut auf dem linken Flügel bei einem Konter davon zog. Besser lässt sich so ein Konter nicht spielen – bis auf den Abschluss des frei stehenden Fabian Schnellhardt, der den Ball mit der Sohle erwischte und nicht mit dem Spann. Der Ball kullerte dem Torwart in den Arm, und zum ersten Mal in dem Spiel blitzte für mich der Gedanke auf, hoffentlich rächt sich dieses Vergeben von Chancen nicht am Ende.

    Tatsächlich wurden die Dresdner stärker. Dennoch war die Mannschaft nicht präzise genug im Abschluss. Einmal kam im Strafraum ein Dresdner zum freien Abschluss. Sein Schuss ging hoch am Tor vorbei. Dann kam der Auftritt des eingewechselten Lukas Daschner. Zunächst hatte er in der Rückwärtsbewegung etwas aufgeregt auf mich gewirkt, verständlich bei dem Spielstand und seiner geringen Erfahrung. Nun kam er an den Ball, trieb ihn kurz an der rechten Außenlinie entlang, um etwa auf Strafraumhöhe in die Mitte zu ziehen. Ein Abwehrspieler nach dem anderen versuchte ihn zu stellen, vergeblich, denn Daschner lief immer weiter an der Strafraumgrenze entlang auf die andere Seite. Wir warten auf das Abspiel auf den frei stehenden rechten Flügel, doch dann kam das Foul.

    Kevin Wolze trat zum Freistoß an, und wir wissen, dass er diesen Schuss aus der Entfernung über die Mauer kann. Die Dresdner bauten sehr optimistisch ihre Mauer in drei Meter Entfernung vom Freistoßpunkt auf. Der Schiedsrichter bat sie zurück. Kevin Wolze lief an und hob den Ball so weich und präzise über die Mauer knapp unter die Latte zum Endstand von 2:0 ins Tor. Ich zitterte nicht um den Sieg. Ich freute mich über diese souveräne Leistung des MSV. Auf diese Weise in die Winterpause zu gehen, macht Spaß, und ein wenig staunten wir nach dem Schlusspfiff noch über unser aller Entspanntheit und Vertrauen in diese Mannschaft. Für einen Moment waren wir mit diesem MSV auch ohne Schnee in einem Winterwunderland. Mit ein wenig Abstand ist das kein Wunder, sondern das Ergebnis von welcher Arbeit noch mal? Jetzt alle im Chor, weil es stimmt: von seriöser Arbeit. Winter Wonderland dürfen wir trotzdem fürs Gefühl mal singen.


    Einsortiert unter:MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: Ahmet Engin, Gerrit Nauber, Ilia Gruev, Kevin Wolze, Lukas Daschner, SG Dynamo Dresden, Stanislav Iljutcenko [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  11. Ich werde den Zebrastreifenblog nicht in einen Onlineshop verwandeln, aber in den letzten Tagen vor Weihnachten will ich auf dieses nur bei mir erhältliche Fußballbuchpaket hinweisen.

    [​IMG]Mehr als Fußball ist weiter lieferbar. Das Buch ist in den meisten Duisburger Buchhandlungen erhältlich, im ZebraShop und beim Oligarchen des Onlinebuchhandels. Mehr als Fußball – so habe ich das Buch genannt, in dem ich vom Zusammenhalt in Duisburg im Sommer 2013 rund um den MSV und von der Zeit bis zum Wiederaufstieg des Vereins in die 2. Liga zwei Jahre später erzähle

    Mit einem Klick zu den Informationen zum Buch und zu Leseproben.

    Ralf Koss, Kees Jaratz: Mehr als Fußball, 363 Seiten, € 14,90
    ISBN 978-3-00-054423-1 Plus 2,10 Euro Versand, wenn ihr bei mir per Kontaktformular bestellt.


    [​IMG]Nicht mehr im Buchhandel lieferbar ist dagegen 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Deshalb finden sich die Leserstimmen zum Buch zwar bei Amazon, das Buch neu und ungelesen in der Hand halten, das könnt ihr nur, wenn ihr bei mir bestellt.

    Zu Weihnachten und zwischen den Jahren gibt es nun beide Bücher im Paket für 20 Euro plus Versand von € 2,50. Je nachdem, wo ihr in Duisburg wohnt, kann ich euch das Paket auch vorbeibringen.

    Alle, die Mehr als Fußball schon besitzen, können auch 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss separat bestellen. Für euch das Sonderangebot zu Weihnachten und zwischen den Jahren: 5 Euro plus 2 Euro Versand.

    Zunächst habe ich bei Buchbestellungen immer sofort nach dem Mail-Eingang versendet im Vertrauen auf Bezahlung. Leider gab es so viele Besteller, die nicht bezahlt haben, dass ich nur noch nach Vorkasse verschicke. Kontodaten bekommt ihr nach Bestellung



    [contact-form]
    Rechtliche Hinweise und Datenschutz.

    Einsortiert unter:Fußball im Buch Tagged: 111 Fussballorte im Ruhrgebiet, Mehr als Fußball [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  12. Wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt, fehlt mir glatt ein Tag des Jahres, an dem ich Weihnachtsgeschenke kaufe. Das spürt auch der Einzelhandel, wie die einschlägig bekannten Sprecher uns in ihren Verlautbarungen bestätigen. Alles in allem sind aber alle dennoch am Ende zufrieden sein, nicht nur wir hier im Zebrastreifenblog haben nämlich festgestellt, auch am Samstag vor Heiligabend bieten die Läden dieser Welt vielfältige Möglichkeiten des Weihnachtskomsums.

    So haben wir jetzt die nötige Ruhe, um euch schöne Feiertage zu wünschen. Auch wenn Der Stig schon lange nichts mehr hier geschrieben hat, lässt er es sich nicht nehmen, euch von seiner dänischen Heimat Aarhus aus zu grüßen. Und Ralf ist ohnehin inzwischen fast immer dabei, wenn ich hier schreibe. Dreimal also, rufen wir euch zu, haltet inne, streitet nicht, wenn ihr in alle zusammen aufeinander hockt. Esst lieber noch ein Stück Braten, ein Plätzchen oder Kuchen. Dann sagt ihr leise stöhnend, wie gut es euch geht und stellt euch den Schnee vor, den es Weihnachten ohnehin nie gibt.

    So soll Weihnachten sein, das wird auch immer wieder gerne besungen. Selbst in der Ruhrstadt ist das so. Und da es so gut wie nie weiße Weihnachten gibt, ist die Lösung für den Text ein Wunschlied wie die Schlagerband Ruhrschnellweg singt. „Weiße Weihnacht bei hier bei uns im Pott, datt wär wie ein Geschenk direkt vom lieben Gott“. Ruhrschnellweg war hier schon einmal mit einer Folge in der Ruhrstadtsektion des Heimatlieds vertreten. So weit ich das erkenne, sieht sich die Band als eine Art Musikantenstadl-Vertretung des Potts. Der Musikantenstadl war des WDR war wohl eine Weihnachtssendung, die auf Zeche Zollverein aufgezeichnet wurde. Musikantenstadl-Weihnachten können wir auch im Pott. In dem Sinne: Frohe Weihnachten!




    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

    Einsortiert unter:Halbzeitpausengespräch Tagged: Heimatlied, Ruhrgebiet, Ruhrschnellweg, Weihnachten [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  13. Im Sommer bin ich für die Lesung beim Platzhirsch Festival tief ins Youtube-MSV-Archiv getaucht. Ich hatte nicht viel Zeit, und die Zeit wurde dann noch knapper, weil ich erstmal nicht mehr weiter suchte, sondern bei den Bewegtbildzusammenschnitten von Abdelaziz Ahanfouf hängen blieb. Was für schöne Tore hat Ahanfour für den MSV zwischen 2003 und 2006 erzielt. Und wie wunderbar konnte er im und in der Nähe vom Strafraum fallen. Das hat er dann irgendwann etwas übertrieben, und er fiel schon, als sein Gegenspieler sich ihm erst näherte. Wenn man die Stationen seiner Karriere ansieht, überrascht es nur im ersten Moment, in wievielen Vereinen er gespielt hat und wie sehr dennoch diese Karriere mit dem MSV verbunden ist. Wenn man seine Tore sieht, weiß man, warum das so ist. Ich will heute hier nicht mehr viel zu ihm schreiben. Denn ich will jetzt zwischen den Jahren mit einer gewissen Endjahresmüdigkeit nach Weihnachten eigentlich wieder nur Bilder sehen. Schöne Bilder, die ich mit euch teilen will.


    Eines meiner Lieblingsdribblings von ihm.


    Das erste Tor in diesem Clip darf natürlich auf keinen Fall fehlen.


    Wie ihr an der Zählung seht, gibt es noch mehr Zusammenschnitte. Für heute soll es aber reichen.

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  14. Gerade versuche ich mich daran zu erinnern, ob in den seligen Fußballreporterzeiten der 60er- und 70er-Jahre-Sportschau neben der Granate und der Bombe auch die Rakete als bildhafter Verweis auf Schussgeschwindigkeiten zu hören war. Noch war das Militärische im Alltag selbstverständlich abrufbar. Für Fabian Schnellhardts Tor des vergehenden Jahres gegen Preußen Münster in der Nachspielzeit wäre solch ein Aufschrei jedenfalls sicher gewesen. Was für eine Granate! Was für ein Bombenschuss! Was für eine Rakete! Ich nehme das jetzt aber als gegeben an. Deshalb gilt heute: die Raketen für mein Silvesterfeuerwerk in diesem Jahr gibt mir Fabian Schnellhardt in Endlosschleife. Kommt gut rein ins neue Jahr. Wir sprechen uns 2018 wieder. Dann gibt es aber so was von richtige Wünsche und den Rückblick auf die meistgelesenen Texte des Jahres 2017.


    Einsortiert unter:Saison 2016/2017, Saison 2017/2018 Tagged: Fabian Schnellhardt [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  15. Der Stig ist gestern aus Aarhus wieder zurückgekommen. Anders als in den letzten Jahren wollte er Silvester in Duisburg feiern. So sind Ralf, Der Stig und ich hier im Zebrastreifenblog zum ersten Mal gemeinsam vor Ort, um euch alles Gute für das neue Jahr zu wünschen. Es hat sich bewährt, den Fußballern und den Verantwortlichen im Verein unserer Zuneigung von diesen Wünschen einen großen Sack abzupacken und mit auf deren Weg zu geben. Im letzten Jahr hat der große Wünscheverwalter das sehr wohlwollend in Erfolge des Vereins umgewandelt.

    Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Allerdings habe ich von nun an die Regeln geändert. Im Zebrastreifenblog gibt es nun zwei Beiträge außer Konkurrenz. Der Stig ist ja immer leicht erregbar und hatte schon rumgeschrien, ich soll die zwei Beiträge endlich löschen. Der Zebrastreifenblog sei ein modernes Medium mit journalistischem Anspruch. So Katzenbilder könnten sich alle sonstwo hinstecken. Er meinte die BVB-Torten. Sie sind so was wie die Katzenbilder des Zebrastreifenblogs. Populärer als diese BVB-Fußballtorten waren wie in den hundert Jahren zuvor keine anderen Beiträge. Von nun an erhalten Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“ und Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge XXV – Borussia Dortmund Teil 2″ nur noch eine namentliche Erwähnung. So können sie bei der Party dabei sein, aber still in der Ecke sitzend.

    Der Stig hatte natürlich komplett vergessen, dass diese Tortenbilder auch einen nicht zu verachtenden Werbeeffekt haben. Der Mensch will visuell eingefangen werden, um ihn dann mit neuen Reizen so lange wie möglich auf der Plattform zu halten. Alles, was Facebook kann, kann ich viel besser. Denn ich mache es für den guten Zweck. Vielleicht findet der ein oder andere Leser von den Torten zu Worten mit Gewicht über den wirklich wichtigen Verein etwa in diesen Räumen hier.

    Gerade dieses Mal gibt es unter den meistgeklickten Texten des letzten Jahres zwei, die vom eigentlich Sport hin zu grundlegenden Fragen unserer Gesellschaft führen. Platz 5 belegt: Mit welcher Botschaft weht eine türkische Fahne? Den Text habe ich nach dem letzten Drittligaspiel geschrieben. Die Spieler feierten Aufstieg und Drittligameisterschaft auf dem Rasen. Tugrul Erat legte sich dabei zunächst eine Fahne der Türkei um. Was für mich in Ordnung gewesen wäre, wenn die Fahne in jenen Wochen damals in Deutschland nicht von den Erdogan-Unterstützernn okupiert worden wäre. Sie war für mich nicht mehr das Staatssymbol. Das ließ sich natürlich auch anders sehen. Mein Text stieß leider nur bei Facebook eine Debatte an, und um diese Debatte ging es mir eigentlich. Öffentliche Debatte heißt Austauch von Argumenten und nicht Gegenüberstellen von Meinungen mit anschließendem Krakelen. Diese Argumente wurden damals ausgetauscht.

    Für den drittplatzierten Beitrag des Vorjahres hoffte ich sehr auf Konstanz in der Klickhäufigkeit. Tatsächlich findet sich dieser Beitrag 2017 erneut in meiner Bestenliste, auf Platz 4, wieder. Über die Zeit habe ich den Text zweimal angepasst, denn das Buch über die Rettung des MSV im Sommer 2013 und die anschließende Zeit bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre ist nun ein Jahr in Duisburger Buchhandlungen, beim Online-Oligarchen und eben mir weiterhin erhältlich. Also, erneut auf Wiederholung gehofft für: Jetzt bestellen – Mehr als Fußball. Das Buch über Duisburg im Sommer 2013 und den Wiederaufstieg des MSV. Und natürlich auch gerne noch bestellt, denn die zweite Auflage liegt weiterhin bereit.

    Auf Platz 3 findet sich der Spielbericht zum Heimspiel des MSV gegen Magdeburg: Wenn das Versprechen auf ein Spitzenspiel gehalten wird. Die Klickzahl ist auch mit Hilfe der Auswärtsfans erreicht worden. Sie hatten schon in Duisburg die Süd beeindruckend gefüllt und ihre Mannschaft so supportet, wie es bis dahin an der Wedau in den letzten Jahren meiner Erinnerung nach nicht geschehen war. Das Spiel endete Unentschieden, und wir dachten seinerzeit noch, wir hätten zwei mögliche Aufsteiger gesehen. Aufgestiegen ist dann ja doch nur die uns nächste Mannschaft unserer Zuneigung.

    Platz 2 belegt: Der TSV 1860 München als Gegenbild vom MSV. Auch hier spielte das Interesse der Fans aus München bei der Klickzahl eine Rolle. Für mich zeigten Insolvenz und Folgen bei 1860 noch einmal, welch besonderes Geschehen der Zusammenhalt im Sommer 2013 rund um den MSV in Duisburg gewesen ist. Denn Fans, die für ihren Verein einstehen, sind das eine. Das reicht aber nicht, um einen bedrohten Verein zu retten. Ohne all diejenigen, die mit dem MSV finanziell verbunden waren und sich ebenfalls für den Verein und Duisburg verantwortlich fühlten, wäre dieser Zusammenhalt ins Leere gelaufen.

    Auf Platz 1 befindet sich ein Text, der uns hilft, den Zufall als Erfolgsprinzip im Leben zu akzeptieren. Nicht wegen seines Inhalts, wegen des besonderen Grunds für die Klickzahl. Die meisten Klicks des Jahres galten: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben. Populär wurde dieser Text sieben Jahre später, als im Forum der Frauenzeitschrift Brigitte die Frage aller Bielefeld-Fragen aufkam, warum die Alm wohl Alm heißt. So kam der Text zu später Popularität. 2010 hatte auch ich mal nachgesehen und mich über die langweilige, recht beliebig wirkende Alm-Geschichte auf der Arminia-Seite amüsiert und gedacht, so eine Anekdote als Erklärung anzuführen, das kann ich unterhaltsamer. Gedacht, geschrieben und nun ist eine zweite Erklärung in der Welt, die manche Brigitte-Leserinnen und -Leser nun vielleicht für genauso wahr halten können wie jede andere Anekdote. Fake-News sind übrigens etwas ganz anderes.

    Und nun der Blick nach vorne. 2018, wir im Zebrastreifenblog, wir sind bereit. Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch in diesem Jahr einen Teil unserer Arbeitszeit in diesen Räumen hier verbringen und weiter vom neuen MSV-Gefühl schwärmen. Meine Art über den Fußball zu schreiben hat mich in dieser Saison immer wieder auch zu anderen Textformen geführt, weil ich viel von dem, was in einem Spiel über den Fußball hinausgeht, schon einmal gedacht und in Worte gebracht hatte. Die Spieltagslyrik als andere Form meines Schreibens machte mir große Freude, und manchmal stelle ich mir einen Mäzen vor, der es mir ermöglichte, eine Saison lang nach jedem Spiel ein Spieltagsgedicht zu verfassen; ein Spieltagsgedicht, das nicht schnell geschrieben werden muss, bei dem ich mir Zeit lassen kann, um formal und sprachlich noch anspruchsvoll, um jene Kunst zu schaffen, die so leicht daher kommt, dass sie den besten spielerischen Momenten des MSV entspricht. Mal sehen, wir auf den Rängen dürfen auch manchmal träumen.

    Also, 2018, wir gehen ins Stadion, wir sehen uns, wir lesen uns. Klingt verdammt gut, 2018, so kann es weitergehen.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, Halbzeitpausengespräch, Saison 2016/2017, Saison 2017/2018 Tagged: 1. FC Magdeburg, Bielefelder Alm, Borussia Dortmund, DSC Arminia Bielefeld, FSV Zwickau, TSV 1860 München, Tugrul Erat [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  16. Trainingsauftakt für den MSV nach der Pause im Winter, von dem es früher in der Werbung hieß, das sei die Erkältungszeit. Mal sehen, ob heute an der Westender Straße jemand fehlt. Früher hätte ich diese Frage nicht gestellt. Denn früher waren Fussballer noch ganz harte Jungs. Die spielten mit Halswirbelbruch ebenso wie mit gebrochenener Wade. Eine Erkältung war damals gar nichts, und notfalls gab es ein überraschendes Hilfsmittel, das die Leistungskraft zurückgab, äußerlich angewendet wurde und den Ruf des Fußballs ein dopingfreier Sport zu sein nicht gefährdete.






    Wer den Jahresrückblick des MSV noch nicht gesehen hat, der schaue gerne weiter. Nach meinem Geschmack gibt es etwas zu viel Historie für einen Jahresrückblick. Denn die zwei Fliegen „Jubiläum“ und „2017“ mit einer Klappe zu schlagen und auch noch beide zu treffen, passt für mich nicht zusammen. Das sind aber nur ein paar gestalterische Gedanken, die mit jedem neuen Fußballbild immer mehr verfliegen. Am Ende denkt nur noch der MSV-Anhänger in mir und sagt, schön.




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  17. [​IMG]

    Mit freundlicher Unterstützung von „111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ präsentiert der Zebrastreifenblog in loser Reihe die schönsten Fußballtorten der Welt.

    Lese ich Fortunafan-Stimmen zu Christian Gartners Können kommt mir der Gedanke, die Fortuna braucht ein kleines Dankeschön. Im MSVPortal hat sich der User Yogi die Mühe gemacht, solche Stimmen zusammen zu stellen, und diese Stimmen lassen vermuten, der MSV konnte einen Spieler verpflichten mit großen technischen Fertigkeiten sowie gutem Auge für Räume und Mitspieler. Dieses spielerische Können ist in Düsseldorf durch vielschichtige Gründe irgendwann nur noch ein Versprechen gewesen. Christian Gartner ist ein Spieler mit großem Potential. Solche Spieler kommen immer mit dem Risiko, in Duisburg könne sich der Misserfolgsweg beim alten Verein wiederholen. Doch wenn das Risiko vorhanden ist, gibt es auch die Chance auf den Erfolg. Nur wegen des Risikos kann der MSV Spieler dieser möglichen Qualität verpflichten.

    Die Chance ergibt sich, weil der Mensch ein soziales Wesen ist. Christian Gartner wurde in Düsseldorf von mehreren Trainern mit der Zeit vornehmlich auf eine bestimmte Weise gesehen. Ihr wisst das, Leistung lässt sich auch folgendermaßen erklären, je öfter Fehler gesehen werden, die jemand macht, desto eher wird er nicht nur diese Fehler noch einmal begehen. Für die Leistung noch gewichtiger ist das gefestigte Bild, das die Menschen von jemandem haben. Das Bild gibt eine Perspektive vor. Jede Handlung, die nicht zu diesem Bild passt, wird erst gar nicht wahrgenommen oder als Ausnahme angesehen. Deshalb verändert eine andere Umgebung den Menschen an sich. Es gibt in der anderen Umgebung noch kein gefestigtes Bild. Der betrachtende Blick ist freier. Dinge können gesehen werden, die zuvor gleichsam nicht vorhanden waren. Das ist Christian Gartners Chance beim MSV. Das ist unsere Hoffnung auf seine spielerische Qualität, die wirklich wird.

    Der Fortuna gilt der Dank, weil sich dort ein Bild des Misserfolgs verfestigt hat. Darauf einen Fußballkuchen. Was mir zudem die Gelegenheit noch einmal auf mein super super Jahresübergangsangebot hinzuweisen. Die 111 Fußballorte im Ruhrgebiet für 5 Euro plus Versand. Gerne auch zusammen bestellt mit Mehr als Fußball als Paket für 20 Euro plus Versand. Klicken und bestellen.






    Sämtliche Folgen von Die schönsten Fußballtorten der Welt findet ihr mit einem Klick weiter.

    Einsortiert unter:Das Spiel - Außerhalb der Stadien, MSV Duisburg, Saison 2017/2018 Tagged: 111 Fussballorte im Ruhrgebiet, Christian Gartner, Fortuna Düsseldorf, fussballtorte, Soccer Cake [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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  18. Die 41. Duisburger Filmwoche wurde im letzten November mit der Deutschlandpremiere eines Fußballfilms eröffnet. Die anderen Plätze zeigt die Lebenssituation von arbeitslosen Fußballprofis. Gedreht wurde der Film vor allem in der Stadt seiner Deutschlandpremiere, eben in Duisburg, denn in der Sportschule Wedau bietet die VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler, während der Sommerpause ein Trainingscamp für arbeitslose Fußballer an. Die Fußballer können sich fit halten, während sie auf späte Aktivitäten auf dem Transfermarkt hoffen.

    Den beiden Filmemacher Simon Quack und Marco Kugel ging es um Lebens- und Arbeitsmarktbedingungen von Fußballprofis der hinteren Reihen, jenen Fußballern, die nicht mehr, noch nicht oder noch nie als erste auf den Nachfragelisten der Sportdirektoren stehen und gestanden haben. Am VDV-Camp nehmen ganz junge Spieler teil und Spieler, die das Ende der aktiven Laufbahn schon in Erwägung ziehen. Es gibt Spieler, die zwar nicht auf allerhöchstem Niveau gespielt haben und dennoch mit ihren Vereinen in der Bundesliga außergewöhnlich erfolgreiche Zeiten erlebt hatten. Es gibt Spieler, die von Verein zu Verein ziehen.

    Zwar gibt es in Die anderen Plätze einzelne Spieler, die häufiger zu Wort kommen, doch der Lebenszusammenhang in diesen Sommermonaten erscheint als unüberschaubares Ensemble von Menschen, in dem die Spieler vereinzelt sind und bei dem dennoch ein Zusammenhalt als Glauben beschworen werden muss. Denn dieser Zusammenhalt ist zugleich Leistungsvoraussetzung in Fußballkadern heutiger Tage.

    Marco Kugel und Simon Quast entfalten die Wirklichkeit der arbeitslosen Fußballprofis ohne starke Geschichten von einzelnen Hauptfiguren, zugleich wollen sie atmosphärisch sein und nicht zu analytisch. So verliert der Films im zweiten Teil Dynamik. Höhen und Tiefen nähern sich an und der Alltag der arbeitslossen Fußballprofis wird zum melancholisch dahintreibenden Bilderfluss.

    Für uns in Duisburg bietet der Film die Begegnung mit einigen bekannten Gesichtern. Dietmar Hirsch ist im Camp Trainer gewesen. Beim MSV war er Spieler von 1995 bis 2000 und noch einmal von 2003 bis 2005. Philipp Bönig kommt oft zu Wort, und auch wenn seine Karriere wahrscheinlich eher mit dem VfL Bochum verbunden wird, beim MSV hat er seine ersten beiden erfolgreichen Profijahre von 2001 bis 2003 verbracht. Ich war damals enttäuscht, als er nach Bochum ging. Mit Christopher Schorch läuft auch ein Spieler aus der jüngsten Vergangenheit durchs Bild, ohne dass er im Film sich weiter äußert.

    Bei der Duisburger Filmwoche gehören protokollierte Diskussionen über die gezeigten Dokumentarfilme direkt nach den Filmvorführungen zum Festivalprogramm. Zum Protokoll der Diskussion über die Die anderen Plätze geht es mit einem Klick einsehbar.

    Zwei Tage nach der Premiere in Duisburg habe ich Simon Quast und Marco Kugel getroffen, um mit ihnen über ihren Dokumentarfilm zu sprechen. Simon Quast erwies sich als Anhänger von Borussia Mönchengladbach, hingegen der Hamburger Marco Kugel zwar fussballinteressiert ist, doch keinm Verein besonders anhängt.

    Zebrastreifenblog: Zwischen den Spielzeiten bietet der VDV, die Vereinigung der Vertragsfußballspieler ein Traininigscamp für arbeitslose Fußballer in der Duisburg Sportschule an. Wie seid ihr auf dieses Thema eures Dokumentarfilms „Die anderen Plätze“ gestoßen?

    Simon Quack: Wir wollten einen Film über Arbeitslosigkeit machen. Dazu gab es verschiedene Überlegungen und Recherchen. Dann hat uns während einer Filmwoche hier in Duisburg jemand von dem Fußballcamp für arbeitslose Fußballprofis erzählt. Weil wir uns für Fußball interessieren, aber davon noch nie gehört hatten, hat uns das neugierig gemacht. Schon im Jahr darauf, 2014, haben wir uns dann angesehen, wie dieses Fußballcamp läuft und wie das aufgebaut ist.

    Zebrastreifenblog: Habt ihr in dem Jahr auch begonnen zu drehen?

    Marco Kugel: Nein, wir haben vor allem im Sommer 2015 gedreht und noch einmal vier, fünf Tage im Jahr 2016. Dietmar Hirsch, der verantwortliche Trainer in dem Camp, bekam zum Ende des Camps einen neuen Job beim VfB Oldenburg, und so haben wir uns entschlossen, wir fahren nach Oldenburg und sehen, wie es ihm dort geht.

    Zebrastreifenblog: Seid ihr mit eurem Vorhaben beim VDV auf offene Ohren gestoßen?

    Marco Kugel: Doch, ja, es gab nur eine einzige Bedingung. Der VDV wollte prüfen, ob wir seriöse Filmemacher waren. Es gab wohl schlechte Erfahrungen, und sie hatten die Befürchtung, dass es den Film niemals geben wird. Wir sollten also zeigen, dass eine Produktionsfirma hinter uns steht, dass wir Geld für die Produktion hatten und wir den Film fertig machen konnten.

    Zebrastreifenblog: Und wie begegneten euch die Fußballer selbst? Als Dokumentarfilmer braucht ihr ja Menschen, die sich euch so weit wie möglich öffnen. Fußballer heute lernen aber mit als erstes gegenüber dem Medienbetrieb vorsichtig zu sein.

    Marco Kugel: Wir hatten mit den Spielern vereinbart, wer keine Lust zum Sprechen hat, der sagt es einmal und den lassen wir in Ruhe. Es kam aber fast nie dazu. Die Spieler waren sehr offen und sehr reflektiert. Der erste Schritt in die Öffentlichkeit für die Spieler war ja schon die Anmeldung zum Camp. Die Spieler, die das gemacht haben, haben sich damit zu ihrer Situation bekannt.

    Simon Quack: Vielleicht gab es zu Beginn eine kleine Irritation bei den Spielern. Sie wussten beim Campauftakt noch nicht, dass wir dabei sind. Wir wurden aber nur wenige Male gebeten, die Kamera auszumachen und das waren Momente, in denen es vollkommen nachvollziehbar war.

    Marco Kugel: Dabei ging es um Datenschutz, bei denen Einzelheiten aus Verträgen mit Vereinen zur Sprache kamen. Das hat uns auch nicht interessiert.

    Zebrastreifenblog: Erinnert ihr euch noch daran, welche Vorstellungen ihr über den möglichen Film bei Drehbeginn hattet?

    Marco Kugel: Es gab eine inhaltlich klare Vorstellung, aber im Fortlauf gehört dann ja noch viel mehr dazu, den Film zu machen. Wichtig war es für uns den Blick für den Fußball als Arbeit zu bewahren. Wir versuchten uns immer daran zu erinnern: was wir sehen ist deren Job. Das ist deren Beruf, was auf dem Platz und auch abseits des Platzes stattfindet. Das war viel wichtiger, als die große Vorstellung zu besitzen, wo es hingeht. Wir wollten eben keine Lobhudelei des Sports machen. Wir wollten den Leistungssport als Arbeit ernst nehmen. Wir wollten das Angestelltenverhältnis der Spieler ernst nehmen.

    Zebrastreifenblog: Im fertigen Film rücken einzelne Spieler in den Vordergrund. Philipp Bönig oder Dietmar Hirsch etwa kommen öfter zu Wort, dazu noch Maximilian Riedmüller und Anel Hodzic. Gab es beim Dreh Enttäuschungen, weil ihr euch für bestimmte Fußballer mehr interessiert habt und ihr dann mit denen während eurer Drehzeit keine runde Geschichte erzählen konntet?

    Marco Kugel: Nein, wir hatten einen anderen Ansatz. Wir wollten von vorherein am liebsten gar keine Protagonisten. Wir wollten wirklich 30 Leute zeigen, 50, 80, um auch der Realität näher zu kommen. Es gibt einen krassen Durchsatz in den Ligen und im Camp auch. Der eine wird aus dem Camp wegverpflichtet, dann kommen zwei neue. Du hast keinen Schimmer an dem einen Montag, wer am nächsten Montag noch da ist. Alles verändert sich immer noch ein bisschen schneller. In den Ligen eben auch. Nach vier Jahren siehst du kein bekanntes Gesicht mehr. Wir wollten mit allen sprechen, und wie es dazu kam, wer am Ende im Film zu sehen war, hing zum Teil von Zufällen ab.

    Simon Quack: Wir haben uns beim Dreh in der Sommerpause noch nicht groß Gedanken darüber gemacht, wen wir nach der Camp-Zeit besuchen wollten. Es war uns zum Beispiel währenddessen nicht klar, dass Anel Hodzic jemand wird, den wir später noch besuchen, weil wir die Busfahrt mit ihm hatten und er dabei uns relativ lange, auch sehr intim von sich erzählt hat.

    Marco Kugel: Wir wollten auch nicht unbedingt die Leute, die die beste Story hatten. Wir sind fast demütig daran gegangen. Wir haben uns aus bestimmten Gründen mit einem Spieler verabredet und ob der jetzt aus einer dramaturgischen Perspektive für den Film spannend ist, das war nicht so wichtig, weil jeder am Schluss ein Schicksal erzählen kann. Deswegen gab es auch keine Enttäuschung.

    Zebrastreifenblog: Mit diesem Anspruch und dem Verzicht auf einzelne Protagonisten war es aber bestimmt schwierig, den Spannungsbogen für den Film zu entwickeln?

    Marco Kugel: Wir haben tatsächlich als Kritik schon gehört, warum seid ihr nicht an dieser Person drangeblieben? Bei Maximilian Rietmüller etwa wurde gefragt, warum ist der nicht mehr im Film? Darauf antworten wir, weil das die Wirklichkeit abbildet. Es dreht sich auch sonst keiner nach den Jungs um, wenn sie nicht mehr spielen. Wir wollten nicht das größte Glück oder die tiefste Trauer zeigen. Es ging uns darum, Strukturelles offen zu legen.
    Andererseits haben sich dann ja doch einige Spieler in den Vordergrund geschoben. Sie bilden im Grunde die verschiedenen Möglichkeiten ab, wie es nach dem Camp weitergeht. Dietmar Hirsch hatte einen neuen Trainerjob bekommen. Philipp Bönig ist gerade an der Schwelle zum Karriereende gewesen. Er sagte sich, ich bin 35 Jahre alt, ich komme nirgendwo mehr unter, dann fange ich einen neuen Job an. Da war Maximilian, der wegen seiner Verletzung aufhören muss, der mit einer Physiotherapie-Ausbildung anfängt und da gibt es den jungen Anel, der zwar aus dem Camp heraus einen Verein findet aber in der Winterpause dann schon wieder freigestellt wird.

    Zebrastreifenblog: In dem Zusammenhang fallen mir dann sofort Worte von Dietmar Hirsch ein, die geradezu als Leitmotiv im Film immer wiederkommen. Wenn die innere Einstellung vorhanden sei, werde man belohnt, sagte er in seinen Ansprachen. Gleichzeitig zeigt der Film aber, so ist es eben nicht immer. Trotz der richtigen inneren Einstellung bleiben viele nun einmal ohne Belohnung.

    Simon Quack: Das stimmt zwar, aber letztlich appeliert Dietmar vielleicht an die einzige Möglichkeit, um aus der Situation, in der sich die Spieler befinden, etwas Positives zu ziehen.




    Trailer „Die Anderen Plätze“ von Marco Kugel und Simon Quack (2017) from Sein+Hain Film on Vimeo.

    Einsortiert unter:Der Fußball im Film Tagged: Arbeitslosigkeit, Christopher Schorch, Die anderen Plätze, Dietmar Hirsch, Duisburg, Duisburger Filmwoche, Marco Kugel, Philipp Bönig, Simon Quack, VDV [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

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    klausloehrer und yogi gefällt das.
  19. Unsere geprägten Leben

    Bei den 39. Duisburger Akzenten möchte ich Kriegserfahrungen von Duisburgern bei einer szenischen Lesung zu einer Art Gespräch werden lassen. Das Ganze findet im Ruhrorter Lokal Harmonie statt. Gespräch nenne ich diese Lesung deshalb, weil Duisburger sehr unterschiedliche Kriege erlebt haben. Die älterenen Duisburger kennen den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche. Duisburger flüchteten aber auch vor den Jugoslawienkriegen der 1990er, vor den Bürgerkriegen Afrikas oder in der Gegenwart vor dem Syrienkrieg. Über die eigenen zum Teil traumatischen Erfahrungen zu sprechen ist nicht leicht. Deshalb möchte ich zur Vorbereitung der Lesung im März am 20. Januar von 15 bis 18 Uhr zu einem Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in das Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6, einladen. Aufgerufen sind Duisburger aller Generationen und Herkünfte. In dieser Erinnerungswerkstatt wird das persönliche Erleben durch Aufzeichnung zur bleibenden Zeitzeugenschaft.

    Wenn an diesem Termin jemand keine Zeit hat oder wenn jemand nur im persönlichen Gespräch von seinen Erfahrungen erzählen will, kann er mich gerne über das Kontaktformular anschreiben, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.

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  20. Die Wahrheit, es gibt sie manchmal noch, und außerdem als eine, die unterdrückt wird. Allerdings muss dazu die Welt so überschaubar sein wie in Henrik Ibsens Drama „Ein Volksfeind“ aus dem Jahr 1882. In einem Kurbad als Handlungsort gibt es nämlich einfache Machtstrukturen und überschaubare Interessen. Am Theater Oberhausen hatte das Stück letzten Freitag in der Inszenierung des Intendanten Florian Fiedler seine Premiere und erhielt starken Beifall.

    Florian Fiedlers Inszenierung bringt das Drama der Gegenwart nahe. Das Bühnenbild stimmt uns auf klassische Moderne ein, die später sich in Gegenwart wandelt. Ein einstöckiger Flachdachbungalow ragt rechts in die Bühne hinein. Kurgäste in Bademänteln flanieren daneben und nähern sich auch dem Publikum über einen Holzsteg, der von der Bühnenmitte bis in die letzte Reihe des Zuschauerraums führt. Ein Trio spielt unterdessen unplugged Easy-Listening-Pop der 60er Jahre und schafft eine entspannte Grundstimmung im Theaterraum. Immer wieder wirkt im Verlauf des Stücks Pop- oder Rockmusik als eine Art Kommentar der Handlung. Diese anfängliche Leichtigkeit ändert sich, als der im Bungalow wohnende Badearzt Dr. Thomas Stockmann das Ergebnis einer Wasserprobe erhält. Das Heilwasser des Kurortes ist verunreinigt durch den Gerbereibetrieb seiner Schwiegermutter. Der Arzt hat es geahnt. Die Menschen müssen gewarnt werden.

    Schnell wird aber deutlich Stockmanns Bruder, der Bürgermeister, möchte nicht viel Aufhebens um die Wahrheit machen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen für den Ort liegen auf der Hand. Die zwei Journalistinnen der lokalen Zeitung „Der Volksbote“, zum Teil karikierend gespielt von Banafshe Hourmazdi und Emilia Reichenbach, erweisen sich nur vordergründig einem aufklärerischen Gedanken verpflichtet. Auch die von Lise Wolle gespielte Druckereibesitzerin und Vorsitzende des Hausbesitzer- und Mäßigungsvereins ändert ihre Meinung unter dem Einfluss des Bürgermeisters. Das graue Kostüm als weiblicher Uniform unserer Gegenwartswirtschaft verweist auf Prinzipien ihres Handelns.

    Jürgen Sarkiss spielt den Bürgermeister als alerten Politiker, freundlich im Ton, bestimmt in der Meinung. Macht zeigt er zunächst subtil, dann offen und die Bürger des Badeortes weiß er auf seine Seite zu bringen. Als es in einer Bürgerversammlung so weit ist, nimmt Florian Fiedler plakativ Bezug zur Gegenwart. Bei der pseudodemokratischen Veranstaltung wird das vom Badearzt erhoffte Verkünden der Wahrheit durch die aus TV-Polit-Shows bekannten Stimmungsbarometer aufgehalten. Die Bürger werden nicht entscheidend befragt sondern durch unwichtige Meinungsäußerung ermüdet. Auf eine Leinwand projezierte Fotos von umstrittenen Publizisten wie Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin oder Akif Pirincci illustrieren diese Bürgerversammlung.

    In dem Zusammenhang halte ich eine Anmerkung für notwendig: Harald Martenstein hier einzureihen wirkt auf mich ebenso populistisch wie die Haltung der Publizisten, die mit der Reihung kritisiert werden soll. Im Unterschied zu den anderen Populisten, verweist er immer wieder auf die Bedeutung von öffentlicher Debatte. Ich finde auch, er ist vor einiger Zeit oft merkwürdig altväterlich in mancher seiner Meinungen geworden, aber er gibt nicht vor, Wahrheit zu sprechen sondern Meinung, und das bedeutet, dass man anderer Meinung sein kann. Eine Haltung, die man von den rechtspopulistischen Publizisten in dieser Reihe nicht behaupten kann.

    Der Populismus erweist sich als Demagogie, wenn der Bürgermeister verhindert, dass sein Bruder in der Bürgerversammlung die Wahrheit aussprechen kann. Das Opium für das Volk ist in der Gegenwart dann nicht die Religion sondern die Unterhaltungsindustrie, Sparte Rockmusik. Die verbündeten Wahrheitsunterdrücker des Badeortes geben ein Rockkonzert, das mit dem „Let me entertain you“ nochmals plakativ endet.

    Clemens Dönicke spielt den Badearzt als Idealisten, der nicht versteht, wie ihm geschieht, wenn er von seinem aufklärerischem Gedanken nicht ablässt. So wirkt die soziale Ächtung und der wirtschaftliche Ruin auch weniger als Preis, den er für seine Haltung zu zahlen bereit ist, denn als Naturgewalt, der er sich ausgesetzt fühlt. Am Ende fühlt er sich alleine am stärksten und kann gerade deshalb nichts bewirken.

    Mit diesem Schluss des Dramas zeigen sich die Beschränkungen einer Wirklichkeit aus dem Jahr 1882. Die in „Ein Volksfeind“ inszenierte Gegenwart kennt kein Internet und keine sozialen Netzwerke. In dem Badeort existiert noch eine naive Vorstellung von Wahrheit. Wahrheit ist in dieser Welt eindeutig erkennbar. Sieht man in der Wirklichkeit des Badeortes ein Beispiel für Wirkmechanismen unserer Gegenwartsgesellschaft, gerät man schnell an aufklärerische Grenzen des Dramas. Ein Pegida-Anhänger kann in Oberhausen ins Theater gehen, über die Publizistenreihe im Stück vielleicht kurz irritiert sein und ansonsten sein Verständnis von Gesellschaft bestätigt sehen. Er kann sich mit dem Badearzt identifizieren und sieht die eigene Wahrheit von der Lügenpresse und den machthabenden Politikern unterdrückt.

    Aufklärung heißt immer das Gebot. Aber wer bestimmt Wahrheit, wenn jeder Wahrheit verkünden kann? Der Badearzt Dr. Thomas Stockmann von heute würde nicht mehr resigniert auf einem Stuhl sitzen. Ein Mensch mit solch aufklärerischer Energie würde heute sofort einen Blog zu schreiben beginnen. Er würde seine Wahrheit erzählen. Mit welchen Folgen?



    Bei den Ruhrbaronen zeigt sich Honke Rambow nicht sehr überzeugt von der Inszenierung. Dagegen gefällt Stefan Keim für WDR3 sehr, was er gesehen hat.

    Weitere Aufführungen: 21. und 26. Januar, 10., 16. und 25. Februar, 5. Mai. Informationen zum Stück und Kartenbestellung beim Theater Oberhausen mit einem Klick.

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  21. Was wäre es schön, wenn wir den Fußball tatsächlich in seinem Wesen des Spiels ernst nehmen könnten. Dann gäbe es keinen Nachrichtenwert für einen BILD-Mann, wenn Ennatz Dietz meint, gegen einen Aufstieg wehre sich niemand. Natürlich wehrte sich niemand gegen einen Aufstieg, denn gegen Gesundheit wehrt sich auch niemand. Oder gegen eine Belohnung für die eigene Leistung.

    Lassen wir mal die Großvereine des Unterhaltungsbetriebs außen vor. Die Zweite Liga ist mit ihrer Ausgeglichenheit gerade ein Sinnbild für das Wesen des Fußballs. Denn ein Wesenskern des Fußballs ist die besondere Mischung von Zufall und Leistung als Voraussetzung für Erfolg. Das Wesen des Fußballs kritisiert unentwegt die Grundüberzeugungen unserer Leistungsgesellschaft. Leistung garantiert nicht viel im Leben. Auch wenn das immer wieder vergessen wird.

    Wenn wir das Wesen des Fußballs ernst nähmen, wäre jeder begeistert über einen Aufstieg. Wir machten uns nicht einen Gedanken darüber, ob der Aufstieg zu früh käme oder nicht. Wir nähmen das Glück, wie es kommt. Wir würden Nachsicht haben beim Misserfolg, wenn jeder sein Bestes gegeben hat. Wir würden aufsteigen und gegebenfalls traurig aber vorwurfslos wieder absteigen. Wir betrachteten die Zukunft als unwägbar, selbst wenn man alle möglichen Gefahren bedacht hat und sich für anstehende Aufgaben so gut vorbereitete, wie es jeder für sich kann.

    Wenn wir den Fußball in seinem Wesen ernst nehmen könnten, wäre Fußball in unserer Gesellschaft wahrscheinlich nicht mehr so populär. Davon ab, fühlt sich ein Aufstieg immer verdammt gut an.

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  22. Angela Merkel hat doch immer viel zu tun, nicht nur jetzt mit den Koalitionsverhandlungen, und dass sie selbst, also, das glaube ich nicht. Der Zebrastreifenblog gehört ja ins Ressort von Monika Grütters. Sie ist Staatsministerin für Kultur und Medien. Aber ob sie auch auf lokaler Ebene sich zuarbeiten lässt? Das scheint mir zweifelhaft. Vielleicht hat Ralf Jäger als MSV-Fan es dem Sigmar gesteckt? Im Auswärtigen Amt sind ja die Goethe-Institute zu Hause. Kulturvermittlung im Ausland. Bin ich demnächst mit dem Zebrastreifenblog für die deutsche Fußballkultur auf Lesetour in Asien? So was könnte doch sein. Seit gestern eine Mail bei mir reinrauschte, träume ich jedenfalls von einer paradiesischen Zukunft. Denn die deutsche Regierung will dem Zebrastreifenblog helfen:


    Betreff: {zebrastreifenblog} deutsche Regierung will dir helfen!

    Hallo ,
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    Jeden dieser Gründe für die Verteilung der Ressourcen kann ich für mich in Anspruch nehmen, besonders dieses „vieles mehr“. Etwas sorgenvoll schaue ich nur auf die Unsicherheit, die mit der Aufforderung zum Klicken einhergeht. Erst soll mir geholfen werden, dann wird später erst entschieden, ob ich mich qualifizieren kann. Und die Qualifikation ist offensichtlich mein Wissen, wo und wie ich fragen kann. Wahrscheinlich bin ich dann auf einmal mitten drin in diesen Koalitionsverhandlungen und keiner ist zuständig. Da weiß ich doch jetzt schon, was passiert. Jeder ist nur geschäftsführend da. Keiner will entscheiden, ob ich richtig den Richtigen gefragt habe. Und womöglich bin ich dann der Grund, warum die Verhandlungen platzen, weil sie sich nicht einig werden über meine Anfrage. Besser ich warte noch und versuche es später.

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