Zebrastreifenblog

Dieses Thema im Forum "Blogs rund um den MSV" wurde erstellt von Omega, 11 April 2009.

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  1. [​IMG]Jüngst trat in Duisburg eine Faninitiative unterschiedlich ausgerichteter Fanclubs und -vereinigungen an die Öffentlichkeit. Ziel der Initiative „Es lebe de.r V.erein“ ist die Stärkung des Vereinsgedanken beim MSV Duisburg. Im Selbstverständnis der Initiative klingt die Sorge an, Investoren könnten beim MSV mehr Macht erhalten als es die Vereinsmitglieder wünschen.

    Im Pressespiegel der Initiative findet sich ein gutes Interview, das Tim Zeiger vom Fanradio Zebra.fm mit einem der Initiatoren in der Halbzeitpause des Spiels gegen den TSV 1860 München, am 6. März, geführt hat. In dem Interview wird deutlich, auch wenn die Kapitalerhöhung von Capelli ein Anlass war, die Initiative zu gründen, so gibt es kein Misstrauen gegenüber dem Investor. Ein anderer Anlass war zudem der Wunsch, angesichts von Corona den MSV durch Banner- und Plakataktion auf eine gute Weise in der Öffentlichkeit präsent zu halten.

    So begrüßenswert das Engagement von Fußballfans für das Kulturgut Fußball ist, so hart konfrontiert mich die Initative mit den Widersprüchen, vor denen wir Fußballfans normalerweise unsere Augen verschließen. Täten wir es als Fans eines Drittligisten nicht, wir könnten nicht mehr ins Stadion gehen und auf Erfolg hoffen. Wir müssten konsequenterweise auch den Abstieg in die Regionalliga als mögliche Folgen eines Wettbewerbs akzeptieren. Wir müssten den Stadionbesuch unabhängig vom sportlichen Erfolg unseres Vereins als erfüllend erleben. Noch einmal betont, ich mache das nicht, aber ich möchte heute versuchen, so wahrhaftig wie möglich auf das System Fußball zu schauen. Auch ich bin Mitglied unterschiedlicher Fanvereinigungen, von denen sich eine der Initiative angeschlossen hat, die anderen nicht. Somit bin ich geradezu ein idealtypischer Repräsentant all der Widersprüche, die sich bei eindeutigen Positionierungen im Fußball der Gegenwart ergeben.

    Das letzte Jahr mit Corona hat bewiesen, Profifußball funktioniert als Unterhaltungsangebot im TV. Natürlich müssten mittelfristig Budgets der Fußballunternehmen angepasst werden – Einnahmen fallen ja weg – , aber so lange TV-Sender bezahlen, wird Fußball als Unterhaltungsangebot der Freizeitindustrie produziert. Weltweit sind Fans der europäischen Vereine schon immer daran gewöhnt, ihren Sport nur im Fernsehen wahrzunehmen. Fußball unterscheidet sich in dieser Perspektive nicht vom Tatort, vom Rosamunde-Pilcher-Film, den Trash-Dokus der Privaten oder dem Netflix-Angebot. Corona wirkt auch an dieser Stelle wie ein Brennglas zum Erkennen des Wirklichen und all die Bemerkungen der momentan im Stadion weilenden Beteiligten des Fußballs, wie wichtig Fans im Stadion sind, gehören zur Folklore. Fans im Stadion wird es irgendwann wieder geben, klar. Was sich nur ganz deutlich zeigt, Fußball funktioniert als Unterhaltungsangeobt komplett ohne Fans vor Ort. Fußball könnte produziert werden wie ein hochwertiger Kinofilm und es gäbe Kunden, die für diesen Fußball Geld bezahlen werden. Dass dieser Gedanke vielen „Fußball-Unternehmern“ nicht fremd ist, zeigen die Bemühungen um die Einführung eines geschlossenen europäischen Wettbewerbs der Großvereine. Sprich: Gehört man zur DFL-Welt kann der Fußball unabhängig vom Vereinsgedanken funktionieren.

    In Duisburg gehören wir momentan nicht dazu, und wir reden von ganz anderen finanziellen Dimensionen. Waren es vier Millionen Euro, die uns in Duisburg Gedanken machen? Das ist eine lächerlich kleine Summe Geld, um im Fußball wirklich erfolgreich sein zu können. Gleichzeitig verschafft diese Summe vielleicht mehr Einfluss des Investors, als es Vereinsmitglieder wünschen. Das wissen wir nicht, weil wir nicht detailliert wissen, welches Ziel die Investition hat. Soll heißen, es gibt im deutschen Fußball eine sehr viel spezifischere, auf den jeweiligen Verein bezogene Interessenlage des Investors als in anderen Ländern, die Beteiligungen über die 50 Prozent hinaus ermöglichen. Dort ist die Investorenhoffnung auf Gewinn sehr viel offensichtlicher und damit auch die Macht über Unternehmensentscheidungen. Um diese Macht und den Einfluss geht es Fußballanhängern in Deutschland aber immer wieder. Bei Vereinen der unteren Ligen mehr als bei den Großen. In diesen unteren Ligen verweilen jene Klubs mit einer besseren Vergangenheit, die die Erfolgsträume von Fans der Gegenwart befeuern und manchmal eben auch die Ziele von Investoren.

    Das führt zum grundsätzlichen Widerspruch in uns Fans, wenn wir um die Kultur des Fußballs besorgt sind, um dieses ideelle Bild unseres Vereins, der uns ein Leben lang begleitet. Wir gehen zum Fußball ja doch auch mit einem inneren Bild davon, wo der Platz unseres Vereins in dieser Fußballwelt ist. Ich selbst kenne den MSV noch als unabsteigbaren Bundesligisten. Gerade müssen wir uns sorgen, dass wir den Anschluss an die Zweite Liga nicht verlieren. Hinter der Sorge vor dem Einfluss von Investoren steckt doch immer auch die Sorge, sie könnten die richtigen Entscheidungen für den sportlichen Erfolg verhindern und damit die Existenz des Vereins gefährden. Der Widerspruch zwischen der Hoffnung auf Erfolg sowie den dazu nötigen finanziellen Mitteln und dem Versuch die Vereinskultur im modernen Fußball zu bewahren ist unauflösbar.

    Versuche, einen Ausgleich herzustellen zwischen dem demokratischen Vereinsgedanken und den nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien arbeitenden Fußballunternehmen, führen in den immerselben Widerspruch. Wir in Duisburg sind ja nicht die einzigen Fußballanhänger in Deutschland, die dieses Thema Mitbestimmung beschäftigt. In ganz Deutschland wurden dazu schon Lösungen gefunden, und spätestens bei sportlichem Misserfolg wird der grundsätzliche Widerspruch offenbar. Das hat überhaupt nichts mit dem emotionalen Fußball zu tun sondern allein mit der zweigleisigen Organisation des Sports. Entweder gibt es eine enge Zusammenarbeit von Vereinsführung und Unternehmen, so dass die Vereinsmitglieder die Kontrolle der Unternehmensmitarbeiter vermissen. Oder es gibt die Kontrolle, die das notwendige schnelle Arbeiten im Unternehmen behindert. Dieser Konfklikt ist nicht verhinderbar, er gehört zum System. Der VfB Stuttgart gab neulich dafür ein hervorragendes Beispiel ab, wo gerade der sportliche Erfolg die Unternehmensseite in Person von Thomas Hitzelsperger dazu ermutigte unabhängiger von der Vereinsführung in Person von Claus Vogt arbeiten zu wollen. Nun gibt es seit kurzem einen vermeintlichen Ausgleich – hier mit Klick zum Kommentar beim SWR, der ihn erhofft. Warten wir ab, wie lange das gut geht.

    Faninitiativen wie „Es lebe de.r V.erein“ verfolgen in gewisser Weise einen utopischen Gedanken, weil sie von einem Anliegen getragen werden, das den Fußball der Gegenwart revolutionieren müsste. Chancengleichheit dürfte nicht mehr allein durch das individuelle Schicksal eines Vereins und seiner Gestaltungsmöglichkeiten hergestellt werden. Das ist die einzig wahrhaftige Lösung, die dem Anliegen der Fans gerecht wird. Denn die Wirklichkeit zu sehen heißt: die Anteile von Capelli sind auch ein Handelsgut. Das kam im oben angeführten Interview kurz zum Ausdruck. Stellen wir uns also einen Investor vor, der dieses Handelsgut für 25 Millionen Euro kaufen möchte. Viel zu viel Geld für diese Ware. Aber mancheiner hat Spielgeld und nutzt es als Risikokapital. Dann stellt sich auch für uns ganz persönlich die Frage, wann sind wir von wem käuflich? Nicht leicht zu beantworten, wenn der Blick von unten auf die Zweite Liga gerichtet ist.

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  2. Da der Zebrastreifenblog doch mehr Leser erreicht als drüben das „Fan-Gedächtnis“, stelle ich auch hier online, was Hans F. (*1939) mir für das „Fangedächtnis des MSV Duisburg“ über seine Erfahrungen mit Auswärtsfahrten in den 1950er Jahren erzählt hat .

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    Bahnhof Meiderich-Süd 2020


    Ich bin 54 hier runtergekommen, von Schleswig-Holstein, wo wir nach der Flucht erstmal gelebt haben. Und dann ging das los mit dem Fußball, erstmal in Meiderich, die Heimspiele, und dann bin ich einige Zeit auch immer mitgefahren. Nach Aachen nicht, das war zu weit. Aber so hier in der Nähe. Horst-Emscher, Bottrop, Schwarz-Weiß Essen, :kacke:. Und Oberhausen, da sind wir am Kanal lang gelaufen. Da lief ne ganze Meute. Das war immer gut besucht, damals zu der Zeit. Dann hatte ich noch so einen Kollegen, dessen Vater war auch so ein Fanatiker. Der fuhr oft mit dem Auto. Da bin ich auch oft mitgefahren. Der hatte ein bisschen Geld. Der ging im Stadion dann dahin, wo so feinere Leute waren. Ich will fast sagen, so mit Schlips und so.

    Mit dem Zug konnt’st du immer vom Meidericher Bahnhof losfahren. Das stand meistens in der Zeitung. Ich habe das aber von den Kollegen erfahren. Wenn du ein paar Pfennig übrig hattest, dann bist du mitgefahren. Die Fahrkarte, was die kostete, weiß ich nicht mehr, und der Eintritt kam noch hinzu. Das waren vielleicht zwei Mark zu der Zeit. Das wundert mich eigentlich, dass sie damals die Züge eingesetzt haben. Das ging ein paar Jahre so. Denn auf einmal war Schluss. Dann gab es das nicht mehr. Warum weiß ich nicht.

    Als wir nach Horst-Emscher gefahren sind, also, der Zug war voll. Ich schätze, an die tausend Leute waren das, die alleine dann nur mit dem Zug gefahren sind. So tausend, das kam seltener vor. Meist waren es so vier-, fünfhundert, die fuhren immer mit. Als wir damals in Horst-Emscher ankamen, dann musten wir durch die ganze Stadt laufen. Da sind wir über eine halbe Stunde gelaufen, damit wir ans Stadion kamen.

    In dem Zug waren überwiegend Männer und dann ja auch Kinder. Wir waren damals 15, 16. Aber sagen wir mal so, Frauen kaum. Du hast fast nur Jungen und Männer gesehen. Es gab auch schon so Grüppchen. So zwanzig, dreißig, die zusammenhielten, so Cliquen, die hatten Trikot an. So was alles, ’ne Fahne.

    Ich glaube, nachher wurden sogar die Fahnen verboten, wegen der Stangen, weil sie damit gekloppt haben. Ich haben einmal so eine Klopperei mitbekommen. Das war damals bei Hamborn 07, da hatte Wuppertal gespielt. Die Jugend vom MSV, die hatte da ein Vorspiel gehabt. Ich war ja mit dem Pitter Danzberg befreundet, und mit dem bin ich immer mitgefahren, mit der A-Jugend. Der hat immer gesagt, der gehört zu mir, und dann konnt’st du mitfahren. Das war immer gut.

    Die Klopperei war dann vorm Stadion. Das waren bestimmt 100, 150 Leute. Das war das alte Stadion noch. War das das mit der Rennbahn? Das mit der Schräge. Ich glaube, das war das mit der Rennbahn, Schwelgernstadion, oder? Ich weiß nicht mehr genau. Das Spiel war noch nicht zu Ende. Da war ein Foul, und auf einmal war die Klopperei da. Das Stadion war ja nicht so groß in Hamborn. Da gingst du fünf, sechs Stufen hoch. In Meiderich musstest du höher. Das war ja auch größer in Meiderich. Und dann war da so ein Vorplatz, da haben die sich gekloppt. Da gab es einen, der hatte so einen Motorradhelm. Früher war die ja noch so plump, da hat der mit dem Helm immer rumgeschlagen, und auf einmal war der Helm weg. Da war der am Heulen. Da kamen dem die Tränen. „Mein Helm. Der teure Helm.“ Da sagt einer: „Ja, warum haust du damit?“ Der hat da richtig mit draufgezimmert. Früher waren die ja richtig so mit Leder und auch was Stahl drinnen. Der hat da richtig mit gekloppt. Und dann auch mit Fahnen. Da ging es aber richtig zur Sache. Ich habe mich da so am Rand gehalten. Ich dachte, bloß nicht da so rein. Nein, das ging da zur Sache!

    Da waren oft so Kloppereien. Auch in Meiderich bei den Heimspielen. Gegen Essen damals, du musst mal denken, was da Zuschauer aus Essen kamen, oder was das für andere Vereine waren, wo die alle herkamen. Da kam es dann leicht zur Schlägerei. Da kloppten die sich oft. Die Fans, die standen dann da. Da wussteste, da gibt es gleich Klopperei. Die waren da drauf aus. Genau wie heute auch. Da hat sich nicht viel geändert. Damals waren sie nicht so brutal wie heute. Wenn einer auf der Erde gelegen hat, dann war gut. Aber heute treten sie ja noch drauf und alles. Klopperei ist nie ganz fair, aber so wie heute, das gab es früher nicht. Das war dann nicht im Stadion. Das ging schon auf den Straßen dann los.
    Auch im Zug gab es oft Krach. Selbst unter den Fans vom MSV. Vor allem auf der Rückreise immer. Wenn du dann noch verloren hattest. Oh je. Dann gingen oft entweder ein paar dazwischen oder die haben sich so beruhigt. Sicher, da war Zugpersonal, aber da fuhren nicht viele mit. Da war schon oft was los.

    Und wenn wir dann in Meiderich ankamen, dann ging es raus, durch den Tunnel und da verteilte es sich dann. Dann war finito. Manche gingen noch in die Kneipe. Da waren ja etliche Kneipen, da in der Gegend am Bahnhof. Da war auch noch das große Tanzlokal. Aber ich hatte ja kein Geld mit 15, 16. Aber die, die Geld hatten, die gingen noch.

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  3. Diese Woche entnehme ich denkwürdige Sätze von Pavel Dotchev nicht der Pressekonferenz des MSV vor dem Spiel gegen Viktoria Köln, sondern dem Gespräch unten, das er mit Magenta TV geführt hat. Auch wenn ich sehr mit einer Lebensweisheit aus der PK geliebäugelt habe. „Wir werden jetzt bestimmte Sachen nicht ändern können. Es kommt, so wie es kommen soll. Ich kann jetzt mir nicht Sorgen und Gedanken machen über Sachen, die nicht passiert sind.“

    Den behalte ich im Sinn, wenn ich nach Dotchevs langen Jahren beim MSV mal einen Portrait-Kalender mit ihm machen werde. Pro Monat ein Foto mit einem Sinnspruch. Ich sehe schon die Fotos: Pavel Dotchev kommt nachdenklich aus dem Kabinengang. Im Gegenlicht natürlich, so dass ein strahlender Lichtkranz ihn umgibt, und darunter steht ein ewig gültiger Satz aus einem öffentlichen Auftritt aus der Zeit beim MSV.

    Da uns momentan aber die sportliche Situation noch immer nicht ganz entspannt, nehme ich lieber jene Sätze, in denen es konkreter um sportliche Belange geht.


    Ich bin Trainer, der gerne auf Aufstieg spielt. […] Jetzt bin ich jetzt bei MSV auch gekommen, wo der Verein momentan auch unbedingt Punkte braucht. Aber ich weiß zum Beispiel, dass wir mit MSV das jetzt schaffen, diese Klassenerhalt, dass wir nächstes Jahr wieder sehr viel Freude mit Duisburg haben werden.

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  4. Anscheinend ist dem Kicker vertrauliches Material aus der DFB-Schiedsrichterkommission zu einer baldigen Regeländerung zugespielt worden. Das wurde gestern beim Spiel der Dritten Liga zwischen dem KFC Uerdingen und dem VfB Lübeck durch eine unbeabsichtigte Bemerkung im Live-Ticker in der 45. Minute enthüllt. Wahrscheinlich waren die Ticker-Schreiber mit den Gedanken schon in der Halbzeitpause.

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    Die FIFA hat den DFB mit der Testlaufphase für die Regeländerung beauftragt. Geplant sind Höchstlautstärken bei Fußballspielen. Noch ist nicht entschieden, ob unterschiedliche Spielsituationen auch unterschiedliche Höchstwerte erhalten. Heftig gestritten wird um die Frage, ob ein fünfter Offizieller sich um die Schallwertmessung kümmern soll oder ob auch die die Aufgabe des Vierten Offiziellen wird. Auf jeden Fall sitzt in Zukunft neben dem Videoschiedsrichter ein weiterer Schiri mit einem Phonometer im Kölner Keller.

    Wie der anonyme Informant außerdem berichtet, wird die Schiedsrichterkommission durch HNO-Ärzte, Physiker und Hörgeräteakkustiker unterstützt, um ein gerechtes Lautstärkenprofil für alle Spieler zu finden. Chancengleichheit für glaubwürdiges Aufschreien habe höchste Priorität. Corona ist auch hier wieder schuld. Zu viel ist in den leeren Stadien zu hören. Deshalb macht sich die FIFA zunehmend Sorgen um die Glaubwürdigkeit des Fußballs und seinen guten Ruf. Die Kritik der letzten Jahre habe die Funktionäre zum Nachdenken gebracht, sagt ein Insider, der ungenannt bleiben möchte. „Die wollen jetzt wirklich was tun“ fügte er hinzu. Laut Kicker-Chefredakteur hatte er bei diesem Satz Tränen in den Augen.

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  5. Keine Verspätung lässt mich heute erst zum „Dotchev der Woche“ kommen, auch wenn die schon zwei Tage zurückliegende Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Halle meine Quelle für das Dotchev-Zitat ist. Vielmehr folgte ich der Weisheit der Worte selbst. Sie geben Gelassenheit, wenn man die richtigen Schlüsse aus ihnen zieht. Ich nahm Abstand vom Aktualitätenwahn. Ich sah die Zeitlosigkeit als anzustrebendes Lebensgefühl und konnte mich dem Fluss des Alltags überlassen. Denn der richtige Moment für den „Dotchev der Woche“ käme, wenn ich mich nicht von der trotz Pandemie in einigen Teilen unserer Gegenwart bemerkbaren Hast und Unruhe anstecken lassen würde.

    Auf dem Spielfeld in Halle war letzteres Dienstagabend der Fall. Was Pavel Dotchev nicht unkommentiert ließ:


    Und je länger das Spiel dauerte, desto hektischer wurde natürlich auch das Spiel durch diese ganze Hektik.

    Pressekonferenz Halle, 16. März 2021, ab Minute 2.19​

    Ich bin alleine auf meinem Spielfeld vor der Tastatur. Deshalb fällt mir diese innere Ruhe leichter als einem Spieler vom MSV, der auf dem Rasen unter einer Menge Leute ist. Wir sind soziale Wesen und Gefühle sind ansteckend. Verursacht wird das durch unbewusste, reflexhafte Reaktionen unserer Körper. Wir können nur schwer etwas gegen diese Ansteckung machen, wenn wir uns in Situationen befinden, die vor allem intuitiv und ohne Rationalität bewältigt werden müssen. Ein Fußballspiel ist so eine Situation. Dann springt Angst leichter von einem zum anderen als in Situationen mit Zeit zum Überlegen. Dann verführt die für den Einsatzwillen vorhandene Aggressivität beim einen zum unpassendem Aggressivitätsschub beim anderen, so dass ein Pass dann doch stärker gespielt wird als beabsichtigt, usw usw.

    Bleibt mir fürs nächste Spiel auf ansteckende Ruhe zu hoffen, die mir momentan besonders bei Aziz Bouhaddouz vorhanden zu sein scheint. Damit sich diese Ruhe aus der vordersten Reihe über das ganze Spielfeld ausbreiten kann, muss sie möglichst lange wahrnehmbar bleiben. Denn Pavel Dotchev wird mir sicher zustimmen, wenn ich prophezeie, je länger ein Spiel dauert, desto ruhiger wird das Spiel durch diese ganze überzeugende Ruhe.

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  6. Trotz ganz unterschiedlicher Lebensbedingungen ist der Blick der Menschen auf die Wirklichkeit oft ganz ähnlich. Wir neigen nun mal dazu, das Leben selbst als grundsätzliches Problem anzusehen. Da kann dem einen schon mal der 2:0-Vorsprung fast so vorkommen wie ein 0:2-Rückstand. Weil auf der Pressekonferenz nach dem Spiel des MSV gegen Türkgücü München erinnert wurde, dürfen wir mit dem Trainer von Türkgücü München Serdar Dayat einen Gast beim „Dotchev der Woche“ begrüßen.

    Um die Lage für seine Mannschaft nach der ersten Halbzeit zu beschreiben, griff er auf eine weit bekannte Fußballweisheit zurück und passte sie an die Wirklichkeit des Tages an.


    2:0 ist immer gefährlich, auch für die zweite Halbzeit.

    Serdar Dayat, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021​

    Pavel Dotchev offenbarte wenig später, dass er nach dem 2:0 gedacht habe, es werde „verdammt schwer“ für den MSV. So sahen die Trainer scheinbar gleiche Ausgangsbedingungen für die zweite Halbzeit des Spiels. Ob Gefahr oder große Bürde, beides macht das Leben nicht gerade einfach.

    Doch wie im richtigen Leben offenbart der Blick des Benachteiligten die wahren Machtverhältnisse. Pavel Dotchev sprach aus, wie er die soziale Lage des Spiels sah:


    Solche Bedingungen für die, ist ja sogar Riesenvorteil.

    Pavel Dotchev, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021​

    Es blieb Niko Schmitz, einem Journalisten des Münchner Merkur, vorbehalten, Serdar Dayat mit der Sozialkritik an diesem Spiel zu konfrontieren. Er versuchte die Wirklichkeit zu benennen hinter Serdars Nebelkerze der vermeintlich ähnlichen Ausgangslage beider Mannschaften ab Minute 45 und verband sie zudem mit der Machtfrage. Er wollte wissen, wie sich Serdar Dayat erklärte, „dass das Spiel wieder in der zweiten Halbzeit aus der Hand gegeben wurde?“ Serdar Dayats Antwort besitzt ebenfalls eine lange Tradition im richtigen Leben. Einst war Erfolg das Zeichen für Gottes Wille. Heute bemühen wir Magisches Denken und das Schicksal.


    Erste Halbzeit wollte der Ball uns, war auf unserer Seite, zweite Halbzeit war er auf deren Seite. Deswegen haben wir 3:2 verloren.

    Serdar Dayat, Pressekonferenz nach dem 3:2-Sieg des MSV gegen Türkgücü München, 20. März 2021​

    Bleiben wir also bei seiner Weltdeutung und freuen uns, dass die Zebras so attraktiv wurden für den Ball. Lassen wir ihm zudem den Glauben an die Treue des Balls in Halbzeit eins und verraten ihm nicht, dass der schon in der ersten Halbzeit immer mal wieder mit den Zebras geliebäugelt hat.

    Lasst uns Spaß haben am Sieg und Spielereien mit Pressekonferenzen. Denn irgendwie muss ich mir immer wieder die Anflüge von Melancholie vertreiben, die mich beim Denken an das Siegestor in der 88. Minute anwehen. Ich bekomme einfach die Leere des Stadions nicht aus dem Kopf und die Erinnerung an diese explosiven Aufschreie von Tausenden, wenn der MSV so kurz vor Ende ein Spiel gedreht hatte. Mit dem Spaß füttere ich meine Hoffnung auf andere Zeiten.

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  7. Melancholische Lobeshymne auf gedrehte Spiele

    Gedrehte Spiele sind die besten.
    Ein Stehplatzspruch vom Stehplatzfreund.
    So oft gehört in all den Jahren,
    manchmal gefolgt von der Enttäuschung.
    Doch wahr bleibt wahr. Das 6 zu 3.
    Die Bayern, siebensiebzig,
    den Rückstand gab es gleich zweimal.
    Als Ennatz Tor um Tor erzielte
    und Rummenigge kalt düppierte.​

    Gedrehte Spiele sind die besten.
    Burghausen, Mai, Zweitausendfünf.
    Der Druck zu groß? Zwei Tore hinten.
    Der Aufstieg schien schon abgehakt.
    Doch als Ahanfouf anfing vorn
    zu wirbeln, machten alle mit.
    Zwei Tore von ihm, eins mit Macht
    erzwungen. Ausgleich. Siegtor Kurth.
    Das 4 zu 3 zerstört die Zweifel.​

    Gedrehte Spiele sind die besten.
    Sie lassen uns den Tod erleben,
    gefolgt von Wiederauferstehung
    und sehr paradiesischen Gefühlen.
    Wir brauchen nicht ein Leben lang
    nur glauben und zu hoffen, bis erst
    gestorben die Erfahrung folgt.
    Vielleicht, eventuell. Man weiß es nicht.
    Und wer es weiß, ist richtig tot.​

    Da lobe ich uns gedrehte Spiele.
    Dabei lebt man doch deutlich länger.
    Auch zwanzigeinundzwanzig noch.
    Das 3:2, Türkgüncü München,
    im März. So wichtig für das Ziel,
    die Abstiegszone zu verlassen.
    Zwei Tore waren aufzuholen.
    Das Siegtor fällt dann kurz vor Schluss
    nach erstem Ballkontakt Ademis.

    Die Stille aber auf den Rängen
    statt Feier der Unsterblichkeit.
    Corona offenbart uns Leere.
    Vereinzelt jubeln führt nicht weit.
    Erinnert das sogleich ans Hoffen
    auf weltliche Unsterblichkeit,
    wenn eine Menge Körper wird.
    Gedrehte Spiele sind die besten.
    Zu weiterem erst bei Gelegenheit.








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  8. Über die Jahre in der Kulturbranche hörte ich immer mal wieder von Buchkritiken, bei denen sich herausstellte, das höchste Lob oder das vernichtende Urteil geschah ohne wirkliche Lektüre des kritisierten Buchs. Konkreter wurde das nicht. Ich bin mir deshalb nicht sicher, ob das nicht ein moderner Mythos ist, der aus Begegnungen von Autorinnen und Autoren mit uninformierten TV-Moderatoren entstand.

    Andererseits empfehle ich heute auch ein Buch nachdrücklich, ohne es gelesen zu haben. Ich werde es aber noch lesen. Nun liegt meiner Empfehlung keine hellseherische Gabe zugrunde, sondern ein über dreistündiges Gespräch im Podcast Nachspielzeit, der von den Machern des Blogs Brustring 1893 verantwortet wird. Vornehmlich geht es dort um den VfB Stuttgart, oft aber auch um allgemeine Themen des Fußballs.

    Ron und Daniel sprachen im April letzten Jahres mit Ronny Blaschke, der sich seit Jahren mit ganz unterschiedlichen Fußballthemen beschäftigt. Immer geht es ihm dabei darum, den Fußball in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen genauer zu fassen. Schon vor langer Zeit habe ich mit „Angriff von Rechtsaußen“ hier ein Buch von ihm besprochen.

    Im Gespräch unterhalten sich die drei über Ronny Blaschkes jüngstes Buch „Machtspieler“. In dem Buch beleuchtet er, wie in unterschiedlichen Regionen dieser Welt nationale und regionale Konflikte sich auch über den Fußball organisieren, zum Teil verstärken oder wie der Fußball Chancen bietet, sie aufzulösen. Beispielhaft wird das an Jugoslawien und den Nachfolgestaaten, Israel und Palästina sowie Ruanda erkennbar. Man erfährt in dem Gespräch überaus viel über die jeweiligen Länder und welche Rolle der Fußball bei den dortigen Konflikten spielte. Gleichermaßen erhält man einen Eindruck von Ronny Blaschkes Arbeitsweise in den jeweiligen Gebieten.

    Das Gespräch ist überaus hörenswert, dank der Vorbereitung der Podcaster und des offenen Erzählens von Ronny Blaschke. Es wirkt informativ in alle möglichen Richtungen. Journalistisches Handwerk, Haltung und Ethos werden zum Thema, Kultur und Politik der jeweiligen Regionen und eben der Fußball in seiner gegenwärtigen Entwicklung sowie seiner Bedeutung in den jeweiligen Regionen. Nutzt die Gelegenheit zum Weiterklicken.

    Ich zögere keinen Moment, nach diesem Gespräch „Machtspieler“ auch zur Lektüre zu empfehlen, selbst wenn ich es erst demnächst lesen werde. Auf der Webseite vom Verlag Die Werkstatt finden sich begeistert klingende Zitate aus Rezensionen quer durch die Print-Welt. Nach dem Podcast sind solche lobende Worte nicht überraschend für mich.

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    Ronny Blaschke
    Machtspieler – Fußball in Propaganda, Krieg und Revolution

    Verlag Die Werkstatt

    Paperback € 19,90 oder als Ebook €14,90

    ISBN: 9 783 73070495 0

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  9. Der DFB und Joachim Löw haben im Vorfeld des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordmazedonien nichts unversucht gelassen, die Fähigkeiten der Nationalspieler zu verbessern und sie für jede mögliche Spielsituation vorzubereiten. Lange wurde nach einem Berater gesucht, der nicht nur ein Gefühl für die Stadiondimensionen in Duisburg hat, sondern auch spezielles Expertenwissen vom Fußball in diesem Stadion.

    Dass kurzfristig der Ex-Spieler des MSV Duisburg Abdelaziz Ahanfouf für zwei Tage zur Mannschaft stieß, war eigentlich ein Glücksgriff. Denn noch immer weiß er, wie man glaubwürdig im Strafraum fällt und welcher flüchtige Körperkontakt dazu Möglichkeiten eröffnet. Wie sich gestern beim Elfmeterpfiff vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich zeigte, hatte Leroy Sané bei der Sondereinheit des Trainings Dribbling in einen Strafraum des Duisburger Stadions besonders aufmerksam zugehört.

    Anscheinend hat Uli Hoeneß die Verantwortlichen auf Ahanfouf aufmerksam gemacht. Als er von der Suche beim DFB hörte, erinnerte er sich an das Bundesligaspiel der Bayern während der Saison 2005/2006 in Duisburg. Seinerzeit war ihm Ahanfouf aufgefallen, als der den MSV durch einen Elfmeter in der 40. Minute in Führung brachte. Ahanfouf selbst hatte den Elfmeter herausgeholt. Auch wenn dieses Foul zweifellos war, deutete der Sturz die besondere Qualität Ahanfoufs an. Der MSV verlor das Spiel dennoch 1:3. Welch bittere Parallele zum Spiel der deutschen Nationalmannschaft.

    Die Bewegtbilder im Netz von diesem Elfmeter sind nicht die besten:


    Mehr noch als im Spiel gegen die Bayern lässt sich Ahanfoufs Können in Sachen „elfmeterreif gefoult werden“ im folgenden Clip ab Minute 2.10 sehen. Der MSV spielte während der Saison 2003/2004 am letzten Spieltag in Bielefeld. Erst hier zeigt sich die große Klasse des Stürmers deutlich, als er in den Strafraum zieht und der Bielefelder Verteidiger ihm in die Falle geht. Auch in diesem Spiel bringt der Elfmeter die 1:0-Führung. Das Endergebnis war ein 3:1 für den MSV, das für beide Vereine keine Bedeutung mehr hatte. Bielefeld war aufgestiegen, der MSV befand sich im gesicherten Mittelfeld. Schöner Nebeneffekt bei diesem Clip ist die Möglichkeit, sich ein umfassendes Bild von der spielerischen Klassse Ahanfoufs zu machen. Seine sehr unterschiedlich erzielten Tore bezeugen das.

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  10. In der Saison 1967/68 spielte Erwin Kostedde beim MSV Duisburg. Er war aus der Regionalliga von Preußen Münster gekommen und hatte dort als Mittelstürmer überzeugt. In Münster war der 1946 geborene Sohn einer Deutschen und eines afroamerikanischen US-Soldaten auch aufgewachsen. In seinem ersten Jahr in der Bundesliga konnte er beim MSV seine Leistungen in Münster nicht bestätigen. In 19 Spielen erzielte er fünf Tore.

    Erst nach seinem Wechsel zu Standard Lüttich nahm die Karriere wirklich Fahrt auf. Er wurde einer der erfolgreichsten deutschen Mittelstürmer seiner Zeit. Allerdings entwickelte sich seine Karriere nahezu zeitgleich mit der von Gerd Müller, der noch ein wenig erfolgreicher war. Nach dem Rücktritt von Gerd Müller aus der Nationalmannschaft wurde er 1974 der erste farbige deutsche Nationalspieler. Da spielte er bei Kickers Offenbach. Seinerzeit war er auch mir als jungem MSV-Fan ein Begriff für Torgefahr, ohne dass ich ihn mit meinem Verein verbunden hätte. Niemand in meinem Umfeld erzählte über seine MSV-Zeit. Davon erfuhr ich erst sehr viel später, als ich mich mehr für die Geschichte des deutschen Fußballs interessierte.

    Anlass für die kurze Erinnerung ist ein eindrucksvolles Gespräch im ZEIT-Magazin, das Stephan Lebert und Stefan Willecke mit Erwin Kostedde und Gerald Asamoah geführt haben. Im Kern geht es um den erlebten Rassismus von beiden im Fußball und Alltag. Zu lesen ist das Interview nur für Abonennten. Man kann sich das Gespräch aber anhören. Unterhalb des Vorspanns auf der Seite gibt es ein leicht übersehbares Icon „Anhören“. Computergeneriert strengt das Hören auf Dauer zwar etwas an, doch ist das ein nicht gering zu schätzender Service.

    Für Kostedde bedeutete Rassismus auch 1990 eines Raubüberfalls verdächtigt zu werden. Ein „:kacke:-Fan“, so betont Erwin Kostedde, war Zeuge des Überfalls und meinte, ihn als Täter identitifizieren zu können. Dabei war anscheinend das einzige, was der Zeuge wirklich erkannt hatte, dass der Täter farbig gewesen war. Bei der Gegenüberstellung wurde ihm nur Erwin Kostedde gezeigt. Da war der Zeuge sich dann erst einmal sicher. Ein halbes Jahr U-Haft führte zum psychischen Zusammenbruch von Erwin Kostedde.

    Erwin Kostedde und Gerald Asamoah gehören zwei unterschiedlichen Fußballergenerationen an. Im Gespräch wird klar erkennbar, wie sich daraus auch ein verschiedene Möglichkeiten ergeben, Erfahrungen des Rassismus zu bewältigen. In einem für die Gesellschaft insgesamt bedeutsamer gewordenen Fußball hat Gerald Asamoah mehr Unterstützung erhalten als Erwin Kostedde.

    Zurück zum Fußballer Erwin Kostedde. Im folgenden Clip ist das Spiel von Kickers Offenbach gegen Bayern München am ersten Spieltag der Bundesligasaison 1974/75 zu sehen. Erwin Kostedde erzielt zwei Tore und ist mit Siggi Held laut Kommentator der „Starspieler“ der Offenbacher. Ein schönes Zeitdokument nicht nur wegen der wehenden Haare bei fast allen Spielern. Klaus Wunder machte zudem sein erstes Spiel für Bayern München. Er war gerade vom MSV zu den Bayern für eine Rekordablösesumme gewechselt. Der Kommentator merkte allerdings an, er habe mehr verteidigen müssen als stürmen zu können. Wobei das Verteidigen damals eine sehr gemächliche Betätigung war.

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  11. An diesem Sonntag wurde das Osterfest gefeiert. Wofür der Fußballgott nicht zuständig war. Das gehörte zum Arbeitsbereich seines Kollegen vom christlichen Glauben. Der Fußballgott hatte sich von Anfang an ganz dem Ballspiel gewidmet. Da ließ er sich nicht reinreden. Am Sonntag hatte er also meist kaum Zeit. Dann hatte er nach den Spielen am Vortag zu tun. Meist arbeitete er schnell und konzentriert seine Listen ab. Es waren Folgearbeiten für ihn. Eine Erscheinung hier, ein Zeichen dort. Gehandelt werden musste schließlich nur in den Spielen.

    Am liebsten erledigte er alles möglichst sofort, weil er nur zu genau wusste, wie verführerisch Fußballspiele und die Fußballer für seine Kollegen oft waren. Wie gerne griffen sie dort ein, wenn er mal kurz nur unaufmerksam war. Wie oft schon hatten sie hinter seinem Rücken mit einem Spieler Tacheles geredet, wenn er nach einem anstrengenden Spieltag erst einmal entspannen wollte.

    Gerade der Kollege vom christlichen Glauben mit seinem Stolz auf den Bohei der Menschen in seinem Namen um die Schuld, mochte den Fußball sehr. Der Fußballgott wusste auch, wer von seinen Kollegen sich grundsätzlich allmächtig vorkam. Gerne wurde das zusammen mit dem Alleinvertretungsanspruch zur Sprache gebracht. Auf so eine Idee waren natürlich zuerst die Menschen gekommen, aber wer gar nicht mehr weiter weiß, greift noch auf den abwägigsten Gedanken zurück. Für Menschen in ihrer Beschränktheit war der ja vielleicht ganz praktisch gewesen, um ihr Leben zu bewältigen oder ihre Interessen durchzusetzen. Aber für Götter? Da musste er doch immer wieder lachen.

    Er hatte also heute zu tun. Das war klar. Es ging um keine große Sache. Im menschlichen Maßstab ging es sogar nur um die Dritte Liga. In Deutschland. Aber ihm ging es immer um das Spiel selbst. Um die Werte, die ein Fußballspiel vermitteln konnte. So schaute er deshalb auf diese Geplänkel der großen Vereine nur noch flüchtig. Da konnte er noch so oft eingreifen, dort ging es nicht um Details. Dort ging es um Grundsätzliches. Für diese Arbeit bräuchte er vielleicht Unterstützung. Neulich hatte er zufällig einen germanischen Kollegen getroffen. Thor, Donnergott, der hatte ihn auf eine Idee gebracht. Aber das musste noch warten.

    Heute richtete er seinen Blick auf Westfalen. Dort lebte die Familie Yildirim. Aygün Yildirim hatte mit seiner Mannschaft, dem SC Verl am Vortag gegen den MSV Duisburg 2:1 verloren. Der Sieg der Duisburger war nicht unverdient, wenn auch etwas überraschend. Der Fußballgott hatte unauffällig gewirkt. Er hatte auf die eindrucksvolle Leistung der Duisburg kein dunkles Licht werfen wollen. Auf keinen Fall wollte er, dass jemand nach dem Spiel von großem Glück sprach.

    Dieser MSV brauchte ihn momentan eigentlich nicht. Im Grunde hatten die Spieler das selbst erledigt mit dem Siegen, welch schöne Tore hatte Moritz Stoppelkamp geschossen. Aber der Fußballgott wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Zu sehr hatte er sich über den Verler Spieler Aygün Yildirim geärgert. Zweimal hatte der sich ohne Berührung des Gegners fallen gelassen. Die Absicht einen Elfmeter herauszuholen war so offensichtlich, selbst wenn er sich einmal beim Fallensassen verschätzte und er sich nur am Strafraumrand befand. Über eine gelbe Karte hätte er sich nicht beschweren dürfen. Wenigstens ist der Schiedsrichter auf diese Versuche zu betrügen nicht hereingefallen. Sonst hätte er um der Gerechtigkeit willen für den MSV womöglich tatsächlich eingreifen müssen.

    Nun also kam der Fußballgott in Westfalen nieder, fand Aygün Yildirim auf seinem Sofa vor und sprach zu ihm: „Aygün Yildirim, hörst du mich, mein Sohn? Wo bist du mit deinen Gedanken? Denkst du an deine Leistung im Spiel deiner Mannschaft gegen den MSV Duisburg? Denkst du an eure Niederlage? Deine Mannschaft hat zurecht 2:1 verloren. Du meinst zu wissen, warum. Aber zwei Tore hat der MSV Duisburg erzielt. Zwei! Tore! Weißt du, Aygün Yildirim, warum zwei Tore? Wie oft, Aygün, hast du dich dort fallengelassen, wo du geglaubt hast, der Schiedsrichter könnte Elfmeter pfeifen. Wie oft, Aygün Yildirim? Wenn du es nicht mehr weißt, ich erinnere mich genau. Zweimal, Aygün Yildirim. Zweimal bist du gefallen. Zweimal zu Unrecht. Vergiss, was dein Trainer über das Spiel gesagt hat. Erst jetzt weißt du, warum deine Mannschaft durch zwei Gegentore verloren hat.“

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  12. Starkem Gegenwind setze ich mich ja nicht mehr aus, wenn ich über Ewald Lienen mal wieder ins Schwärmen gerate. Welch ungebrochener Idealismus muss ihn bei seiner Arbeit im Fußball weiter antreiben. So engagiert wirkt er in der letzten Folge des von ihm zusammen mit Michael Born aufgenommenen Podcast Der Sechszehnerhier zur Facebook-Seite, als er darauf zu sprechen kommt, wofür die deutsche Nationalmannschaft und Joachim Löw stehen.

    Da arbeitet er seit den 1970er Jahren in diesem Fußballgeschäft und nichts von dem, was er bis jetzt erlebt hat, konnte ihm die Bereitschaft nehmen, erst einmal an die guten Absichten von Menschen und an deren lautere Motiven zu glauben. Ich hätte ihm laut zujubeln können, als er über die T-Shirt-Aktion der deutschen Nationalspieler vor dem Länderspiel gegen Island sprach. Die Spieler waren ja mit T-Shirts aufgelaufen, auf denen nacheinander der Schriftzug „Human rights“ zu lesen war.

    Dass er in all seinen beruflichen Rollen im Fußball immer auch über das große Ganze, die Gesellschaft, nachdachte, sollte jedem bekannt sein. Deshalb durfte seine Zustimmung erwartet werden, wenn sich Fußballer für Menschenrechte einsetzen. Mir geht es aber nicht um Beifall für eine Botschaft, sondern um Ewald Lienens deutlich spürbaren Glauben, dass diese Fußballer ihre Botschaft auch ernst meinten.

    Er wusste nichts vom Making-of-Video des DFB und dem Marketing-Geschmäckle, den das Ganze dadurch angenommen hatte. Naiv sind seine anerkennenden Worte aber nicht. Sie zeigen nur, Ewald Lienen sucht innerhalb des Fußballbetriebs nach den Momenten, die eine gute Entwicklung voran treiben können. Dass er diese T-Shirts nicht überbewertet, versteht sich von selbst, und ohne die Abfederung durch Realismus hätte er nicht so lange in dieser Branche arbeiten können.

    Ab Minute 22.35 spricht er zunächst grundsätzlich zu Bewertungen der deutschen Nationalmannschaft. Ab Minute 26.55 geht es konkret um deren und Joachim Löws Ausstrahlung. Für Ewald Lienen ist dabei eines klar, im Fußball geht es nicht nur ums Gewinnen. Es gehe auch um Werte und Prinzipien, für die eine Mannschaft steht.

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  13. Den Hiphop als reiche Quelle des Ruhrstadtlieds habe ich hier schon oft gerühmt. Nun ist die erste Hiphop-Generation dieser Stadtlandschaft im gesetzten Erwachsenenalter angekommen, einige von ihnen berühren mit dem Ensemblestück „Der Ruhrpott ist unendlich“ das Lebensgefühl einer Generation, die um die Jahrtausendwende jung gewesen ist.

    Innerhalb weniger Tage wird der Clip zum Stück bald 100.000 mal gesehen sein. „Der Ruhrpott ist unendlich“ weckt Erinnerungen und tritt den Beweis an, wie eine einstige Jugendkultur altern kann. Gerappt wird von unterschiedlichen Lebenswegen. Der Blick geht zurück in die Anfänge des eigenen Hiphops. Manchmal wird Resumée gezogen und immer wieder geschaut, wie es weitergehen kann.

    Das alles geschieht nicht in einer abstrakten Kulturwelt. Die Lebenswirklichkeit der Rapper im Ruhrgebiet ist immer auch Thema, weil sie Teil der Biographien aller Künstler ist. Das wirkt als Lyrik des Realismus und wird von den langjährigen Fans gefeiert.

    Die Bilder des Clips machen die Städtelandschaft sichtbar. „Der Ruhrpott ist unendlich“ ist ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das die Lebenswirklichkeit in dieser Stadtlandschaft spürbar macht.

    Leider fehlt mir die Zeit, um die einzelnen Künstler mit besonderen Worten vorzustellen und zu würdigen. Auf der Seite Ruhrpotthiphop.com lässt sich ein Überblick zur Hiphopszene der Ruhrstadt gewinnen.

    Donato aus Dortmund, 2Seiten,


    Und als Zugabe der Blick in die Vergangenheit. Wenn ich das richtig verstehe, ist der Titel oben ein Zitat aus dem folgenden Stück von ABS feat. Creutzfeld & Jakob. Falls ich mich irre oder ihr weitere Anmerkungen habt, in die Kommentare und Feuer frei.


    Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

    Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

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  14. Während der MSV Duisburg gegen den SV Waldhof Mannheim Fußball spielen wird, versucht sich Pavel Dotchev gegen den Trainer Waldhofs Patrick Glöckner in einer fußballgemäßen Abwandlung des Quartettspiels, dem Terzett. Zweimal standen die Trainer in dieser Saison am Spielfeldrand bereits nebeneinander. Pavel Dotchev hat dabei Niederlage und Unentschieden gesammelt. Nun braucht er noch den Sieg, dann ist das Terzett vollständig.

    Um diesen persönlichen Erfolg im Terzettspiel erreichen zu können, war Pavel Dotchev diese Woche kommunikativ besonders gefordert. In der Pressekonferenz konnten wir ihn als Großmeister wertschätzender Pädagogik erleben. Er weiß, wie wichtig es ist, das Gefühl, erfolgreich zu sein, nicht zu beschädigen. Das ist schwierig, wenn der Erfolg nicht als sicher wiederholbar erkennbar ist. Also braucht es Hinweise der Korrektur, die aber nicht als mangelnde Anerkennung bremsend auf das Selbstbewusstsein wirken dürfen.

    Ich habe keinen Zweifel, dass Pavel Dotchev solche Spagatübungen der Kommunikation bestens gelingen. Er ist sich des dazu notwendigen pädagogischen Handwerks sehr bewusst. Deshalb kann er allgemein gültige Lebensregeln so aussprechen, dass sie nicht inhaltsleer wie ein Kalenderspruch wirken, obwohl sie jeden solcher Weisheits-Kalender schmücken würden.

    Nimmt man den Gesamtzusammenhang für den Dotchev dieser Woche, stehen wir auf dem festen Fundament einer humanistischen Pädagogik, die die Gegenwart gleichmaßen schätzt wie das Wachstum von Menschen, dem manchmal leichte Lenkung gut tut.


    Wir sind gut, aber um gut zu bleiben, müssen wir uns verbessern.

    Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den SV Waldhof Mannheim, 8. April 2021​

    Kennt Patrick Glöckner eigentlich die Terzett-Regeln noch? Ihm ist hoffentlich klar, dass nur ein vollständiges Terzett gewinnt. Weiß er, dass ihm nur noch die Niederlage für sein Terzett fehlt. Welch seltenes Ereignis bahnt sich da an. Ein Spiel, bei dem jeder gewinnen kann, sogar wenn Waldhof verliert. Sicherheitshalber sollte das Patrick Glöckner wahrscheinlich gesagt werden, damit er seine Mannschaft entsprechend einstellen kann.

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  15. Vom Duisburger Jungenbüro aus werden außerschulische (sozial)pädagogische Projekte für Jungen angeboten. Träger dieses Büros ist der Jungs e.V., ein Verein, über den ich anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens vor fast drei Jahren schon einmal hier geschrieben habe. Außerdem kümmert sich der Verein um das mit mehreren Preisen ausgezeichnete Projekt Heroes, von dem ebenfalls in diesen Räumen schon mehrmals die Rede war. Bei den Heroes machen sich per Schneeballprinzip Jugendliche und junge Männer aus sogenannten „Ehrkulturen“ mit aufklärerischem Denken vertraut. Die Religion ist dabei nur Teil all dessen, was im Alltag der Teilnehmer wirksam wird.

    Viele dieser Projekte finden im Jugendzentrum Zitrone in Obermarxloh statt. In dem Fall spreche ich auch fürs eigene Haus. Dort habe auch ich schon viele Kulturprojekte mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Daraus ergab sich mein Engagement für den Förderverein des Jugendzentrums Lemonhaus e.V. Solche Jugendzentren sind für viele, oft sozial benachteiligte Kinder oft der einzige Ort, wo ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Nicht jedem wird bewusst sein, dass die Stadt Duisburg mehr als andere Großstädte Deutschlands solche außerschulische pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen für besonders notwendig erachtet. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten der Stadt wird versucht, möglichst viele Jugendzentren offen zu halten. Eine Haltung, auf die man in Duisburg stolz sein kann.

    Genug der Vorrede. In der Zitrone habe ich auch den Leiter vom Duisburger Jungenbüro Sven Leimkühler kennengelernt. Er rief mich neulich an, erzählte von einem Podcast des Jungenbüros und fragte, ob ich für ein Gespräch über Fußball Zeit und Lust hätte. Da brauchte ich nicht lange zu überlegen. In dem Podcast-Gespräch ging es vor allem darum, was mir der MSV und der Stadionbesuch bedeutet. Es ging weniger um den Fußball des MSV als solchen, sondern um die Rolle des Fußballs in meinem Leben. Natürlich sind wir dabei auch manchmal vom Hölzken aufs Stöcksken gekommen, wie ein Gespräch eben so ist.

    Warum der bei mir im Entwurf sichtbare, eingebundene Podcast-Player nach der Veröffentlichung unsichtbar bleibt, ist mir ein Rätsel. Hier also der Link zum Podcast, falls der Player auch bei euch unsichtbar ist. Ansonsten auch bei Spotify abrufbar.

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  16. Vielleicht werden irgendwann Psychologen oder Sozialpsychologen Pressekonferenzen mit Pavel Dotchev als Anschauungsmaterial entdecken, um anhand der Worte von Pavel Dotchev zu illustrieren, wieviel Einflüsse es auf das von Gruppen gibt und wie komplex es bestimmt wird.

    Das Spiel gegen Dresden zeigt eine weitere Facette von Pavel Dotchevs Arbeit, weil er nach seiner vierten gelben Karte in Dresden weder am Spielfeldrand sitzen noch 30 Minuten vor und nach dem Spiel Zeit mit der Mannschaft verbringen darf. Hört man diesem Mann in den ersten Minuten der PK zu, beeindruckt es einmal mehr, wie er den ersten Fragen ihren Beiklang der schwierig zu bewältigenden Besonderheit der Situation nimmt.

    Wenn man hört, wie er die Bedeutung seiner Abwesenheit in ein grundsätzliches Vertrauen in Co-Trainer und Mannschaft verwandelt, ohne die zusätzliche Schwierigkeit kleinzureden oder sie zu dramatisieren, bleibt einem nur festzustellen: Dieser Mann ist ein begnadeter Erwachsenenpädagoge. Er hat ein Gespür dafür, wann er dem Gegenüber Raum lassen muss für die eigene Persönlichkeit. Gleichzeitig besitzt er eine klare Vorstellung davon, wie ein Handeln wirken muss, wenn der einzelne Verantwortung wahrnimmt.

    Schon bald nach den ersten Pressekonferenz ging mir durch den Kopf, dass genau diese Transparenz seines Denkens und Handelns ihm in Phasen des sportlichen Misserfolgs zum Nachteil werden kann. Sie ist so ungewöhnlich, dass alleine diese Besonderheit ihn im konservativen Fußballgeschäft angreifbar macht. Völlig unabhängig davon, wie seine Arbeit mit Spielern zu bewerten ist. Sollte es je so sein – was natürlich nur ein Gedankenspiel ist -, so wünsche ich mir gerade so sehr denselben Rückhalt vom Verein wie ihn die ganze Zeit Ivo Grlic erlebt. Es wäre schön, wenn dann nicht von irgendwelchen Gesetzen des Fußballs gesprochen würde. Die gibt es nämlich nicht. Es gibt nur ein komplexes Geschehen, in dem Stimmungen rund um den Verein nur eine Einflussgröße sind.

    Sehr viel besser gefällt mir allerdings der Gedanke, dass der MSV Duisburg in Zukunft vom folgenden ganz anderen Leitspruch Pavel Dotchevs bestimmt wird, der einen „Dotchev der Woche“ wert ist.


    Man macht die meisten Fehler, wenn man erfolgreich ist.

    Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die SG Dynamo Dresden, 15. April 2021​

    Da Pavel Dotchev eine der größten Gefahren des Erfolgs kennt, ist der MSV Duisburg in Dresden und in weiterer Zukunft gewappnet. Bemerkenswert war zudem sein klares Wissen um die oft vernachlässigte Wahrheit, dass vorher niemand weiß, wie ein Mensch auf eine ihm zuvor unbekannte Situation reagiert. Die Mannschaft Dresdens ist in eine ihr bis jetzt unbekannte Situation geraten. Dreimal erfolglos nacheinander mit der Zuspitzung gegen den Tabellenletzten verloren zu haben, macht diese Mannschaft entweder besonders gefährlich oder besonders angreifbar.

    Niemand weiß das, und deshalb lassen sich die Chancen des MSV weniger genau bestimmen als noch vor drei Wochen. selbst wenn der Dresdner Journalist Pavel Dotche in der PK auf eine selbstbewusstere Aussage festnageln will. Was wir aber wissen: das Handeln des MSV ist ein externer Einfluss auf das Handeln der Gruppe Dynamo Dresden. Schauen wir welche Entwicklung dieses komplexe System Fußballspiel nehmen wird. Auf die gute Vorbereitung des MSV durch Pavel Dotchev dürfen wir auf jeden Fall zählen.

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