Zebrastreifenblog – Das MSV-Museum in Ruhrort -Vorsitzender des Museumsvereins Volker Baumann im Interview

  • Ersteller Ersteller Kees Jaratz
  • Erstellt am Erstellt am
K

Kees Jaratz

Während der Fußballweltmeisterschaft hat in den Räumen des Zebrastreifenblogs ein anderer Fußball als der in den USA seinen Platz; ein Fußball, der näher an unserem Alltag ist, der mich und vielleicht auch manchen von euch letztlich mehr interessiert als jener profitmaximierte Fußball der Unterhaltungsindustrie. Was nicht heißt, dass ich dort nicht auch mal beiläufig hinschaue.

Vom Anker zum Anpfiff heißt die im April eröffnete Ausstellung des MSV-Museums im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Bis Januar 2027 ist sie zu sehen. Schon zur Vernissage habe ich über meinen Eindruck von der Ausstellung geschrieben. Anschließend sprach ich für das Magazin des Ruhrorter Bürgervereins Blickpunkt Ruhrort mit Volker Baumann, dem Vorsitzenden vom MSV Museum e.V.

wp-17812452040496210279780075140976.jpg

Foto: Screenshot youtube

Volker Bauman hat den Verein 2017 gegründet. Seitdem finden fußballhistorisch interessierte Menschen leicht Gleichgesinnte, um die Geschichte des MSV Duisburg und des Fußballs in der Stadt zu bewahren. Die Mitglieder archivieren ehrenamtlich Sammelstücke und Objekte zum MSV, einige erforschen die Geschichte des Vereins und


zusammen haben sie schon mehrere Ausstellungen zum MSV auf den Weg gebracht. Volker Baumann liegt weitere Unterstützung der Museumsarbeit sehr am Herzen. Ob Spende oder Mitgliedschaft im Museumsverein, beides hilft. Auf der Seite des Museums finden sich alle nötigen Informationen dazu.

Zebrastreifenblog: Wie kam es zur Zusammenarbeit des MSV Museums mit dem Museum der Deutschen Binnenschifffahrt (MDB)?

Volker Baumann:
Software! Es war wirklich Software! Wir haben bei uns als Archivierungssoftware für die vielen MSV-Devotionalien die Anwendung von digiCULT im Einsatz. Als wir gesehen hatten das sich zwei Duisburger Museen auch dafür entschieden hatten, haben wir im Sinne #MSVereint mit beiden Museen Kontakt aufgenommen und einen Erfahrungsaustausch angeboten. Es muss ja nicht jeder die gleiche Lernkurve durchlaufen.

Das war der Beginn von verschiedenen Gesprächen und Ideen mit dem MDB. Unsere Ausstellung „MSV im Fokus“ in der cubus kunsthalle überzeugte dann den neuen Direktor Dennis Niewerth des MDB das wir auch sehr professionell „liefern“ können. Auch beim Besuch vom Familientag des MSV Duisburg im Juli 2025 konnten die Mitarbeiter des Binnenschifffahrtsmuseum einen Einblick über die Strahlkraft des MSV Duisburg erhalten. Unser Konzept für die Ausstellung mit viel interaktiven Elementen und auch der Einbindung der Kernthemen des MDB hat überzeugt. So wurde die Ausstellung in den berühmten neun Monaten entwickelt und umgesetzt.

wp-17810980029523193495438239751068.jpg

MSV Museum e.V. – Das Team der Ausstellung – Foto: Nico Herbertz

Wieso konzentriert sich die Ausstellung auf Trikots als besonderen Aspekt der MSV-Geschichte?

In jeder Ausstellung versuchen wir ein besonderes Thema in den Mittelpunkt zu stellen. Hier findet eine Art Würdigung statt. Während in der cubus kunsthalle Fotografen des MSV Duisburg das zentrale Thema waren, wurde hier die Arbeitskleidung und deren Geschichte in den Mittelpunkt gestellt. Es ist unser Anspruch keine „Expertenausstellung von Trikotsammlern“ zu gestalten. Wir wollten Grenzen verschieben und andere Ideen realisieren mit Hintergründen, die auch nicht so MSV-affine Besucher, Besucherinnen, Familien begeistern können.

wp-17810981484392220009428041026609.jpg

Planungsphase – Foto: MSV Museum e.V.

Wir stellen nicht nur Trikots aus, sondern erzählen auch die Geschichte der Herstellung, sowie die Entwicklung der Trikots über die Jahre. Genauso findet auch das Design und sowie die Werbung auf den Trikots Platz in unserer Ausstellung.


Darüber hinaus haben wir als Schmankerl 8 Spieler – 4 ehemalige und 4 aktuelle – von wohl Deutschlands bestem Fußballcartoonisten Guido Schröter karikieren lassen. Das Ergebnis sind 1,60 m hohe Figuren, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind und natürlich zu tollen „Selfis“ führen. Dann gibt es unser 8×3 Meter großes Mannschaftsbild zum hineinssetzen fürs „Selfi“. Das hat schon bei der Vernissage so einen Ansturm erlebt, dass wir fast mit Wartenummern hätten arbeiten müssen. Für das schönste monatliche „Selfi“ gibt das dann eine exklusive Tafel mit den Cartoonfiguren.

wp-17810980030337064853521391274234.jpg

Foto: Ully Schirmer

Die vier Filmsequenzen für die Ikonen aus den Zeiten Ende 1960 bis Anfang 1980 mit etwa 50 Minuten Laufzeit zeigen sehr, sehr launige Bilder und Szenen, wie Fußball einmal aussah. Damit ist noch nicht Schluss, die Besucher sollen neben den „Selfis“ auch wählen dürfen. Wir haben zusammen mit dem MDB eine Votingtafel mit Magneten entwickelt. Es gilt die 15 schönsten MSV-Heimtrikots und die gruseligsten Auswärtstrikot zu bestimmen. Damit gerade auch Familien Spaß an der Ausstellung haben, gibt es für die Kleinen eine Trikot-Rallye durch das gesamte Binnenschifffahrtsmuseum. Eltern können die Ausstellung genießen und für die spannende Suche ist gesorgt. Es gibt auch eine kleine Belohnung für die gefundenen Antworten.


Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen zu so einer Ausstellung beigetragen haben. All diese historischen Trikots zusammen zu bekommen, war sicher nicht leicht.

Wir haben hier das Glück, dass unser Mitglied Dino Maas über eine außerordentliche Sammlung von Trikots verfügt. Diese konnten wir dann hier präsentieren. Bestimmt achtzig Prozent der über 60 ausgestellten Trikot kommen aus dem Besitz von Dino Maas.

wp-17810980027979137884070693341043.jpg

Foto: MSV Museum e.V.

Dass all diese Menschen euch vertrauen, hat sicher auch mit eurer Arbeit zu tun. Wie sieht die im Alltag aus?

Der Alltag im MSV Museum ist sehr schwierig zu beschreiben. Zum einen versuchen wir unsere eigenen Ideen umzusetzen, was alleine schon eine Herausforderung ist. Wir wollen eigene Räume, ein eigenes Museum. Bis dahin planen wir weitere Ausstellungen und Events. Unsere Außendarstellung ist immer wichtig. Herausfordernd ist das, weil viele unserer aktiven Mitglieder noch berufstätig sind. Wir abeiten alle ehrenamtlich für das Museum. Dann wollen wir natürlich auch immer recht schnell reagieren, wenn Anfragen an uns gerichtet werden oder aber Fans des MSV Duisburg Exponate für uns zur Verfügung stellen. Die Pflege unseres Archivs – analog sowie digital – bedeutet ebenso sehr viel Arbeit. Es ist nicht so einfach, alle Arbeiten zu beschreiben. Wir haben auch einen anderen Ansatz, wie Historie vermittelt werden muss. Ohne ein gewisses Maß an Entertainment geht das beim heutigen Zeitgeist nicht mehr.

wp-1781098002832762374137056633609.jpg


Was war das eigentlich mit dem Bierdeckel?

Das war wirklich unglaublich. Ich hatte ein Gespräch mit den Marketingverantwortlichen und die fanden unser Konzept und die Idee zur Ausstellung sehr witzig. So gaben sie uns eine Sonderedition Bierdeckel mit der Bewerbung der Ausstellung. Wir standen dann vor dem netten Problem, was nun mit den Bierdeckeln? Unser Kurator meinte dann, fragen wir doch die Fans, wo sie ihr Bier auf diesen Deckel serviert bekommen möchten. Donnerstagabend um 19 Uhr diese Frage in den sozialen Medien gestellt, am nächsten Tag um 12 Uhr über 150 Antworten mit über 50 Lokationen. Damit waren wir dreifach ausverkauft!


Wie sieht euer Verhältnis zum Verein MSV Duisburg aus?

Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum MSV, sei es im Bereich der Profiabteilung, der Frauen-Abteilung als auch dem e.V. Der Verein kann sich immer bei uns melden, wenn es etwas zum Thema Tradition zu recherchieren gibt. Wir liefern alle Informationen, die wir zur Verfügung haben. Auf der anderen Seite ist uns der MSV bei allen größeren Events behilflich, zum Beispiel die Verleihung der Michael-Bella-Medaille während eines Heimspiels.

In Dortmund gibt es mit BVB-Museum und DFB-Museum ja zwei gut besuchte Museen in der Nähe. Auch in Gelsenkirchen gibt es ein Museum. Steht ihr im Austausch mit solchen Projekten?

Auf jeden Fall, es gibt in Deutschland ein Netzwerk der deutschen Fußballmuseen und Archivare. Dort sind die Fußballvereine der 1., 2. Und 3. Bundesliga vertreten. Die Mitglieder treffen sich zweimal im Jahr. Es gibt Vorträge und man diskutiert miteinander, tauscht sich aus. Dort erhalten wir große Hilfe. Wirklich alle dort teilen ihre Erfahrungen, erklären, worauf in unserer Situation jetzt zu achten ist. Da hilft der Dortmunder dem Schalker, der 60er dem Bayern.

Man sieht natürlich auch die riesigen Unterschiede. Zwischen uns beim MSV, wo alles ehrenamtlich passiert und einem FC Bayern, wo es eine gewisse Anzahl Festangestellter gibt. Dazwischen liegen Welten. Vor solcher Art Museum darf man sich nicht verschrecken lassen. Das ist eben so, trotzdem kann man auch von denen lernen. Nach solchen Veranstaltungen wurde ich auch schon angeschrieben, von Union Berlin, vom SC Freiburg. Wir haben hier noch alte Stadionhefte von Spielen gegen den MSV, hieß es. Wir misten gerade aus. Wollt ihr die Hefte haben? Die wurden mir dann zugeschickt.

Habt ihr Interesse daran eure Sammlung zu erweitern, etwa wenn Menschen mit Fundstücken zum MSV nicht wissen wohin?

Sofort, einfach über unsere Homepage Kontakt mit uns aufnehmen und dann melden wir uns. Wir haben einen eigenen Archivraum, der abgeschlossen und versichert ist. Dort lagern wir Dinge, die uns zur Verfügung gestellt werden. Das wird auch mit einem Vertrag geregelt, sei es mit einer Schenkungsurkunde, wenn es eine Schenkung ist oder einem Leihvertrag, wenn es eine Leihgabe ist. Das wird alles juristisch einwandfrei geregelt. Wir haben einen Juristen bei uns im Vorstand.

Wenn jemand etwas für uns hat, wird das Exponat archiviert. Es wird aber nicht einfach nur eingelagert, wir wollen die Geschichte dahinter auch hören. Wir wollen wissen, wo das Teil herkommt, die Geschichte dahinter hören. Das gehört mit zum Exponat. Und wenn es in Vitrinen ausgestellt wird, steht dann dort natürlich „Schenkung von …“, keine Frage.

Weiterlesen...
 
Zurück
Oben