Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Regelmäßig lasse ich mich in den Stadtbüchereien von Duisburg oder Köln auf den Zufall ein. Ich gehe durch die Regale, ziehe hier und dort ein Buch heraus, blätter vielleicht noch kurz und nehme es dann manchmal mit. Es gibt auch eine Art geführten Zufall. Dann greife ich zu jenen Büchern, die von den Mitarbeitern der beiden Bibliotheken auf Tischen oder in Regalen augenfällig präsentiert werden. Neulich lag in der Kölner Gesellschafts-Ecke „Zu Fuß durch ein nervöses Land“ von Jürgen Wiebicke aus. Ich kann mich nicht erinnern, dass schon einmal dieses Herumstreifen in der Bücherei und der damit verbundene Zufall der Lektüre dem Inhalt des von mir ausgeliehenen Buch so ähnelte wie dieses Mal.

    Im Sommer 2015 ist Jürgen Wiebicke von Köln aus losgewandert. Er ging zuerst Richtung Niederrhein und von dort aus über das Ruhrgebiet nach Ostwestfalen. Auf seinem Weg befanden sich ein paar zuvor festgelegte Ziele, sonst aber überließ er sich dem Zufall der Begegnung. Das waren Menschen direkt auf seinem Weg, auf der Straße, auf Feldern oder an Flüssen. Das waren aber auch zunächst die Örtlichkeiten, die ihm auffielen, seien es Gaststätten, herrschaftliche Anwesen oder etwa ein Privattheater. Immer wieder suchte er das Gespräch und den vorurteilsfreien Austausch. Voller Neugier wollte er erfahren, was all diese Menschen zu erzählen hatten. Manchmal wie im Kloster, bei einer Künstlerin oder an einer Schule ging es um die gegenwärtige Lebensweise und deren Folgen für das sinnhafte Dasein. Es ging um psychische Schwierigkeiten dieser Zeit, um die Schnelligkeit, mir der sich dieses Leben der Gegenwart ununterbrochen verändert.

    All diese Gespräche geschahen nicht im wirklichkeitsfernen Debatierraum der Sinnfindung oder Gesellschaftskritik. Durch die Begegnungen erfahren wir immer auch vom konkreten Leben der jeweiligen Menschen, von ihre Berufen und den wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen sie versuchen ihr Leben zu gestalten. Wir erfahren von privatem Glück und Zufriedenheit. So erhält man kurze Einblicke in sehr unterschiedliche Sphären dieser Gesellschaft. Unter welchen industriellen Bedingungen wird am Niederrhein Landwirtschaft betrieben. Wie gelingt es Pädagogen und Sozialarbeitern sozial auffälligen Kindern, Sicherheit für ihr Lebn zurück zu geben? Wie kann ein privat betriebenes Musical-Theater am Rand des Ruhrgebiets existieren? Wie hat sich das Arbeiten in der Psychiatrie verändert? Wie sieht der größte Schlachthof Europas von innen aus?

    Das Unbehagen an der Gegenwart durchdringt als Generalbass fast alle Gespräche. Jürgen Wiebicke moderiert verschiedene Hörfunksendungen auf WDR 5 und war mir vor allem als Gastgeber für Das philosophische Radio aufgefallen Seine Radiogespräche über Philosophie hatten für mich immer schon eine sehr lebenspraktische Perspektive. Diese Haltung von ihm findet sich auch im Buch wieder. Sein Blick auf das Erlebte wird eng verwoben mit dem Nachdenken über unsere Gegenwart und das eigene Leben. Da geht es ganz klassisch um die Folgen unseres indrustriellen Wirtschaftens für die Umwelt und für die Menschen außerhalb der westlichen Hemisphäre. Es geht um den Umgang mit Natur und Tieren und welchen Einfluss all das auf Zufriedenheit sowie Lebensglück hat. Unausgesprochen steht oft die Frage im Raum, wie sollen wir angesichts des Wissens um notwendige Veränderungen leben und wie lässt sich der dazu notwendige Gemeinsinn herstellen?

    Jürgen Wiebicke stellt Fragen zu den komplexen Themen der Gegenwart, und Antworten sind, wie wir wissen, nicht leicht zu finden. Eine Antwort aber hat Jürgen Wiebicke, die in unterschiedlicher Form immer wiederkehrt. Sie lautet, Verantwortung im eigenen Umfeld übernehmen. Natürlich weiß er um System und Strukturzusammenhänge, doch wenn die Lösung nicht auf den bislang eingeschlagenen Wegen zu finden ist, liegt sie vielleicht woanders. Ohne Gemeinsinn wird nichts gelingen. Also gilt es den Blick dorthin zu werfen, wo Menschen im Kleinen Verantwortung übernehmen und trotz aller Widersprüchlichkeiten andere Wege einschlagen.

    „Zu Fuß durch ein nervöses Land“ bietet eine wunderbare Mischung aus Reportage, Gesellschaftskritik und Selbstreflexion. Durch Jürgen Wiebickes Blick auch auf sich selbst wird das eigene Nachdenken beim Lesen ununterbrochen angeregt. Unaufdringlich und zugleich nachdrücklich verweist Jürgen Wiebicke auf die Folgen unserer gegenwärtigen Wirtschaftens und Konsumverhaltens. Der Angst und der Nervosität hält er einen nachdenklichen Optimismus entgegen. Am liebsten möchte ich ihm zurufen, demnächst noch einmal in einer anderen Region dieses Landes loszuwandern. Seinen Blick auf Wirklichkeit und Menschen sowie sein Denken beim Wandern können wir gut gebrauchen.

    [​IMG]




    Jürgen Wiebicke: Zu Fuß durch ein nervöses Land. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2016.
    336 Seiten, geb., 19,99 €.

    ISBN: 978-3-462-04950-3

    Weiterlesen...
     
    masselimschlamassel gefällt das.
  2. Wenn ein Boot voll läuft und mit Pumpen, Eimern sowie den bloßen Händen das Wasser halbwegs rausgebracht wird, wirkt Kritik an der Ausführung des Wasserschöpfens mehr als kleinlich. Dann bin ich froh, dass jeder Hand anlegt und mithilft, damit das Boot im nächst gelegenen Inselhafen erst einmal Zwischenstation machen kann. Deshalb bin ich zufrieden mit dem Punkt in Berlin, den ich als Zweckpessimist nicht erwartet hatte. Ich bin sogar zufrieden damit, wie er erspielt wurde. Das war angesichts der letzten Spiele notwendig und eine realistische Herangehensweise.

    Der MSV wollte diesen Punkt gegen Union Berlin mit allen Mitteln erreichen. Die Zielvorgabe für die Spieler hieß, ein Gegentor verhindern. Wenn wir selbst eines erzielen, ist das gut. Darauf drängen werden wir nicht. Die Berliner waren nach dem ausgeglichenen Beginn nur zum Ende der ersten und für die erste Hälfte der zweiten Halbzeit mit etwas mehr Nachdruck um den Sieg im eigenen Stadion bemüht. Je länger das Spiel dauerte, desto vorsichtiger wurden beide Mannschaften. „Kontrolliert sein“, das stand in großen Lettern auf mindestens zwei, drei Spickzetteln, die allen Spielern in die Stutzen gesteckt waren. Das torlose Unentschieden war ein folgerichtiges Ergebnis.

    Ich weiß nicht, wo ich es gestern im Netz als Überschrift gelesen habe, dieses Unentschieden nutze keiner der beiden Mannschaften. Ich habe den Text nicht aufgerufen, denn nach so einer Überschrift weiß ich, dieser Sportjournalist hat von der Zweiten Bundesliga keine Ahnung. Der MSV hat mit dem ersten Spiel nach meiner Tabellenrechner-Prognose nicht nur schon einen Punkt mehr, als ich kalkuliert habe. Die Mannschaft konnte mit dem Unentschieden den Glauben an sich selbst wieder zurück gewinnen. Sie konnte sehen, dass sie vorgegebene Ziele erreichen kann. Der Druck vor dem Spiel gegen Sandhausen ist nun deutlich geringer geworden. Ein Hohelied auf das Ergebnis:

    Nachdem er das Spiel bei Union gesehen hatte

    Was nicht geschah, dich will ich loben.
    Du bist so oft von großem Wert.
    Der Fall, der ist: zu hoch gehoben.
    Was nicht passiert, bleibt ungeehrt.​

    Nicht nur Ereignis führt zum Ziel.
    Auch Nichtgeschehen ergibt Sinn.
    Denn torlos führt das Auswärtsspiel
    zu dem erhofften Punktgewinn.​

    Weiterlesen...
     
  3. Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 28. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer steht meine Punkteprognose am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse von meiner Prognose abweichen.

    Das Wichtigste: Der MSV hat mit dem Unentschieden in Berlin bereits einen Punkt mehr, als ich in meiner pessimistischen Prognose habe erwartet. Von den letzten drei Vereinen übertrifft nur Darmstadt mit einem Punkt meine Prognose.



    6. Arminia Bielefeld 40 (42 +1)​

    7. VfL Bochum 40 (45 +3)​

    8. Erzgebirge Aue 39 (43 +2)​

    9. SV Sandhausen 38 (47 -2)​

    10. MSV Duisburg 38 (40 +1)​

    11. Union Berlin 37 (47 -2)​

    12. Eintracht Braunschweig 37 (42 +/-0)​

    13. Dynamo Dresden 37 (41 +/-0)​

    14. SpVgg Greuther Fürth 37 (42 +1)​

    15. FC St. Pauli 37 (47 -1)​

    16. 1. FC Heidenheim 34 (39 +/-0)​

    17. SV Darmstadt 98 32 (34 +1)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 29 (36 +/-0)​

    [​IMG][​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  4. Ein Fundstück im Fotoalbum eröffnet eine Welt und regt zu Geschichten an. Pelé ist mir am Wochenende etwas näher gerückt, weil eine Tante ab Ende der 1950er Jahre bis in die 60er hinein im Düsseldorfer Weindorf gekellnert hat. Das Weindorf muss seinerzeit ein renommiertes Lokal gewesen sein. Den Ruf hatte es auch erworben durch Prominenz der Gäste.

    Auf dem im Weindorf aufgenommen Foto erkenne ich einen Prominenten und das ist Pelé. Das Foto ist mehr als ein Erinnerungsschnappschuss, denn es erzählt offensichtlich eine Geschichte. Die wahren Fußballfreaks unter euch wissen vielleicht, wer der Mann ist, auf dessen Schulter die Hand der kellnernden Tante liegt. Vermutlich ist das ebenfalls ein Fußballer. Der stehende Mann rechts, Pelé, der trinkende Mann und die Kellnerin bilden die eine Gruppe des Bildes. Die drei älteren Männer am Tisch bilden die andere Gruppe, die vom Drama hinter ihnen nichts mitbekommen. Auf dem Tisch befindet sich ein Wimpel der ehemaligen brasialischen Fluggesellschaft Panair do Brasil.

    Der missbilligende Blick des stehenden Mannes und Pelés Blick richten sich auf den trinkenden anderen jungen Mann. Trank er zu viel? Suchte er zu sehr die Nähe der Kellnerin? Sieht ein Betreuer, der Trainer gar auf einen Fußballer, der über die Strenge schlägt? Am 5. Mai 1963 fand im Hamburger Volksparkstadion das erste Länderspiel gegen Brasilien statt. War Düsseldorf davor oder danach eine Zwischenstation für die Brasilianer? Und wenn ja, warum? Vielleicht weiß einer von euch, wer die anderen Männer auf dem Bild sind. Fußball- und Düsseldorfer Lokalhistoriker rührt euch.

    [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  5. Dirty Harry

    Dirty Harry Landesliga

    Registriert seit:
    27 Februar 2012
    Beiträge:
    1,133
    Zustimmungen:
    2,938
    Ort:
    Moers
    Mein Opa hat früher über den Winter hinweg im Weindorf Musik gemacht.
    Mein Vater müsste auch noch irgendwo ein Foto mit ihm und Pepe' haben...

    Leider kann ich ihm das Bild nicht zeigen, da er im vergangenen Jahr im Alter von 90 Jahren verstorben ist.
     
    Kees Jaratz und Wayne Schlegel gefällt das.
  6. Haben wir in Duisburg, also der MSV, eigentlich mal irgendwas aus Sandhausen zurückbekommen für unseren Anteil daran, dass der SV Sandhausen sich in den letzten fünf Jahren als etablierter Zweitligist betrachten kann? Mir fällt als Gegenleistung für unseren Zwangsabstieg 2013 nichts ein. Die meisten von euch wissen das, nur unser Zwangsabstieg verhinderte den direkten Wiederabstieg des Aufsteigers Sandhausen. Seitdem klappt es ganz gut mit der Zweiten Liga und Sandhausen.

    Aber in den gegenwärtigen Zeiten der Weltverschwörungstheorien könnten Fans von abstiegsbedrohten Traditionsvereinen wie etwa Kaiserslautern natürlich gleich über Abhängigkeiten hinter den Kulissen nachdenken. Ominöse Strohmänner besprechen Gefälligkeiten und solche Dinge. Die Bilanz lässt schließlich manchen Verdacht zu. In fünf Spielen gab es vier Siege und ein Unentschieden für den MSV. Das ist doch nicht normal. Ist das ohne Gefälligkeit erklärbar? Wahrscheinlich war es sogar so, dass die zwei Siege des MSV in der Saison 2012/2013 schon eine verdeckte Vorleistung für den Zwangsabstieg war. Logisch ist das nicht, aber heute darf man doch nichts mehr glauben, oder sagen wir, man darf alles glauben, was so in die Welt hinein posaunt wird.

    Ich muss mich zügeln, sonst heißt es gleich wieder, im Fußball habe Politik nichts zu suchen. Ihr wisst, meine Meinung ist das nicht. Trotz solcher grundsätzlichen Sätze gibt es nämlich sehr klar benennbare Ereignisse, in denen sich das Politische in einem Stadion sehr deutlich zeigt. Das Spiel gegen Sandhausen gehört zu diesen Ereignissen allerdings nicht. Ich weiß auch nicht, wie ich darauf jetzt gekommen bin. Vielleicht weil ich entsetzt darüber bin, dass CSU-Kollege Dobrindt höchst erfreut dem ungarischen Autokraten Orban zu seinem Wahlsieg gratuliert, noch sehr viel freundlicher als sein Kollege Seehofer.

    Da habe ich nur ein paar Sorgen im Kopf, und schon komme ich von Hölzken aufs Stöcksken, obwohl ich eigentlich nur nur den sympathischen Clip zum hundertjährigen Jubiläum vom SV Sandhausen posten wollte. Er versammelt schöne Bilder aus der Vereinsvergangenheit, die uns deutlich machen, was Sport ausmacht. Die Geschichten von glorreichen Siegen und dem vollkommenen Glück danach gibt es für jeden Verein. In Sandhausen werden sie erzählt über die Amateurmeisterschaft und zwei Pokalsiege gegen Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart – vor allem ab Minute 3.10 etwa. Auf welchem Rasen damals noch Fußball gespielt wurde. Großartig.

    Weiterlesen...
     
  7. Der Vorbericht des MSV zum Spiel gegen den SV Sandhausen bestätigt meine Tabellenrechner-Prognose. Wahrscheinlich werden wir ein torloses Unentschieden sehen. Natürlich gehen die Spieler optimistischer in die Begegnung. Deshalb antwortet Lukas Fröde auch auf die Frage: „Warum klappt’s am Samstag mit den Toren?“, die Zebras wollten vor heimischem Publikum „richtig Druck“ entwickeln und vorne gebe es „sehr gute Stürmer“, die immer für „das ein oder andere Tor“ gut seien.

    Ein Trainer steht allerdings vor der Aufgabe, dem Optimismus eine realistische Färbung zu geben. Deshalb sieht Ilia Gruev, für ein Tor gegen Sandhausen brauchen seine Spieler am besten die todsichere Chance: „Wenn man […] alleine ins gegnerische Tor geht, dann haben wir auch da schon Möglichkeiten, Tor zu erzielen.“ Als Zweckpessimist muss ich zudem hoffen, die Zebras schaffen es, auf ihrem Weg ins gegnerische Tor den Ball nicht zu vergessen.

    Bis morgen schmunzel ich noch etwas über die Prise Komik in Ilia Gruevs realistischem Optimismus, den er ab 1.30 hören lässt.

    Weiterlesen...
     
  8. Ihr kennt das vielleicht, Menschen in der Runde sehen peinlich betroffen zur Seite, während man selbst noch über den eigenen trockenen Kommentar grinst. Ich hatte einen Witz über Ilia Gruevs Worte im Vorbericht zum Spiel gegen den SV Sandhausen gemacht. Dabei tat ich Ilia Gruev unrecht. Was er im Vorbericht zum Spiel gegen den SV Sandhausen sagte, besaß nicht einen Hauch unfreiwilliger Komik. „Wenn man […] alleine ins gegnerische Tor geht, dann haben wir auch da schon Möglichkeiten, Tor zu erzielen.“ Das waren seine Worte und ohne Frage, sprach er die Wahrheit über das derzeitige Leistungsvermögen seiner Mannschaft. Ilia Gruev war tatsächlich der Realist, als den ich ihn schmunzelnd bezeichnet hatte. Denn eigentlich hatte ich gehofft, ganz leer muss das Tor nicht sein, damit die Zebras 1:0 in Führung gehen können.

    Das Sandhausener Tor hätte aber ganz leer sein müssen. Nicht, weil der Sandhausener Torwart in der zweiten Halbzeit den 2:0-Auswärtsaussieg seiner Mannschaft mit drei unfassbaraden Reaktionen rettete. Und auch nicht, weil Cauly Souza kurz nach seiner Einwechslung zur Halbzeitpause den Innenpfosten traf und der Ball wieder ins Feld zurück sprang. Nein, nicht wegen dieser großen Chancen, die dennoch zu keinem Tor führten. Nein, das Tor muss leer sein, weil die Mannschaft bei der jetzigen Spielweise zweifellos immer Glück braucht, um ein Tor zu erzielen. Ohne den Zufall gelingt nichts. Ein leeres Tor würde den Zufall wahrscheinlicher machen.

    Wenn ich in der ersten Halbzeit gar keine Hoffnung auf ein Ausgleichstor hatte, gab mir die Mannschaft in der zweiten Halbzeit zumindest das Gefühl, ich dürfe an glückliche Fügung glauben. Ich fühlte mich wie beim Lotto spielen. Drei Richtige, das war der Einwurf im gegnerischen Feld. Vier Richtige, das war die Ecke. Fünf Richtige, das wäre der Ausgleich gewesen. Und von den sechs Richtigen, dem Sieg gar, davon konnte ich nur träumen. Das wusste ich. Ich kenne übrigens niemanden, der schon fünf Richtige hatte. Das scheint trotz besserer Chancen also auch nicht so häufig vorzukommen.

    Wie ermüdend war es mit anzusehen, wie der Ball immer wieder hoch nach vorne flog und die Sandhausener Defensive genauso regelmäßig diesen ersten hohen Ball klärte. Den zweiten Ball klärte sie vorsichtshalber auch. Kamen die Zebras ausnahmsweise in Ballbesitz, brauchten die Sandhausener eben etwas länger, um den Angriff des MSV zu unterbrechen. Zumindest wurde der Weg zum Tor in der zweiten Halbzeit gesucht. Und wenn das Glück dann einzutreffen schien, gab es doch noch den Sandhausener Torwart.

    Zu Beginn des Spiels bauten die Zebras etwa zehn Minuten Druck auf. In der Zeit versuchten die Sandhausener mit allen Mitteln das Spiel zu beruhigen. Jede Spielunterbrechung wurde zur kleinen Pause. Abschläge wurden nicht sofort ausgeführt. Der Torwart suchte vorher noch das intime Gespräch mit einem seiner Defensivspieler. Sie schienen sich zu mögen, trotz Feldspielerunachtsamkeit. Mich hat das geärgert. Aber das Mittel war erfolgreich. Nach zehn Minuten war die Angriffskraft der Zebras eingehegt und heruntergezögert.

    Darauf hin brachen die Zebras die Krafterhaltungsgesetze. Je vorsichtiger das Spiel nach vorne wurde, desto unsicherer wurde die Defensive. Auf den Flügeln wurde überlaufen, wie es der Gegner wollte. Die ungebrauchte Offensivkraft verwandelte sich also nicht in eine zusätzliche Kraft der Abwehr. Die Naturgesetze sagen uns, sie muss über der Arena in den Raum verschwunden sein, als thermische Energie wahrscheinlich. Vielleicht bescherte uns der 1:0-Rückstand den warmen Nachmittag. Gut, dass die Sandhausener nicht ihre drei, vier Gr0ßchancen allesamt verwandelten, sonst hätten wir am späten Nachmittag unter der Hitze des Hochsommers gelitten.

    Dann wäre in der zweiten Halbzeit auch der Versuch des MSV unterblieben, den Ausgleich zu erzielen. Es gab diesen Versuch, und wie gesagt, er bestand aus unkontrolliertem Spiel. Wenig Kontrolle bedeutet viel Zufall, und damit brauchte die Mannschaft neben ihrem Spiel das Glück. Dieses Glück war ihr nicht gegönnt.

    Wer über das Spiel in feinerer Analyse sprechen will, kann ja in den Kommentaren erzählen, welch alternative Taktik er gewählt hätte und wie er Leistungen einzelner Spieler gesehen hat. Ich habe keine Lust mir weitere Gedanken über das Spiel zu machen. Ich bin nur froh, dass ich meinen Tabellenrechner habe, denn dort ist der MSV im Soll. Der in Berlin von mir nicht erwartete Punkt lässt sich gut verrechen mit dem von mir erwarteten und nicht gewonnenen Punkt gegen Sandhausen. Morgen gibt es dann das Komplettpaket Soll und Haben. Wir steigen nicht ab. Dieser Leistungseinbruch des MSV mit und nach dem Spiel gegen Kiel bleibt dennoch ein Rätsel.

    Weiterlesen...
     
    kommandosofianati und Defenders gefällt das.
  9. Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 28. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung samt der Punkte am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse bislang von meiner Prognose abweichen.

    Eigentlich wollte ich ja mit meinem Tabellenrechner den Druck von der Mannschaft nehmen. Der Heidenheimer Sieg gestern macht Ergebnisanpassungen notwendig. Ohne Veränderungen meiner erwarteten Ergebnisse entscheidet das Torverhältnis, ob der MSV oder Dynamo Dresden am Ende auf dem Relegationsplatz landen. Momentan weisen der MSV – 11 und Dresden -9 auf. Es wäre also von großem Vorteil, wenn der MSV statt zweier erhoffter Punkte durch Unentschieden in den weiteren Heimspielen, einen dritten Punkt irgendwo her bekommt. Dabei ist es egal, ob durch ein Auswärtsunentschieden oder durch einen einzigen Sieg in diesen letzten vier Spielen. Bis zum nächsten Sonntag halte ich meine leichte Nervosität im Zaum.

    Davon ab entspricht meine Prognosesicherheit für die obere Tabellenhälfte der von Wahrsagerinnen in Kirmesbuden.



    5. Arminia Bielefeld 43 (8. 42 +3)​

    6. VfL Bochum 43 (9. 45 +3)​

    7. Ingolstadt 42 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)​

    8. SV Sandhausen 41 (7. 47 +/-0)​

    9. Union Berlin 40 (6. 47 +1)​

    10. Erzgebirge Aue 39 (10. 43 +1)​

    11. Eintracht Braunschweig 37 (11. 42 +/-0)​

    12. MSV Duisburg 38 (15. 40 +/-0)​

    13. 1. FC Heidenheim 37 (16. 39 +2)​

    14. SpVgg Greuther Fürth 37 (13. 42 +/-0)​

    15. Dynamo Dresden 37 (14. 41 -1)​

    16. FC St. Pauli 37 (8. 47 -4)​

    17. SV Darmstadt 98 33 (18. 34 +1)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 29 (17. 36 +/-0)​

    [​IMG] [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  10. Den Saal 2 vom Theater Oberhausen betritt man durch den Nebeneingang. Es geht am Pförtnerkabäuschen vorbei, durch den Innenhof und einen kleinen Vorraum. Das schmeckt nach Off-Szene an einer städtischen Bühne, ein Raum für Experiment, hybride Formen und nahem intensiven Kontakt mit dem Publikum. „Unter uns Indianern“, der zweite Teil einer „radiophonen Stückentwicklung“ ist zu sehen. Das neue Stück entwickelt Dirk Laucke, Hausautor am Theater Oberhausen. Es hat im Juni Premiere. An diesem Abend lässt Dirk Laucke das Publikum zum zweiten Mal nicht nur an seinen Recherchen für dieses Stück teilhaben, er legt zugleich Haltung und gedankliche Grundlagen offen.

    Ging es im ersten Teil der „radiophonen Stückentwicklung“ im November letzten Jahres um die Meinungsfreiheit, so kreist „Unter uns Indianern“ um den Begriff der Kultur. „Radiophon“ nennt Dirk Laucke das Bühnengeschehen, weil der Abend weniger von sichtbarer Handlung lebt als von vorgetragenem Text, sei es referierend oder als Rezitation, vom Geräusch- oder Klangeffekt und von O-Tönen aus Straßeninterviews.

    Nachdem der eingespielte O-Ton zu Beginn verklungen ist, nimmt Dirk Laucke zusammen mit den Ensemblemitgliedern Susanne Burkhardt und Burak Hoffmann hinter einem mächtigen Schreibtisch Platz. Regale voller Bücher umrahmen sie. In den Regalen und auf der Bühne liegt zudem verstreut eine Sammlung von Gegenständen, mit denen in diesem Land der eigene Sinn für Kultur illustriert werden soll. Schon stellt sich die Frage, sehen wir hier einen Sezierraum in Sachen Kultur? Ins Auge fällt, was deutsche Wohnungen heimelig machen soll. Manches ist verfremdet, anderes wird karikiert. Entstammt der eine Dekor nicht aus anderen als deutschen Lebenszusammenhängen?

    Auf der Bühne wird unterdessen in die Vergangenheit geblickt, von der Antike bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Das erweist sich als Parforceritt, in dichter Reihung hören wir von sozialen Gruppen, von Völkern und von als Tatsachen ausgegebenen Ideologien. Es geht um das Verhältnis von Identität zu Nation und Staat. Wir erfahren vom Nutzen dieser Identitäten in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Wie kam es etwa dazu, dass Roma als Gruppe eine eigene Identität zugeschrieben wurde. Was war die ideologische Begleitmusik der Staatsgründung Deutschlands? Immer ist dabei die Frage im Blick: Wie verhält es sich im historischen Moment mit dem Eigenen und dem Fremden? Oft geht es darum, dass ein Bild des Eigenen sich zu Kultur verfestigt und zum Mittel der Abgrenzung wird; mehr noch, es wird zu einem Mittel des Machterhalts und der Überhöhung des Eigenen. Dirk Laucke legt durch den Blick in die Historie frei, was unausgesprochen mitschwingt, wenn wir von Kultur reden.

    Überhöhung des Eigenen findet sich wieder in den Haltungen der Gegenwart, hörbar als Meinungen auf Oberhausens Straßen, die von Passanten in Dirk Lauckes Aufnahmegerät gesprochen wurden. Unter dem sezierenden Blick auf Kultur löst sich nach und nach auf, was ein kollektives Eigenes sein könnte. Die Haltung, ein Volk entspräche einer Kultur, wird in Dirk Lauckes Perspektive ebenso in Frage gestellt, wie das Nebeneinander verschiedener Kulturen in einem Staat. Rechts wie links dient Kultur dann nicht der Verständigung. Auf der einen Seite dient sie im Zweifel nur dem Stärkeren auf Kosten von Schwachen und Minderheiten, auf der anderen Seite einem beziehungslosen Nebeneinander. Verhindert das Konzept der Kultur angesichts der Probleme in der Gegenwart kluge Lösungen? Und was könnte stattdessen Orientierung für den einzelnen in einer Gemeinschaft sein?

    Als „Unter uns Indianern“ nach etwas mehr als einer Stunde vorbei ist, stehen diese Fragen ohne Antworten im Raum. Das Stück ist damit zwar zu Ende, der Abend geht aber mit Gespräch weiter. Dirk Laucke, Burak Hoffmann und Susanne Burkhardt treten vor die Bühne und wollen mit dem Publikum reden. Ein Theater, das in der Gegenwartsgesellschaft von Bedeutung sein möchte, erlebt in Oberhausen ein gelungenes Beispiel. Was zu sehen war, wird anschließend kommentiert, zuweilen hinterfragt. Die Skepsis von Dirk Laucke gegenüber der Kultur als ordnendes Element einer Gemeinschaft begegnet der Frage, welche Orientierung Menschen für sich sonst fruchtbar machen können. Vertrauen in Institutionen schafft Zusammenhalt, wird von einem Zuschauer angemerkt. Als Gegenpol zur Kultur steht auf dem Programmzettel die Identität. Doch im Gespräch macht sich bemerkbar, Identität wurzelt in kulturellen Zusammenhängen. So einfach ist das also nicht alternativ gegenüber zu stellen.

    Unser Bezug auf Kultur birgt Fallstricke, für die der Abend sensibilisiert. Das neue Stück von Dirk Laucke ist keine Erweiterung des bislang Gesehenen. Eigenständiges ist entstanden, auf dessen Premiere ich neugierig bin.

    Weiterlesen...
     
  11. Im März habe ich es zum Release-Konzert der neuen CD von Butterwegge und Band ins Zentrum Altenberg nicht geschafft. Was bedauerlich war, denn live ist Der (!) Butterwegge mit seiner besonderen Mischung von Konzert und Stand-up-Comedy immer ein Erlebnis. Dass er einen wunderbaren rauen Song über Duisburg im Programm hat, wissen die regelmäßig hier Lesenden sicher noch.

    Auf seiner neuen CD nun gibt es ein Stück, das in diesen Räumen unbedingt erwähnt werden muss. Wenn ich den Titel nenne, „Auf Asche“, wisst ihr sofort warum. Ein anderer Fußball scheint in diesem Song auf, das Fußballspiel von Kindern, wie es nicht mehr selbstverständlich in der gegenwärtigen Wirklichkeit zu finden ist. Kinder haben weniger Freizeit, um zum zufälligen Fußballspiel zusammen zu finden. Kunstrasenplätze haben viele Ascheplätze ersetzt.

    Was Butterwegge über diesen Fußball von Kindern auf Asche singt, ist große Verklärung. Eine heile Welt bringt der Fußball auf Asche unter den Kindern hervor. Selbst die harte körperliche Auseinandersetzung endet auf Asche im Frieden des Fußballspiels.

    Eine Gegenwart mit ihren extremen Kindheiten von Überbehütung sowie durchgeplanter Zeit auf der einen Seite und Nichtbeachtung sowie Unterversorgung auf der anderen Seite braucht vielleicht ein radikal schön gefärbtes Gegenbild aus einer anderen Zeit. Ganz zu schweigen vom Fußball als Teil der Unterhaltungsindustrie, der aus Trägheit der Kultur noch denselben Namen trägt, wie der Fußball, den Kinder auf Asche gespielt haben. Manchmal hält Fußballromantik in dieser Welt dann doch einiges zusammen, was sich sonst mit großer Rasanz auseinander bewegt.

    Weiterlesen...
     
    KOKS AG gefällt das.
  12. Wir schauen nur auf uns, schon klar, und auch einem Unentschieden des MSV in Aue gebührte ein Lob von mir. Aber ich schaue auch auf Eintracht Braunschweig, und deren Unentschieden gegen Bielefeld gestern Abend bekommt mein Lob zuerst. Dieses Unentschieden entspannt mich nämlich sehr. 39 Punkte hat die Eintracht nun, und das Restprogramm lautet: auswärts gegen Nürnberg, Heimspiel gegen Ingolstadt und auswärts gegen Kiel. Wenn sich da nicht mal gestern Abend ein heißer Anwärter auf den Relegationsplatz gemeldet hat.

    Weiterlesen...
     
  13. Alten Traditionen folgend werde ich bis zu endgültigen Entscheidungen über das Schicksal des Vereins unserer Zuneigung die Wirklichkeit und meine Tabellenrechner-Prognose nach dem 28. Spieltag gegenüberstellen. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung samt der Punkte am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse bislang von meiner Prognose abweichen.

    Da das Spiel Nürnberg gegen Kiel für unsere Belange vollkommen uninteressant ist, kann ich meinen Soll-und-Haben-Abgleich schon heute morgen einstellen. Zweckpessimismus ist großartig, wenn anstatt der prognostizierten Niederlage das beste aller möglichen Ergebnisse erreicht wird. Der Sieg des MSV gegen Aue bringt mit einem Schlag drei Punkte mehr in meiner prognostizierten Abschlusstabelle. Diese 43 prognostizierten Punkte sind allerdings auch nötig, denn mit 40 Punkten wird ein Verein auf dem Relegationsplatz stehen. Das wird Braunschweig werden mit dem schweren Restprogramm gegen Nürnberg und Kiel auswärts, sowie dem Heimspiel gegen Ingolstadt. St. Pauli, Aue, Heidenheim und Fürth hätten 42 Punkte. Gestern habe ich zwar lauthals Klassenerhalt gerufen, verschwiegen habe ich dabei jedoch, dass ich bei diesem Ausruf die Zukunft des MSV mit mindestens zwei Unentschieden vorweggenommen hatte.



    5. Arminia Bielefeld 44 (8. 42 +4)​

    6. VfL Bochum 44 (9. 45 +3)​

    7. Ingolstadt 42 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)​

    8. SV Sandhausen 42 (7. 47 -2)​

    9. Union Berlin 41 (6. 47 -1)​

    10. MSV Duisburg 41 (15. 40 +3)​

    11. Dynamo Dresden 40 (14. 41 +2)​

    12. Eintracht Braunschweig 39 (11. 42 -2)​

    13. Erzgebirge Aue 39 (10. 43 -1)​

    14. 1. FC Heidenheim 38 (16. 39 +3)​

    15. SpVgg Greuther Fürth 38 (13. 42 +/-0)​

    16. FC St. Pauli 37 (8. 47 -5)​

    17. SV Darmstadt 98 34 (18. 34 +2)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 29 (17. 36 -3)​

    [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  14. [​IMG]Dieses Foto enthält fast alles, was über diese Saison des MSV Duisburg erzählt werden muss. Dieses Foto zeigt das Endergebnis eines eindrucksvollen Spiels vom MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Mit diesem 4:1-Sieg haben die Zebras so viele Punkte gesammelt, dass sie zwei Spieltage vor Saisonende mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.

    Dieses Foto zeigt aber auch eine Anzeigetafel, die in Teilen ausgefallen ist. Der oberste schwarze Balken war schon vor 14 Tagen im Heimspiel erschienen. Der untere schwarze Balken erschien im Laufe des gestrigen Spiels. Diese Anzeigetafel ist das Sinnbild für die finanziellen Möglichkeiten, mit denen der MSV Duisburg in dieser Saison die Klasse gehalten hat. Der MSV ist für die Instandhaltung der Anzeigetafel verantwortlich. Es fehlt das Geld, sie schnell zu reparieren, sie gar auszutauschen, weil sie in die Jahre gekommen ist. Mit dieser Anzeigetafel wird offenbar, was im Ligaalltag angesichts des über viele Wochen sehr guten Spiels des MSV Duisburg immer wieder vergessen wurde. Der MSV Duisburg muss die Wettbewerbsfähigkeit mit beschränkten finanziellen Mitteln erlangen. Diese Bedingungen machen eine ruhige, kontinuierliche Arbeit absolut notwendig. Der Vorstand des MSV, die sportlich Verantwortlichen, namentlich Ivo Grlic und Ilia Gruev stehen für diese Ruhe und den Glauben, dass sich das auszahlt.

    Der MSV wollte gestern von der ersten Minute an den Sieg. Chance um Chance erspielten sich die Zebras. Als Cauly Souza sich am linken Strafraumrand, fast schon an der Torauslinie fantastisch gegen zwei Regenburger durchsetzte, sowie einen weiteren tunnelte, habe ich schon das vermeintliche Tor bejubelt. Der geschlenzte Schuss von ihm wurde vom Torwart abgewehrt, doch Dustin Bomheuter kam frei zum Kopfball und aus meiner Perspektive konnte ich es nicht verstehen, wieso dieser Kopfball neben dem Pfosten landete. Die TV-Aufnahmen haben dann gezeigt, wie schwer dieser abgewehrte Ball mit dem Kopf zu nehmen war. Der Offensivdruck hielt an. Wir fürchteten aber das präzise Konterspiel der Regensburger. Doch die Zebradefensive hämmerte nahezu jeden Ball mit Gefahrenpotential notfalls in die Tribüne oder in die gegnerische Hälfte zurück. Bei diesen Defensivaktionen hörte ich geradezu Ilia Gruev, der seine Spieler einschwor, nicht das winzigste Risiko einzugehen, sobald der Gegner Tempo aufnahm.

    Die zweite Halbzeit begann, ohne dass der MSV mit dem Druck nachließ. Halblange Bälle ins Zentrum sorgten ebenso wie das schnelle Flügelspiel für Druck. Das Führungstor durch Gerrit Nauber ergab sich nicht aus einer zwingenden Kombination. Wie Boris Tachchy sich den Freistoß am rechten Flügel angelte, wirkte noch nicht gefährlich. Doch er leitete sofort hoch an den hinteren Pfosten weiter, wo Gerrit Nauber einköpfte.

    Der baldige Ausgleich irritierte mich nur wenig, da mein Tabellenrechner nicht mehr als ein Unentschieden erwarten ließ. Die Zebras aber wollten mehr. Ein langer Ball in die Hälfte der Regensburger. Der Torwart kommt heraus, von unserer Ecke aus schien er den Ball sicher klären zu können, doch Stanislav Iljutcenko brachte den Fuß etwas schneller an den Ball. Herumgespitzelt und ins Tor geschoben, die erneute Führung.

    Dieses Mal kamen die Regensburger nicht sofort wieder mit verstärkter Kraft. Ich empfand die sich abzeichnende Niederlage als gerecht, weil die Härte dieser Mannschaft in weiten Teilen aus Nickligkeit bestand. Selbst in aussichtslosen Situationen wurden die Spieler des MSV gecheckt, als seien sie beim Eishockey. Außerdem verdient keine Mannschaft einen Erfolg, deren Trainer einen sehr jungen Balljungen wütend anfährt, obwohl der so schnell wie er konnte, den Ball einem Regensburger an der Seitenlinie zuwarf. Schnell ist einem Trainer nicht schnell genug, wenn er fürchtet seine Mannschaft könne verlieren.

    Zu dem Zeitpunkt hatte Moritz Stoppelkamp bereits das 3:1 mit einem wunderbaren Schuss aus dem Lauf heraus erzielt. Das vierte Tor erzielte kurz vor Spielende der eingewechselte Ahmet Engin nach einem klugen Pass vom eingewechslten Kingsley Onuegbu. Vorher schon hatte das Feiern begonnen. Vorher schon hatte es geheißen, nie mehr 3. Liga.

    Weiterlesen...
     
    Raudie und Streifenlily gefällt das.
  15. Den Tabellenrechner brauchen wir beim MSV Duisburg nicht mehr ernsthaft. Er ist eine Spielerei geworden, ein Zeitvertreib, wie ein Kreuzworträtsel, bei dem noch Kästchen leer geblieben sind und das Lösungswort für das Preisauschreiben schon längst zusammenbuchstabiert wurde. Diesen Spaß mache ich mir aber noch bis zum Saisonende. Ich schaue, wie mein Zweckpessimismus gegenüber den Erfolgen des MSV nach dem 28. Spieltag von der Wirklichkeit übertroffen wird. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung samt der Punkte am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse bislang von meiner Prognose abweichen.

    Die Spannung im Abstiegskampf wird am letzten Spieltag in manchen Städten gesundheitsgefährdend. Das ist schon mal sicher. Am vorletzten Spieltag sah ich ja noch Braunschweig als sicheren Kandidaten für den Relegationsplatz. Wenn Darmstadt weiter so erfolgreich spielt, wird das ein direkter Abstieg für Braunschweig und Darmstadt schafft die Relegation.





    4. Arminia Bielefeld 47 (8. 42 +6)​

    5. SSV Jahn Regensburg 47 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)​

    6. VfL Bochum 47 (9. 45 +3)​

    7. MSV Duisburg 44 (15. 40 +5)​

    8. SV Sandhausen 42 (7. 47 -1)​

    9. Ingolstadt 42 (in meiner Prognose als damals Fünftplatzierter unberücksichtigt)​

    10. Union Berlin 41 (6. 47 -2)​

    11. 1. FC Heidenheim 41 (16. 39 +5)​

    12. Dynamo Dresden 40 (14. 41 +1)​

    13. FC St. Pauli 40 (8. 47 -3)​

    14. Eintracht Braunschweig 39 (11. 42 -2)​

    15. Erzgebirge Aue 39 (10. 43 -1)​

    16. SpVgg Greuther Fürth 38 (13. 42 -1)​

    17. SV Darmstadt 98 37 (18. 34 +4)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 29 (17. 36 -4)​

    [​IMG] [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  16. Welch Geschenk für die Stadt, für das westliche Ruhrgebiet, dass es das Spelunken-Spektakel gibt. Eine Konzert-Reihe geht in ihr zweites Jahr, mit der Folk- und Weltmusik nach Ruhrort gebracht wird. Folk- und Weltmusik, wie farblos klingen diese Wörter nach dem Samstagabend im Ruhrorter Lokal Harmonie mit dem Doppelkonzert vom Horst Hansen Trio und dem Pulsar Trio.

    [​IMG]Wie soll ich über eine Veranstaltung schreiben, die schon jetzt so gut besucht wird, dass die Räume zu eng werden? Könnten die Initiatoren der Reihe, Jons Heiner und Folkert Küpers, zu viel Erfolg mit ihrer Konzertreihe haben? Jons Heiner hat die zwei Bands für diesen Samstag eingeladen zu spielen und es waren großartige, kraftvolle, energiegeladene Konzerte.

    [​IMG]Den Abend eröffnete das Horst Hansen Trio, das wie immer sich als Quintett entpuppte und bei dem Horst Hansen wie immer was anderes zu tun hatte. Jazz beginnt hier mit ironischem Spiel, und so kommt es zum Crossover mit Klezmer-Klängen durch das Saxofon. So kommt es zum treibenden Rhythmus, der gemeinhin als Weltmusik wahrgenommen wird, dem aber für den Anspruch Welt die Disharmonien des Jazz fehlen. Das Horst Hansen Trio fügt sie kurz hinzu und weiter geht es mit dem treibenden Klang.

    [​IMG]Diese energiegeladene Atmosphäre wurde ohne Bruch vom Pulsar Trio gehalten. Was für eine Spielfreude sprühte von der Bühne. Die spannungsgeladene Bewegung zwischen Klavier und Schlagzeug, das gegenseitige Lauern von Beate Wein und Aaron Christ auf das Zusammenfinden, um dem etwas fremderen Klang des Sitarspiels von Matyas Wolter den rhythmischen Rückhalt zu geben. Der Raum füllte sich mit der Energie des Spiels, mit der Freude und dem Spaß am Auftritt, mit der Erfahrung von etwas Neuem, Unbekannten, was sich als bereichernd erwies.

    [​IMG]Wären die Räume der jeweiligen Konzerte nicht schon jetzt fast zu klein, würde ich schreiben, geht hin, seht euch das an, was das Spelunken-Spektakel zu bieten hat. Muss ich dann immer früher kommen, um noch einen Platz zu finden. Was für Fragen, aber was großartig ist, muss großartig genannt werden. Wie hieß die Reihe nochmal? Spelunken-Spektakel! (Der Link führt zwar zur Domain der Reihe, momentan wird sie aber auf die Facebook-Seite umgeleitet.)

    Und noch etwas: Die Initiatoren der Reihe Jons Heiner und Folkert Küpers verbinden mit den Konzerten kulturelles und soziales Engagement. In einer Stadt mit einer Sozialstruktur wie Duisburg soll freier Eintritt jedem den Konzertbesuch ermöglichen. Der Hut geht an den Abenden herum, so dass die Gäste so viel Eintritt bezahlen, wie sie entbehren können. Das Spelunken-Spektakel kann eigentlich nicht laut genug gelobt und gefeiert werden. Auch auf die Gefahr hin, dass ich demnächst zwei Stunden vor Konzertbeginn in einer Schlange auf den Eintritt warte.

    Wer Kostproben der Künstler hören möchte, bitte schön. Das Horst Hansen Trio:


    Und das Pulsar Trio live fürs Netzmedium:

    Weiterlesen...
     
    Onkel Maus gefällt das.
  17. Gerade erst in der Süddeutschen Zeitung vom 1. Mai gelesen: Wenn der britische Historiker und Publizist Timothy Garton Ash über die Rolle Deutschlands im gegenwärtigen Europa nachdenkt, nimmt er den Fußball und Zinédine Zidane zum Vergleich. Timothy Garton Ash denkt immer anregend über Europa und seine Schwierigkeiten nach. Wahrscheinlich unbeabsichtigt aber unterstreicht der Zidane-Vergleich die aktuellen Schwierigkeiten Europas. Zidanes große Zeit ist schon einige Jahre her, die Probleme Europas sind gegenwärtig.



    [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  18. Wie sehr mag ich den Tabellenrechner als Zeitvertreib. Wie entspannt lassen sich die vergebenen Punkte in meine Prognose nach dem 28. Spieltag einrechnen, wenn der MSV schon für die nächste Saison planen kann. Vor der Klammer stehen die aktuell erreichten Punkte. In der Klammer stehen prognostizierte Platzierung samt der Punkte am Ende der Saison sowie Soll und Haben, also jene Punktezahl, mit der die eingetroffenen Ergebnisse bislang von meiner Prognose abweichen.

    Den Relegationsplatz für Braunschweig hatte ich nach deren Unentschieden im Heimspiel gegen Bielefeld angekündigt. Fürth durfte ich wegen der direkten Begegnung mit dem MSV gestern auf einem Abstiegsplatz nicht vorhersagen. Den Sieg gegen den MSV hatte ich ja einkalkulieren müssen, damit die Zebras unter den schlechtesten aller möglichen Bedingungen doch noch den Klassenerhalt schaffen. Nun ist das Unentschieden wieder ein Punkt mehr als in meiner zweckpessimistischen Prognose. Nur Darmstadt übertrifft den MSV mit noch einem Punkt mehr als vorhergesagt.

    Die unvorhergesehenen Niederlagen verteilen sich dagegen auf die Vereine. So reicht in dieser Saison bei den letzten sechs Spielen eine Niederlage oder ein Unentschieden zu viel für den Abstieg.



    4. Arminia Bielefeld 47 (12. 42 +6)​

    5. SSV Jahn Regensburg 47 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)​

    6. VfL Bochum 47 (9. 45 +3)​

    7. Ingolstadt 45 (in meiner Prognose als damals Fünftplatzierter unberücksichtigt)​

    8. MSV Duisburg 45 (15. 40 +6)​

    9. Union Berlin 44 (6. 47 -2)​

    10. FC St. Pauli 43 (8. 47 -3)​

    11. SV Sandhausen 42 (7. 47 -4)​

    12. 1. FC Heidenheim 41 (16. 39 +5)​

    13. Dynamo Dresden 41 (14. 41 +1)​

    14. SV Darmstadt 98 40 (18. 34 +7)​

    15. Erzgebirge Aue 40 (10. 43 -2)​

    16. Eintracht Braunschweig 39 (11. 42 -3)​

    17. SpVgg Greuther Fürth 39 (13. 42 -3)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 32 (17. 36 -4)​

    [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  19. Über Motivation am vorletzten Spieltag​

    Wir sind Verdrängungskünstler,
    Menschen voller Widersprüche.
    Natürlich werden Spieler in zwei Wochen gehen.
    So ist der Fußball, ob die Spieler, ob Vereine,
    flexibel fest verbunden. Alles gebend. Immer.
    Was werden wir nun auswärts sehen?
    Denn Abstieg ist verhindert.
    Das Ziel der Spielzeit ist erreicht.
    Hilft Spannungsabfall nächstem Gegner?
    Die Dritte Liga lehrt in Fürth das Fürchten.
    Dort wird ein Sieg so sehr gebraucht.
    Wenn es den einen noch um alles geht
    und für die anderen um dieses eine Spiel,
    bleibt dann der Profi-Ehrgeiz groß genug
    für den Erfolg als Spieltagsziel?
    Wir sind Verdrängungskünstler,
    Menschen voller Widersprüche.
    Wir lesen in den Vorberichten Trainerworte
    zu Einsatzwillen, zu der Leistung
    und blicken auf den Sinn des Sports.
    Erfahren von den Journalisten noch,
    gewinnen heißt: mehr Fernsehgeld,
    denn das hängt ab von dem Tabellenplatz.
    Vorletztes Spiel in der Saison.
    Es geht um was, was wirklich zählt.​

    Weiterlesen...
     
  20. Branimir Bajics Verabschiedung verdient auch im Zebrastreifenblog besondere Aufmerksamkeit. Bewegende Momente waren das gestern vor dem Spiel gegen St. Pauli. Hoffnungsvolle Momente auf ein Bajic-Tor nach Ecken waren das im Spiel. Bewegende Momente waren das bei seiner Auswechslung. Dieser Mann hat einen Platz an der Legendenwand verdient.

    Seine Geschichte beim MSV ist deshalb so schön, weil diese Entwicklung zu einem legendären Spieler im gegenwärtigen Fußball nicht wahrscheinlich war. Sie ist besonders, weil es Zeit und Gelegenheit für Entwicklung gab. Diese Geschichte ist deshalb besonders, weil sie zugleich etwas über die Persönlichkeit von Branimir Bajic erzählt.

    Der MSV kann Bewegtbilder zu einem Clip zusammenschneiden, ich kann im Zebrastreifenblog Sätze aus früheren Texten montieren und samplen. Applaus für Branimir Bajic, der zu einem Großen der MSV-Geschichte geworden ist.


    Die 11-Freunde-Redaktion fragte mich vor der Saison 2017/2018: „Aus unserem Team unverzichtbar für Jogi Löw ist in Russland…?“ Für meine Antwort musste ich nicht lange überlegen: Wie Confed-Cup und U21-Euro zeigen, deutsche Fußballspieler hat Jogi Löw ja mehr als genug. Einen Spieler wie Branimir Bajic aber hat er nicht. Mit seinen 38 Jahren gibt er inzwischen durch die Aura seines Auftretens auch von der Bank aus Sicherheit bis in alle Ecken des Spielfelds. Wenn es nötig ist, auch auf dem Spielfeld präsent. Großartiger Mann. Deshalb Nationalitäten-Sondersstatus für den Bosnier Bajic.​


    Weite Bälle hingegen nehmen Branimir Bajic und Dustin Bomheuer problemlos auf.​

    Wenn zudem Branimir Bajic seine alte Topscorer-Stärke nach Eckbällen auspackt, fällt zwangsläufig der Ausgleich. Ecke Janjic, Kopfballtor Bajic. In welcher Saison war es nochmal, als Bajic im Strafraum bei Eckbällen fast nach Belieben traf? Ich übertreibe etwas.​

    Mit Branimir Bajic auf dem Feld erhielt das Spiel des MSV Stabilität. Nicht nur, dass die Defensivreihe nach seinem Einsatz ruhiger agierte, selbst das Mittelfeld dirigierte er manchmal und verteilte die Mitspieler in freie Räume bei eigenem Ballbesitz.​

    Zum anderen macht Branimir Bajic freien Raum zu, indem er aus dem Zentrum auf die halben Flügel sprintet und spektakulär grätscht. Sprintete!​


    Natürlich gelang dieser Sieg nur als Mannschaftsleistung. Dennoch gibt es Schlaglichter, Branimir Bajic trifft eines. Als grätschender Retter im Strafraum vor einem einschussbereiten Aachener Spieler und als weiterhin torgefährlicher Strafraumspieler nach Ecken.​

    Einen Eckstoß nahm Branimir Bajic volley und schoß unhaltbar ein. Wahrscheinlich möchte Branimir Bajic den Ehrgeiz seiner Kollegen aus dem Sturm ein wenig kitzeln. Bislang schien er bei Eckbällen ja vor allem ein besonderes Gespür für den abprallenden Ball als zweite Chance zu haben. Nun beginnt er, schon bei der ersten Chance am richtigen Platz zu sein. Großartig!​

    Beeindruckend wie ruhig und abgeklärt in so einer Spielphase Branimir Bajic die Abwehr organisiert. Dieser Mann ist ein Phänomen. Wie kann ein Spieler derart unauffällig so präsent sein?​

    Weiterlesen...
     
    hightower gefällt das.
  21. Wir wissen nicht, was dieser freundliche Tankwart empfiehlt, aber wir empfehlen bei Abstiegssorgen in Duisburg den Tabellenrechner im Zebrastreifenblog. Nichts wirkt mit seinen besonderen Wirkstoffen des Zweckpessimus lindernder als die Vorhersagen dort. Nichts beruhigt mehr die Nerven. Nichts stimmt froher, weil der MSV immer wieder sehr viel erfolgreicher spielt, als es die düsteren Prognosen ankündigen.

    Ich hoffe nicht, dass dieses Sorgenmittel noch öfter in Anspruch genommen werden muss in der 2. Liga. Nur, dass ihr es wisst, was hilft.

    Wenn der MSV immer so viel erfolgreicher spielt, müssen andere Mannschaften zwangsläufig mit weniger Erfolg vom Platz gehen. Wenn dann zwei Mannschaften, nämlich Bielefeld und Darmstadt, ebenfalls noch viel erfolgreicher spielen als angenommen, wird der Abstieg jene treffen, die ich auf gesicherten Plätzen erwartet habe und zwar nicht weil sie dauerhaft sehr viel schlechter spielten, sondern weil sie wenige Punkte nur nicht gewannen. Bei Braunschweig und Aue ging es um einen einzigen Sieg zu wenig, der die Vereine auf den Abstiegs- bzw. Relegationsplatz brachte.





    4. Arminia Bielefeld 48 (12. 42 +6)​

    5. SSV Jahn Regensburg 48 (in meiner Prognose als damals Viertplatzierter unberücksichtigt)​

    6. VfL Bochum 48 (9. 45 +3)​

    7. MSV Duisburg 48 (15. 40 +8)​

    8. Union Berlin 47 (6. 47 +/-0)​

    9. Ingolstadt 45 (in meiner Prognose als damals Fünftplatzierter unberücksichtigt)​

    10. SV Darmstadt 98 43 (18. 34 +9)​

    11. SV Sandhausen 43 (7. 47 -4)​

    12. FC St. Pauli 43 (8. 47 -4)​

    13. 1. FC Heidenheim 42 (16. 39 +3)​

    14. Dynamo Dresden 41 (14. 41 +/-0)​

    15. SpVgg Greuther Fürth 40 (13. 42 -2)​

    16. Erzgebirge Aue 40 (10. 43 -3)​

    17. Eintracht Braunschweig 39 (11. 42 -3)​

    18. 1. FC Kaiserslautern 35 (17. 36 -1)​

    [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  22. Was gibt es zwei Tage nach dem 2:0-Sieg über den FC St. Pauli im letzten Spiel der Saison noch zu schreiben? Wir haben Sommerpause. Die Mannschaft sei auf Mallorca, las ich gestern. Der Sieg rundete eine Saison, wie wir sie nicht erwartet hatten. Vom letzten Juli bis vorgestern bot der Verein unserer Herzen uns jede emotionale Befindlichkeit eines Fußballfan-Lebens. Wir durften staunen über fußballerische Klasse der Mannschaft, die dennoch verlor. Dann konnten wir uns mit den gesammelten Siegen einen entspannten Ablauf der Restspielzeit vorstellen. Wir wurden immer erfolgreicher und durften heimlich oder auch laut von einem Aufstieg reden. Aber was wäre eine Saison ohne eine Serie von Misserfolgen nach schlechtem Spiel? Unsere Gefühle wären nicht vollständig angesprochen gewesen. Die Sorge vor dem Abstieg bot uns die Mannschaft ebenso noch wie die entspannte Sommerlaune auf der Zielgerade der Saison.

    Was soll ich also noch über ein nicht mehr so wichtiges Spiel schreiben? Meine gute Laune hält an. Allenfalls nervt schon jetzt die Dauer der Sommerpause. Was für eine Zeit des Stillstands und welch klägliche Versuche des Fußballunterhaltungsbetriebs, sie mit nebensächlichen Wettbewerben wie dieses Jahr in Russland der WM zu füllen.

    Die Abschiede gehen mir allerdings noch durch den Kopf, bei denen es ja nur um Spieler ging, von denen die sportlich Verantwortlichen glauben, ihre Leistungsstärke reiche nicht mehr für die kommende Saison. Bei diesen Abschieden wurde offensichtlich, wie gut es den sportlich Verantwortlichen, Ilia Gruev und dem Trainerteam sowie Ivo Grlic gelingt, im Kader ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Davon ab trägt auch die Vereinsführung dazu bei. Es kommt nicht von ungefähr, wenn die Ersatzspieler die Verabschiedungszeremonie in der Pause begleiten. Das ist nur eines der Zeichen für die Stimmung im Kader. Darin steckt eine gerichtete Energie, die der Leistung einer Mannschaft zugute kommt. Diese Abschiede wurden gut bewältigt. Keine falschen Töne ließen sich vernehmen, und dass auch Kingsley Onuegbu in seinem Königsgewand während der Halbzeitpause noch einmal eine besondere Würdigung erhielt, war eine gelungene Geste.

    Das Spiel gegen den FC St. Pauli fühlte sich in der ersten Halbzeit sehr nach einem Freunschaftsspiel zwischen zwei gleichwertigen Gegnern an. Eine Führung für St. Pauli war genauso wahrscheinlich wie eine für den MSV. Keine Frage, dass das 1:0 durch Moritz Stoppelkamp nach der Ecke in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit uns sehr viel besser gefiel. Er lief zur rechten Zeit in den leeren Raum. Das war ein typisches Tor für ihn, dank dieser Verbindung von Erfahrung und spekulierender Bewegung, die man dann Instinkt nennt.

    In der zweiten Halbzeit sah es nur kurz so aus, als wolle St. Pauli sich für den Ausgleich noch anstrengen. Immer mehr überließen sie dem MSV den Ball für deren Offensivaktionen. Alleine am Spielfeldrand schien St. Paulis Trainer Markus Kauczinski sich nicht zufrieden geben zu wollen. Er kämpfte darum, Einfluss auf seine Spieler zu nehmen. Vielleicht legte er damit eine Grundlage für die unerklärliche Rudelbildung in der Nachspielzeit. Friedlich plätscherte das Spiel dahin, bis die Nachspielzeit angezeigt wurde und den Spielern St. Paulis anscheinend dann erst auffiel, dass sie nicht ewig Zeit haben, ein Tor zu erzielen. Erst regte sich Markus Kauczinski noch einmal auf. Dann geriet Moritz Stoppelkamp mit einem Spieler St. Paulis aneinander, der während des eigenen Angriffs bis zur Mittellinie beim gemeinsamen Trab mit Stoppelkamp unentwegt auf ihn einschimpfte. Als dann der Ball noch einmal in das Areal von beiden kam, gab es kein Halten mehr. Hoch die Tassen und alle kamen zum gemeinsamen Aufregen hinzu. Geschubse hier, Geschubse da. Was für eine kuriose Entwicklung.

    Der Schiedsrichter, Deniz Aytekin, hatte das schnell wieder im Griff, und damit komme ich zu seiner besonderen Leistung. Ich habe noch nie bewusst ein ganzes Spiel unter seiner Leitung wahrgenommen. Der Mann läuft und läuft und läuft. Ist er während des Spiels einmal stehen geblieben? Konnte er die Beine still halten, als er in der Nachspielzeit Markus Kauczinski ermahnte? Oder trabte er auf der Stelle? Ununterbrochen ist er in Bewegung. Er pfeift einen Freistoß, läuft nur kurz an die Stelle der Ausführung und vertraut darauf, dass sämtliche Regularien von den Spielern eingehalten werden. Es war natürlich fast die gesamte Zeit ein einfaches Spiel für ihn, aber sein ständiges Kreises auf dem Platz ist sehr eigen und auffällig, wie ein Mensch gewordener Radar zur Spielüberwachung. Was ihm ja bestens gelingt.

    Wer sich so spät aufregt und nicht merkt, dass er das macht, nur weil er verliert, wird sofort bestraft. Das 2:0 kurz vor dem Schlusspfiff war eine gelungene erzieherische Maßnahme für den FC St. Pauli. Ob sie gewirkt hat, werden wir nächste Saison sehen, und ich muss jetzt schauen, wie ich die Zeit der Sommerpause rumkriege. Ich finde schon was. Keine Sorge.

    Weiterlesen...
     
    isstillnogud, Oski., Jutiamat und 3 anderen gefällt das.
  23. Nicht nur mich beschäftigt dieser Tag heute vor 20 Jahren immer wieder. Ich bin mir dann nie sicher, ob ich mir die Bewegtbilder vom Führungstor ansehen soll oder nicht. Ist doch die Erinnerung an die guten Momente des Tages nicht ohne das Wissen um den Ausgang des DFB-Pokalfinales 1998 zu haben. Meist bleibt der Rest des Spiels aber verblasst, und das Tor von Salou begeistert nur wieder einmal. Ihr müsst es selbst wissen, ob ihr den Clip anklickt. Ihr steigt jedenfalls mit dem Mittelfeldpass des MSV in Minute 3.22 ein. Der Rest der Geschichte spielt hier heute keine Rolle mehr. Darum kümmer ich mich an anderer Stelle, mit anderen Worten.

    Weiterlesen...
     
    Raudie gefällt das.
  24. Meine Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg wird nun im zweiten Jahr institutionell unterstützt, oder sagen wir, ich nehme diesen Musikwettbewerb mal als institutionelle Unterstützung. Ob er nun „Ich bin DU!“ oder „Ich und meine Stadt Duisburg“ heißt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg kooperiert jedenfalls mit der Gitarrenschule Peter Bursch, und Lieder über Duisburg sollten eingereicht werden.

    Die Zielgruppe des Wettbewerbs hat sich nach meinem Eindruck erweitert. Ich meine, es waren zunächst vornehmlich Kinder und Jugendliche angesprochen. Die Teilnehmerliste dieses Jahres aber zeigt, gestandene Musiker der Duisburger Szene haben sich ums das Heimatlied – Sektion Duisburg gekümmert. Philipp Eisenblätter war mit seinem auch in meiner Sammlung schon aufgenommen Duisburg-Lied dabei und hat gewonnen. Nach und nach werde ich andere Teilnehmer hier vorstellen, so sie online präsent sind.

    Beginnen will ich mit der Punkband Die Krauses, die in 2 und 32 die abends halbstündig kommende Straßenbahnlinie 901 besingen. Wie so oft darf solch ein Punktext nicht ganz ernst genommen werden. Party in der Bahn, das scheint mir nicht üblich in Duisburg zu sein. Allerdings hat die DVG mit dem Song einen alternativen Aufruf zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, auch wenn die Ruhrorter wahrscheinlich etwas verschnupft sind, weil vor dem Ausstieg in Ruhrort gewarnt wird.






    Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

    Weiterlesen...
     
  25. [​IMG]Am Freitag, den 8. Juni, bin ich ab 19.30 Uhr in der Neudorfer Buchhandlung Tausendundein Buch zu Gast. Weil an dem Abend vor allem der Kollege Koss in mir spricht, wird es zwar auch um Fußball gehen, allerdings nur als ein Kapitel der Ruhrgebietsgeschichte. Nach meiner Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen gab es noch viel zu erzählen, was im Buch nicht hatte aufgenommen werden können. „Der Himmel über der Ruhr ist blau“ heißt das Programm zum Buch. Eintritt 5 Euro, Knabbereien und Getränke inklusive. Wir sehen uns, bei Tausendundein Buch, Oststraße 125, Duisburg.




    Der Himmel über der Ruhr ist blau

    Nein, das Ullige bekommt keinen Namen. Wo kommen wir denn dahin? Nachher stellt es noch Ansprüche. Lange Zeit wusste niemand, wie er das Schmuddelkind von Rheinland und Westfalen nennen sollte. Es war eine stürmische Zeit. Erst die ungeplante Schwangerschaft und dann das wilde Aufwachsen. Doch schließlich ließ sich das Schmuddelkind einfach nicht mehr übersehen. Ruhrgebiet wurde es irgendwann genannt. Zu bedeutend waren Zechen und Stahlwerke geworden. Seinen Ruf hat diese Bedeutung aber nur in einer Hinsicht aufpoliert. Trotz aller Erfolge haben es Schmuddelkinder schwer, wenn bei ihnen vieles nicht so ist, wie es die Menschen gewöhnt sind. Zudem dieser ungeheure Schmutz in der Luft!

    Noch in den 1960er Jahren hieß es: Wasch dir bloß auch den Hals! Ohne diese Mahnung wuchs im Ruhrgebiet niemand auf. Heute ist der Dreck auf den Straßen verschwunden, aber auch ein Großteil der Industrie. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, und die Nachkommen des Schmuddelkinds fragen sich immer wieder, wer sie eigentlich sind.

    Ralf Koss lädt ein, sich die Biografie des Schmuddelkindes Ruhrgebiet näher anzusehen. Kleinstädte, Dörfer und Hansestädte wuchsen zusammen, doch der Blick auf die Industrie lässt oft Teile des Lebenslaufs außer Acht, die überraschen. Stadtluft machte in Dortmund, Essen und Duisburg frei. Der Ruhrgebiets-Fußball stellte früh den DFB-Präsidenten. Sinfonien wurden uraufgeführt und Orchestermusikern Zuflucht gewährt. Ralf Koss geht auf eine Zeitreise durch die Ruhrgebietsgeschichte, die er im Alltag der Ruhrstädter auf berührende und manchmal komische Weise immer auch wiederfindet.

    [​IMG] [​IMG] [​IMG]

    Weiterlesen...
     
  26. Im Zebrastreifenblog herrschen gerade ruhige Zeiten. Die Sommerpause ist dafür erst in zweiter Linie der Grund. Die Arbeit von Ivo Grlic entspannt mich vor allem und lässt mir Zeit für die Vorbereitung eines unterhaltsamen Abends zur Historie des Ruhrgebiets am Freitag, den 8. Juni um 19.30 Uhr bei Tausendundein Buch in Neudorf.

    Das Verkünden von Neuverpflichtungen in schneller Abfolge sofort nach dem letzten Spieltag zeigt einmal mehr, die Arbeit beim MSV Duisburg geschieht kontinuierlich auf die Zukunft hin gerichtet und hat eine langfristige Perspektive. Versucht wird das mit Sicherheit von fast allen Verein. Gelingen kann das nur, wenn Spieler dem Verein und den Verantwortlichen vertrauen. Nur dann sind Vereine wie der MSV Duisburg nicht grundsätzlich darauf angewiesen zu reagieren. Sie müssen nicht bei jedem Spieler abwarten, ob er nicht hofft, ein besseres Angebot zu bekommen. Nur dann überwiegt das Agieren, nur dann behält ein Verein die Handlungshoheit beim Kaderaufbau. Nicht die Not bestimmt dann das Handeln sondern der eigene Plan.

    Wenn nach dem Verkünden der Neuverpflichtungen zudem Ivo Grlic der lokalen Presse ein Interview gibt, um schon jetzt die Perspektiven für die neue Saison abzustecken, gehört auch das zur Grundlage eines erfolgreichen Abschneidens des MSV in der kommenden Saison. Er betont, die zweite Saison nach dem Aufstieg sei die schwerere Saison und deshalb sei der Klasssenerhalt erneut das vorrangige Ziel. Damit kann ich leben. Einmal mehr weiß ich aber auch, mit diesem Wissen auf noch mehr hoffen ist jederzeit möglich.

    Weiterlesen...
     
  27. Wahrscheinlich müsst ihr euch den Beitrag hier später noch einmal vornehmen, weil ich auf eine knapp 45-minütige Dokumentation hinweise. Zwar geht es in der Dokumentation um den Niedergang des 1. FC Kaiserslautern, doch das Wirtschaften in diesem Fußballverein spielt dabei keine kleine Rolle. Was uns in Duisburg erhellende Einsichten gibt. Auch wenn der 1. FC Kaiserslautern erfolgreicher als der MSV war und die Konkurrenz in der Region überschaubar ist, liegen strukturelle Ähnlichkeiten auf der Hand. Worauf im Übrigen auch die bei uns oder in Bochum bekannten Gesichter wie Milan Sasic oder Stefan Kuntz hinweisen.

    Der 1. FC Kaiserslautern ist in die 3. Liga abgestiegen, und wir in Duisburg wissen, was einem Verein dieser Größenordnung in der 3. Liga droht. Vereine mit der Größe und dem Anspruch eines MSV Duisburg oder eines 1. FC Kaiserslautern brauchen die Zweite Liga, um finanziell über die Runden zu kommen. Denn die schnelle Anpassung der Kostenstruktur bei gleichzeitigem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ist unmöglich, besonders dann wenn Schulden aus der Vergangenheit das Wirtschaften in der Gegenwart belasten. In der 3. Liga wachsen die Schulden.

    Der SWR hat in der Dokumentation „Stirb Langsam – 1. FC Kaiserslautern“ Ursachenforschung zum Niedergang des Vereins betrieben. Für die Macher der Dokumentation nahm alles mit der Meisterschaft in der Saison 1997/1998 seinen Anfang. Von da an begannen die mit dem gewachsenen Anspruch entstehenden Kosten die vorhandenen finanziellen Möglichkeiten zu übersteigen. Damit wird ein Grund für wachsende Schulden genannt. Was lässt sich aber als strukturelle Ursache für die ungebremste Geldausgabe im Verein erkennen?

    Die Dokumentation macht ein Grundproblem offensichtlich: Es gab keine Möglichkeit, das Arbeiten der Entscheider kritisch zu begleiten. In den unterschiedlichen Phasen der sporlichen Entwicklung übernahm stets ein mächtiger Entscheider, der seinen Weg ging und an den finanziellen Möglichkeiten scheiterte. Auch der zwischenzeitliche Retter Stefan Kuntz ging irgendwann zu hohe Risiken für den unberechenbaren Erfolg im Fußball. Lässt sich diese Struktur einer mangelnden Kritikfähigkeit aufbrechen?

    Beim MSV Duisburg haben sich hoffentlich Möglichkeiten der internen Kritik entwickelt. Abhängigkeiten des Vereins sind ja vorhanden. Gerade wenn alle nur das Beste wollen, ist ein regelmäßiges Überprüfen von einzelnen Entscheidungen auf diesem Weg zum Besten unbedingt notwendig. Der Niedergang des 1. FC Kaiserslautern verweist jedenfalls auf diese eine gewichtige strukturelle Ursache, Korrektive verlieren sich im Erfolgsfall, weil der Erfolgreiche aus nachvollziehbaren Gründen bei der ihm zugewiesenen Verantwortung auch die Hoheit über immer mehr Entscheidungen beansprucht. In der Folge können Sachfragen schnell zu Machtfragen werden, die die Einheit eines Vereins sprengen. Das Bewältigen von Krisen wird dann immer schwieriger.

    Weiterlesen...
     
    george_best gefällt das.
  28. Die Fußball-WM ist nah. Zeit für Verirrungen, wenn die Kunst sich des Fußballs annimmt. Discofoot heißt der Unsinn, und er kommt aus Frankreich. Zur EM vor zwei Jahren hatte das Projekt des CCN Ballet de Lorraine seine Premiere. Nun ist es wieder hervorgekramt worden.

    Wenn Tänzerinnen und Tänzer neben ihren tänzerischen Möglichkeiten kein anderes sportliches Talent haben, kommt mir sofort der Sportunterricht in unteren Klassen aus den 1970er Jahren in den Sinn. Was machen wir heute? Fußball spielen. Das war dann für viele, egal ob Mädchen oder Jungen, ein Wir-tun-so-als-ob, komische Tritte in die Luft, mit dem Ball rennen, der immer wegspringt. Angst vor Ball und Mitspielern führte zu irritierenden Ausweichbewegungen. Trotz aller Gender-Debatten der Gegenwart muss ich auch das sagen, fast ausschließlich die Mädchen versuchten beim Einwurf den Ball auf eine merkwürdige Weise von oben direkt vor die eigene Füße zu werfen. Der Ball und Körper waren sich fremd. Nur goldene Sporthosen hatten wir damals noch nicht.

    So erinnert mich der Clip unten an meine Schulzeit. Aber er hat ja künstlerischen Anspruch. Das hätte sich der kürzlich verstorbene Klaus Quinkert sicher nicht gedacht. Der Fußballtrainer war gar kein Sportlehrer am Meidericher Max-Planck-Gymnasium. Er war ein Choreograph und bereitete seine Schüler langfristig auf die Karriere im Modesport der Zukunft vor, dem Discofoot.


    Hier erklärt der Macher vor zwei Jahren im Interview das Projekt. FSK 0, aber Bewegtbild im franzöischen Original.


    Auch im offiziellen Video des Ballett


    DISCOFOOT from CCN Ballet de Lorraine on Vimeo.

    Weiterlesen...
     
  29. Damit das mal klar ist: Schon einige Zeit vor dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft aus der WM habe ich ein paar Fragen der 11Freunde-Redaktion für deren Sonderheft zur neuen Saison beantwortet. Nach dem Motto, was fällt Kees Jaratz Launiges zu seinem MSV ein, hieß es da: „Diesen WM-Star sähe ich gerne bei meinem Klub…“ Die Antwort lag für mich auf der Hand. „Wofür steht noch mal WM? Muss ich das kennen?“, habe ich geschrieben.

    Gut, das war vielleicht etwas zugespitzt. Aber meine Grundstimmung in diesen Wochen wird so klar erkennbar. Was ich schon bei Bundesliga und Champions League deutlich gemerkt habe, zeigt sich nun einmal mehr. Mich stößt dieser Fußball als Unterhaltungsangebot und gesellschaftliches Großereignis auf eine widersprüchliche Weise ab. Die Fußballweltmeisterschaft habe ich nebenbei wahrgenommen, ohne Konzentration, ohne wirkliches Interesse. Natürlich lasse ich mich in ein Spiel selbst hineinziehen. Für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft habe ich mir sogar Zeit genommen. Ich steige aber auch bei einem Basketballspiel in der Kreisliga von mir zwei unbekannten Mannschaften ein, weil ich irgendwann zu einer Mannschaft halte. Das ist das Wesen meiner Sportbegeisterung. Alles andere interessiert mich nicht. Wenn dieses andere aber immer mehr Raum einnimmt, wird mein eigentlicher Bezug zum Sport erstickt.

    Mich nervt die Inszenierung des Fußballs der Gegenwart, und ich sehe den Widerspruch, dass ich sie beim MSV in einer der Vereinsgröße entsprechenden Ausführung ebenso mitmache. Der MSV selbst lässt mich diesen Widerspruch aushalten. Denn der Fußball des MSV ist immer noch ein Fußball, der nah an der Lebenswelt seiner Zuschauer ist. Der Trainingsauftakt fand statt auf einem Gelände, bei dem ich noch immer die Sportanlage meiner Kindheit erkenne. Die Spieler des MSV sind keine fernen Stars. Ilia Gruev und Ivo Grlic wissen nicht nur, sondern fühlen es, was der Fußball des MSV in der Alltagswelt Duisburgs bedeutet. Die Menschen rund um den MSV sind eingebunden in die Alltagswelt dieser Stadt.

    Insofern erhält das Inszenierte des Trainingsauftakts eine andere Qualität. Was in der Unterhaltungswelt des Glitzer- und Glamourfußballs den Sport überhöht, hat beim MSV noch einen ordnenden Charakter für den Tag. Die Überhöhung liegt allerdings immer nahe, wenn ich an die Finalspiele im Niederrheinpokal denke und an die Inszenierung der Pokalübergabe. Als Zuschauer bin ich also ein wandelnder Widerspruch, denn die Glitzer- und Glamourwelt des Unterhaltungsbetriebs ist zugleich die Sehnsuchtswelt des Aufstiegs, um den ich sportlich betrachtet immer mitspielen will. Was uns zurückführt zur neuen Saison. Nicht dass ich an Aufstieg denke, aber wenn Ilia Gruev vom erhofften attraktiveren Spiel der Mannschaft spricht, wenn ich die Neuverpflichtungen sowie die schnelle, ruhige Umsetzung der Transfers sehe, kann ich den Beginn der Saison kaum abwarten. Eine Vorfreude, die mir bei dieser WM vollkommen fremd war.

    Weiterlesen...
     
  30. In diesen Zeiten kann man nicht oft genug vom Gelingen in einer Gesellschaft reden. Man kann nicht oft genug über jene Orte sprechen, wo jungen Menschen unterschiedlicher Herkünfte zu innerer Stärke verholfen wird, wo humanistische Werte und freies Denken die Grundlage eines Miteinanders verschiedener Kulturen sind.

    [​IMG]Vorletzten Freitag feierte Jungs e.V. im Meidericher Parkhaus ein Jubiläum. Vor zwanzig Jahren wurde der Verein gegründet, in dem sich die Mitglieder für die pädagogische Arbeit mit Jungen engagieren wollten. Denn Jungen und deren besondere Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden waren in den Institutionen der Jugendhilfe und den Schulen aus dem Blick geraten. Das Augenmerk für die Benachteiligung von Mädchen in dieser Gesellschaft besaß unbeabsichtigte Nebenwirkungen.

    [​IMG]
    Holger Venghaus (links) und vier weitere Gründungsmitglieder von Jungs e.V.


    Gründungsvorstand Holger Venghaus erinnerte zur Eröffnung des Abends an die Anfangsjahre des Vereins mit einer persönlichen Geschichte. Er hatte den neu gegründeten Verein bei Radio Duisburg im Interview vorgestellt und die Bedeutung von Jungenarbeit mit eigenen Erfahrungen im Elternhaus erläutert. Die Söhne hatten immer auf den in Wechselschicht arbeitenden Vater Rücksicht zu nehmen. Selten war dieser greifbar. Die Mutter verwies bei größeren Vorkommnissen an den Vater. Als Sohn hatte er sich später bewusst mit dem Männerbild seines Elternhauses auseinander gesetzt. Um diese Auseinandersetzung ging es bei der Jungenarbeit auch. Seine Eltern aber hatten am Radio das Interview gehört. Sie waren erschrocken und sorgten sich, ob sie als Eltern zu viel falsch gemacht hatten. Das wiederum führte zu vielen, zum Teil anstrengenden Gesprächen und zu einem gefestigteren Miteinander.

    [​IMG]Solch in der persönlichen Geschichte aufscheinendes gegenseitige Verständnis ist schwierig. Dazu bedarf es auch der Bereitschaft in der Elterngeneration. Leichter gelingt das Stärken eines jungen Menschen alleine. Waren das zunächst Jungen in sozial benachteiligten Vierteln Duisburgs, so kümmert sich der Verein in den letzten Jahren zudem um das Projekt Heroes, von dem auch in diesen Räumen schon mehrmals die Rede war. Bei den Heroes machen sich per Schneeballprinzip Jugendliche und junge Männer aus sogenannten „Ehrkulturen“ mit aufklärerischem Denken vertraut. Die Religion ist dabei nur Teil all dessen, was im Alltag der Teilnehmer wirksam wird.

    [​IMG]Zu den Erfahrungen in so einer Gruppe gehört auch der künstlerische Ausdruck, wie Soufian El Abdouni und Emre Bayanbas eindrucksvoll bewiesen. Beide gehörten zur Duisburger Heroes-Gruppe des letztes Jahres und zeigten sich beim Poetry Slam als talentierte Sprachkünstler. Berührend ließ Soufian El Abdouni die anwesenden Gäste an seinen Erfahrungen teilhaben. Im steten Wortfluss gestaltete er das Bild des heranwachsenden Außenseiters, ein sensibler Junge in einer Welt, die etwas anderes erwartet, als er es selbst in sich spürt. Er sprach von der Hoffnung auf einen eigenen Weg, er sprach von Freiheit und Offenheit des Denkens. Das war Wortakrobatik, wie man sie in diesem Alter nicht oft zu hören bekommt.

    Für dasselbe Thema nutzte Emre Bayanbas eine ganz andere Sprache. Er griff auf die hohe Sprache klassischer Dramenliteratur und des Sturm und Drang zurück. Dieser literarische Weg ist auf andere Weise selten. Seine Worte sind nicht alltagsnah. Sie sind gefährdeter im Versuch der Kunstfertigkeit. Der Beifall war für beide groß.

    Es ist ein schöner Zufall, dass gestern bei Zeit online eine Reportage über junge Muslime in Auschwitz online gestellt wurde, ein weiteres von Jungs e.V. gefördertes Projekt. Von der Landeszentrale für politische Bildung gibt es eine kurze Dokumentation zu einer der Fahrten in diesem Projekt.


    Erwähnen möchte ich zudem noch eins: Die Arbeit von Jungs e.V. und des Heroes-Projekts wäre ohne das Jugendzentrum Zitrone in Obermarxloh sehr viel schwieriger. Hier gibt es einen weiteren Ort, wo für die Projekte von Jungs e.V. auch gearbeitet wird. Deshalb sind Jugendzentren in Städten von besonderem Wert. Gründungsvorstand Holger Venghaus arbeitet in diesem Jugendzentrum, Susanne Reitemeier-Lohaus, das erste weibliche Mitglied von Jungs e.V., ebenfalls. Die Stadt hält solche Jugendzentren offen und erachtet sie auch als notwendig.

    Dennoch wird in einer Stadt wie Duisburg das Gemeinschaftliche mehr als in reicheren Städten über die Arbeit in Vereinen hergestellt. Auch wenn es innerhalb Duisburgs in der Form gar nicht wahrgenommen wird, bürgerliches Engagement ist in der Stadt selbstverständlicher als in reicheren Städten. Nur heißt das in Duisburg meist nicht so. Es wird oft als Feuerwehrmaßnahme in der armen Kommune empfunden und nicht als selbstbewusstes Handeln in jeglicher Gesellschaft. Auch in den Medien wird in solchen Fällen häufig nur das Defizitäre in den Blick genommen. Zu selten geht es um die Vereinsarbeit, die den Alltag einer Stadt lebenswert macht. Was nicht heißt, die rosa Brille aufzusetzen. Jungs e.V. steht für viele dieser Vereine in Duisburg, die sich Schwierigkeiten der Gegenwart ohne Larmoyanz stellen. Ihre Geschichten müssen erzählt werden.

    Weiterlesen...
     
  31. Schon seit zwei, drei Wochen staune ich. Dieses Staunen ist ein angenehmes Gefühl, weil immer wieder neue Zahlen für eine Stimmung rund um den MSV Duisburg stehen. Ich freue mich über die offensichtlich gute Stimmung rund um den MSV Duisburg. Siebentausend Dauerkarten sind vier Wochen vor Saisonbeginn verkauft. Siebentausend Dauerkarten! Vier Wochen vor der Saison! In Duisburg! Für eine Saison in der Zweiten Liga!

    Wir müssen ein Jahr zurückschauen, um diese Zahl einzuordnen und mein Staunen zu begreifen. Aber vielleicht staunt ihr ja auch? Vor einem Jahr konnte ich nicht nachvollziehen, warum der Dauerkartenverkauf in der Sommerpause eher schleppend voranging. Die Verkaufszahlen blieben unter meinen Erwartungen. Siebentausend Dauerkarten waren erst knapp nach Saisonbeginn verkauft. Damals schien es so, als hätte der Wiederaufstieg des MSV den Zuschauern keinerlei Vorfreude auf die nächste Saison gemacht.

    Natürlich überlegten Freunde und ich, woran das gelegen haben könnte. Das manchmal zähe Spiel der Aufstiegssaison wurde als möglicher Grund immer wieder genannt. Wirklich nachvollziehbar war mir das nicht. Die Mannschaft hatte den Aufstieg unter schweren Bedingungen souverän geschafft. Im Grunde genommen war ich leicht resigniert und sah vor meinem geistigen Auge ein überkritisches MSV-Publikum zu Hause herummäkeln.

    In diesem Jahr ist es anders. Diese siebentausend verkauften Dauerkarten vier Wochen vor der Saison sind bemerkenswert. Ob diese Verkaufszahl endlich das Vertrauen ausdrückt, das die Verantwortlichen beim MSV, ob in Verein oder dem Unternehmen MSV, für ihre Arbeit verdienen? Ist die Vorfreude gegenüber dem letzten Jahr größer, weil in Interviews ob mit Ingo Wald, Ivo Grlic oder Ilia Gruev immer wieder deutlich wird, wie bodenständig und seriös gedacht wird, wie Ziele realistisch formuliert werden und dabei der ganz große Erfolg dennoch weiter im Blick gehalten wird?

    Ich möchte gerne an das Gute dieser Welt glauben, und es wäre schön, die Verkaufszahlen seien eine Art Belohnung für die seit dem Zwangsabstieg geleistete Arbeit beim MSV. Es wäre auch eine Belohnung für uns selbst, weil wir Anhänger immer wieder mit dazu beitragen, diese Stimmung stabil zu halten. Für wieviele Anhänger ich mit einem solchen Satz spreche, weiß ich nicht, wenn ich an den aufgekommenen Unmut während der Talfahrt nach dem Auswärtsspiel in Kiel denke. Es ist schon verblüffend. Der Saisonverlauf im letzten Jahr, rein bezogen auf den Erfolg, unterschied sich gegenüber der Aufstiegssaison nicht wesentlich. Dennoch fühlt es sich rund um den MSV besser an.

    Nun gibt es vier weitere Wochen für die Anhänger des MSV, um durch den Kauf einer Dauerkarte die Saison für den MSV kalkulierbarer zu machen. Gute Voraussetzungen für sportlichen Erfolg, damit unsere gute Stimmung nicht getrübt wird.

    Weiterlesen...
     
    fidus, m0rdiN, Red Eagle und 7 anderen gefällt das.
  32. Sponsored

    Einer der schönsten Gründe ein Pferd zu reiten ist eine Beziehung mit dem Tier und mit der Natur einzugehen. Insofern ist das Reiten auch sehr entspannend. Sie atmen frische Luft, sind in der Natur unterwegs und kommunizieren mit Ihrem Pferd. Ihre Nähe zum Pferd hat einen sehr guten Einfluss auf Ihre Gemütslage. Das Reiten kann somit auch als ein schöner Ausgleich zum Alltag angesehen werden. Viele Mediziner behaupten immer wieder, dass das Reiten gegen Depressionen und ähnliche gesellschaftliche Erkrankungen hilft.

    Beim Reiten trainieren Sie auch Ihren Rücken. Denn beim Reiten ist es wichtig, dass Sie immer aufrecht sitzen, damit Sie einen guten Blick bewahren können. Diese Tatsache wird Ihnen im Alltag sehr hilfreich sein. Einer der schönsten Nebeneffekte ist, dass Sie mit einem geraden Rücken auch ein größeres Selbstbewusstsein bekommen.

    Reiter sind eigentlich bei jedem Wetter mit Turniershirt unterwegs. Egal ob es schneit, hagelt oder regnet, Reiter und Reiterinnen haben keine Angst davor sich auf ihr Pferd zu schwingen und draußen reiten zu gehen. Sie und Ihr Pferd profitieren immer wieder davon, dass Sie sich an der frischen Luft bewegen und nebenbei auch Ihre Abwehrkräfte stärken.

    Schließlich werden Sie jede Menge Geduld erlernen. Reiter berichten immer wieder davon, dass sie im Umgang mit diesen besondere Tieren viel geduldiger geworden sind. Dies ist auch kein Wunder, denn um eine Erfahrung mit dem Pferd aufzubauen, ist es unerlässlich, dass Sie ruhig bleiben und viel Geduld haben. Eine Beziehung mit einen Pferd kann nicht so schnell aufgebaut werden. Treten Sie Ihrem Pferd mit Ungeduld und Stress gegenüber, so werden Sie keinen Erfolg haben.

    Sponsored

    Weiterlesen...
     
  33. Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen zu Gast. In seinen Beiträgen erinnerte er an „Spitzenereignisse vom MSV“, er machte sich Gedanken über das WM-Endspiel 1966 und den Fußball der Gegenwart oder die postsaisonale Melancholie hatte ihn überfallen.

    Einen Teil der verlinkten Essays gibt es nun wiederum als Teil des neuen Buches von Klaus Hansen in gedruckter Form. „Soccer“ heißt dieses Buch, in dem eben nicht nur Essayistisches zu finden ist. Denn Klaus Hansen schreibt auch Lyrik und Prosa. Mit seinen lyrischen Texten steht er in der Tradition von Dadaismus und Konkreter Poesie. Und mit seiner Kürzestprosa gewinnt er dem gewöhnlichen Ereignis im Fußball eine im ersten Moment sinnfreie Pointe ab. Dann wirken die Texte nach und das Rätselhafte, Skurrile bringt die Gedanken in Bewegung.

    Ob in den „Soccer stories“, in den „soccer lyrics“ und in den „soccer essays“ findet sich als Grundhaltung von Klaus Hansen eine gewisse Skepsis gegenüber dem Fußball der Gegenwart wieder. Demgegenüber steht aber nicht eine Verklärung der Vergangenheit, wie es vielleicht erwartet werden könnte bei einem MSV-Fan, der schon bei den Vizemeistern um Siege gebangt hatte. Vielmehr kann Klaus Hansen nicht nur mit den Auswüchsen des Unterhaltungsbetriebs der Gegenwart wenig anfangen, er betrachtet auch die kulturelle Überhöhung des Fußballs mit ironischer Distanz. Anekdotisches Erzählen über die Heldentaten im Fußball wird bei ihm formal und inhaltlich immer wieder gebrochen.

    Wie passend, dass Klaus Hansen als Anhänger des MSV Duisburg durch sein Leben geht. Ein Verein, bei dem der sportliche Erfolg recht überschaubar ist, bietet in seiner Geschichte wenig Projektionsfläche, um die Standarderzählungen des Fußballs zu bedienen. Die Skepsis des Klaus Hansen ist gleichsam die gelebte Geschichte seines Vereins.

    Vielleicht noch ein Beispiel aus dem Buch für die Konkrete Poesie, weil sich darunter wahrscheinlich nicht viele der Leser hier etwas vorstellen können.

    [​IMG]



    [​IMG]





    Klaus Hansen: soccer
    Roland Reischl Verlag
    148 Seiten
    € 15,00
    ISBN 978-3-943580-25-9

    Weiterlesen...
     
    phildabei und shanghai gefällt das.
  34. Heute morgen habe ich kurz überlegt, ob ich in Anzug, Traditionsrtrikot mit Kragen und Krawatte an den Schreibtisch gehe. Der Kollege Koss hat mir gestern sogar eine Flasche Sekt kalt gestellt. Zum Öffnen ist es allerdings noch ein wenig früh. Das mache ich zusammen mit Herrn Koss und Dem Stig später. Es gibt was zu feiern.

    Vor zehn Jahren standen die ersten Worte im Zebrastreifenblog online. „Hallo Welt“ hieß die formelhafte Wendung, die WordPress als Standardpremierentext zur Verfügung stellte. Für mein „Hallo Welt“ hielt ich Worte aus der Fußballwelt für angemessener.



    [​IMG]

    Wenn ich auch Worte aus der Fußballwelt nutzte, so waren Herr Koss und ich uns von Anfang einig, im Zebrastreifenblog müsste es um mehr als reine Sportberichterstattung gehen. Fußballjournalismus gab es damals schon satt und genug. Heute sind unzählige Online-Medien dazu gekommen. Beim Schreiben hier sollte es also immer auch über den Sport hinaus gehen und um den eigenen Spaß auch am Wort. Ich wollte und will über das Ruhrgebiet schreiben, über Duisburg, über Kultur. So sind seitdem 1919 Beiträge entstanden.

    [​IMG]Auch wenn ich als Anhänger des MSV in Teilen gerne eine andere Geschichte für meinen Verein erlebt hätte, als die in diesen zehn Jahren, so war sie für mich als Wortwerker ungemein ergiebig. Der Zwangsabstieg war ein Drama mit einem Happy End. Journalistische Neugier konnte ich befriedigen, indem ich Hintergründe erhellte. Immer wieder ging es um mehr als den eigentlichen Sport. So entstand aus der Arbeit im Zebrastreifenblog mit Hilfe von Anhängern des MSV auch „Mehr als Fußball“, das Buch über den Zwangsabstieg 2013, die Rettung des MSV und die Zeit bis zum ersten Wiederaufsteig.

    Seit einiger Zeit habe ich hohe Zugriffszahlen aus den USA, hinter denen ich eher Robots vermute als tatsächliche Leser. Ein Teil dieser Klicks führt zu alten Texten und manchmal schaue ich sie mir dann auch wieder an. Mancher dieser Texte ist zeitlos. Vielleicht stelle ich demnächst mal einen Sammelband „Zehn Jahre Zebrastreifenblog“ zusammen. Mal sehen. In den nächsten Tagen blicke ich jedenfalls immer mal wieder zurück und hole einen dieser alten Texte hervor.

    [​IMG]Zehn Jahre Zebrastreifenblog heißt auch, noch einmal zu überlegen, wie ich in diesen Räumen hier über die Spiele des MSV weiter schreiben kann. Ich möchte mit meinen Spielberichten, so es irgend geht, ja immer auch über den Sport hinaus ins wirkliche Leben führen. Inzwischen habe ich aber das Gefühl, das meiste schon gesagt zu haben. Meine Fußballlyrik in der letzten Saison war eine Möglichkeit, aus dem Dilemma herauszukommen. Ich weiß, das ist nicht populär, und es ist vor allen Dingen zeitaufwändiger. Aber der Gedanke ist verführerisch, die Saison in 34 Gedichten. Realistisch ist das nicht, aber hat das jemals die Menschen gehindert? Eines ist jedenfalls sicher, die zehn Jahre im Zebrastreifenblog sind eine Wegmarke. Diese Zahl bedeutet nicht, dass sich etwas gerundet hat. Es geht weiter. Wie das Leben. Wir lesen uns. Wir sehen uns.

    Weiterlesen...
     
  35. Heißt diese Musik von Pilz Herb immer noch einfach „Rock“? Oder muss für deren Song „Ruhrpott“ heute ein „Melody“ davor? Wenn ich mir solche Fragen stelle, merke ich zum einen, wie fein segmentiert das Unterhaltungsangebot der Musikindustrie ist, zum anderen stelle ich meine Unkenntnis fest, was nichts anderes heißt als ganz schön alt geworden.

    Pilz Herb findet man bei Facebook, wo die Seite aktueller wirkt als deren Webseite.

    Wenn „Ruhrpott“ beginnt begegnet man in der ersten Strophe zunächst den gängigen Klischees des Heimatliedes, Sektion Ruhrstadt: Zwischen Kohle und Stahl ist jemand geboren, nirgendwo anders will er wohnen, er mag die Menschen im Pott und will das Leben feiern. Doch in der zweiten Strophe geht es ganz konkret um Duisburg, die Heimatstadt von Pilz Herb, und in dieser Strophe erhält der Song einen ironischen Beistrich, weil für den Wandel des Ruhrgebiets als Bild der Abbruch des Mr.-Softy-Gebäudes am Innenhafen gefunden wurde. Das Wahrzeichen wurde genommen und keine neue Milchtüte bestellt. Das Bild gefällt mir.




    Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

    Weiterlesen...
     
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen

  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden