K
Kees Jaratz
Momentan komme ich kaum dazu, mich mit dem Zebrastreifenblog zu beschäftigen. 111 Orte im Ruhrgebiet wollen beschrieben und fotografiert werden. Die Manuskriptmanufaktur arbeitet auf Hochtouren. Vor dem Tagesprogramm heute dennoch schnell ein paar Gedanken zu der Nachricht unlängst, dass der Vorstand des MSV zurücktreten wird. Einer grundsätzlichen Einsicht aus dem Geschehen bin ich nämlich nirgendwo begegnet. Ich halte sie aber für wesentlich, zumal ich mir über die Hintergründe des Geschehens dazu keine weiteren Gedanken machen muss. Viele Anhänger des MSV sorgten sich nach der Nachricht ja vor allem, dass mögliche Unruhe im Verein den Erfolg der Mannschaft gefährden könnte. Das machen die schon selbst, könnte ich als böse Pointe anfügen, wenn ich an das Unentschieden gegen Havelse denke.
Davon ab zeigt die weitere Entwicklung, dass die Sorgen unbegründet sind. Das liegt sicher auch an der überschaubaren Medienlandschaft in Duisburg, wo es entgegen der Meinung vieler Anhänger des MSV kein Interesse an skandalisierender, sensationsheischender Berichterstattung gibt. Das war noch anders, als die BILD regelmäßig vor Ort war. Bei Funkes habe ich das auch damals nicht wahrgenommen, dort mangelte es allenfalls in der Essener Zentralredaktion an Kenntnissen über den MSV. Was starke Meinungen dort nicht verhinderte. Duisburg ist in der Hinsicht ein beschaulicher Stadtteil des westlichen Ruhrgebiets.
Darüber hinaus wirkt auch das Handeln der Beteiligten nach der Nachricht vorbildhaft. Ein konkreter Grund für den Rücktritt wird genannt, dann folgt ein offizielles Statement zum weiteren Vorgehen, danach ist Ruhe. Die Welt weiß bescheid und kann sich darauf einstellen.
Ungewöhnlich ist der Rücktritt des Vorstands nun nicht. Das ist die eine Anmerkung, die ich machen möchte. Der Rücktritt ist eine Folge jenes Konflikts, der in der Grundstruktur des deutschen Fußballs angelegt ist. Einerseits soll im ausgelagerten Fußballunternehmen selbstständig gehandelt werden. Dadurch hängt auch der wirtschaftliche Erfolg vom Handeln dort ab. Die Verantwortlichen im Unternehmen bauen Partnerschaften zu Sponsoren auf. Sie sind es, die für die Stabilität der Beziehungen garantieren. Andererseits gibt es die Vereinsseite mit der Macht von Entlassung und Einstellung der Führung des Unternehmens. Kontrolle des Erfolgs ist hier das Stichwort. Über die Beziehung zwischen beiden Parteien entscheidet also ein klares Rollenverständnis und Disziplin beim Einhalten dieser Rollen.
Beim MSV sind wir diesen potentiellen Konflikt zwischen Verein und ausgelagertem Fußballunternehmen nur kaum mehr gewöhnt. Nur vor dem Zwangsabstieg hatte es diesen Konflikt ganz kurz gegeben zwischen Andreas Rüttgers und Roland Kentsch. Nur schien er allein eine Folge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und des besonderen Abhängigkeitsverhältnisses von Walter Hellmich zu sein. Vor dieser Zeit gab es die Personalunion beider Funktionen, namentlich Walter Hellmich. In der Zeit nach dem Zwangsabstieg war die enge, vertrauliche Zusammenarbeit von Vereinsvorstand und KGaA-Verantwortlichen überlebensnotwendig. Jeder Konflikt hätte existenzbedrohlich sein können, weil die Vereinsseite, namentlich Ingo Wald, in die wirtschaftlichen Belange untrennbar eingebunden war.
Schon bei den Debatten um die Qualität der Arbeit von Ingo Wald herrschte die Illusion, mit mehr Kontrolle durch ihn hätte der MSV erfolgreicher sein können. Die Rahmenbedingungen haben das nicht hergegeben. Die Geschichte der Zusammenarbeit nach dem Zwangsabstieg schuf dieses Zusammenstehen auch mit Ivo Grlic als sportlichem Leiter. Insofern konnte sich der Abstand zur Kontrolle für Ingo Wald nur über einen längeren Zeitraum hin entwickeln. Die Rahmenbedingungen änderten sich von dem Moment an, als Michael Preetz die Arbeit beim MSV aufnahm. Nun gab es einen Mann in der KGaA aus einer nicht nur sprichwörtlich höheren Liga. Als Nachfolger von Ingo Wald kam Christian Stiefelhagen mit dem Selbstbewusstsein einer Wahl, die er auch durch Fannähe gewonnen hatte. Der im deutschen Fußball grundsätzlich vorhandene Konflikt kann mit neuen Personen in den Instutionen immer auch geweckt werden. Das ist offensichtlich geschehen. Die Gründe im alltäglichen Fußballgeschäft sind beliebig. Die Persönlichkeiten der beteiligten Personen spielen oft die eine entscheidende Rolle, der Erfolg der Mannschaft die andere. Normalerweise hemmt Erfolg Konflikte.
Schon bei den Debatten um Ingo Walds Kontrollfunktion der KGaA habe ich zur Veranschaulichung des entstehenden Konflikts bei einem anderen Rollenverständnis des Vereinspräsidenten immer mal nach Stuttgart verwiesen, wo beim erfolgreichen VfB der starke Vereinspräsident Claus Vogt mit einer starken KGaA-Führung zu keiner friedlichen Zusammenarbeit fand. Dort ließ sich tatsächlich von einem Machtkampf sprechen. Es ging um die Frage, ob der Vereinspräsident zugleich Vorsitzender des KGaA-Aufsichtsrats bleibt. Es ging also um eine bedeutende strukturelle Frage für den Verein VfB.
Und nun also der MSV, für den der Kicker auch „Machtkampf“ titelt und ich darüber schmunzel. Ich habe keinen Machtkampf gesehen. Die Berichterstattung führt mich zu dem Wort Meinungsverschiedenheit und Kompetenzgerangel zwischen zwei ungleichen Parteien. Im Gegensatz zu den Vorgängen in Stuttgart gibt es für den Vorstand anscheinend kein entscheidendes Thema des Konflikts, das für die Vereinsmitglieder von besonderer Bedeutung ist. Sonst hätte es öffentlich werden müssen. Es gibt nichts, wofür sich zu kämpfen lohnt. Es gibt nur schlechte Stimmung zwischen handelnden Personen. Und das ist doch eine weiter beruhigende Einsicht.
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Davon ab zeigt die weitere Entwicklung, dass die Sorgen unbegründet sind. Das liegt sicher auch an der überschaubaren Medienlandschaft in Duisburg, wo es entgegen der Meinung vieler Anhänger des MSV kein Interesse an skandalisierender, sensationsheischender Berichterstattung gibt. Das war noch anders, als die BILD regelmäßig vor Ort war. Bei Funkes habe ich das auch damals nicht wahrgenommen, dort mangelte es allenfalls in der Essener Zentralredaktion an Kenntnissen über den MSV. Was starke Meinungen dort nicht verhinderte. Duisburg ist in der Hinsicht ein beschaulicher Stadtteil des westlichen Ruhrgebiets.
Darüber hinaus wirkt auch das Handeln der Beteiligten nach der Nachricht vorbildhaft. Ein konkreter Grund für den Rücktritt wird genannt, dann folgt ein offizielles Statement zum weiteren Vorgehen, danach ist Ruhe. Die Welt weiß bescheid und kann sich darauf einstellen.
Ungewöhnlich ist der Rücktritt des Vorstands nun nicht. Das ist die eine Anmerkung, die ich machen möchte. Der Rücktritt ist eine Folge jenes Konflikts, der in der Grundstruktur des deutschen Fußballs angelegt ist. Einerseits soll im ausgelagerten Fußballunternehmen selbstständig gehandelt werden. Dadurch hängt auch der wirtschaftliche Erfolg vom Handeln dort ab. Die Verantwortlichen im Unternehmen bauen Partnerschaften zu Sponsoren auf. Sie sind es, die für die Stabilität der Beziehungen garantieren. Andererseits gibt es die Vereinsseite mit der Macht von Entlassung und Einstellung der Führung des Unternehmens. Kontrolle des Erfolgs ist hier das Stichwort. Über die Beziehung zwischen beiden Parteien entscheidet also ein klares Rollenverständnis und Disziplin beim Einhalten dieser Rollen.
Beim MSV sind wir diesen potentiellen Konflikt zwischen Verein und ausgelagertem Fußballunternehmen nur kaum mehr gewöhnt. Nur vor dem Zwangsabstieg hatte es diesen Konflikt ganz kurz gegeben zwischen Andreas Rüttgers und Roland Kentsch. Nur schien er allein eine Folge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und des besonderen Abhängigkeitsverhältnisses von Walter Hellmich zu sein. Vor dieser Zeit gab es die Personalunion beider Funktionen, namentlich Walter Hellmich. In der Zeit nach dem Zwangsabstieg war die enge, vertrauliche Zusammenarbeit von Vereinsvorstand und KGaA-Verantwortlichen überlebensnotwendig. Jeder Konflikt hätte existenzbedrohlich sein können, weil die Vereinsseite, namentlich Ingo Wald, in die wirtschaftlichen Belange untrennbar eingebunden war.
Schon bei den Debatten um die Qualität der Arbeit von Ingo Wald herrschte die Illusion, mit mehr Kontrolle durch ihn hätte der MSV erfolgreicher sein können. Die Rahmenbedingungen haben das nicht hergegeben. Die Geschichte der Zusammenarbeit nach dem Zwangsabstieg schuf dieses Zusammenstehen auch mit Ivo Grlic als sportlichem Leiter. Insofern konnte sich der Abstand zur Kontrolle für Ingo Wald nur über einen längeren Zeitraum hin entwickeln. Die Rahmenbedingungen änderten sich von dem Moment an, als Michael Preetz die Arbeit beim MSV aufnahm. Nun gab es einen Mann in der KGaA aus einer nicht nur sprichwörtlich höheren Liga. Als Nachfolger von Ingo Wald kam Christian Stiefelhagen mit dem Selbstbewusstsein einer Wahl, die er auch durch Fannähe gewonnen hatte. Der im deutschen Fußball grundsätzlich vorhandene Konflikt kann mit neuen Personen in den Instutionen immer auch geweckt werden. Das ist offensichtlich geschehen. Die Gründe im alltäglichen Fußballgeschäft sind beliebig. Die Persönlichkeiten der beteiligten Personen spielen oft die eine entscheidende Rolle, der Erfolg der Mannschaft die andere. Normalerweise hemmt Erfolg Konflikte.
Schon bei den Debatten um Ingo Walds Kontrollfunktion der KGaA habe ich zur Veranschaulichung des entstehenden Konflikts bei einem anderen Rollenverständnis des Vereinspräsidenten immer mal nach Stuttgart verwiesen, wo beim erfolgreichen VfB der starke Vereinspräsident Claus Vogt mit einer starken KGaA-Führung zu keiner friedlichen Zusammenarbeit fand. Dort ließ sich tatsächlich von einem Machtkampf sprechen. Es ging um die Frage, ob der Vereinspräsident zugleich Vorsitzender des KGaA-Aufsichtsrats bleibt. Es ging also um eine bedeutende strukturelle Frage für den Verein VfB.
Und nun also der MSV, für den der Kicker auch „Machtkampf“ titelt und ich darüber schmunzel. Ich habe keinen Machtkampf gesehen. Die Berichterstattung führt mich zu dem Wort Meinungsverschiedenheit und Kompetenzgerangel zwischen zwei ungleichen Parteien. Im Gegensatz zu den Vorgängen in Stuttgart gibt es für den Vorstand anscheinend kein entscheidendes Thema des Konflikts, das für die Vereinsmitglieder von besonderer Bedeutung ist. Sonst hätte es öffentlich werden müssen. Es gibt nichts, wofür sich zu kämpfen lohnt. Es gibt nur schlechte Stimmung zwischen handelnden Personen. Und das ist doch eine weiter beruhigende Einsicht.
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