Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

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  1. Der 1973 ausgestrahlte TV-Film Smog von Wolfgang Menge zeigt als Katastrophenthriller die Folgen der Luftverschmutzung im Ruhrgebiet. Menschen sterben, Verantwortliche sind überfordert, niemand im Ruhrgebiet kann der Gefahr der lebensbedrohlichen Luft entgehen. Dennoch geht das Leben weiter. Ein Fußballspiel im Wedaustadion findet statt. Der MSV spielt gegen Borussia Dortmund und plötzlich sinkt am rechten Flügel ein Spieler der Zebras mit Atemnot zu Boden. Bernard Dietz zeigt schon damals jenes schauspielerische Können, das heute für viele Fußballer die Regel ist. Damals allerdings wird kein Foulspiel gepfiffen, sondern es herrscht Entsetzen. Eine Trage für Ennatz muss her. Das Spiel wird abgebrochen. Die Lage wird immer bedrohlicher. Angesichts der Produktionsbedingungen von Fernsehfilmen heute beeindruckt der Aufwand, mit dem dieser TV-Film damals gedreht wurde. Durch die vielen Szenen aus der Wirklichkeit des Ruhrgebiets erhält die Fiktion der Smogkatastrophe einen dokumentarischen Charakter.

    Das Spiel im Wedaustadion beginnt ab Minute 26.45

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  2. In einem Roman hätte Marcus Wedau nicht ohne weiteres Spieler beim MSV Duisburg werden können. Bedeutungsvolle Namen bedürfen einer inneren Folgerichtigkeit innerhalb der erzählten Wirklichkeit. Leser suchen überall besonderen Sinn. Im richtigen Leben ist so was kein Problem. Der Mittelfeldspieler Marcus Wedau wurde zu Beginn der Saison 1998/1999 verpflichtet. Er blieb bis zum Ende der Saison 2000/2001. Marcus Wedau erzielte im Wedaustadion das erste Tor für den MSV Duisburg im Europapokal der Pokalsieger beim Hinspiel gegen den KRC Genk. Das Spiel endete 1:1-Unentschieden. Genauer gesagt ist er der Torschützenkönig des MSV im Europapokal der Pokalsieger. Was nicht daran liegt, dass der Wettbewerb in jener Saison zum letzten Mal ausgetragen wurde.

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  3. Eins scheint gewiss, kein Stürmer schießt in jedem der Bundesligaeinsätze für seinen Verein ein Tor. Kein Stürmer? Es gibt eine Ausnahme, und dieser Stürmer spielte beim MSV Duisburg. Er heißt Rüdiger Mielke. Zum Ende der Saison 1964/65 rückte er in den Bundesligakader auf. Saisonübergreifend kam er auf 15 Tore in 15 Spielen. Die Kopfrechenaufgabe ist einfach. Das macht einen Schnitt von einem Tor pro Spiel. Eine schwere Knieverletzung verhinderte seinen 16. Einsatz und ließ ihn nach Genesung nicht mehr an die alte Stärke herankommen. Hätte es damals schon jenen Medienhype um den Fußball gegeben, über den MSV und Mielke würde immer noch eine weltbekannte Popstargeschichte erzählt. Rüdiger Mielke wäre eingereiht in jene Stars des Unterhaltungsbetriebs, die umso heller strahlten, je früher ihre Karriere endeten. Rüdiger Mielke, in gewisser Weise ein James Dean des Fußballs.

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  4. Als Akutmaßnahme gegen Niederlagenschmerz war meine 5:1-Sieg-Fantasie für das Spiel gegen Heidenheim am letzten Sonntag notwendig, als Einschätzung für den Spielverlauf morgen wirkt sie mit etwas Abstand vielleicht etwas zu optimistisch. Mein realistischer Freitagsblick sieht eine Krankmeldung nach der anderen beim MSV. Mein Realismus rät mir, nur noch auf knappe Siege zu hoffen. Vor allem hoffe ich dazu aber auf eine bislang noch nicht sehr offensichtliche Stärke von John Verhoek, die im Spiel gegen seinen Ex-Verein sich bemerkbar macht. Heidenheims ehemaliger Mannschaftskollege Marc Schnatterer kennt sie noch, so ist im Interview mit den Funkes zu lesen. Dass John Verhoek über die Schmerzgrenze hinaus für die Mannschaft alles gibt, habe ich in Duisburg auch schon gesehen. Doch seine Kopfballstärke, die ihn auszeichne? Das wäre mir jetzt nicht spontan eingefallen. Vielleicht war diese Kopfballstärke nicht erkennbar, weil zu ungenau in den Strafraum geflankt wird oder anders, als er es bis dahin kannte? Manchmal brauchen Stärken besondere Zusammenhänge. Manchmal müssen Stärken aber auch nur wieder entdeckt werden, gerade dann, wenn sie die ehemaligen Mannschaftskollegen fürchten.

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  5. Der Sieg der DDR über den Klassenfeind BRD bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 hatte eine Vorgeschichte zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen. Im Münchner Olympiastadion trafen die Oympiaauswahl der BRD und die der DDR am 8. September 1972 aufeinander. Der MSV-Stürmer Klaus Wunder spielte von Anpfiff an und erzielte sogar ein Tor, allerdings mit der Hand. Wenn der Schiedsrichter das nicht gesehen hätte, wäre sie von ihm womöglich die „Hand der freiheitlich-demokratischen Grundwerte“ genannt worden. Es geht ja immer um ein höheres Ziel bei Regelübertretungen, die ungeahndet bleiben, und die „Hand Gottes“ hilft im sportlichen Vergleich zweier politischer Systeme keinesfalls weiter. Doch der Schiedsrichter unterband solch eine mögliche DDR-Kritik mit seinem Pfiff. Mir kommt dieses eine Länderspiel wie ein überzeitliches Sinnbild für die Offensivkraft des MSV Duisburg vor. Für Klaus Wunder kam in der zweiten Halbzeit ab der 59. Minute der MSV-Stürmer Ronald Worm, und schließlich wechselte Trainer Jupp Derwall mit Rudi Seliger einen weiteren Offensivspieler des MSV für die letzte Viertelstunde ein. Doch anstatt das Siegtor zu erzielen musste die Mannschaft ein Gegentor hinnehmen. Durch die 3:2-Niederlage schied die Olympiaauswahl der BRD aus dem Turnier aus. Die DDR gewann später die Bronzemedaille.




    BR Deutschland – DDR 2:3 (1:1)

    BRD:

    Hans-Jürgen Bradler – Heiner Baltes, Reiner Hollmann (75. Rudolf Seliger), Egon Schmitt, Friedhelm Haebermann, Hermann Bitz, Uli Hoeneß, Jürgen Kalb, Ottmar Hitzfeld, Bernd Nickel, Klaus Wunder (59. Ronald Worm)
    Trainer: Jupp Derwall

    DDR:

    Jürgen Croy – Manfred Zapf – Bernd Bransch, Konrad Weise, Frank Ganzera – Jürgen Pommerenke, Wolfgang Seguin, Hans-Jürgen Kreische – Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Joachim Streich (70. Eberhard Vogel)
    Trainer: Georg Buschner

    Tore:
    0:1 Jürgen Pommerenke (12.)
    1:1 Uli Hoeneß (31.)
    1:2 Joachim Streich (53.)
    2:2 Ottmar Hitzfeld (68.)
    2:3 Eberhard Vogel (82.)

    Mit einem Klick geht es zur Seite von Detlev Mahnert, wo nebst weiteren einordnenden Worten auch ein paar Dokumente zum Spiel zu finden sind.

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  6. Die Nebensächlichkeit heute mündet am Ende in eine Frage. Denn mir fiel auf, wenn sich Kingsley Onuegbu derzeit in der Umkleidekabine von Nea Salamis Famagusta aufhält, könnten seine feinen Antennen ein Zebratrikot wahrnehmen. Fernando Ávalos spielte nämlich in der Saison 2009/2010 ebenfalls bei dem Verein aus Zypern. Für den MSV Duisburg war dieser argentinische Innenverteidiger mit der Statur eines Ringers in der Winterpause der Saison 2007/2008 zur Verstärkung der Defensive eine Notverpflichtung. Aus der Bundesliga abgestiegen ist der MSV bekanntermaßen dann trotz dieser Akutmaßnahme. In der Folgesaison erhielt Fernando Ávalos im ersten Zweitligaspiel gegen Hansa Rostock eine rote Karte und fand fortan kaum mal mehr auf der Ersatzbank einen Platz. Ein Jahr später war Fernando Ávalos einer von vier Spielern, die auf Geheiß Peter Neururers gehen konnten.

    Fernando Ávalos mit seinem Fußballnomadentum war Sinnbild für die Kaderplanung des MSV seinerzeit. Ein Spieler wie er landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einem Verein, in dem tagesaktuelle Ereignisse auf Entscheidungen größeren Einfluss haben als die mittelfristige oder gar langfristige Planung. Normale Vorkommnisse wie Verletzungen und Sperren haben dann auf so ein Fußballerleben viel größere Auswirkungen als bei anderen Spielern, Torhüter einmal ausgenommen. Der spontanen Verpflichtung folgt dann spontanes Vergessen. Das ist im Grunde die Kehrseite seiner Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt Fußball. Für Fußballer wie ihn könnte ich mir eine Art randstad-Agentur vorstellen, eine Leiharbeiter-Firma, die auf die plötzlichen Bedürfnisse in der Branche wie Linderung von Abstiegsangst oder Verteidigersuche wegen verletzungsbedingten Engpässen schnell reagieren kann.

    Bleibt noch die Frage, ob es einen anderen Spieler des MSV Duisburg gibt, der bei mehr Vereinen gespielt hat als Fernando Ávalos. Laut Wikipedia stehen vierzehn Vereine in seinem Lebenslauf. Laut transfermarkt sind es sogar 16. Andere Kandidaten gerne in die Kommentare.

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  7. Über Niederlagen des MSV Duisburg habe ich alles schon einmal gesagt. So kommt es mir vor. Ich habe geschaut, ob sie uns etwas über das wirkliche Leben erzählen. Manchmal sind mir zumindest unterhaltsame Worte gelungen. Nun fällt mir nach der 1:4-Niederlage gegen den 1. FC Heidenheim nichts ein, was nicht offensichtlich ist. Ich muss diese Niederlage nicht noch einmal nacherzählen, so klar ist ihr Verlauf erkennbar. Es müsste etwas über den sportlichen Verlauf hinaus erzählt werden. Ich habe das Gefühl, ich müsste mich wiederholen. Ich möcht mich nicht wiederholen. Es reichen wenige Sätze.

    Eine gute Leistung in der ersten Halbzeit verhindert nicht den 1:0-Rückstand. Ein einziger langer Ball bringt die Heidenheimer Führung. Vor diesem langen Ball hatte ich die ganze Zeit Angst, vor diesem langen Ball und den Folgen. Denn es ist momentan sehr unwahrscheinlich, dass die Zebras einen Rückstand ausgleichen. Könnte diese Mannschaft einen Rückstand leicht ausgleichen, wäre sie schon vorher längst in Führung gegangen. Das klingt paradox. Das ist die Wahrheit. Das sind normale Spielverläufe in dieser Saison. Die Mannschaft spielt passabel, dennoch gibt es nur wenige Torchancen. Die wenigen Torchancen werden meist vergeben. Ein Gegentor kann immer fallen. Das Gegentor führt zu vermehrten Offensivbemühungen. Ein zweites Gegentor wird noch wahrscheinlicher.

    Leise Sorgen beschleichen mich nun, wenn ich Thorsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem Spiel von fehlender „Gier“ sprechen höre. Das klingt für mich wie ein verkleideter Verzweifelungsschrei. Thorsten Lieberknecht war nach dem Spiel enttäuscht und verärgert. Er ist nicht der erste Trainer Deutschlands, der von fehlender Gier spricht. Mir ist dieses Wort aber suspekt, auch wenn es inzwischen Eingang in die Fußballersprache gefunden hat. Bewusst wahrgenommen habe ich es das erste Mal, als Markus Babbel davon sprach. Schon damals habe ich mich gefragt, ob er auch seine Kinder zu so richtiger Gier auffordern würde. Eine Tugend ist diese Gier definitiv nicht.

    Darüber hinaus zweifel ich, ob so eine Gier geeignet für eine konstruktive Analyse ist. Mir kommt es nicht so vor, als führte fehlende Gier zu dem Gefühl von Daniel Mesenhöler und Lukas Fröde, dass an den langen Pass in den Duisburger Strafraum kein Heidenheimer Spieler mehr herankommt. Mir kommt es nicht so vor, als führte fehlende Gier zum zweiten Tor der Heidenheimer. Mir kommt es nicht so vor, als führte fehlende Gier dazu, dass Andreas Wiegel den Ball im Strafraum spielen will und nicht mitbekam, dass ein Heidenheimer Spieler an ihm noch vorbeiläuft, so dass er statt des Balls dessen Beine berührt. Mir kommt es nicht so vor, als bräuchte John Verhoek mehr Gier, um aus sechs Metern einen scharfen Pass ins Tor zu schießen und nicht weit darüber. Das hat dann doch mehr mit der Fußhaltung, also mit Technik, zu tun und nicht mit dem Einsatzwillen. Mir kommt es auch nicht so vor, als könne mehr Gier die Balance herstellen zwischen defensiver Stabilität und Offensivkraft.

    Die fehlende Gier wird wahrscheinlich in Zusammenhang gebracht mit dem berühmten Meter mehr, der gelaufen werden muss. Die Gegentore fielen nicht wegen mangelnder Laufbereitschaft. Die Torchancen blieben ohne Erfolg doch nicht, weil der Einsatz gefehlt hat. Im Grunde ist dieses Beklagen der fehlenden Gier nichts anderes als ein emotionales Aufschreien nach dem Motto „jetzt macht doch mal was“. Die Spieler machen die ganze Zeit etwas. Sie suchen den Erfolg im Rahmen ihrer derzeitigen Möglichkeiten. Es ist eine Frage der Persönlichkeit, ob ein Trainer pragmatisch wie Ilia Gruev mit einer Mannschaft umgeht oder emotional wie Thorsten Lieberknecht. Die Probleme, vor denen Thorsten Lieberknecht steht, sind dieselben geblieben wie die, die Ilia Gruev bewältigen musste. Ein Trainer kann seine Vorstellung von einem Spiel nur auf den Möglichkeiten der einzelnen Spieler aufbauen.

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  8. Bilderschau der wirklich wichtigen Seiten aus dem Fußballlbildersammelalbum zur Saison 1969/1970 der Prä-Panini-Ära.

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  9. Wirklich nebensächlich an dem torlosen Unentschieden des MSV Duisburg bei Racing Strasbourg in der 3. Runde des Uefa-Pokals der Saison 1978/79 ist das Schicksal meiner MSV-Fahne, die ich im Jahr zuvor tatsächlich an einer Losbude der Beecker Kirmes gewonnen hatte. Auf der Rückfahrt aus Straßburg lag sie im Gepäckraum des Reisebusses – ein sehr moderner Bus jener Zeit, denn es gab in ihm eine chemische Toilette. Wäre diese Toilette weiter erwähnenswert, wenn sie nicht in den Gepäckraum hinein übergelaufen wäre? Ihr habt wahrscheinlich sofort verstanden, was mit meiner Fahne passiert ist. Das blau war in Duisburg sehr batikhaft ins weiß hinein verlaufen. So etwas war sehr modisch damals bei Kleidungsstücken. Bei MSV-Fahnen galt das allerdings nicht als jugendlicher Chick. Zumal die bildhafte Vorstellung dessen, was den modischen Effekt verursacht hatte, mir nicht sehr behagte. Ich habe die Fahne der weiten Reisebuswelt überlassen. Zu Hause stand ohnehin noch meine größere Fahne, die ich normalerweise mitnahm.

    Etwas weniger nebensächlich ist Arsène Wenger, der beim 4:0-Sieg des MSV im Rückspiel in der Abwehr von Racing Strasbourg spielte. Wären die Bewegtbilder vom Hinspiel technisch besser, wirkten sie in großen Teilen wie der Clip eines Spielervermittlers, der für Gerhard Heinze, den damaligen Torwart des MSV, zusammengeschnitten worden ist. Es war wohl ein sehr einseitiges Spiel, von dem mir nur noch die Erinnerung an eine uralte Stehtribüne und unentwegtes Anfeuern geblieben ist. Support sagte man damals noch nicht.

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  10. Die Frisuren von Werner Schneider und Michael Struckmann sind nicht nebensächlich sondern beeindruckende Zeugnisse sehr unterschiedlichen modischen Wagemuts der 1970er und 1980er Jahre. Ihr müsst allerdings weiterklicken, weil ich keine Zeit habe, mir die Erlaubnis zur Fotoveröffentlichung einzuholen und ich mir hier keine Abmahnung einfangen möchte.

    Die Fotos mit zwei Klicks: Einmal der geglättete Afro mit Backenbart-Basis bei Werner Schneider und etwa zehn Jahre später Vokuhila untermalt vom Schnäuzer bei Michael Struckmann.

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  11. Für das Hochdeutsche, Unterabteilung Fußballhochdeutsch, ist es nebensächlich, dass in der Schweiz die Boulevardjournalisten vom Blick im März 2011 sprachschöpferische Kraft entwickelten. Weniger nebensächlich in dem Zusammenhang ist es, dass der ehemalige Stürmer des MSV Klemen Lavrič sie dazu anregte. Gleich drei Blick-Journalisten machten sich Gedanken über das Gewicht des Schweizer Schiedsrichters Daniel Wermelinger und das des damals beim FC St. Gallen spielenden Klemen Lavrič, den sie fortan sprachkreativ „Pummel-Profi“ nannten. Seine Grundschnelligkeit, vor allem während seiner letzten Saison beim MSV Duisburg 2007/2008, schien also eine vorauseilende Anpassung an sein späteres Gewicht gewesen zu sein. Sein Aussehen beim MSV wies darauf nämlich nicht hin. Mehr noch, vielleicht war seine Zeit beim MSV fast die einzige, in der die Fußballwelt ihn als ranken Stürmer erleben konnte.

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    Klemen Lavric, Screenshot von Youtube-Video, das im März 2018 hochgeladen wurde. Im Text verlinkt.


    Klemen Lavrič beim MSV und ich, da gab es am Anfang eine so große Zuneigung, dass ich ihm sogar seinen zeitweiligen Stürmertrab nachsehen wollte. Lange dachte ich bei dem Namen immer als erstes, zwischen ihm und mir hätte es eine feine Freundschaft zweier schon etwas älter gewordener Herren geben können. Sein Stürmertrab, der Hintern raus, sein rückwärts gehaltener Klammerarm und das Fallen lassen, wenn der Ball nach der Annahme dann doch versprang, das alles deutete ich als Zeichen eines reifen Spiels. Und jedes Mal, wenn ich später von ihm las, überraschte es mich immer wieder von Neuem, dass er noch spielte. Bei seinem Abschied in Duisburg glaubte ich, er müsste mindestens Ende 30 sein, der 1981 geborene. Ich konnte ihm nie böse sein, dem späteren Pummel-Profi, der heute Pummel-Interviewte ist, wie das im März dieses Jahres hochgeladene Video zeigt. Wer zu youtube weiterklickt muss schon des Slowenischen mächtig sein, wenn man mehr verstehen will als „EMESVAU Duisburg“.

    Aus seiner Zeit beim MSV habe ich nur ein einziges Tor gefunden, jenes zum 3:2-Sieg in der Verlängerung des Pokalspiels in der 2006/2007 gegen Bayer Leverkusen. Ab Minute 3.20. Die deutschen Boulevardjournalisten haben dann 2017 beim Gebrauch des Wortes „Pummel-Profi“ nachgezogen. Kevin Pannewitz heißt der Klemen Lavric Deutschlands.

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  12. Am Mittwoch, den 19. November 1947 hieß ein Freundschaftsspiel noch Freundschaftskampf und ein guter Fußballer war deshalb gut, weil er „stilrein“ war. Die Werte des Nationalsozialismus verschwanden nicht mit seinem Ende. Aus Duisburg-Nord und Duisburg-Süd standen sich am Buß- und Bettag zwei Auswahlmannschaften gegenüber. Für den Norden trat seinerzeit Georg Gawliczek an, der von 1947 bis 1949 beim Meidericher SV spielte. Die Westender Straße kannte der 1919 geborene Gawliczek aus seiner Zeit als Jugendspieler. Ich decke den Mantel des Schweigens darüber, wo er seine ersten Jahre als Seniorenspieler verbrachte. Wenn Fußballdeutschland ihn schon ab Mitte der 1950er Jahre als Trainer kannte, so war mir sein Name erst geläufig, als er Tennis Borussia Berlin von 1973 bis 1975 trainierte. Die 2:3-Heimniederlage des MSV gegen TeBe in der Saison 74/75 hatte ich allerdings aus meinem Gedächtnis getilgt.



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  13. Lobende Worte findet der Trainer des Hamburger SV Hannes Wolf für die Spielanlage des MSV. Die Duisburger wollten wie die Paderborner „kicken“, verfolgten also einen spielerischen Ansatz. Gegen Duisburg sei es unbequem zu spielen, und die hohen Niederlagen der beiden letzten Spiele würden klarer aussehen als sie sind. Der MSV hätte vor den ersten Toren der Gegner jeweils viele Chancen gehabt in Führung zu gehen und die Chancen nicht genutzt. Interessant ist die andere Perspektive auf ein Wissen, das wir in Duisburg ja teilen. Für Hannes Wolf stellen die Chancen eine potentielle Gefahr dar. Für uns in Duisburg sind Chancen eng verbunden mit Versagen und Fehlern. Ich denke in dem Fall nicht einmal nur an die gegenwärtige Saison. Ich denke sofort auch an die ersten Spiele der letzten Saison. Hoffen wir, dass der MSV heute Abend trotz all der Spielerausfälle den Erwartungen von Hannes Wolf in der Spielweise entspricht und die Hamburger es eben nicht nur nicht verhindern können, dass auch mal ein Ball in die „Box“ kommt, sondern diese Bälle auch ins Tor geschossen werden.

    Die Pressekonferenz illustrierte zudem kurzzeitig das allgemeine Ringen um die Identität des Ruhrgebiets. Dem Dortmunder Hannes Wolf wurde die Frage gestellt – ab Minute 4.05, was so ein erstes Spiel mit dem HSV in der Heimat mit ihm „als Kind des Ruhrgebiets“ mache. Für den Journalisten war es also überhaupt keine Frage, dass das Ruhrgebiet als Ganzes Heimat eines Dortmunders ist und damit auch die anderen Städte der Region. Hannes Wolf überraschte die Frage. Seine etwas längere Antwort ist beispielhaft für das Verhältnis von vielen Ruhrstädtern zur Stadtlandschaft. Seine spontane Reaktion ist Abwehr, auch wenn er zunächst einlenkend zustimmt, das Ruhrgebiet sei seine Heimat. Aber Duisburg sei das nicht, sofort schließt er aber auch an, „obwohl Duisburg auch schöne Ecken hat“. Seine Antwort ist typisch Ruhrpott, klarstellen, aus welchem Teil dieser Region man stammt, nur das weckt die besonderen heimatlichen Gefühle und dann in einem Atemzug das Ruhrgebiet als Ganzes vorab verteidigen. Er bezieht sich also auf ein vermutetes Bild vom gesamten Ruhrgebiet. Einmal mehr stelle ich mir vor, welche Kraft sich entwickelte, wenn dieser Heimat-Begriff einmal mit all seinen Facetten auf die gesamte Region angewendet würde.

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  14. Sicher bin ich mir nicht, ob Merchandising in den 1970er Jahren „irgendwas mit Fanartikeln“ genannt wurde. Was ich sicher weiß, mein Zimmer schmückte dieses runde Kissen unten. Es war zu nichts zu gebrauchen, es lag oft im Weg und trug gerade durch seine Sinnlosigkeit nichts anderes als die Botschaft in die Welt, mein Verein ist der MSV Duisburg.



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  15. Nebensächlich war es nie, wenn in der Zeit zwischen 2009 und 2011 der Trainer des MSV Duisburg Milan Šašić mal wieder zu Mitteln der schwarzen Pädagogik griff. Das führte dann manchmal zu Unruhe, sobald Spieler und Mitarbeiter des Vereins seiner Meinung nach Erfolg gefährdeten. Unter uns Anhängern litten die Sympathien für ihn als Mensch darunter kaum. Ich mochte seine bildhafte Redeweise, bei der die kroatische Muttersprache natürlich ihre Spuren hinterließ. Sein trockener Humor war immer für einen Lacher gut. Auf einer der Pressekonferenzen vor einem Punktespiel, es war das gegen Ingolstadt, fand Milan Šašić für die alte Lebensweisheit, einen Schritt nach dem anderen zu machen, ausdrucksstärkere Worte: „Alle die, was übersprungen nächste Aufgabe, da machen die lange Schritt. Und die was versuchen mit lange Schritte zu marschieren, die fallen auf die Fresse richtig, und dat tut weh.“

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  16. Ein Tor von Uwe Spies ist in seiner Zeit beim MSV Duisburg zwischen 1997 und 2000 immer so nebensächlich gewesen, dass es an der schlechten Meinung eines großen Teils der Anhänger vom MSV über ihn nichts geändert hat. Gab es je einen Spieler beim MSV, der einen schwereren Stand beim Publikum hatte, und dennoch über zweieinhalb Spielzeiten nahezu Stammspieler war?

    Für mich verweist dieses Verhältnis zwischen Spieler und Publikum im Rückblick auf die Mentalität im Pott. Der Pott mochte es lange nicht, wenn jemand anders war als in einer Arbeiterwelt üblich. Manchmal ist das heute noch zu spüren. Uwe Spies wirkte anders, und er schoss zu wenig Tore, damit dieses Anderssein akzeptiert wurde. Wieso wirkte er anders? Ich kann das nur noch schemenhaft erinnern. Innerhalb des Strafraums war er nicht auffällig genug. Er war keiner, der wühlte und sich mit körperlicher Wucht Raum verschaffte. Er schuf durch seine Laufwege Räume und legte Bälle oft auch ab. Das gehörte zur Spielweise. Es wäre interessant zu hören, ob nicht Persönlichkeit und Ausstrahlung ebenso zur Meinung über ihn beigetragen haben.

    En Tor von ihm habe ich bei Youtube nicht gefunden, stattdessen Spielaktionen und das auch noch bei einer Niederlage. Ich habe lange überlegt, ob ich den Clip mitveröffentliche. Wir wollen uns doch an etwas erfreuen mit dem Kalender. Andererseits entspricht dieses Niederlagen-Gefühl genau dem damals oft vorhandenen Blick auf Uwe Spies.

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  17. Die letzten vier Mannschaften der Zweiten Liga arbeiten an einem neuen Rekord des MSV Duisburg. Vermutlich werden die Zebras am Ende der Saison 2018/2019 nicht nur der erste Verein an der Tabellenspitze mit einem negativen Torverhältnis gewesen sein. Der MSV Duisburg wird nach der Saison auch der erste Verein der Bundesligageschichte sein, der mit nur 26 Punkten den Klassenerhalt sichert. Danke Sandhausen, danke Ingolstadt, und danke Magdeburg in spe – hoffe ich jedenfalls im Vertrauen auf den FC. Ich möchte allerdings lieber schon recht früh in der weiteren Saison absehen können, dass der MSV diesen Rekord verfehlen wird und zwar nicht, weil nach Erreichen von 25 Punkten nicht mehr gewonnen wird.

    Zur Niederlage brauche ich einmal mehr nicht viel zu schreiben. Allerorten findet sich dieselbe Wertung der 2:1-Niederlage des MSV gegen den Hamburger SV. Die Zebras wurden schwindlig gespielt in den ersten Minuten. Dann kamen sie besser ins Spiel. Mitgehalten. Tödlicher Pass für die eigene Abwehr durch Fröde. Schneller Ausgleich nach Eckball, schnelles Glück, schnell verweht. Durch erwartbares Freistoßtor aus jener Entfernung. Ausgleichschancen. Vergeben. Stoppelkampf mit der größten Chance. Fröde schlecht, Souza schlecht. Sukuta-Pasu richtig gut. Gelungener Notbehelf durch Aufstellungsüberraschung mit Wiegel als Innenverteidiger. Regäsel und Seo als Außenverteidiger waren für mich angesichts dieser sehr guten HSV-Offensive ebenfalls in Ordnung. Albutat verbesserte das Mittelfeldspiel in Halbzeit 2. Blöde gelb-rote Karte, aber was macht der Hamburger überhaupt in der Nähe des Balles beim Freistoß? Da fiel der Schiedsrichter schon auf dessen Schauspielerei rein. Das meiste davon gelesen.

    Eigentlich hätte deshalb der ehemalige Zebrastreifenblog-Hospitant aus Aarhus, Der Stig, heute schreiben müssen. Denn er ist ja Harmonie-Allergiker. Er ist immer für eine polternde Meinung gut. Doch noch ist er nicht wieder zurück in Deutschland. Vielleicht schafft er es im neuen Jahr, im Zebrastreifenblog regelmäßig zu schreiben. Am Telefon hat er jedenfalls sofort losgeschimpft, was denn dieser Blödsinn solle, diese resignative Zufriedenheit nach der Niederlage. Auch diese Niederlage sei doch bezeichnend für den Tabellenstand. Ob jetzt einer gegen den HSV aus kurzer Entfernung über das Tor schießt oder gegen Heidenheim, das sei doch vollkommen egal. Drüber sei drüber. Und wenn gegen den HSV bei solchen Chancen nicht getroffen werde, wie solle das dann gegen Dresden geschehen.

    Ich habe versucht, ihn zu bremsen, weil es doch auch um den Aufwand ginge, sich solche Chancen bei einer so guten Mannschaft wie dem HSV überhaupt zu erarbeiten. Eben, sagt der zu mir. Gegen Dresden wird es wieder noch weniger Torchancen geben. Außerdem könne er kotzen, wenn da auf dem Platz das Spiel eingestellt wird, sobald da einer der Meinung ist, der Schiedsrichter hätte pfeifen müssen. Fehlpass und reklamieren, so ein Mist. Der Stig, wie man ihn kennt. Ich glaube, wenn er mal wieder hier schreibt, muss ich vorher prüfen, ob das den Zebras überhaupt hilft. Die Kleinigkeiten, die entscheiden, ihr wisst schon.

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  19. Je größer der Abstand zu einem historischen Ereignis, desto mehr verschwindet das Faktische des Geschehens, desto freier verfügbar sind die Bilder der Vergangenheit. Das wird übrigens gerade im Ruhrgebiet wieder deutlich. So, wie der Kohleabbau romantisiert wird, werden Ausbeutung und Arbeitsbedingungen der Bergleute zu Interessengebieten von Fachhistorikern. Deshalb sind die Ergebnisse dieser zwei Spiele des Meidericher SV im Clip unten auch zu vernachlässigen. Wer sie unbedingt braucht, kann sie mit einem Klick im Folgenden erfahren. Bewegtbilder gibt es aus der 1963/64 vom Auswärtsspiel gegen Preußen Münster und aus der Folgesaison ab Minute 3.00 etwa vom Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Dabei ist es wiederum nicht nebensächlich, das Wedaustadion zu sehen.

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  20. Giggsy75

    Giggsy75 Landesliga

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    Schöne Bilder!! 3 Spieler beim Anstoss, herrlich:)
     
  21. Nebensächlich wird ein vergebener Konter durch Michael Tönnies dann, wenn das Endergebnis stimmt. In der Saison 1989/1990 kehrte der MSV Duisburg nach den Oberligajahren in den Profifußball zurück. Am ersten Spieltag mussten die Zebras bei Alemannia Aachen antreten. Zwei Tore von Uwe Kober und der jubelnde Wilibert Kremer nach dem Schlusspfiff weisen darauf hin, dass ich das Endergebnis heute nicht verschweigen muss. 2:1 gewann der MSV. Der Sieg war die Grundlage für eine solide Saison in der Zweiten Liga. Zu Beginn des Spiels ist deutlich zu sehen, Stadionzäune waren seinerzeit noch aus nachgiebigerem Material als heute. Dem Sportreporter hat dieses Sicherheitsprüfverfahren der Zebrafans nicht gefallen.

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  22. Nebensächlich ist die krankheitsbedingte Produktionsschwierigkeit heute, die allerdings zugleich zur Hauptsache wird. Beim Öffnen des Türchens kann ich allenfalls den Zebratwist erklingen lassen.

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  23. Mit Fieber wird das Spielplakat der Vergangenheit zur Hauptsache. Keine Nebensächlichkeit ist zudem, dass Ilia Gruev neun Tage nach dem Spiel des MSV gegen Sofia sechs Jahre alt wurde und der Verein seiner Heimatstadt trotz des 3:2-Sieges vom MSV eine Runde weiterkam. Das Rückspiel endete mit einer 1:2-Niederlage. Auswärtstore zählen doppelt. Levski Spartak Sofia wurde dann laut Wikipedia auch der erste Verein von Ilia Gruev im Seniorenbereich

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  24. Keine Nebensächlichkeit ist die tagesaktuelle Adventskalenderproduktion, wenn der 23. Dezember noch ein Spieltag der laufenden Saison ist. Dann hört ihr beim Öffnen des Türchens und weiterhin angeschlagener Gesundheit vor allem mein dreimaliges „ja“, als in Ingolstadt der Jahn, in Hamburg St. Pauli und in Bielefeld der FC Heidenheim jeweils in Führung gingen. Allein Sandhausen meinte, mit einem Unentschieden wollen wir mal Leben in den Abstiegskampf bringen. Also, liebe Zebras, auch wenn gleich auf dem Rasen nicht nur die Tiefe des Raumes sondern auch die Tiefe Kaders geprüft wird, ein Unentschieden reicht zwar für die alten Verhältnisse, weitaus schöner wäre aber ein Heimsieg trotz der vielen Spielerausfälle.

    Inspirierend könnte vielleicht Kevin Wolzes Freistoßtor aus dem letzten Jahr sein.


    Ein erneuter 2:0-Sieg gefiele uns allen wohl sehr.

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  25. Man kann nicht nicht kommunizieren. Von Herrn Watzlawiks Satz haben schon viele Menschen gehört oder gelesen. Er passt in gewisser Weise zu meinen Worten heute. So schreibe ich auch ohne viele Worte zur 1:3-Niederlage des MSV gegen Dynamo Dresden einen Spielbericht. Ich hatte es schon mehrmals angedeutet, und heute passiert es. Mir fällt zu dieser Niederlage nichts mehr ein, was über das Spiel hinaus führt. Deshalb schreibe ich auch nichts zu dieser Niederlage. Ich war trotz Erkältung im Stadion, ich habe das Spiel gesehen, ich habe gesehen, was alle gesehen haben und das braucht keine Wiederholung in Worten, wenn diese Wiederholung nicht dem Spiel etwas hinzufügt, was diese schlechte Leistung des MSV erträglicher macht. Wie die Mannschaft in der ersten Halbzeit aufgestellt war, hat sie nicht funktioniert. Sinnbild dafür war Kevin Wolze, der im defensiven Mittelfeld von Anpfiff an unsicher wirkte, bloß keinen Fehler machen wollte und deshalb einen Fehlpass nach dem anderen spielte. Bedeuteten Worte zur Mannschaftsleistung also auch Worte zu Thorsten Lieberknecht? Kein Wort mehr. Es ist Heiligabendmittag, und man kann nicht nicht einen Spielbericht schreiben. Das ist schon klar. Manchmal reichen auch nicht gesagte Worte, um zu wissen, wie ein Spiel gewesen ist.

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  26. In den klassischen Adventskalendern versteckt sich hinter dem 24. Türchen ja immer ein besonderes Stück Schokolade. Entsprechend sollte hier dann eine besondere Geschichte über den MSV stehen.

    Leider kommt mir das gerade so vor, als gäbe es für diese Ereignisse der Vergangenheit keine Fortführung in der Gegenwart. Das ist die Krux mit der just-in-time-Produktion. Na, sagen wir fast-in-time. Die Niederlage gegen Dresden verstellt mir noch immer den Blick auf das thematische Zentrum des Zebrastreifenblogs. Das wird bestimmt auch wieder anders.

    So kommen heute meine Wünsche ohne einen weiteren Gedanken an Fußball aber mit ganz besonderer Weihnachtsmusik aus dem Pott. Wenn euch dabei der MSV in den letzten Spielen dennoch durch den Kopf geht, kann ich auch nichts dran ändern.

    Frohe Weihnachten!

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  27. Zwar war Der Stig in diesem Jahr im Zebrastreifenblog als Autor nicht präsent, doch lässt er es sich nicht nehmen, in Duisburg wieder Silvester zu feiern. So können wir euch wieder zu dritt ein frohes neues Jahr zurufen. Ralf, Der Stig und ich als Belegschaft im Zebrastreifenblog wünschen euch alles Gute. Fußballer und Verantwortliche im Verein unserer Zuneigung bekommen von diesen Wünschen wieder einen großen Sack abgepackt. Auf dass die Familie der Neururer-Unken möglichst bald wieder das Gegenteil von dem unken können, was gerade in der Pott-Welt von ihnen über den MSV zu lesen ist. Wir ersparen uns die Details.

    Wie in den Jahren zuvor verbindet sich mit den Wünschen für das neue Jahr der Blick zurück auf die meistgelesenen Texte des letzten Jahres. Im Zebrastreifenblog gibt es seit dem letzten Jahr Beiträge außer Konkurrenz. Denn über mehrere Jahre belegten die Fußballtorten aus Dortmund Platz 1 und 2 der meist gelesenen Texte des Jahres. Wahrscheinlich gab es 2018 für BVB-Anhänger weniger Frustessen mit Süßkram. Denn nur noch Folge eins der zwei Beiträge ist dieses Mal vorne mit dabei. Statt Zucker brachte der sportliche Erfolg des BVB im letzten Jahr den Anhänger-Flow. Nur noch Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund bekommen eine namentliche Erwähnung.

    Die Texte auf Platz 5 und Platz 4 zeigen, wie groß in der letzten Saison unsere Abstiegsangst war, wie wir versuchten sie in Schach zu halten und welch Feier der Klassenerhalt zwei Spieltage vor Saisonschluss gewesen ist. Platz 5 belegt der Spielbericht vom 4:1-Heimsieg gegen Jahn Regensburg am 32. Spieltag: Das Abschiedsspiel für den Tabellenrechner brachte den Klassenerhalt.

    Auf Platz 4 landete Soll und Haben beim Tabellenrechner – 31. Spieltag. Der Tabellenrechner ist mein bewährtes Hausmittel gegen Abstiegsangst. Frühzeitig versuche ich mit ihm meine Nerven und die des MSV-Umfelds zu beruhigen, indem ich den Klassenerhalt bei möglichst schlechten Ergebnissen für den MSV errechne. Ich befürchte, auch in der laufenden Saison werden wir auf den Tabellenrechner nicht verzichten können.

    Auf Platz 3 findet sich der Spielbericht zum sensationellen Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln: Wie? Ihr steigt auf und wir steigen ab.. Der MSV gewann als Tabellenletztet beim Tabellenführer mit 2:1.

    Seit dem letzten Jahr schickt Google viele Leser zu mir, die wissen wollen, warum die Bielefelder Alm so heißt, wie sie heißt. Wenn das so weiter geht, wird auch dieser Text bald außer Konkurrenz im Zebrastreifenblog vertreten sein, auf Platz 2: Das ist mal eine Anekdote über die Bielefelder Alm. Den Text habe ich schon 2010 geschrieben, als mir die Anekdote zur Namensgebung auf der Arminia-Seite beliebig und langweilig vorkam. Mit Dokumenten belegt ist die Geschichte dort ebenso wenig wie meine Geschichte.

    Auf Platz 1 befindet sich ein Text, in dem es um politische Haltung im Stadion ging. Beim Auswärtsspiel in Darmstadt wurde die Zaunfahne der Faninitiative „Zebras stehen auf“ vom Zaun herunter gerissen. Die Faninitiative Zebras stehen auf engagiert sich für ein Stadion ohne Rassismus und Diskriminierung. Wie so oft gibt es eine öffentliche Erzählung von dem, was geschehen ist, und eine, bei der in der Fanszene um Deutungshoheit gerungen wird, wer vor Ort welche Verantwortung für Handgreiflichkeit zu tragen hatte. Bezogen auf die öffentliche Erzählung entstand: Zebras stehen auf und bleiben standhaft.

    Und nun der Blick nach vorn: Der Stig, Ralf und ich, wir werden auch 2019 einen Teil unserer Arbeitszeit mit dem Zebrastreifenblog verbringen. Wahrscheinlich wird es aber nicht mehr zu jedem Spiel einen Spielbericht geben. Wer hier regelmäßig liest, weiß, ich habe das Gefühl, auf meine Weise habe ich das meiste über ein Spiel des MSV schon einmal geschrieben. Ich will mich aber nicht wiederholen und auch keine normale Sportberichterstattung betreiben. Der Mäzen für meine Spieltagslyrik hat sich zudem noch nicht gefunden. Also, ich muss mal sehen, mit welchen Themen ich mich bei weniger vorhandener Zeit hier beschäftige.

    Nun auf ins neue Jahr! Wir sehen uns im Stadion, wir lesen uns und wissen hoffentlich schon bald den MSV auf einem sichereren Weg zum Klassenerhalt als in der Hinrunde der Saison.

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  28. Irgendwie ist mir bei dem Leihgeschäft mit Felix Wiedwald nach alter Spruchweisheit à la „man muss die Feste feiern, wie sie fallen“. Das gilt es jedenfalls mal festzuhalten: Felix als Vorname mit Wurzeln im Lateinischen bedeutet ja „vom Glück begünstigt“, „glücklich“ oder „erfolgreich“. Andererseits wäre Felix Wiedwald nun nicht beim MSV, wenn dieser Name schon seine prägende Kraft für die Wiedwald-Karriere vollends gezeigt hätte.

    Wie soll ich sagen? Auf die Verpflichtung eines weiteren Torhüters haben wohl die wenigsten von uns als erste Transferaktivität in der Winterpause gehofft. Sehr viel mehr als ungünstig platzierte Freistoßmauern und den einen Meter zu weit stehen vor der Torlinie haben uns ja in den letzten Spielen die vergebenen Torchancen beschäftigt.

    Allerdings erinnert Felix Wiedwald an das Wiedererstarken des MSV unter Kosta Runjaic. Er erinnert an vorsichtige Hoffnungen auf kontinuierliche Weiterentwicklung des Kaders. Er kommt mit einer Aura des Zebra-Erfolgs zum MSV. Zudem hat er dem MSV bei Youtube zu millionenfachen Klickzahlen verholfen. Der Schiedsrichter im Pokalspiel gegen den Karlsruher SC war seinerzeit so verunsichert, dass er Felix Wiedwald nach dem Führungstreffer des KSC kurz vor dem Schlusspfiff die rote Karte zeigte. Damals dachte ich, der gute Ruf von Felix Wiedwald sei gefährdet, weil die Print-Kollegen den Schiedsrichter tatsächlich ernst genommen hatten. Heute zeigt sich, die Fußballwelt war sich im Unverständnis mit den Spielern des MSV und uns auf den Rängen einig.


    Willkommen zurück, Felix Wiedwald. Auf die Aura des Klassenerhalts, die du mitbringst!

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    Onkel Maus, Defenders und Mekkes gefällt das.
  29. Das Erinnern gehört zum Abschied. Über den Steinkohlebergbau wurde so viel schon lange nicht mehr berichtet und gesprochen wie im letzten Jahr, als sein Ende in Deutschland nahte. Nun ist die Arbeit unter Tage Geschichte. Nun wird die Lebenswirklichkeit dieser Arbeit in Deutschland endgültig nur noch erinnert. Sie ist eine Sache der Worte geworden. Die Gegenwart findet jeweils neue Worte und wird in Zukunft auf alte Worte zurückgreifen müssen. Denn über die Wirklichkeit des Steinkohlebergbaus wurden über die Jahre immer wieder Texte geschrieben und veröffentlicht.

    Es wurde in Reportagen berichtet. Prosa wurde über die Arbeit geschrieben, und es entstanden Gedichte. Arnold Maxwill hat in drei Bänden solche Texte über den Steinkohlebergbau gesammelt herausgegeben. „Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft“ heißt die Sammlung von Berichten und Reportagen. In „Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand“ ist Prosa gesammelt, also kurze Erzählungen und Ausschnitte aus Romanen. Im dritten Band „Grube, Grus, Gedinge“ sind Gedichte zu finden.

    Es gibt eine Gemeinsamkeit aller gesammelten Texte über die unterschiedlichen Form hinweg. Diese Gemeinsamkeit ist die notwendige Haltung der Schreibenden zur körperlichen Arbeit unter Gefahr. Ohne diese Haltung entstand kein Text. Alle Autoren und die wenigen Autorinnen sahen sich vor die Aufgabe gestellt, sich auf diese körperliche Arbeit zu beziehen. Meist richtete sich die Aufmerksamkeit also auf die schweren Arbeitsbedingungen unter Tage, auf lebensbedrohliche Gefahren, auf die Belastung, denen Männerkörper ausgesetzt waren, auf die notwendigen Eigenschaften der Arbeiter. Die Wertung der jeweiligen Stimmen war dabei unterschiedlich. Heroische Schilderungen von Arbeiterkraft gab es ebenso wie den dokumentarischen Realismus, der den Blick auf Opfer richtete und aufrütteln sollte, um Arbeitsbedingungen zu verbessern.

    Gerade im Prosaband finden sich fast ausschließlich Texte, mit denen die Autoren versuchen die Arbeit selbst zu schildern. Dagegen führen einzelne Berichte und Reportagen führen über die Arbeitswelt hinaus. In diesem Band gibt es auch die Lebenswirklichkeit der Bergleute außerhalb der Zechen. Gedichte waren Klage, sollten trösten oder feierten Arbeiter als Helden für die Gesellschaft. Der Gedichtband gefällt mir am besten, weil hier am meisten zu entdecken ist. Wer sich schon immer für die Lebenswirklichkeit im Ruhrgebiet interessierte, wird viele der Prosatexte und Reportage kennen.

    Die drei Bände sind liebevoll gestaltet, und Arnold Maxwill hat jeweils drei ausgezeichnete Nachworte geschrieben. Er ordnet die Texte literaturgeschichtlich und historisch ein. Er macht aufmerksam auf Haltungen hinter den Texten und auf den Bezug zur Lebenswirklichkeit, die es zur Entstehenszeit gab. Arnold Maxwill hat, als Nachwort versteckt, gleichsam Grundlagenartikel zur Arbeiterliteratur des Ruhrgebiets geschrieben. Inhaltlich so reich und zugleich konzentriert habe ich solche Texte bislang nicht gelesen.

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    Arnold Maxwill (Hrsg.): Schlot, Schacht, Arbeitslandschaft
    Berichte und Reportagen zum Ruhrgebiet
    272 Seiten
    14,95 Euro
    ISBN: 978-3-8375-1956-3





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    Arnold Maxwill (Hrsg.): Grube, Grus, Gedinge
    Gedichte zwischen Flöz und Förderturm
    272 Seiten
    14,95 Euro
    ISBN: 978-3-8375-1954-9





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    Arnold Maxwill (Hrsg.): Seilfahrt, Siedlung, Schwielenhand
    Prosa aus dem Kohlenrevier
    272 Seiten
    14,95 Euro
    ISBN: 978-3-8375-1955-6



    Mit den Links gelangt man auf die Seite vom Klartext-Verlag mit den Verlagsinformationen zu den Büchern.

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  30. Der neue Trainer

    Mit Wochen ohne Sieg
    nun Letzter der Tabelle.
    Nach Abstieg droht der Absturz.
    Was hilft denn auf der Stelle?​

    Entlassungen von Trainern!
    Statistik weiß Bescheid.
    Erfolg kommt oder nicht.
    Nur lindert Handeln Leid.​

    Statistik sagt egal,
    ob Trainer bleiben, gehen.
    Ein Team muss so und so
    den Abstiegskampf bestehen.​

    Statistik sind die Fälle.
    Wir aber sind der Fall.
    Was wirklich wird, das zeigt
    sich erst im Spiel mit Ball.​

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  31. Ein Teil des weiter verbreiteten Wissens der Gegenwart geht an mir vorbei. Nelson Müller zum Beispiel habe ich neulich erst kennengelernt, als ich mal wieder in Sachen Ruhrstadtsektion des Heimatlieds bei youtube unterwegs war. Ausgezeichnete Köche sind ja im Fernsehen schon seit geraumer Zeit als authentische Kochdarsteller gefragt. Das ist wie im Krimi. Ein Genre weitet sich aus. Die jeweils neuen Kochdarsteller brauchen dann ein eigenes Profil. Da bei Kochdarstellern immer die authentische Persönlichkeit gefragt ist, engt sich der Kreis der potentiellen Kochdarsteller schnell ein. Nelson Müller bietet mit seiner Person eine besondere Geschichte neben dem immerselben Kochen. Keine Frage, dass da die Fernsehmacher glücklich waren. So funktioniert das System, nicht dass ihr denkt, ich sei gerade wertend unterwegs.

    Wie ich bei Wikipedia lese, ist Nelson Müller ein Pott-Imi. „Imi“, so sagt man in Köln. Ein sympathisches Wort in meinen Ohren, da es einen Unterschied benennt und dennoch keine Distanzierung oder Wertung enthält. Vielleicht nicht mehr. Nelson Müller ist in Stuttgart aufgewachsen. Er darf sich Sterne-Koch nennen und führt ein Restaurant in Essen. Außerdem fühlt er den Soul. Zusammen mit der Jim Rockford Band hat er im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres ein schönes Soulstück über das Ruhrgebiet präsentiert. Der Ruhrpott hat seinen eigenen Style. Wenn er über Maloche und Arbeit singt klingt das lässiger als in den Stücken des Rock oder Hiphop, die ich gerade erinnere. Ich bin mir nicht sicher, ob das womöglich alleine am Flow der Musik liegt oder weil das Motiv des Ausgehens hier so oft auftaucht.




    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

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  32. Am Freitag nächster Woche bin ich ab 19 Uhr in der Buchhandlung Tausendundein Buch in Duisburg-Neudorf, Oststraße 125, zu Gast. Dort werde ich dieses Mal nicht eigene Texte lesen, sondern an die Wirklichkeit von Arbeitern im Ruhrgebiet anhand von Erzählungen und Romanen aus dem Ruhrgebiet erinnern. Das Ganze ist ein unterhaltsamer Überblick. Dramatisch geht es dabei zu, komisch und immer wieder auch informativ, wenn ich zusätzlich Literatur- und Ruhrgebietsgeschichte hervorkrame. Als Programmankündigung sieht das so aus:

    Das Junge Licht scheint heller als die brennende Ruhr

    Die Arbeit in der Montanindustrie – Das war nicht nur die Arbeit unter Tage und an den Hochöfen. Der Bergbau und die Industriearbeit prägten Mentalität sowie Alltag in Familien und im täglichen Miteinander auf der Straße. Gewohnheiten und Haltungen aus dem Pütt bestimmten, was richtig und was falsch war. In Arbeitersiedlungen traf Wohlverhalten bei Komplettversorgung durch die Zechen auf Mitbestimmungswillen von Arbeitern. Im Bandoneonorchester lernten Bergleute Instrumente spielen. In Vereinsheimen wurde eigene Kultur geschaffen. Der Autor Ralf Koss hat Texte zusammengestellt, in denen sich die Lebenswelt der Arbeiter wiederfindet. Ob in Karl Grünbergs „Brennende Ruhr“, in Max von der Grüns Romanen oder in den Krimis von Peter Kersken, ob in den 1920er Jahren oder in der Gegenwart, der Bergbau und die Industriearbeit wirkten sich auch auf die Literatur aus. Ralf Koss stellt Ruhrgebietsromane sowie ihre Autoren vor und wirft einen unterhaltsamen Blick auf Literatur- und Zeitgeschichte.​

    Ort: Tausendundein Buch, Oststraße 125, 47057 Duisburg. Kartenbestellung: Telefon 0203.35 66 75
    Zeit: Freitag, den 22. Januar 2019, 19 Uhr
    Eintritt: 5 Euro​

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  33. Es gibt nicht viele Möglichkeiten einen Sturz mit dem Gesicht auf einem armdicken, kegelförmigen Betonpoller in Kniehöhe abzufangen, ohne sich schwer zu verletzen. Nennt mich Glückskind, ich habe das geschafft. Vorübergehend ist nun mein Gesicht deutlich asymetrischer als es für uns Menschen sonst ohnehin der Fall ist. Andererseits gibt es auch nicht viele Möglichkeiten, den Betonpoller davor im Dunkeln so genau anzulaufen, dass er als Hebel wirkte und mich nicht als Stolperfalle irritierte. Der Poller hat mich gleichsam emporgehoben, ohne dass ich merkte, was geschah. Das nun lässt sich doch nicht Glück nennen.

    Die Verbindung zum Fußball ist der Zufall. Was hatte alles zusammen kommen müssen, dass sowohl das eine als auch das andere geschah. Das Leben ist nicht kontrollierbar, so sehr wir es uns auch wünschen, ein Fußballspiel auch nicht. Ich weiß das eigentlich. Das eine und auch das andere. Daran erinnern muss ich mich dennoch ständig.

    Zufällig habe ich mich dann gestern im Netz von einer Seite zur anderen Seite führen lassen. Seitdem weiß ich nun, was ich vermutete hatte. Der Begriff „volley“ wurde in der Sportsprache zum ersten Mal in England im Tennis benutzt. Das Online Etymology Dictionary verzeichnet für 1819 die erste Quelle eines Verbs und 1851 als Substantiv. Über das Tennis ist es in die anderen Sportarten eingewandert. Den Tennissinn hat es beibehalten, den Ball im Flug treffen. Ins Englische gelangte das Wort in den 1570ern aus dem Mittelfranzösischen „volee“, der Flug. Es bezeichnete das Entladen von mehreren Kanonen zurselben Zeit. Der metaphorische Sinn im Sport ist sofort einsichtig. Ein volley genommener Ball besitzt besondere Angriffskraft. Mit irgendwas muss man sich ja die Zeit vertreiben, bis man sich wieder rasieren kann.

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  34. Zugegeben, ich war etwas skeptisch, als ich im letzten Herbstkatalog vom Verlag Die Werkstatt ein Buch über Fußballwappen angekündigt sah. Ich hatte nur den Titel gesehen und das Cover. Coffe table books sind nicht so mein Fall. Doch beim zweiten Blick sah ich, Hardy Grüne war Autor des Buches – mit einem Klick zu seiner Seite im Netz. Das nun verringerte meine Skepsis schon sehr. Repräsentative Hochglanzbücher für den Wartebereich von Spieleragenturen würde der Mann sicher nicht machen.

    Denn Hardy Grünes publizistisches Engagement für Fußballkultur hatte ich auch über die Fußballzeitschrift Zeitspiel wahrgenommen. Dort ist er einer von zwei Herausgebern. Zeitspiel widmet sich vierteljährlich einerseits historischen Themen, andererseits geht es um den Fußball „auf seinem Weg in die Gegenwart“ abseits von „Bundesliga und Champions League, WM und EM“. Hier geht es zur Seite der Zeitschrift. Hier geht es zur Beschreibung des Projekts auf der Seite von Hardy Grüne.

    Hardy Grüne löste meine Erwartungen ein. „Fussballwappen“ ist nicht nur ein Buch zum Blättern und Ansehen. „Fussballwappen“ ist gespickt mit der Historie des Fußballs auf Vereinsebene. Für jeden Verein gibt es neben der einen Seite Vereinswappen auf der anderen Seite einen Parforce-Ritt durch Vereinsgeschichte oder historische Besonderheiten, die Folgen für das jeweilige Wappen hatten. Manche der Veränderungen bei den Vereinswappen regen zum Nachdenken über Fußballkultur im Besonderen und Kultur im Allgemeinen ein. Denn das Vereinswappen verweist auf die Tradition des Fußballs und je näher die Gegenwart rückt, desto mehr spielt bei der Gestaltung der Wappen der großen Vereine das Marketing eine Rolle.

    [​IMG]Es macht Spaß, sich die Wappen genau anzusehen und die Entwicklung der Ausdrucksformen jeweils zu verfolgen. Knapp die Hälfte der Wappen stammen von deutschen Vereinen, die andere Hälfte von Vereinen aus der gesamten Welt mit Schwerpunkt Europa. Hier im Zebrastreifenblog hole ich natürlich schnell mal die Wappenseite des MSV hervor. Wer sie als Teil des Buchs sehen möchte, klickt weiter und blättert über etwa 15 Seiten im Buch herum.

    Wer mit Fußballwappen derart anregend von Vereinsgeschichte und der Kultur des Sports erzählen kann wie Hardy Grüne, besitzt einen besonderen Blick auf den Fußball.





    [​IMG]

    Hardy Grüne: Fußballwappen.
    Verlag Die Werkstatt 2018.

    214 Seiten, 21 x 21 cm, Hardcover
    über 1000 Abbildungen, durchgehend farbig
    ISBN: 978-3-7307-0416-5

    € 24,90

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  35. Nach dem Ende der Winterpause bewegen wir uns den unausweichlichen Entscheidungen der Saison entgegen. Damit sind wir schnell beim wirklichen Leben. Denn das Unausweichliche erinnert an unsere Vergänglichkeit. Deshalb ist die Zeit bis zur Winterpause trotz aller Niederlagen immer auch eine Zeit der Hoffnung auf das ewige Leben. Diese erste Hälfte der Saison ist auch eine Zeit des Verdrängens der Vergänglichkeit. Irgendwie wird es gut ausgehen. Irgendwie werden wir dem Tod doch entkommen.

    Bis zur Winterpause leben wir als Anhänger eines Vereins in der Abstiegszone im Möglichkeitsraum. Die Wahrheit einer jeden Niederlage wird durch die Hoffnung auf dauerhafte Heilung jeden Leids gelindert. Nun spielt der MSV heute Abend beim VfL Bochum, und das wirkliche Leben macht sich als Sorge bemerkbar. Wir hören von einem Gegner, der oben noch mitspielen will. Wir hören von Therapieversuchen während der Winterpause beim MSV. Wir hören davon, dass wir weiter gefährdet sind.

    Zum Lieblingswort wurden mir die Abläufe auf der Pressekonferenz des MSV vor dem Spiel. Thorsten Lieberknecht wollte mit dem Einüben von Abläufen der Mannschaft zur Sicherheit verhelfen. Laut Dustin Bomheuer haben die Abläufe in den Testspielen gewirkt. Die Mannschaft fühlte sich sicher. Die Ergebnisse sind Zeugnis dieser Sicherheit. Abläufe – welch schönes handliches Wort für Laufwege, Passfolgen oder koordinierte Bewegungen in der Defensive, Ablauf, das klingt machbar. Meine Sorge lindert der Ablauf leider nicht. Zu deutlich sehe ich, wie komplex das Zusammenwirken von vielen Menschen wird, wenn der Zufall bei dem Zusammenwirken eine große Rolle spielt. Zu nah ist mir das wirkliche Leben gerückt.

    Zu sehr hat sich ein Vierzeiler bislang bewahrheitet, der mir kurz nach der Entlassung von Ilia Gruev in den Sinn kam und den ich aus guten Gründen nicht veröffentlicht habe. Ich würde ihn gerne nach der Saison veröffentlichen, weil er eine Wahrheit über den Fußball erzählt. Wenn der MSV kein Beispiel für diese Wahrheit sein soll, wäre ein Punktgewinn in Bochum schon mal ein Anfang. Die Hoffnung auf mehr kommt mir allerdings gerade schon wieder wie die Hoffnung auf das ewige Leben vor.

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  36. Mehr als meine Worte von gestern über den Blick auf die Vergänglichkeit braucht diese Niederlage gegen den VfL Bochum eigentlich nicht. Das Vergängliche lässt sich nicht mehr verdrängen. Es wird ein Ende der Saison geben, und meine Hoffnung wird immer geringer, dass diese Saison für den MSV Duisburg ein gutes Ende nimmt.

    Nicht das Ergebnis ist entscheidend. Gegen den VfL Bochum kann der MSV Duisburg 2:1 verlieren. Wie diese Niederlage zustande kam, zerbröselt jedes meiner fantasierten Bilder von erfolgreichen Spielern der Zebras. Auf ein Unentschieden hatte ich gehofft. Stattdessen hatte ich in der ersten Halbzeit schon Angst vor einer demütigenden Niederlage mit vier bis fünf Toren Unterschied. So schlimm ist es nicht geworden. Das ist aber auch schon zugleich die bittere Einsicht dieses Spiels.

    Der MSV kann allenfalls sehr hohe Niederlagen verhindern. Mehr ist nicht drin. Tore gelingen der Mannschaft nur, wenn der Gegner krasse Fehler macht. Die Tore gegen den MSV fallen nach kleineren Fehlern in der Defensive. Ein Gegner wie der VfL kann auch kleine Fehler nutzen. Darin drückt sich auch das unterschiedliche Leistungsvermögen beider Mannschaften aus.

    Seitdem ich den Zebrastreifenblog schreibe, habe ich in einem Abstiegskampf der jeweiligen Saison immer eine Mannschaft des MSV gesehen, die mir Hoffnung machte. Auch wenn sie wie im ersten Zweitligajahr nach dem Wiederaufstieg in der Relegation den Abstieg dann doch nicht verhindern konnte. Ich habe bislang immer diese Hoffnung mit dem Tabellenrechner untermauern können, wenn ich in meiner Prognose die ungünstigsten Spielergebnisse für den MSV berücksichtigt habe.

    In dieser Saison sehe ich keine Chance für Hoffnung durch den Tabellenrechner. Denn meine Prognosen waren ja nicht blind gegenüber der Realität. Für meine Prognosen braucht es aber den Glauben, dass den Spielern zwar Fehler unterlaufen, diese Fehler aber durch das Erzielen eigener Tore behoben werden können. Mit realistischem Blick auf diese Saison gibt es diese Tore so gut wie nie. Fehler allerdings geschehen immer. Daran ändert auch ein Tabellenrechner nichts. Natürlich beginnt am Freitag das Spiel gegen Darmstadt mit einem 0:0. Momentan sage ich, genau das ist das Problem: Kein Tor Vorsprung beim Anpfiff. Ich kann nur hoffen, die Spieler des MSV finden den Glauben an den Erfolg schneller wieder als ich.

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  37. Als ich heute morgen wach wurde, wusste ich sofort, ich bin noch nicht da, wo ich heute am frühen Abend sein muss. Leute, ich meine nicht das Bett. Ich meine die Einstellung. Thorsten Lieberknecht kann noch so viel davon erzählen, was ihm im Spiel gegen den VfL Bochum Hoffnung gegeben hat, ich komme immer noch nicht hin zu dieser Hoffnung. Das hatte ich am Mittwoch befürchtet.

    Wir Selbstoptimierer der Gegenwart wissen aber, das hat nur mit einem selbst zu tun. Das Ich braucht einfach einen anderen Blick auf den Mist dieser Welt. Dann ist es mit der ersten Millionen überhaupt kein Problem, also mit dem Abstiegskampf. Ich brauche einen „Personal Mental Health Coach“. Am besten schnell, am besten sofort verfügbar, am besten online.

    Eine der Größen der Branche, Katja Ebstein mit ihrem Glauben an die Wunder, die es immer gibt, hat sich für mich schon ein wenig verbraucht. Doch Christian Kemp hilft mir heute sehr, im Spiel gegen Darmstadt auf meinem Platz in der Kurve vom Anpfiff an präsent zu sein. „Voller Wunder ist die Welt“ klingt nach dem sakralen Pop der 70er auf evangelischen Kirchentagen. Ich glaube gerade deshalb an seine Wirkung. Dank sei Christian Kemp, einem der meist unterschätzten „Personal Mental Health Priest“ der jüngsten Vergangenheit in Deutschland.

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  38. Nach dem Spiel stand vielen Anhängern des MSV im Stadionbus die Erschöpfung im Gesicht geschrieben. Müde und wissend lächelten wir uns zu. Was hatte der MSV Duisburg uns wieder einmal abverlangt. Bis zur 70. Minute gestalteten die Zebras das Spiel sicher. Mit 3:0 waren sie in Führung gegangen. Dreimal hatten wir schnelle Spielzüge gesehen, bei denen sich Torgefahr kontinuierlich aufbaute. Wir hatten drei verschiedene Grundsitutationen gesehen von Tempoaufnahme beim Aufbau im Mittelfeld vor dem 1:0 über das Flügelspiel mit Flanke beim 2:0 bis zum rasanten Konter beim 3:0. Die Mannschaft hatte die Grundsituationen jeweils so aufgelöst, dass man das Entstehen eines Tores als Erkennen und Verwirklichen einer Spielzugsidee idealtypisch mitverfolgen konnte.

    Wir wussten natürlich, dass ein 3:0 in Duisburg in der 70. Minute noch lange nicht den Sieg bedeutet. Deshalb wäre das 4:0 von Ahmet Engin so wichtig gewesen. Wenn er seinen Alleingang aufs Darmstädter Tor nach dem Abspielfehler der Darmstädter im Mittelfeld hätte für ein Tor nutzen können, wären wir entspannt gewesen. Er schoss vorbei und dann fiel das erste Darmstädter Tor in der 73. Minute. Der Druck des Gastes nahm zu. Unsere Blicke fielen immer öfter auf die Spieluhr und dennoch ist mein Zeitempfinden ab der 80. Minute komplett aus den Fugen geraten.

    Gestern morgen habe ich einen Spielbericht gelesen und konnte es nicht glauben, dass das zweite Tor der Darmstädter erst in der 88. Minute gefallen ist. Das muss doch in der in der 82. oder 83. Minute gewesen sein, dachte ich. Ich konnte es nicht glauben, weil ich es in der 89. Minute auf meinem Stehplatz nicht mehr ausgehalten habe. Ich wollte hoch zu den Toiletten, nichts mehr sehen, nichts mehr hören, nur das Ergebnis wollte ich noch wissen. Eine Minute nur war nach diesem Tor vergangen, ehe ich losmarschierte. Mir kommt diese Zeit, die ich mir das Spiel nach dem Tor ansah, immer noch so viel länger vor.

    Als ich die Treppe hoch gelaufen war, sah ich die 90 auf der Anzeigetafel. Der Abpfiff schien nahe. Also kehrte ich zurück und sah zu meinem Entsetzen vier Minuten Nachspielzeit. Was für ein Zittern bis zum Schlusspfiff. Was für eine Achterbahn der Gefühle. Welch Erleichterung über einen Freistoß auf dem linken Flügel in der Nachspielzeit. Welche Fassungslosigkeit, dass selbst dieser Freistoß nicht wenigstens in kurzzeitigen Ballbesitz mündete. Er führte zum sofortigen Abseitspfiff nach der Freistoßausführung und dem Pass über fünf Meter vielleicht. Diese Nachspielzeit war eine Tortur.

    Verzweifelt versuchten wir auf den Rängen Einfluss zu nehmen. Verzweifelt wollten auch wir mit unseren Mitteln, den Ball vom Duisburger Strafraum weghalten. Das Stadion stand hinter der Mannschaft. Doch ununterbrochen schafften es die Darmstädter in Strafraumnähe oder flankten sogar noch in den Strafraum hinein. Die Zebras warfen sich in Schüsse. Sie kämpften, sprangen und köpften. Es hieß alles oder nichts. Ein Unentschieden wäre der Abstieg gewesen. Da bin ich sicher. Entlastung gab es im Grunde nicht mehr. Entlastung brachte erst der Schlusspfiff.

    Ich war nicht der einzige Anhänger des MSV, dem die Hoffnung auf den Klassenerhalt abhanden gekommen war. Nicht einmal an die helfende Kraft des Tabellenrechners glaubte ich nach der Niederlage in Bochum. Diesen Tabellenrechner werde ich demnächst wohl dann mal zu Rate ziehen.

    Im Spiel des MSV gab es bis zur 70. Minute kaum Zufälliges. Es war gut strukturiert. Die Mannschaft wirkte stabil. Über die Leistungen der einzelnen Spieler wurde schon genug geschrieben. Interessant ist die unterschiedliche Wertung des Spiels durch die beiden Trainer und in der Folge auch durch den Sportjournalisten vom Kicker. Er gehörte zu den Stirnrunzlern dieser Welt, nachdem Thorsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz von einem „verdienten Sieg“ sprach. Thorsten Lieberknecht tat gut daran, das so zu betonen. Denn Darmstadts Trainer Dirk Schuster hatte zuvor offensichtlich Mühe, die Niederlage seiner Mannschaft zu akzeptieren.

    Ich sehe geradezu, wie der Kollege vom Kicker nach der Pressekonferenz Dirk Schuster tröstend in den Arm nahm. Gemeinsam haben sie sich dann noch einmal die Statistik angeschaut. Tränen stiegen in ihre Augen, und ich meine sogar, man hörte sie leise in den Katakomben der Arena das alte Klagelied singen:

    Welch Unglück des Lebens!
    Welch Trauer im Herzen!
    Dunkel die Tage nach mehr Ballbesitz.
    Das können wir nie verschmerzen.
    Mehr Ecken hatten wir
    und Abschlussüberzahl.
    Der Fußballgott schickt uns nur Qual.
    Verlassen von dem Fußballgott
    trotz bester Werte der Statistik.
    Oh, Fußballgott, warum?!​

    Nun, wir kennen diese alte Leier auch nach Spielen des MSV unter Ilia Gruev. Warum hatte der MSV solche Spiele mit guten statistischen Werten in der Offensive nicht gewonnen? Aus demselben Grund, warum auch Darmstadt das Spiel nicht gewonnen hat. Einen Grund, den der Sportjournalist kurioserweise sogar in seinem Artikel erwähnt. Offensichtlich ignoriert er diesen Grund bei der Leistungsbewertung des Darmstädter Spiels. Der letzte Pass der Darmstädter kam zumindest bis zur 70 Minute nur selten gefährlich in den Strafraum. Das hat etwas mit der funktionerenden Defensive des Gegners zu tun bei gleichzeitiger unzulänglicher Ballverwertung der eigenen Mannschaft. Das ist auf der Seite des Gegners Taktik, die aufgeht, und auf der anderen Seite sind das Fehler der eigenen Mannschaft. Mit einer Statistik ist es oft nicht einfach. Meist muss sie gedeutet werden, und meine Deutung entspricht dann doch der von Thorsten Lieberknecht.

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  39. Wahrscheinlich ist der zweite Name von Steffen Baumgart, dem Trainer des SC Paderborn, Herr Grimmige Entschlossenheit. Leicht und entspannt habe ich ihn bislang noch nicht gesehen. Aber ich sehe ihn ja auch nur auf Pressekonferenzen wie dieser, während der er die Spielweise seiner Mannschaft sehr schön auf den Punkt bringt. Seine Mannschaft befände sich immer in einem Pokalspiel, sagte er. Abwartend könne sie gar nicht spielen.

    Damit sehen wir für die Begegnung des MSV gegen den SC Paderborn heute Abend alle Vorzeichen für das schnellste Fußballspiel seit Menschengedenken, vielleicht auch nur dieser Pokalsaison. Schließlich konnten wir uns im Spiel des MSV gegen Darmstadt ebenfalls über viele schnelle Spielzüge freuen. Gut auch, dass Young-Jae Seo wieder mitspielen wird. Ich erinnere mich an eines seiner Tacklings am Freitag, das ein wenig nach asiatischer Kampfkunst aussah. Zunächst hatte er ins Leere gegrätschte, dann rollte er über den Rücken ab und grätschte mit dem anderen Bein in Gegenrichtung erneut. Wenn es nicht ganz so war, verzeiht mir das Überblenden seiner Spielaktion mit Zeitlupenaufnahmen von David Carradine oder Jackie Chan. Denn es sah spektakulär aus, und er war erfolgreich.

    Mir würde es natürlich auch reichen, wenn er wieder so souverän und cool wie gegen Darmstadt am eigenen Strafraum Bälle behauptet, Gegner ausspielt und zielsichere Pässe an den Mann bringt. Davon ab wird er nicht alleine gegen Paderborn gewinnen können, sondern Teil einer Mannschaft sein, die gesehen hat, dass eingeübte Spielzüge gelingen.

    Vor dem Spiel gegen Darmstadt brauchte ich die Unterstützung Kraft spendender Musik. Heute vertraue ich der Mannschaft. Ich brauche keine „Wunder“-Schlager und möchte dennoch den Zeit vertreibenden Clip nicht missen, samt der möglichen Wiederholung eines guten Omens vor dem Spiel. Das gebe ich zu.

    Beide Mannschaften der heutigen Begegnung setzen sehr auf eingeübte Abläufe. Wie wir in dem Clip unten sehen, führt diese Art Training auch in anderen Zusammenhängen und früheren Zeiten zu schönen Ergebnissen. Helga und Ernst Fern leiteten neben ihrer Tanzschule in Düsseldorf in den 1960er Jahren auch eine Televisions-Tanzschule. Ich kann nur dazu anraten, auch in die Clips mit den anderen Tänzen mal einen Blick zu werfen. Man erhält eine interessante Einsicht in Umgangsformen und Schicklichkeiten. So weit liegt diese Zeit noch nicht zurück. Eine redende Frau scheint in dieser TV-Tanz-Welt noch selten gewesen zu sein. Es gibt sie. Das darf ich verraten. Ihr müsst aber geduldig suchen.

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  40. Auch der Pokal hat allgemeingültige Gesetze

    Wenn die Chancen sich ergeben,
    werden auch die Tore fallen,
    sagen Trainer gern vor Spielen.
    Leider folgt das nicht bei allen.​

    Vor dem Tor muss erst ein Spieler
    cool und technisch sauber schießen.
    Sonst spricht nach dem Spiel der Trainer
    von den Chancen, die sie liegen ließen.​

    Auf dem Rasen sah er Effizienz,
    beim Gegner, wie ein zwölfter Mann.
    Selbst im Pokal gilt das Gesetz:
    Ins Tor trifft der, der schießen kann.​

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  41. [​IMG]Am Mittwoch, den 13. Februar, lese ich ab 19.30 Uhr in der Hamborner Buchhandlung Lesezeichen. Weil an dem Abend vor allem der Kollege Koss in mir spricht, wird es zwar auch um Fußball gehen, allerdings nur als ein Kapitel der Ruhrgebietsgeschichte. Nach meiner Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen gab es noch viel zu erzählen, was im Buch nicht hatte aufgenommen werden können. „Der Himmel über der Ruhr ist blau“ heißt das Programm zum Buch. Eintritt 12 Euro, Imbiss und Getränke inklusive. Wir sehen uns in der Buchhandlung, Emscherstraße 213, Duisburg.




    Der Himmel über der Ruhr ist blau

    Nein, das Ullige bekommt keinen Namen. Wo kommen wir denn dahin? Nachher stellt es noch Ansprüche. Lange Zeit wusste niemand, wie er das Schmuddelkind von Rheinland und Westfalen nennen sollte. Es war eine stürmische Zeit. Erst die ungeplante Schwangerschaft und dann das wilde Aufwachsen. Doch schließlich ließ sich das Schmuddelkind einfach nicht mehr übersehen. Ruhrgebiet wurde es irgendwann genannt. Zu bedeutend waren Zechen und Stahlwerke geworden. Seinen Ruf hat diese Bedeutung aber nur in einer Hinsicht aufpoliert. Trotz aller Erfolge haben es Schmuddelkinder schwer, wenn bei ihnen vieles nicht so ist, wie es die Menschen gewöhnt sind. Zudem dieser ungeheure Schmutz in der Luft!

    Noch in den 1960er Jahren hieß es: Wasch dir bloß auch den Hals! Ohne diese Mahnung wuchs im Ruhrgebiet niemand auf. Heute ist der Dreck auf den Straßen verschwunden, aber auch ein Großteil der Industrie. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, und die Nachkommen des Schmuddelkinds fragen sich immer wieder, wer sie eigentlich sind.

    Ralf Koss lädt ein, sich die Biografie des Schmuddelkindes Ruhrgebiet näher anzusehen. Kleinstädte, Dörfer und Hansestädte wuchsen zusammen, doch der Blick auf die Industrie lässt oft Teile des Lebenslaufs außer Acht, die überraschen. Stadtluft machte in Dortmund, Essen und Duisburg frei. Der Ruhrgebiets-Fußball stellte früh den DFB-Präsidenten. Sinfonien wurden uraufgeführt und Orchestermusikern Zuflucht gewährt. Ralf Koss geht auf eine Zeitreise durch die Ruhrgebietsgeschichte, die er im Alltag der Ruhrstädter auf berührende und manchmal komische Weise immer auch wiederfindet.

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  42. Es wäre mehr drin gewesen als nur der eine Punkt für den MSV Duisburg durch dieses torlose Unentschieden gegen Greuther Fürth am Samstag. Ich hatte das Spiel im Ostende mir angesehen. Und mein Spiel des MSV dauerte nur bis zur 81. Minute. Dann musste ich zu einem Termin aufbrechen. Ich fuhr mit gemischten Gefühlen, war aber nicht unzufrieden.

    Denn den Zebras war in den ersten Minuten anzumerken, unter welchem Druck sie standen. Sie wollten vorsichtig spielen, keine Fehler machen. Sie wollten möglichst den Ball aus der eigenen Defensive kontrolliert nach vorne spielen. Sie wollten ihn nicht einfach wegschlagen. Sie wollten diesen Ball in den eigenen Reihen behalten. Doch die Fürther spielten in diesen ersten knapp 20 Minuten mit dem unbedingten Willen, es allen und vor allem dem neuen Trainer zu zeigen. Die Spieler wollten beweisen, dass sie Fußball spielen können. Sie wollten jeden Ball und zwar sofort. Sie wollten diesen Gegner am liebsten überrennen. Aber sie konnten das nicht, weil sie zu schlecht Fußball spielten. Die Abschlüsse waren miserabel. Dennoch gingen sie fast jedem Ball mit unbedingtem Willen hinterher und bekamen diese Bälle.

    Die Zebras verloren ihre Nerven aber nicht komplett. Die Zebras hielten stand. Sie widersetzten sich dem unbedingten Versuch der Fürther, das Spiel zu dominieren. Nach und nach schafften sie es, den Ball tatsächlich einmal bei einer Offensivaktion in Richtung Fürther Strafraum zu treiben. Kontinuierlich gefährlich wurden sie nicht, auch wenn es irgendwann sogar die Andeutung einer Chance gab. Immer wieder kam es auch zu Fehlpässen, weil die Fürther die Räume eng machten.

    Nach der Halbzeitpause waren die Zebras noch besser im Spiel. Dem Stillstand bei Wiederanpfiff folgte eine andere Dynamik im Spiel. Nun gab es in dem Spiel keinen Nachteil mehr für die Zebras. Der unbedingte Wille der Fürther reichte angesichts ihrer spielerischen Möglichkeiten nicht mehr, um den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten. Das Pressing der Zebras funktionierte immer wieder auch schon im Mittelfeld. So kam es zu zwei Schein-Chancen. Denn die Zebras gehören auch zu jenen Mannschaften, bei denen in der entstehenden klaren Chance schon das Scheitern im Wesenskern der Chance angelegt ist. Wenn etwa Ahmet Engin jener Spieler ist, der alleine Richtung Tor marschiert und abschließen muss, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die klare Chance am Ende nicht mehr so klar gewesen ist. Das mache ich ihm nicht zum Vorwurf. Es ist nun einmal so. Wir leben damit.

    So begann ich mich mit dem torlosen Unentschieden einzurichten. Glückstreffer können im Fußball natürlich immer fallen. Doch bis zu meinem persönlichen Schlusspfiff geschah nichts. Danach muss noch einiges losgewesen sein im Fürther Stadion. Es muss so viel gewesen sein, dass dieses Spiel auch vollkommen anders bewertet werden kann, als ich es gemacht habe. Es muss sogar so viel gewesen sein, dass die Fürther das Spiel 1:0 gewonnen haben sollen. Die Kollegen bei den Funkes schreiben sogar, die Leistung des MSV sei nicht zu entschuldigen. Im Netz schäumt der Unmut unter den Anhängern. Und auch Thorsten Lieberknecht ist enttäuscht von der ersten Halbzeit seiner Mannschaft. Er sah bei seiner Mannschaft nicht die Bereitschaft, auf dem Platz präsent zu sein.

    Wie ihr gelesen habt, lässt sich das Spiel auch ein wenig anders bewerten. Wer je selbst Mannschaftssport betrieben hat, weiß, es gibt Spiele, in denen man noch so sehr präsent sein will und dennoch nichts zusammen passt. Warum das so ist, lässt sich in der Komplexität dann kaum erklären. Man sieht einzelne Gründe und denkt, daran kann das doch nicht gelegen haben. Man wird ärgerlich. Auf die anderen, auf den Ball, auf die Zuschauer, vielleicht sogar mancher auf sich selbst. Doch in solchen Fällen ändert sich nichts aus dem Spiel heraus. Es ändert sich nur mit einer dramatischen Wendung während des Spiels. Ein zufälliges Tor beim Fußball. Ein brutales Foul. Ein Hochkochen der Stimmung durch was auch immer. Oder es ändert sich bei einem Neuanfang. Im Basketball etwa gibt es die Möglichkeit des Neuanfangs immer wieder. Vier Viertel hat das Spiel, also drei Pausenunterbrechungen. Dazu gibt es die Möglichkeit, Auszeiten zu nehmen, die Spieler neu zu fokussieren. All das gibt es im Fußball nicht. Dort gibt es nur die Halbzeitpause. Und diese Halbzeitpause hat gewirkt.

    Mir ist die Erklärung, die Spieler seien nicht bereit gewesen, präsent zu sein, zu sehr auf die Psyche abgestellt. Ich kann verstehen, wenn jemand sagt, die Spieler seien nicht präsent gewesen. Aber eine Wertung wie die, dass sie nicht bereit dazu waren, verlagert die Verantwortung. So etwas macht mir Sorgen. Denn wir können nicht beurteilen, welche Gruppendynamik in der Mannschaft herrscht. Natürlich kann es sein, dass die Mannschaft als Gruppe nach einer solchen Aussage dem Trainer etwas beweisen will. Es kann aber genau so gut sein, dass die Spieler sich ungerecht behandelt fühlen, weil die Umstände nicht beachtet wurden. Der Abstiegskampf ist aber nur als Einheit zu bewältigen. Nach dem Spiel sind meine Sorgen nicht wegen des Ergebnisses größer geworden, sondern weil die Stimmung so beeinträchtigt scheint.

    Gut, dass wenigstens ich die Geschichte des Spiels auch anders schreiben kann. Fakten und Ergebnisse besitzen in der heutigen Zeit ja immer weniger Gewicht. Wenn das so weitergeht, wird auch der MSV einmal Deutscher Meister werden, ohne dass ein großer Teil der Welt das glauben kann. Da kann ich mir als Vorgeschmack doch ruhig einmal ein torloses Unentschieden in Fürth gönnen.

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    kommandosofianati und CEO51 gefällt das.
  43. Gestern war auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung ein Kommentar zur Stimmung in Duisburg rund um den MSV zu finden. Auch Thorsten Lieberknechts Bemerkung der fehlenden Bereitschaft zur Präsenz der Spieler lässt sich mit diesem Wissen der Psychologie besser verstehen: Wenn etwas schief läuft, vermuten Menschen dahinter rasch Absicht. Wirkliche Motive interessieren zunächst weniger.

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  44. Wieviele Punkte hat der MSV Duisburg in dieser Saison in den letzten Minuten verloren? Im Hinspiel gegen Union Berlin fiel der Ausgleich zum 2:2 in der Nachspielzeit. Gestern war die 3:2-Niederlage in der 90. Minute besiegelt. Das sind nur die verlorenen Punkte gegen Union Berlin. Heute habe ich die Befürchtung, ich kann mir die letzten 10 Minuten eines Spiels vom MSV in dieser Saison nur noch bei Spielständen ansehen, die über die Punkteverteilung keine Fragen mehr offen lassen. Ich hoffte gestern so sehr auf den einen Punkt. Die Aufregung wurde mir zu groß. Das Wissen um all die Gegentore in den letzten Minuten war so lebendig in mir. Mein Körper macht das nicht mehr mit.

    Der Punkt wäre hart erarbeitet gewesen, und wir hätten den Berlinern danken müssen für deren Fahrlässigkeit bei der Chancenverwertung. Wie einfach sah es aus, wenn die Berliner die Zebra-Defensive auseinander nahmen. Ballführung auf halbem Flügel, ein schneller Lauf über außen in die Tiefe, ein gesteckter Pass, danach durch den Strafraum eine Passstafette auf die andere Seite, bis ein Spieler alleine stand und eigentlich nur einschieben musste. Nur bei diesem Einschieben gibt es noch Verbesserungsbedarf. Diese Spielzüge wirkten wie als Teil eines Trainingsspiels. Die Duisburger Spieler bekamen angesichts der Geschwindigkeit eines solchen Spielzugs gar nicht erst eine Möglichkeit störend einzugreifen.

    Das Siegtor dagegen war ein zufälliges Tor. Ein hoher Ball flog in den Strafraum. Kopfball. Tor. Es war also ein glücklicher Sieg der Berliner, der gleichzeitig verdient war. Heißt das nun, die Defensive des MSV hat versagt? Eigentlich nicht. Sie spielte eben so gut, wie sie konnte. Es wurde viel gearbeitet, wann möglich wurde versucht, den Ball kontrolliert ins Halbfeld zu bringen. Unter großem Druck wurde der Ball auch einfach weggeschlagen. Solche Entscheidungen wurden zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Ich hatte den Eindruck, mehr ging nicht, als was zu sehen war.

    Dasselbe gilt für die Offensive. Zunächst sieht es vielleicht so aus, als habe es nur die hohen Bälle in die Spitze gegeben als Mittel, um ein Tor zu erzielen. Das stimmt aber nicht. In der ersten Halbzeit gab es zwei oder drei Spielzüge über mehrere Stationen, bei denen der Ball schnell bis in den Strafraum gebracht werden konnte. Die Chancen wurden vergeben. Das waren klare Torchancen, von denen mindestens eine genutzt werden muss, weil der MSV viele solcher Chancen sich eben nicht erspielen kann. Als Alternative und Hoffnung auf eine Torchance blieben die hohen Bälle in den Strafraum und die ruhenden Bälle. Zwei Freistöße führten zu den Toren vom MSV Duisburg, ein direkt verwandelter Freistoß durch Harvard Nielsen und ein in den Strafraum geschlagener Freistoß, dem ein Kopfball von Lukas Fröde ins Tor folgte.

    Für uns Anhänger im Stadionrund ist es schwer, die Grenzen dieser Mannschaft zu akzeptieren. Irgendwo muss unsere Enttäuschung hin. Dann wird fehlender Kampf bemängelt. Es wird von Leidenschaft gesprochen, die im Spiel nicht spürbar ist. Ich glaube nicht daran, dass über mehr Einsatz diese Mannschaft erfolgreicher spielen könnte. Mehr Kampf heißt für diese Mannschaft auch der Verlust vom Rest der Spielkontrolle. Kampf bedeutet ein schnelleres Spiel, schnellere Ballverluste, häufigere Konter. Das ist die Kehrseite vom Kampf. Diese Mannschaft stößt an ihre Grenzen.

    Diese Mannschaft erhält Spiel um Spiel einen Beweis dafür, dass das eigene Spielvermögen nicht ausreicht, die in Reichweite liegenden Punkte zu erlangen. Ich habe keine Vorstellung davon, wie diese Mannschaft solche mehrmals erlebten Punktverluste verkraften kann. Tennisspieler etwa denken von Punkt zu Punkt. Das ist Teil ihrer Karriere als Turniersportler, bei dem jedes einzelne Spiel einem Endspiel gleicht. In Mannschaftssportarten mit Ligenbetrieb muss so etwas mühsam vor jedem Spiel hergestellt werden. Wir denken nur von Spiel zu Spiel. Dass dieser Satz von Beteiligten eines Abstiegskampfs immer wieder gesagt werden muss, heißt nichts anderes, als dass dieser Satz nicht selbstverständlich in den Köpfen der Spieler ist. Sie können es noch so sehr wollen, an den Satz zu glauben. Beim kleinsten Fehler im Spiel wird die mittelfristige Folge eines solchen Fehlers, der Abstieg, wieder im Kopf sein. Es braucht Energie diesen Abstieg wegzuhalten. Energie, die für das Spiel selbst fehlt.

    Natürlich gibt es noch keinen großen Punkterückstand auf Nichtabstiegsplätze. Dennoch sehe ich die Rückschläge in den letzten Minuten über die Saison hinweg als besondere Belastung dieser Mannschaft. Ich denke daran, wie schwer es den Spielern fallen muss, an sich zu glauben. Mir selbst fällt es schwer, noch an den Erfolg zu glauben. Nach dem Spiel gegen Aue werde ich dennoch mal sehen, was der Tabellenrechner so hergibt

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  45. Bielefeld gewinnt in den letzten Wochen ein Spiel nach dem anderen. Das im Ergebnis für den MSV einzig wirklich bedeutsame Spiel gegen Magdeburg verlieren die Arminen. Dieses Ergebnis hat die Niederlage gegen Union Berlin noch schmerzhafter gemacht.

    Seitdem ich den Blog hier schreibe, war der MSV schon mehrmals ein Wenn-Dann-Verein. Solche Vereine erreichen Ziele der jeweiligen Spielzeit aus eigener Kraft immer unwahrscheinlicher und nur noch wenn das eine Spiel so ausgeht, dann das andere so und am besten auch noch das dritte Spielergebnis günstig ist.

    Meine Hoffnung auf das Ziel konnte also jeweils weiter bestehen, wenn ich immer mehr Spielergebnisse anderer Mannschaften zu eigenen Erfolgen hinzurechnete. Ich weiß nicht, in wievielen Jahren dann das Saisonziel tatsächlich geschafft wurde. Ich werde jetzt auch keine Statistik dazu erstellen. Sehr wahrscheinlich ist es aber, dass der MSV als Wenn-Dann-Verein sein Saisonziel seltener erreichte als aus eigener Kraft. Momentan ist der MSV auf bestem Weg diese Saison als Wenn-Dann-Verein zu beenden. Noch ist es nicht so weit. Mein Blick nach Bielefeld gibt mir aber die Erinnerung an all die vergangenen Spielzeiten. Der Vorgeschmack ist schon da. Heute denke ich allerdings sogar, womöglich bleibt es bei diesem Vorgeschmack. Womöglich haben wir in zwei Wochen bereits Planungssicherheit für die kommende Saison.

    Aber gut, dass Thorsten Lieberknecht schon auf der Pressekonferenz nach dem Spiel wieder nach vorne blickte. Er sagte: „Wer jetzt meint aufzugeben, hat viele Dinge noch nicht im erlebt im Fußball, die möglich sind, wenn eine Mannschaft weiterhin das Vertrauen bekommt von allen Seiten.“ Dann arbeite ich mal während der Woche daran, das Vertrauen wiederzufinden.

    In Berlin wurde auch über das Spiel geschrieben. Eine schöne Taktikanalyse gibt es bei Eiserne Ketten. Und die Macher von Textilvergehen.de sprechen ausführlich im Podcast über das Spiel.

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  46. Ein wenig Ablenkung von der gegenwärtigen sportlichen Situation bringt immer auch das Erinnern an andere Zeiten. Weil ich weiß, dass der Zebrastreifenblog doch mehr Leser hat als drüben das „Fan-Gedächtnis“, stelle ich auch hier online, was Karl P. (*1933) mir für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ erzählt hat .

    Meine Frau war immer dabei

    Meine Frau hatte einen Vetter. Der war auch fanatisch für den MSV. Der ist mit der Fahne, einer Riesenfahne, nach Karlsruhe gefahren. Da war das erste Spiel vom MSV, als die Bundesliga begann. Der hat auch mal die Spielerfrauen an die Reeperbahn gebracht. Die Männer gingen ja nach einem Spiel immer in die Kneipen. Die kamen vor morgens vier, fünf Uhr nicht nach Hause. Und da hatte der mal so ein Mitleid mit den Spielerfrauen und hat denen gesagt: „Ich fahr euch zur Reeperbahn nach Hamburg.“ Der hatte so einen Bully. Das hatte mit Fußball nichts zu tun. Da sind die dann auch auf die sündige Meile gefahren, und die durften alle mal in den Puff gehen. Gucken natürlich. Die sind da reingegangen. Und dann hat der um 12 Uhr ganz laut gepfiffen, auf der Reeperbahn, mit so einer Flöte. Da kamen die aus allen Ecken, die Frauen, und dann sind die wieder nach Hause gefahren. Das kam ja auch in dem Film vor. Die Vizemeister. Er wollte denen mal was bieten. So haben wir das gehört.​

    Meine Frau und ich, wir waren ja bei allen Spielen in der Zeit. Ich habe nämlich für die Zeitung geschrieben, den Duisburger Generalanzeiger, als freier Mitarbeiter. Ich hatte in der Zeit so eine Kolumne. Ich habe nach dem Spiel die Trainer befragt und die gegnerischen Kapitäne. Die musste ich nach dem Spiel interviewen. Sepp Herberger zum Beispiel, der war damals Bundestrainer. Den habe ich interviewt.​

    Jetzt waren wir in Hamburg, und der MSV hatte zuvor hier gegen Köln Unentschieden gespielt. In dem Spiel ist unser bester Spieler „Eia“ Krämer von einem Hemmersbach, so hieß der Kölner, kaputt getreten worden. Der „Eia“ musste vom Platz getragen werden und konnte auch das nächste Spiel in Hamburg nicht mitmachen. Als der gefoult wurde, hatte der MSV geführt. Die Kölner haben dann noch den Ausgleich gegen die dezimierten Meidericher gemacht. Wenn die Köln geschlagen hätten und danach auch gegen Hamburg gewonnen, dann wären die sogar Meister geworden, vor den Kölnern. Die sind dann ja Zweiter geworden.​

    Meine Frau und ich sind dann nach Hamburg gefahren. Mit dem Auto von Wermelskirchen aus. Da haben wir damals gewohnt. Da war die Autobahn bis Hamburg noch gar nicht fertig. Bis Hannover konnte man fahren. Dann ging es durch die Heide. In Hamburg waren nicht sehr viele aus Meiderich. Jetzt spielte ja der beste Mann nicht, der „Eia“ Krämer, und da hatten wir sowieso wenig Hoffnung. Da spielten Heini Versteeg und der Gecks als Stürmer, und die spielten wie im Rausch. Die gingen mit 3:0 in Führung. Boah, haben wir gesagt, heute gehört Hamburg uns. Und da macht der krumme Hund, so sage ich jetzt mal, der Uwe Seeler, eine Viertelstunde vor Schluss das 3:1 und dann haben die noch 3:3 gemacht. Wir standen wie begossene Pudel da. Wir waren im Rausch. 3:0! Naja, wir haben dann noch einen drauf gemacht. Das 3:3 war ja auch gut.​

    Einmal wollten sie mich in Stuttgart von der Tribüne schmeißen. Der MSV spielte in Stuttgart. Da waren wir abends auch mit der Mannschaft zusammen, und wir kannten den Geschäftsführer Hans van Kleve. Der hatte in Meiderich eine Fahrschule, der war auch dabei. Der war unser Freund, der hat gesagt, wir sind heute Abend da und da, wollt ihr da nicht auch hinkommen. Dann haben wir da ganze Nacht gesessen, uns mit dem Gutendorf unterhalten. Meine Frau war immer dabei. Überall ist die mitgefahren.​

    Dann waren wir am nächsten Tag auf der Pressetribüne in Stuttgart und ich habe immer über die Stuttgarter geschimpft, wenn die gefoult haben. Da saßen natürlich nur Stuttgarter. Und da haben die nachher einen Ordner gerufen, schmeiß den mal hier von dem Platz. Aber ich habe dann meinen Presseausweis gezeigt und die haben mich sitzen lassen. Ich bin denen wahrscheinlich auf den Wecker gefallen. Ein paar Artikel habe ich damals noch geschrieben.​

    Fortsetzung folgt. Das schon mal ab ins „Fan-Gedächtnis“.

    Damit verbinde ich zugleich einmal mehr den Aufruf, schickt für dieses Fan-Gedächtnis eine Erinnerung an eure Zeit mit dem MSV, von der ihr wollt, dass sie nicht vergessen wird. Ihr könnt das über das Kontaktformular machen. Oder schreibt mir. Ich komme mit dem Aufnahmegerät vorbei, mache ein Interview und transkribiere das Erzählte. Ich veröffentliche die Erinnerungen erst einmal drüben im großen Fan-Gedächtnis-Archiv. Ich träume aber immer noch davon, eine Sammlung solcher Geschichten im Verlag Die Werkstatt herauszugeben. Der Erlös käme einem sozialen Projekt zugute. Wir hätten zudem eine Art Geschichtsbuch von unten. Alltagsgeschichte aus Duisburg mit dem Schwerpunkt Fußball.

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