Fußballfans at its best.
Innerhalb einer Woche dreht sich alles. Letzte Woche waren noch (fast) alle Spieler verzichtbar, die nicht gespielt haben, diese Woche sind es (fast) alle, die gespielt haben. Nun ja. Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte?
Und die Mentalitäts- und Charakterfrage darf natürlich auch nicht fehlen. Letzte Woche noch die gefeierten Superhelden, diese Woche nur noch die üblichen Söldner, die die mitgereisten Fans (natürlich absichtlich) vor den Kopf stoßen?
Ich weiß nicht....
Aber auch ich war gestern von unserer Spielanlage teilweise etwas genervt. Gerade die ständigen adressatlosen und wahnsinnig schlecht getretenen Halbfeldflanken haben mich wahnsinnig gemacht. Obwohl sie eigentlich oft gut durch Spielverlagerungen vorbereitet wurden. Aber das kopflose Reinschaufeln war dann auch so ein bisschen typisch Ziegner. Hauptsache in die Box. Irgendwie auf den Zufall und Girth bauen.
Und natürlich war auch Ingolstadt und der Spielverlauf (Rückstand statt Führung) ein großer Faktor. Die Ingos haben genau die Räume, in denen wir gerne spielen wollten, verdichtet und sind dann aggressiv draufgeknallt, als wir reingespielt haben bzw. haben zum Flügel durchgeschoben und unser Spiel dort früher erstickt. Da war Aue letzte Woche etwas zahnloser. Und Aue hat uns halt den Gefallen getan, selbst zu spielen und uns ein paar Balleroberungen zu gestatten. Ingolstadt war da gewohnt "dreckig" unterwegs. Sie boten uns einfach wenig an. So Situationen wie beim 2:0 und 3:0 letzte Woche ließen sie einfach nicht zu. Zur Not wurde der Ball einfach mit viel Risiko nach vorne geschaufelt. Und wenn es nicht klappte...egal...sollen die Zebras mal spielen. Wir werden den Ball schon irgendwann wieder bekommen und warten auf unsere Chance. Die kam dann auch. Natürlich aus einem Fehler in unserem Spielaufbau, der die letzten Wochen eigentlich deutlich verbessert wurde, gestern aber auch an seine Grenzen stieß.
Und auf einmal hatten wir ein Spiel, wo das 4-2-3-1 wieder schrecklich unpassend zu den aufgestellten Spielern wirkte. Kölle bekam seine Dynamiksituationen der letzten Wochen nicht mehr und war in eher statischen Drucksituationen wesentlich unkreativer und technisch unsauberer als Stoppel. Bakir war schon letzte Woche kein Außenspieler, bekam dort aber seine zwei genialen Umschaltsituationen, die es gestern einfach nicht gab. Der eine Stürmer, dem das 4-2-3-1 Platz bot, musste gestern im Idealfall das Skillset von Hettwer UND Girth verbinden. Sowas haben wir natürlich nicht. Girth kann man nicht schicken. Hettwer kann keine Bälle mit Rücken zum Tor behaupten. Beide zusammen ging nicht. Und auf den Zehner konnten wir aber auch nicht verzichten, sonst wäre das Übergangsspiel noch ausrechenbarer geworden und die situative Unterstützung durch das Fallenlassen bzw. Herauskippen nicht möglich gewesen.
Auch bedingt durch diese Umstände, waren einige Spieler erkennbar schwächer als in den letzten Wochen. Allen voran Frey, aber auch Bitter, Kwadwo oder Mogultay, der beim Gegentor komplett auf Körperkontakt verzichtete und so ziemlich orientierungslos im Zweikampf wirkte. Aber der Junge ist noch A-Jugendspieler, sogar noch ein Jahr jünger als Hettwer und Jander. Der braucht diese Situationen um zu wachsen und das wird ihm auch nicht mehr passieren, wenn er die Szene (mit dem Trainerteam?) angemessen reflektiert. Lieber jetzt so einen Fehler als nächste Saison.
Die Spannung ist also raus. Was bleibt ist Spannung, wie die sportliche Leitung den Kader gestaltet und ob sie es schafft, ihm eine Spielidee auf den Maß zu schneiden. Gestern war es eher ein Rückschritt. Vielleicht aber im Hinblick auf die neue Saison sogar lehrreich. Weil man erkennen konnte, wo die Probleme des 4-2-3-1 und einiger Spieler liegen, wenn die Spielcharakteristik mal nicht zur Formation und den Spielerstärken passt. Ich fände es auf jeden Fall schade, wenn man die Klatsche gestern alleine an den fehlenden Grundtugenden des Fußballs fest macht. Das wäre zu einfach und würde auch Potential im Hinblick auf die Entwicklung liegen lassen...