Diskussion zur taktischen Ausrichtung und Spielanlage

Hier die aus meiner Sicht sehr treffende Taktikanalyse von @Schimanski in der Rheinischen Post -

"Taktisch steht man im Moment irgendwo zwischen spielerischer Weiterentwicklung und den klassischen Hirsch-Tugenden, kompakt verteidigen und den Umschaltmoment nutzen. Beides macht die Elf derzeit nicht so wirklich gut. Die Siege und die souveräne Tabellenführung sind vor allem der in der Breite hohen Kaderqualität und dem unbändigen Glauben an die eigenen Stärken zu verdanken. "


Die Version ist (genau wie in der NRZ/WAZ) etwas gekürzt. Raw-uncut gibt`s (wie fast immer) in der Spieltags-Vorschau von @Pawel. Dort auch mit Statistik untermauert.

Wenn Hirsch von der schwächsten Halbzeit seiner Zeit als Trainer in Duisburg spricht, dann sollte deine Sorge unbegründet sein.

Die PK vor dem Saarbrücken-Spiel bestätigt diesen Eindruck. Trotzdem kritisiert Hirsch vor allem das Defensivverhalten (wie eigentlich immer). Aber ich finde die Balance stimmt im Moment nicht.

Hirsch hat auf Nachfrage von Herrmann Kewitz eine strukturelle Instabilität auch verneint. Dabei sprechen die Daten (die auch Hirsch kennt) eine andere Sprache.

2,83xGa gegen Hoffe, 1,87xGa gegen Wehen Wiesbaden, 1,48xGa gegen Düsseldorf. Saisonschnitt 25/26 lag knapp über 1,1. Und da haben wir gegen die komplette Liga zweimal gespielt und nicht nur gegen die untere Hälfte.

Es kann natürlich sein, dass das ein typischer Schutzreflex von Hirsch ist. Also er sich öffentlich anders äußert als intern. Wagenburgmentalität ist ja einer seiner größten Stärken.

Zum Thema Stabilität gehört für mich schon auch, dass wir, wenn ich mich recht erinnere, die letzten 4 Spiele immer mit unterschiedlichen Defensivformationen UND Mittelfeldformationen gespielt haben.

Das ist dann auch wirklich anspruchsvoll, in eine Stabilität zu kommen.

Bisschen das natürliche Risiko einer hohen Kaderbreite... .

Das kommt auf jeden Fall hinzu. Auch die Spieldynamik ist sehr entscheidend. Wenn die Mannschaft einem Rückstand hinterherlaufen muss (was nicht oft vor kommt) wird sie defensiv instabil. Sie ist dann auch weniger als andere Teams in der Lage die zwangsläufig höhere Staffelung und die damit einhergehende Anfälligkeit für Konter und Umschaltmomente, über den Ballbesitz zu verteidigen (auch wenn in isolierten Ballbesitzphasen Verbesserungen erkennbar sind).

Aber alleine die Tatsache, dass Casar wieder auf der Bank landet, zeigt, dass die höhere Aktivität im Ballbesitz wirklich nur in Phasen gewünscht ist und die DNA der Mannschaft eben nicht aus dem Ballbesitz kommt, sondern aus Stabilität plus Umschalten. Und selbst das hat sie für mein Empfinden schon mal besser gemacht.
 
Etwas verspätet die Taktikanalyse von @Schimanski zum Saarbrücken Spiel aus der RP.

"Im Ballbesitz baute der MSV aus einer Dreierkette auf und konnte so die Überzahl gegen die zwei Stürmer nutzen, um den Ball locker laufen zu lassen. Auch im Übergangsspiel fanden die Duisburger immer wieder einen der beiden Sechser, der oft ohne großen Gegnerdruck hinter den gegnerischen Spitzen aufdrehen konnte. Grund dafür waren die großen Abstände in der Saarbrücker Formation und die tief positionierten Sechser...
... Der MSV nutzte diese ungewohnten Freiheiten, um seine Flügelangriffe aus dem Sechser-Raum vorzubereiten. Von dort waren sie für den FCS viel schwerer zu verteidigen, als wenn der MSV sich schon im Aufbaudrittel auf einen Flügel festlegte.

 
@since: Ich habe die Frage, woran et jelegen hat, im Spieltagsthread gerade erst gelesen bzw. Zeit sie zu beantworten. Der Spieltagsthread ist mittlerweile geschlossen. Sind mit der obigen Analyse alle Fragen beantwortet oder kannst du dir nach wie vor etwas nicht erklären?
 
Hier wie immer die Spieltagsanalyse von @Schimanski aus der RP.
Die Unterschiede wieder sehr gut dargestellt:

"Eigentlich stehen beide Trainer für gegensätzliche Fußballphilosophien: Hirsch-Fußball basiert bekanntermaßen auf defensiver Stabilität und Fleiß und nutzt vor allem Fehlerprovokationen, um über Umschaltmomente Tore zu erzielen. Wilhelm, der von seiner NLZ-Vita und der Viktoria-Spielphilosophie geprägt ist, favorisiert hingegen spielerische Lösungen und geht auch gewisse Risiken ein, um diesen Spielansatz umzusetzen."

"Trotz aller Unterschiede in der grundsätzlichen Spielausrichtung haben beide Teams in den letzten Monaten ihr Repertoire erweitert, um ihren Fußball kompletter zu machen. Dieses Adaptieren der Stärken des Gegners erklärt die Wertschätzung der Trainer untereinander."

 
Als Laie beim Thema Taktik, habe ich mal eine Frage:

Findet ihr, dass die 5er Kette uns die Möglichkeit raubt, Raum/Entlastung zu schaffen?

Zuletzt geraten wir in den Spielen unter starkes Pressing und bunkern uns dann ein. Dann kommen meist Kläraktionen, wo der Ball einfach rausgeschossen wird.
Mir ist dabei schon aufgefallen, dass wir den Ball auf Stellen schlagen, wo ein 10er meist stehen würde.

Mit der 5er Kette können wir bei weniger Gegnerdruck gut aufbauen. Bei Pressing ist es aber nicht der Burner.

Da wäre doch eine 4er Kette besser, wo unsere 6er abfallen (hier eher Bulic), um in der Defensive eine 5er Kette zu bilden. Dadurch hätten wir einen 10er der in der Mitte den Ball abfangen könnte und Zeit rausholt oder den Ball verteilt.

An sich könnte auch ein Lobinger den Ball sichern/verteilen. Aber meist steht er dann alleine da und wird auch gedoppelt. Der 10er würde ihn ja entlasten.
 
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