Zebraherde e.V
Regionalliga
Duisburg International – Die große Geste von Simba
Wenn der Rekordmeister zum Training einlädt
Die Entwicklung der TanZebras schreitet immer weiter voran. Vor mittlerweile 5 Jahren wurde in der Fanszene des MSV gesammelt mit dem Ziel, dass auf jedem Kontinent eine Straßenfußballmannschaft mit einem Trikotsatz ausgestattet werden sollte. Überbringer der Trikots war das Brüsseler Exil-Zebra Jörg, der auf Weltreise war. Unter diesen Mannschaften war eine Straßenfußballmannschaft in Tansania und aus dieser Bande ist Stück für Stück ein Verein gewachsen.
TanZebras FC - eine Fanmannschaft der MSV Fans
Mit viel Unterstützung aus der Fanszene und dem Zebraherde e.V. existieren inzwischen eine „Junior- und eine Seniormannschaft“ und da auch die ersten Mädchen mitspielen, wird nun auch eine Frauenmannschaft aufgebaut. Der TanZebras FC ist mittlerweile zu einem echten Verein herangewachsen und spielt in den regionalen Ligen. Es gibt einen festen Trainer, die ersten Auswärtsspiele wurden erfolgreich bestritten und der Bekanntheitsgrad steigt rasant. Zum 5. Geburtstag vor wenigen Wochen gab es von der Zebraherde das erste Vereinswappen für die TanZebras aus der Feder von Julian Funk. Der Designer der MSV-Trikots der kommenden Saison hat einen schlichten, nicht überladenen und zu 100% die Attribute und Wünsche der TanZebras widerspiegelnden Entwurf abgeliefert - eine tolle Arbeit! Aber ein bisschen MSV steckt überall drin, so auch hier. Na, wer findet es?
Das neue Logo der Tan Zebras - © Zebraherde
Die positive Entwicklung der TanZebras ist auch vor Ort nicht unbemerkt geblieben. Vor Kurzem erfolgte eine Einladung der Deutschen Botschaft, der die Kids nur allzu gerne nachkamen. Über zwei Stunden konnten die TanZebras in das Leben der Botschaft eintauchen, gefühlt hunderte Fragen stellen und zuletzt auch noch die Botschafterin Regine Hess persönlich kennenlernen. Sie hat sich extra viel Zeit für die Kinder und Jugendlichen genommen. Für sie war es immerhin auch eine Premiere. Die TanZebras waren ihr erster offizieller Termin als Repräsentantin, nachdem sie als Botschafterin ernannt wurde. Mit viel Herz und Leidenschaft hat sie den TanZebras einen tollen Tag beschert. Vielen Dank an Edward und Melania für die Organisation.
Europa ist das Ziel, doch die Antwort ist Tansania
Unter den Kindern der Tan Zebras sind viele Waisen. Sie kommen aus ärmsten Verhältnissen und gerade einmal sechs Kinder gehen zur Schule. Für viele waren eure Schuhspenden aus dem letzten Jahr das erste eigene paar Schuhe. Natürlich ist eine Flucht aus diesen Verhältnissen der große Traum, doch wir wollen vor Ort eine Perspektive aufbauen und so hatten wir noch eine andere Idee:
Der Rekordmeister aus Tansania ist der Simba SC, spielt in der Hauptstadt Dar es Salaam und hat mit Sven Vandenbroeck einen belgischen Trainer. Der ehemalige Zebraherde Vorstand Jörg kommt bekanntlich aus Brüssel und hat Kontakt zu dem Trainer des Simba SC aufgenommen. Schnell war klar, dass die Tan Zebras zu einem Training durften, allerdings nicht hinter dem Zaun, sondern mittendrin, statt nur dabei.
Sie konnten hinter die Kulissen des „FC Bayern von Tansania“ schauen und natürlich Selfies & Mannschaftsfotos machen, die Stars hautnah befragen und die Trainingseinheit analysieren. Die Kinder haben wahrgenommen, dass es nicht der Traum von Liverpool, Juve oder Duisburg sein muss. Mit harter Arbeit geht es auch in der Heimat. Sie genossen die Zeit, denn niemand war bisher jemals so nah dran oder gar im Stadion. Im TV dominieren für die Kids die Premier League aus England oder La Liga aus Spanien. Den MSV Duisburg können sie nur im Stream gucken, wenn genug Geld für Guthaben ist - da ist etwas Essbares meist wichtiger.
Die Tan Zebras vor dem Besuch eines Heimspiels von Simba SC - © Zebraherde
Jörg nutzte währenddessen die Zeit und kam mit dem Trainerteam & Teammanager ins Gespräch und besprach die allgemeine Lage im Fußball vor Ort. In Tansania gibt es nur zwei große Clubs - Simba und Yanga (Young Africans FC). Das fußballverrückte Land teilt sich auf, aber auch kleinere Vereine haben ihre Anhänger. Im Gegensatz zum MSV Duisburg ist Simba kein Ausbildungsverein. Es gibt die erste und eine weitere Mannschaft. Talente werden einfach gekauft, man wird Meister und spielt in der afrikanischen Champions League. Im Idealfall werden die Talente dort mit Gewinn verkauft. Der Teammanager Patrick äußerte sich zu den Tan Zebras folgendermaßen: „Ihr habt mit den Tan Zebras eine reelle Chance, bis in die 2. Liga zu kommen, wenn die Struktur des Vereins stimmt, denn danach ist alles eher eine Frage des investierten Geldes.“ Ein Beispiel ist hier der 2007 gegründete Verein Azam FC. Dieser ist jung, erfolgreich und spielt mittlerweile in der ersten Liga. Möglich ist dies aber nur, da er durch einen Business Tycoon gepusht wird - dies ist das Leipziger Traditionsmodell.
„Kommt doch Samstag ins Stadion“
Nachdem das Management von Simba mitbekommen hatte, dass die Kinder, bedingt durch ihre Lebensverhältnisse, noch nie im Stadion waren, lud man den TanZebra FC zum Spiel ins Stadion ein. „Fahrt einfach mit eurem Bus hinter unseren Mannschaftsbus. Ich kläre vorher alles ab und dann fahren wir gemeinsam ins Stadion“, sagte Patrick, der Teammanager des Rekordmeisters. (Wie üblich, kam dann doch alles anders…)
Die Zaunfahne durfte nicht fehlen - © Zebraherde
Gesagt getan! Die Zebraherde organisierte die Fahrt und Jörg bastelte mit den Kindern an den ersten Spruchbändern ihres Lebens. Eine Zaunfahne der Tan Zebras gibt es dank Jörg bereits seit dem letzten Jahr und auch sie wurde selbstverständlich mitgenommen. Für die Kids folgten Eindrücke, welche wir wohl alle aus eigener Erfahrung kennen: das erste Mal Stadion, das erste Mal diese Atmosphäre und tausende Fans. Der Fußball in Afrika wird lautstark und tanzend zelebriert. Zaunfahnen sind üblich und das Fachpublikum ist auch hier der beste Trainer des Landes.
Während sich Jörg nach Ankunft im Stadion auf der Suche nach dem Clubpräsidenten von Simba begab, um das Netzwerk bei Simba zu vertiefen, schlug er sich wie gewohnt an allen Securities vorbei und landete im internen Trakt. Mal hier eine Tür auf, mal da und schwupps, stand er mitten in der Mannschaftskabine von Simba, wo gerade alle in der Konzentrationsphase waren und von Chefcoach Sven Vandenbroeck die letzten taktischen Anweisungen bekamen. Als Kagere, der Star des Teams, Jörg erkannte, sagte er nur „Tan Zebras“- aber es war der falsche Moment. Sven Vandenbroeck, der mit Jörg noch eines der etwas anderen Zebraherden-Interviews führen wollte, hatte gerade sein eigenes Team einzuschwören.
Begeisterung pur bei den Kids - © Zebraherde
Also suchte Jörg weiter, bis er auf die zweite Mannschaft von Simba samt Trainer stieß, welche das Vorspiel im Stadion bestritten. Die Gelegenheit musste man nutzen, dachte sich Jörg und berichtete vom absolvierten Training und unseren Kindern und Jugendlichen. Man tauschte die Nummern aus, fachsimpelte ein wenig und vielleicht klappt es ja, bei einem der Vorspiele der Gegner von Simba II auflaufen zu dürfen. Als Jörg danach nun wieder zu den Kids auf die Tribüne ging, hatten mittlerweile vier andere Leute nach unserem Teams gefragt und wie man denn mal gegeneinander spielen könne. Die Kids waren also nicht nur wegen ihrem Stadionerlebnis aus dem Häuschen - das war grandioses Netzwerken!
Während alles tanzte, sang und den Sieg von Simba verfolgte, gab es einen Menschen im Stadion, der immer wieder einen Stream aus Münster verfolgte - ohne Duisburg geht es halt nicht!
Danke Jörg!
Es bleibt also spannend und es gibt noch einige Ideen -
was könnte aus den TanZebras werden, wenn du mithilfst?
Das komplette Interview mit Sven Vandenbroek gibts hier:
Sven, erst Kamerun, dann Sambia und jetzt Tansania. Was ist für dich das Besondere am afrikanischen Fussball?
Hier ist nichts vorhersehbar, da du nicht weißt, was heute passieren wird, von morgen oder nächster Woche ganz zu schweigen. Aber die Menschen hier leben den Fussball. Es ist unglaublich emotional.
Hier war Sven (r.) noch selbst aktiv - © Bjørn Erik Pedersen / Wikimedia Commons
Kannst du uns vielleicht kurz ein Erlebnis schildern, das für Europäer nur schwer zu begreifen ist. Etwas, das hier so nicht vorkommen würde?
Es ist immer wieder faszinierend, aber erschreckend zugleich, den “Marabou” (Wunderheiler, Zauberer; Anm. d. Red.) zu erleben. Er behandelt die Spieler mit Vodoo und Rasierklingen. Er schneidet in ihr Fleisch, um die bösen Geister zu vertreiben. Von sowas habe ich noch nie in Europa gehört.
Ein anderes Erlebnis war, als wir in Kamerun gewonnen hatten. Wir mussten für uns einen Transport zwischen den beiden größten Städten Kameruns organisieren, da wir den letzten Flug schon verpasst hatten. Normalerweise bedeutet das eine fünfstündige Fahrt. Für uns haben sie einfach einen Linienflug von Kinshasa (DR Kongo) nach Yaounde umgeleitet, um uns in Douala abzuholen. Wenn du in Afrika gewinnst, ist alles möglich!
Du bist nun Chef-Trainer beim tansanischen Rekordmeister Simba S.C. Sind dort die Strukturen vergleichbar mit denen von anderen Spitzenclubs in Afrika?
Oh nein! Die kann man nicht vergleichen. Simba will sich zwar stetig verbessern, aber wir sind noch weit davon entfernt, ein professionelles Umfeld zu haben. Videoanalysen sind noch vollkommen unbekannt, medizinische Betreuung wird nicht so wichtig eingeschätzt und wenn ein Spieler einen Vertrag bekommt, dann ohne jeglichen vorherigen medizinischen Check-up.
Hier muss noch viel passieren und viel Arbeit aufgebracht werden. Dies bedeutet aber auch ein zusätzliches Budget, welches nicht immer vorhanden ist. Der Umsatz ist sehr niedrig, da weder Marketing, noch Merchandising bestehen. In Kamerun z.B. verdient ein Fussballspieler in der höchsten Spielklasse zwischen 100 und 200$ pro Monat.
Du hast zwar noch gute zwei Jahre Vertrag bei Simba, aber lass uns mal ein wenig in die Zukunft blicken. Wenn du dir deine weitere Trainerkarriere selbst aussuchen dürftest, würdest du lieber die Champions League mit Simba gewinnen, einen europäischen Spitzenclub wie Real Madrid, den MSV Duisburg trainieren oder doch lieber unsere Tan Zebras übernehmen?
Nachdem ich mit Simba die tansanische Meisterschaft gewonnen haben werde, will ich mit dem Verein so weit wie möglich in der Champions League kommen. Später würde ich gerne in Europa weitermachen.
Mit Mbwana Samatta, einem ehemaligen Spieler von Simba, wurde gerade ein Tansanier von RC Genk für 10 Millionen Pfund nach Aston Villa transferiert. Können wir uns in den nächsten Jahren auf weitere Stars aus Tansania in den europäischen Top-Ligen freuen?
Ich hoffe es. In Süd-Ost-Afrika gibt es viele gute, talentierte Spieler mit feiner Technik. Sie sind anders als Spieler aus Zentral oder West Afrika, die eher robuster und grösser sind. Sie sind auch mental etwas anders. Tansanier sind in der Regel eher schüchtern. Vielleicht haben auch deshalb nur so wenige den Sprung in europäische Spitzenmannschaften geschafft. Sollte Samatta sich in England durchsetzen, könnte es die Türen für neue Spieler nach Europa öffnen.
Wie bekloppt hört es sich für dich an, dass Fans des MSV Duisburg ein Straßenfußballteam in einem Vorort von Dar Es Salaam gegründet haben?
Das ist schon sehr bekloppt und ungewöhnlich. Aber zugleich auch sehr bravourös und bewundernswert. Ich befürworte solche Initiativen. Soziale Projekte sind willkommen und notwendig, aber ich weiß auch, wie schwierig sowas gerade hier ist und wie viel Arbeit dahinter steckt.
Der MSV wurde unter Rudi Gutendorf Vize-Meister. Er hält mit 18 Stationen als Nationaltrainer den alleinigen Rekord. 1981 trainierte er auch Tansania. Wäre das nicht auch eine Herausforderung für dich?
Die Nationalmannschaft von Tansania zu betreuen wäre in der Tat eine schöne Sache, da ich das Land liebe und das Leistungsniveau insgesamt recht gut ist. In den letzten Jahren hat sich der Fußball hier sehr entwickelt. Es könnte für mich in der Tat ein Schritt zu höher gestellten Nationalmannschaften sein.
Teile der MSV Fans haben eine Freundschaft zu De Graafschap in den Niederlanden. Einen Club, bei dem du selber mal aktiv warst. Welche guten Erinnerungen hast du noch an diese Zeit?
Ich habe es sehr gemocht, da ich dort auch viel gelernt habe. In den Niederlanden wird ein offensiver und taktisch sehr anspruchsvoller Fussball gespielt. Dort wurde ich zu einem besseren Fußballer. De Graafschap hat ein 10.000 Zuschauer fassendes Stadion, in dem immer eine gute Atmosphäre herrscht. Die Fans haben uns stark geholfen und uns zu manchem Punkt verholfen.
Zurück nach Afrika. Wie siehst du die Zukunft von Simba SC? Und auch deine eigene?
Ich glaube, wir haben sehr gute Chancen diese Saison Meister zu werden. Unser Kader ist sehr gut aufgestellt für die erste Liga, aber wir brauchen ein sehr viel höheres Niveau für die Champions League. Auf der CL liegt unser Hauptaugenmerk.
Für mich selber würde ich mir einen Verein in Europa wünschen. Meine Ansprüche gehen über Afrika hinaus, auch wenn ich natürlich gerne ein Nationalteam wie Ghana, Nigeria oder die Elfenbeinküste als Herausforderung annehmen würde. In Nordafrika gibt es auch zahlreiche ambitionierte Clubs wie Al Ahly und Zamalek in Ägypten, Wydad und Raja in Marrokko oder Esperance in Tunis. Diese Meisterschaften haben ein sehr hohes Niveau.
Sven, die Zebraherde dankt dir herzlich für das Interview und wünscht dir weiter viel Erfolg - egal, ob in Afrika oder Europa!
Wenn der Rekordmeister zum Training einlädt
Die Entwicklung der TanZebras schreitet immer weiter voran. Vor mittlerweile 5 Jahren wurde in der Fanszene des MSV gesammelt mit dem Ziel, dass auf jedem Kontinent eine Straßenfußballmannschaft mit einem Trikotsatz ausgestattet werden sollte. Überbringer der Trikots war das Brüsseler Exil-Zebra Jörg, der auf Weltreise war. Unter diesen Mannschaften war eine Straßenfußballmannschaft in Tansania und aus dieser Bande ist Stück für Stück ein Verein gewachsen.
TanZebras FC - eine Fanmannschaft der MSV Fans
Mit viel Unterstützung aus der Fanszene und dem Zebraherde e.V. existieren inzwischen eine „Junior- und eine Seniormannschaft“ und da auch die ersten Mädchen mitspielen, wird nun auch eine Frauenmannschaft aufgebaut. Der TanZebras FC ist mittlerweile zu einem echten Verein herangewachsen und spielt in den regionalen Ligen. Es gibt einen festen Trainer, die ersten Auswärtsspiele wurden erfolgreich bestritten und der Bekanntheitsgrad steigt rasant. Zum 5. Geburtstag vor wenigen Wochen gab es von der Zebraherde das erste Vereinswappen für die TanZebras aus der Feder von Julian Funk. Der Designer der MSV-Trikots der kommenden Saison hat einen schlichten, nicht überladenen und zu 100% die Attribute und Wünsche der TanZebras widerspiegelnden Entwurf abgeliefert - eine tolle Arbeit! Aber ein bisschen MSV steckt überall drin, so auch hier. Na, wer findet es?
Das neue Logo der Tan Zebras - © Zebraherde
Die positive Entwicklung der TanZebras ist auch vor Ort nicht unbemerkt geblieben. Vor Kurzem erfolgte eine Einladung der Deutschen Botschaft, der die Kids nur allzu gerne nachkamen. Über zwei Stunden konnten die TanZebras in das Leben der Botschaft eintauchen, gefühlt hunderte Fragen stellen und zuletzt auch noch die Botschafterin Regine Hess persönlich kennenlernen. Sie hat sich extra viel Zeit für die Kinder und Jugendlichen genommen. Für sie war es immerhin auch eine Premiere. Die TanZebras waren ihr erster offizieller Termin als Repräsentantin, nachdem sie als Botschafterin ernannt wurde. Mit viel Herz und Leidenschaft hat sie den TanZebras einen tollen Tag beschert. Vielen Dank an Edward und Melania für die Organisation.
Europa ist das Ziel, doch die Antwort ist Tansania
Unter den Kindern der Tan Zebras sind viele Waisen. Sie kommen aus ärmsten Verhältnissen und gerade einmal sechs Kinder gehen zur Schule. Für viele waren eure Schuhspenden aus dem letzten Jahr das erste eigene paar Schuhe. Natürlich ist eine Flucht aus diesen Verhältnissen der große Traum, doch wir wollen vor Ort eine Perspektive aufbauen und so hatten wir noch eine andere Idee:
Der Rekordmeister aus Tansania ist der Simba SC, spielt in der Hauptstadt Dar es Salaam und hat mit Sven Vandenbroeck einen belgischen Trainer. Der ehemalige Zebraherde Vorstand Jörg kommt bekanntlich aus Brüssel und hat Kontakt zu dem Trainer des Simba SC aufgenommen. Schnell war klar, dass die Tan Zebras zu einem Training durften, allerdings nicht hinter dem Zaun, sondern mittendrin, statt nur dabei.
Sie konnten hinter die Kulissen des „FC Bayern von Tansania“ schauen und natürlich Selfies & Mannschaftsfotos machen, die Stars hautnah befragen und die Trainingseinheit analysieren. Die Kinder haben wahrgenommen, dass es nicht der Traum von Liverpool, Juve oder Duisburg sein muss. Mit harter Arbeit geht es auch in der Heimat. Sie genossen die Zeit, denn niemand war bisher jemals so nah dran oder gar im Stadion. Im TV dominieren für die Kids die Premier League aus England oder La Liga aus Spanien. Den MSV Duisburg können sie nur im Stream gucken, wenn genug Geld für Guthaben ist - da ist etwas Essbares meist wichtiger.
Die Tan Zebras vor dem Besuch eines Heimspiels von Simba SC - © Zebraherde
Jörg nutzte währenddessen die Zeit und kam mit dem Trainerteam & Teammanager ins Gespräch und besprach die allgemeine Lage im Fußball vor Ort. In Tansania gibt es nur zwei große Clubs - Simba und Yanga (Young Africans FC). Das fußballverrückte Land teilt sich auf, aber auch kleinere Vereine haben ihre Anhänger. Im Gegensatz zum MSV Duisburg ist Simba kein Ausbildungsverein. Es gibt die erste und eine weitere Mannschaft. Talente werden einfach gekauft, man wird Meister und spielt in der afrikanischen Champions League. Im Idealfall werden die Talente dort mit Gewinn verkauft. Der Teammanager Patrick äußerte sich zu den Tan Zebras folgendermaßen: „Ihr habt mit den Tan Zebras eine reelle Chance, bis in die 2. Liga zu kommen, wenn die Struktur des Vereins stimmt, denn danach ist alles eher eine Frage des investierten Geldes.“ Ein Beispiel ist hier der 2007 gegründete Verein Azam FC. Dieser ist jung, erfolgreich und spielt mittlerweile in der ersten Liga. Möglich ist dies aber nur, da er durch einen Business Tycoon gepusht wird - dies ist das Leipziger Traditionsmodell.
„Kommt doch Samstag ins Stadion“
Nachdem das Management von Simba mitbekommen hatte, dass die Kinder, bedingt durch ihre Lebensverhältnisse, noch nie im Stadion waren, lud man den TanZebra FC zum Spiel ins Stadion ein. „Fahrt einfach mit eurem Bus hinter unseren Mannschaftsbus. Ich kläre vorher alles ab und dann fahren wir gemeinsam ins Stadion“, sagte Patrick, der Teammanager des Rekordmeisters. (Wie üblich, kam dann doch alles anders…)
Die Zaunfahne durfte nicht fehlen - © Zebraherde
Gesagt getan! Die Zebraherde organisierte die Fahrt und Jörg bastelte mit den Kindern an den ersten Spruchbändern ihres Lebens. Eine Zaunfahne der Tan Zebras gibt es dank Jörg bereits seit dem letzten Jahr und auch sie wurde selbstverständlich mitgenommen. Für die Kids folgten Eindrücke, welche wir wohl alle aus eigener Erfahrung kennen: das erste Mal Stadion, das erste Mal diese Atmosphäre und tausende Fans. Der Fußball in Afrika wird lautstark und tanzend zelebriert. Zaunfahnen sind üblich und das Fachpublikum ist auch hier der beste Trainer des Landes.
Während sich Jörg nach Ankunft im Stadion auf der Suche nach dem Clubpräsidenten von Simba begab, um das Netzwerk bei Simba zu vertiefen, schlug er sich wie gewohnt an allen Securities vorbei und landete im internen Trakt. Mal hier eine Tür auf, mal da und schwupps, stand er mitten in der Mannschaftskabine von Simba, wo gerade alle in der Konzentrationsphase waren und von Chefcoach Sven Vandenbroeck die letzten taktischen Anweisungen bekamen. Als Kagere, der Star des Teams, Jörg erkannte, sagte er nur „Tan Zebras“- aber es war der falsche Moment. Sven Vandenbroeck, der mit Jörg noch eines der etwas anderen Zebraherden-Interviews führen wollte, hatte gerade sein eigenes Team einzuschwören.
Begeisterung pur bei den Kids - © Zebraherde
Also suchte Jörg weiter, bis er auf die zweite Mannschaft von Simba samt Trainer stieß, welche das Vorspiel im Stadion bestritten. Die Gelegenheit musste man nutzen, dachte sich Jörg und berichtete vom absolvierten Training und unseren Kindern und Jugendlichen. Man tauschte die Nummern aus, fachsimpelte ein wenig und vielleicht klappt es ja, bei einem der Vorspiele der Gegner von Simba II auflaufen zu dürfen. Als Jörg danach nun wieder zu den Kids auf die Tribüne ging, hatten mittlerweile vier andere Leute nach unserem Teams gefragt und wie man denn mal gegeneinander spielen könne. Die Kids waren also nicht nur wegen ihrem Stadionerlebnis aus dem Häuschen - das war grandioses Netzwerken!
Während alles tanzte, sang und den Sieg von Simba verfolgte, gab es einen Menschen im Stadion, der immer wieder einen Stream aus Münster verfolgte - ohne Duisburg geht es halt nicht!
Danke Jörg!
Es bleibt also spannend und es gibt noch einige Ideen -
was könnte aus den TanZebras werden, wenn du mithilfst?
Das komplette Interview mit Sven Vandenbroek gibts hier:
Sven, erst Kamerun, dann Sambia und jetzt Tansania. Was ist für dich das Besondere am afrikanischen Fussball?
Hier ist nichts vorhersehbar, da du nicht weißt, was heute passieren wird, von morgen oder nächster Woche ganz zu schweigen. Aber die Menschen hier leben den Fussball. Es ist unglaublich emotional.
Hier war Sven (r.) noch selbst aktiv - © Bjørn Erik Pedersen / Wikimedia Commons
Kannst du uns vielleicht kurz ein Erlebnis schildern, das für Europäer nur schwer zu begreifen ist. Etwas, das hier so nicht vorkommen würde?
Es ist immer wieder faszinierend, aber erschreckend zugleich, den “Marabou” (Wunderheiler, Zauberer; Anm. d. Red.) zu erleben. Er behandelt die Spieler mit Vodoo und Rasierklingen. Er schneidet in ihr Fleisch, um die bösen Geister zu vertreiben. Von sowas habe ich noch nie in Europa gehört.
Ein anderes Erlebnis war, als wir in Kamerun gewonnen hatten. Wir mussten für uns einen Transport zwischen den beiden größten Städten Kameruns organisieren, da wir den letzten Flug schon verpasst hatten. Normalerweise bedeutet das eine fünfstündige Fahrt. Für uns haben sie einfach einen Linienflug von Kinshasa (DR Kongo) nach Yaounde umgeleitet, um uns in Douala abzuholen. Wenn du in Afrika gewinnst, ist alles möglich!
Du bist nun Chef-Trainer beim tansanischen Rekordmeister Simba S.C. Sind dort die Strukturen vergleichbar mit denen von anderen Spitzenclubs in Afrika?
Oh nein! Die kann man nicht vergleichen. Simba will sich zwar stetig verbessern, aber wir sind noch weit davon entfernt, ein professionelles Umfeld zu haben. Videoanalysen sind noch vollkommen unbekannt, medizinische Betreuung wird nicht so wichtig eingeschätzt und wenn ein Spieler einen Vertrag bekommt, dann ohne jeglichen vorherigen medizinischen Check-up.
Hier muss noch viel passieren und viel Arbeit aufgebracht werden. Dies bedeutet aber auch ein zusätzliches Budget, welches nicht immer vorhanden ist. Der Umsatz ist sehr niedrig, da weder Marketing, noch Merchandising bestehen. In Kamerun z.B. verdient ein Fussballspieler in der höchsten Spielklasse zwischen 100 und 200$ pro Monat.
Du hast zwar noch gute zwei Jahre Vertrag bei Simba, aber lass uns mal ein wenig in die Zukunft blicken. Wenn du dir deine weitere Trainerkarriere selbst aussuchen dürftest, würdest du lieber die Champions League mit Simba gewinnen, einen europäischen Spitzenclub wie Real Madrid, den MSV Duisburg trainieren oder doch lieber unsere Tan Zebras übernehmen?
Nachdem ich mit Simba die tansanische Meisterschaft gewonnen haben werde, will ich mit dem Verein so weit wie möglich in der Champions League kommen. Später würde ich gerne in Europa weitermachen.
Mit Mbwana Samatta, einem ehemaligen Spieler von Simba, wurde gerade ein Tansanier von RC Genk für 10 Millionen Pfund nach Aston Villa transferiert. Können wir uns in den nächsten Jahren auf weitere Stars aus Tansania in den europäischen Top-Ligen freuen?
Ich hoffe es. In Süd-Ost-Afrika gibt es viele gute, talentierte Spieler mit feiner Technik. Sie sind anders als Spieler aus Zentral oder West Afrika, die eher robuster und grösser sind. Sie sind auch mental etwas anders. Tansanier sind in der Regel eher schüchtern. Vielleicht haben auch deshalb nur so wenige den Sprung in europäische Spitzenmannschaften geschafft. Sollte Samatta sich in England durchsetzen, könnte es die Türen für neue Spieler nach Europa öffnen.
Wie bekloppt hört es sich für dich an, dass Fans des MSV Duisburg ein Straßenfußballteam in einem Vorort von Dar Es Salaam gegründet haben?
Das ist schon sehr bekloppt und ungewöhnlich. Aber zugleich auch sehr bravourös und bewundernswert. Ich befürworte solche Initiativen. Soziale Projekte sind willkommen und notwendig, aber ich weiß auch, wie schwierig sowas gerade hier ist und wie viel Arbeit dahinter steckt.
Der MSV wurde unter Rudi Gutendorf Vize-Meister. Er hält mit 18 Stationen als Nationaltrainer den alleinigen Rekord. 1981 trainierte er auch Tansania. Wäre das nicht auch eine Herausforderung für dich?
Die Nationalmannschaft von Tansania zu betreuen wäre in der Tat eine schöne Sache, da ich das Land liebe und das Leistungsniveau insgesamt recht gut ist. In den letzten Jahren hat sich der Fußball hier sehr entwickelt. Es könnte für mich in der Tat ein Schritt zu höher gestellten Nationalmannschaften sein.
Teile der MSV Fans haben eine Freundschaft zu De Graafschap in den Niederlanden. Einen Club, bei dem du selber mal aktiv warst. Welche guten Erinnerungen hast du noch an diese Zeit?
Ich habe es sehr gemocht, da ich dort auch viel gelernt habe. In den Niederlanden wird ein offensiver und taktisch sehr anspruchsvoller Fussball gespielt. Dort wurde ich zu einem besseren Fußballer. De Graafschap hat ein 10.000 Zuschauer fassendes Stadion, in dem immer eine gute Atmosphäre herrscht. Die Fans haben uns stark geholfen und uns zu manchem Punkt verholfen.
Zurück nach Afrika. Wie siehst du die Zukunft von Simba SC? Und auch deine eigene?
Ich glaube, wir haben sehr gute Chancen diese Saison Meister zu werden. Unser Kader ist sehr gut aufgestellt für die erste Liga, aber wir brauchen ein sehr viel höheres Niveau für die Champions League. Auf der CL liegt unser Hauptaugenmerk.
Für mich selber würde ich mir einen Verein in Europa wünschen. Meine Ansprüche gehen über Afrika hinaus, auch wenn ich natürlich gerne ein Nationalteam wie Ghana, Nigeria oder die Elfenbeinküste als Herausforderung annehmen würde. In Nordafrika gibt es auch zahlreiche ambitionierte Clubs wie Al Ahly und Zamalek in Ägypten, Wydad und Raja in Marrokko oder Esperance in Tunis. Diese Meisterschaften haben ein sehr hohes Niveau.
Sven, die Zebraherde dankt dir herzlich für das Interview und wünscht dir weiter viel Erfolg - egal, ob in Afrika oder Europa!


das wäre was für den nächsten Urlaub.