K
Kees Jaratz
Kurioserweise begegnete ich letztes Jahr innerhalb kurzer Zeit allen großen Vereinen des Rhein-Main-Raums im Krimi. Fans von Mainz 05, Eintracht Frankfurt, Kickers Offenbach und Darmstadt 98 finden sich in diesen Büchern wieder. Das gibt dann gerne mal sämtliche Sterne in den Amazon-Rezensionen.
Euch wird es nicht überraschen, ohne Vereinsbrille habe ich andere Ansprüche, als dass mir lokal bedeutsamer Fußball, Erinnerungen an ihn und spezifische Handlungsorte in einem Krimi ausreichen für meine fünf Sterne.
Schauen wir also, was es da gibt – heute bei den Offenbacher Kickers.
Manchmal ähneln sich die Begeisterung nebst Bewertung von Literatur und Fußball sehr. Allerdings gibt uns der Fußball mit seiner Ligenhierarchie eine grobe Orientierung, welche fußballerische Qualität wir jeweils erwarten dürfen, wenn jemand begeistert von seinem Verein erzählt, sagen wir einem Verein in der Vierten Liga. Das ist bei der Literatur anders. Da greifen auch die Viertligisten nach den höchsten Weihen nebst der bedingungslosen Begeisterung ortsansässiger Fans. Leicht vermischen sich dann sogar die Welten, wenn der Krimi im Fußballmilieu spielt. Dann zeigt sich ein ehemaliger Spitzen-Schiedsrichter wie der Schweizer Urs Meier von einem Kriminalroman begeistert, weil in ihm Schiedsrichter eine gewichtige Rolle spielen.
„Schlusspfiff“ von Thorsten Fiedler gefällt ihm sehr. Das zeigt, Urs Meier hat Sinn für Humor, sind die Opfer in diesem Kriminalroman doch Schiedsrichter. „Schlusspfiff“ ist der Auftakt einer Krimireihe mit dem Offenbacher Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger, der als eingefleischter Fan der Offenbacher Kickers immer wieder über seinen Verein siniert, sich erinnert, dessen Erfolge und Niederlagen seine Laune beeinträchtigen. So weit vielen Anhängern jedes Fußballvereins vertraut. Mit den Kollegen Sina Fröhlich und Rüdiger Salzmann steht er bald vor der Frage, warum jemand einen Schiedsrichter nach dem anderen in Offenbach umbringt. Serienmörder raunt es im Krimiwald, und damit steht die Aura der anglo-amerikanischen Bestseller-Thriller dankenswerter Weise zur Verfügung.
Her mit sämtlichen Versatzstücken dieser Thrillerwelten, egal ob der Umfang des Romans sie nötig macht. Schmücke die Morde möglichst psychopathisch aus. Füge dem Ganzen die erotische Spannung zwischen Ermittlerfiguren hinzu. Dann bringe die Ermittler in lebensbedrohliche Situationen, in denen sie natürlich nur schwer verletzt vorgefunden werden. Bangende Kollegen wissen nicht, ob der und die Schwerveletzte überleben. Vergiss auch nicht den Konflikt zwischen der ermittelnden Hauptfigur und seinem verständnislosen Vorgesetzten, der starken Druck macht, den Mörder zu finden und die Hauptfigur mit seiner unorthodoxen Weise dennoch behindert. Die Journalisten mit Interesse am Skandal dürfen nicht fehlen. Erzähle aber nichts davon weiter aus. Es reicht, immer wieder ein neues Versatzstück in die dünne Krimisuppe zu bringen. Wer so an der Oberfläche bleibt, macht sämtliche Thrillerelemente zu unglaubwürdigen Klischees. Allein Offenbach und die für die Kickers bedeutsamen Orte erhalten so viel erzählerischen Raum, dass sie zu einer fassbaren literarischen Realität werden.
Der Krimihandwerker von „Schlusspfiff“ gleicht einem Heimwerker, der mit Hochleistungsmaschinen aus Vierkanthölzern einen rustikalen Hocker zusammensetzt. Die Plotkonstruktion macht das sehr deutlich und ich spoiler nicht, wenn ich verrate, die ersten Schiedsrichter werden nur ermordet, weil der Täter von dem letzten Mord ablenken will. Das nenne ich mal optimistisch, eine Ermittlungsmaschinerie in Gang setzen, bevor ich die mir eigentlich bedeutsame Tat begehe. Auch die Wirklichkeit von Krimimärchen braucht eine innere Glaubwürdigkeit und Logik.
All das tut dem Erfolg von Torsten Fiedler in Offenbach keinen Abbruch. Seine Bücher gefallen dort. Die Stadtgesellschaft ist stolz auf seine Kriminalromane. Das sei ihm gegönnt.
Thorsten Fiedler
Schlusspfiff
main book, Frankfurt 2018
TB, 203 Seiten
ISBN 978-3-947612-03-1
12,00 €
Rhein-Main-Fußball krimiliterarisch Folge 1 – Reinhard Boos Reise ins Abseits (Mainz 05)
Rhein-Main-Fußball krimiliterarisch Folge 2 – Michael Kibler: Lilien-Kater (Darmstadt 98)
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Euch wird es nicht überraschen, ohne Vereinsbrille habe ich andere Ansprüche, als dass mir lokal bedeutsamer Fußball, Erinnerungen an ihn und spezifische Handlungsorte in einem Krimi ausreichen für meine fünf Sterne.
Schauen wir also, was es da gibt – heute bei den Offenbacher Kickers.
In Offenbach weltbekannt
Manchmal ähneln sich die Begeisterung nebst Bewertung von Literatur und Fußball sehr. Allerdings gibt uns der Fußball mit seiner Ligenhierarchie eine grobe Orientierung, welche fußballerische Qualität wir jeweils erwarten dürfen, wenn jemand begeistert von seinem Verein erzählt, sagen wir einem Verein in der Vierten Liga. Das ist bei der Literatur anders. Da greifen auch die Viertligisten nach den höchsten Weihen nebst der bedingungslosen Begeisterung ortsansässiger Fans. Leicht vermischen sich dann sogar die Welten, wenn der Krimi im Fußballmilieu spielt. Dann zeigt sich ein ehemaliger Spitzen-Schiedsrichter wie der Schweizer Urs Meier von einem Kriminalroman begeistert, weil in ihm Schiedsrichter eine gewichtige Rolle spielen.
„Schlusspfiff“ von Thorsten Fiedler gefällt ihm sehr. Das zeigt, Urs Meier hat Sinn für Humor, sind die Opfer in diesem Kriminalroman doch Schiedsrichter. „Schlusspfiff“ ist der Auftakt einer Krimireihe mit dem Offenbacher Kriminalhauptkommissar Adi Hessberger, der als eingefleischter Fan der Offenbacher Kickers immer wieder über seinen Verein siniert, sich erinnert, dessen Erfolge und Niederlagen seine Laune beeinträchtigen. So weit vielen Anhängern jedes Fußballvereins vertraut. Mit den Kollegen Sina Fröhlich und Rüdiger Salzmann steht er bald vor der Frage, warum jemand einen Schiedsrichter nach dem anderen in Offenbach umbringt. Serienmörder raunt es im Krimiwald, und damit steht die Aura der anglo-amerikanischen Bestseller-Thriller dankenswerter Weise zur Verfügung.
Her mit sämtlichen Versatzstücken dieser Thrillerwelten, egal ob der Umfang des Romans sie nötig macht. Schmücke die Morde möglichst psychopathisch aus. Füge dem Ganzen die erotische Spannung zwischen Ermittlerfiguren hinzu. Dann bringe die Ermittler in lebensbedrohliche Situationen, in denen sie natürlich nur schwer verletzt vorgefunden werden. Bangende Kollegen wissen nicht, ob der und die Schwerveletzte überleben. Vergiss auch nicht den Konflikt zwischen der ermittelnden Hauptfigur und seinem verständnislosen Vorgesetzten, der starken Druck macht, den Mörder zu finden und die Hauptfigur mit seiner unorthodoxen Weise dennoch behindert. Die Journalisten mit Interesse am Skandal dürfen nicht fehlen. Erzähle aber nichts davon weiter aus. Es reicht, immer wieder ein neues Versatzstück in die dünne Krimisuppe zu bringen. Wer so an der Oberfläche bleibt, macht sämtliche Thrillerelemente zu unglaubwürdigen Klischees. Allein Offenbach und die für die Kickers bedeutsamen Orte erhalten so viel erzählerischen Raum, dass sie zu einer fassbaren literarischen Realität werden.
Der Krimihandwerker von „Schlusspfiff“ gleicht einem Heimwerker, der mit Hochleistungsmaschinen aus Vierkanthölzern einen rustikalen Hocker zusammensetzt. Die Plotkonstruktion macht das sehr deutlich und ich spoiler nicht, wenn ich verrate, die ersten Schiedsrichter werden nur ermordet, weil der Täter von dem letzten Mord ablenken will. Das nenne ich mal optimistisch, eine Ermittlungsmaschinerie in Gang setzen, bevor ich die mir eigentlich bedeutsame Tat begehe. Auch die Wirklichkeit von Krimimärchen braucht eine innere Glaubwürdigkeit und Logik.
All das tut dem Erfolg von Torsten Fiedler in Offenbach keinen Abbruch. Seine Bücher gefallen dort. Die Stadtgesellschaft ist stolz auf seine Kriminalromane. Das sei ihm gegönnt.
Thorsten Fiedler
Schlusspfiff
main book, Frankfurt 2018
TB, 203 Seiten
ISBN 978-3-947612-03-1
12,00 €
Rhein-Main-Fußball krimiliterarisch Folge 1 – Reinhard Boos Reise ins Abseits (Mainz 05)
Rhein-Main-Fußball krimiliterarisch Folge 2 – Michael Kibler: Lilien-Kater (Darmstadt 98)
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