Expected Goals-Entwicklung der Zebras

Da ich so viele Daumen hoch bekommen habe (Danke dafür), dachte ich mir, ich schaue nochmal, ob man evtl. noch weitere Trends aus den Daten ableiten kann. Und die Antwort lautet: Ja, kann man. Und sie gefallen mir nicht.

Ich habe die Hinrunde jetzt in Drittel eingeteilt: Spielttage 1-6, 7-12, 13-19 (also 1. Drittel: 6 Spiele, 2. Drittel: 6 Spiele und 3. Drittel: 7 Spiele).
Und hier sind die durchschnittlichen xG zu xGA pro Drittel je Spiel:
1. Drittel: 1,84 zu 0,83 (+ 1,01)
2. Drittel: 1,65 zu 0,71 (+ 0,94)
3. Drittel: 1,28 zu 1,17 (+ 0,11)

Das ist doch spannend; daran sieht man, dass wir im 2. Drittel fast so gut waren wie im 1. Drittel. Aber im 3. Drittel sind wir deutlich schwächer geworden mit deutlich weniger expected Goals und deutlich mehr expected Goals Against.

Vergleichen wir das mal mit den durchschnittlichen tatsächlichen Toren pro Drittel je Spiel:
1. Drittel: 2,83 zu 0,83 (+ 2,00; 0,99 besser als expected)
2. Drittel: 1,17 zu 1,33 (- 0,16; 1,1 schlechter als expected)
3. Drittel: 1,14 zu 1,29 (- 0,15); 0,26 schlechter als expected)

Man sieht hier eindeutig, dass wir expected im 2. Drittel fast auf dem Niveau des 1. Saisondrittels waren, aber einfach viel weniger Glück und/oder deutlich mehr Pech hatten. Wir haben in dieser Phase der Saison 2,87 Tore zu wenig geschossen und gleichzeitig 3,72 Tore zu viel kassiert. Wir waren in dieser Phase der Saison also 6,59 Tore schlechter als erwartet!
Im 3. Drittel der Saison hingegen waren wir zwar auch schlechter als expected: 8 geschossen statt 8,99 xG; 9 kassiert statt 8,22 xGA. Hier waren wir also 1,77 Tore schlechter als erwartet. Was mich aber bedenklich stimmt ist, dass wir bei den xG und xGA einfach deutlich nachgelassen haben. Nur 1,14 xG statt 1,74 (Durchschnitt der ersten beiden Saisondrittel). Also 0,6 xG weniger pro Spiel. Zusätzlich 1,17 xGA statt 0,77 (Durchschnitt der ersten beiden Saisondrittel). Also 0,4 Tore mehr xGA pro Spiel. Wir waren also im letzten Saisondrittel ein ganzes Tor schlechter pro Spiel als im Durchschnitt der ersten beiden Saisondrittel.
Man sieht aber, dass wir sogar in unserer schlechtesten Saisonphase noch immer einen positiven xG-xGA-Wert haben. Das sollte uns positiv stimmen; man sieht aber auch, dass wir speziell im letzten Saisondrittel wirklich unter den Ausfällen und den verlorenen Körnern gelitten haben.
 
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Jetzt noch eine letzte Analyse zu den xG zu xGA: Wie hätte sich das auf die Punkte auswirken müssen?

Ich habe jetzt mal angenommen, man müsste jedes Spiel mit über 0,5 xG-xGA gewinnen (= 3 Punkte) und jedes Spiel mit unter -0,5 xG-xGA verlieren (= 0 Punkte). Alles dazwischen wäre demzufolge ein Unentschieden (= 1 Punkt).

Das Ergebnis lautet, dass wir in der Hinrunde 44 Punkte hätten holen müssen. Dabei hätten wir nur die Spiele gegen Osnabrück, Hoffenheim und Cottbus verlieren müssen; alles Spiele zwischen den Spieltagen 13 und 17. Unentschieden hätten wir gegen Wehen-Wiesbaden und 1860 spielen müssen. Und alle anderen Spiele wären nach xG-xGA an uns gegangen. Das Ganze übrigens bei 30 zu 17 Toren.

Tatsächlich haben wir leider nur 34 Punkte und ein Torverhältnis von 32 zu 22 Toren.
 
Die Daten zum Rückrundenauftakt sind da:

VfB Stuttgart II: 2,77 zu 0,71
Quelle: sofascore.com

In der Höhe ist unser Sieg vielleicht einen Hauch zu hoch ausgefallen, aber doch überraschend deutlich und verdient. Beim Hinspiel lagen wir übrigens noch bei 2,95 zu 0,77, also ziemlich vergleichbar zu dem Ergebnis jetzt.

Noch ein Nachtrag: Nach xG war es unser zweitstärkstes Saisonspiel - nach dem Hinrundenspiel gegen VfB Stuttgart II. Die scheinen uns zu liegen.
 
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Regensburg: 2,26 zu 1,07
Quelle: footystats.org

Da die Daten von Sofascore noch immer nicht da sind, nehme ich heute mal die von footystats. Ehrlich gesagt bin ich etwas verwundert; ich fand uns in dem Spiel so dominant, ich hätte eine noch höhere xG für uns und eine niedrigere für Regensburg erwartet.
 
Regensburg: 2,26 zu 1,07
Quelle: footystats.org

Da die Daten von Sofascore noch immer nicht da sind, nehme ich heute mal die von footystats. Ehrlich gesagt bin ich etwas verwundert; ich fand uns in dem Spiel so dominant, ich hätte eine noch höhere xG für uns und eine niedrigere für Regensburg erwartet.

Impect gibt 2,67 zu 0,95 aus.

Aufgedröselt in Spielphasen:

aus dem Ballbesitz: 0,04 zu 0,24
aus dem Umschalten nach Balleroberung: 0,9 zu 0,42
aus Standards: 1,66 zu 0,29
aus zweiten Bällen: 0,06 zu 0

Aufgedröselt in Spielzeit:

Halbzeit 1 0,6 zu 0,15
Halbzeit 2 2,07 zu 0,8

Regensburg hat die Hälfte ihrer xG in der letzten viertel Stunde geholt und lag in dieser Phase mit 0,45 zu 0,15 vorne.
Dafür in der ersten halben Stunde ohne xG.
MSV hatte die stärkste Phase nach der Halbzeit, 1,89 xG von der 45. bis zu 75..

P.S. Ich habe es in der Analyse durch die Blume erwähnt. Die vielen auf Tyger gechippten oder gebolzten Bälle hatten nicht nur zu Folge, dass wir mehr Präsenz im Zehnerraum hatten, sondern dort auch viele Zweikämpfe geführt und Freistöße gezogen haben. 1,66xG aus Standards ist die Folge. Spielerisch überlegen waren wir eigentlich auch gar nicht. Wir hatten "nur" mehr Präsenz in der gegnerischen Hälfte und haben den Ball immer wieder dahin befördert.
 
@Schimanski

Wie würdest du denn an Hirsch´s stelle agieren? Also was wäre die Marschrichtung, die du vorgeben würdest, bei dem vorhanden Spielermaterial?

Spielerisch versuchen durchzukommen? Geht das x-Min nicht gut, schwenkt man dann auf die langen Bälle auf Lobingerum und nach Führung wieder der spielerische Ansatz?
Die Idee, immer nur zaubern zu wollen, hat ja Verl und ist damit jüngst auf die Nase gefallen.
 
P.S. Ich habe es in der Analyse durch die Blume erwähnt. Die vielen auf Tyger gechippten oder gebolzten Bälle hatten nicht nur zu Folge, dass wir mehr Präsenz im Zehnerraum hatten, sondern dort auch viele Zweikämpfe geführt und Freistöße gezogen haben. 1,66xG aus Standards ist die Folge. Spielerisch überlegen waren wir eigentlich auch gar nicht. Wir hatten "nur" mehr Präsenz in der gegnerischen Hälfte und haben den Ball immer wieder dahin befördert.
Dafür bin ich wohl zu ungebildet, aber:

Mehr Zweikämpfe und mehr gezogene Freistöße sind doch wohl mehr Präsenz?! (edit: Falsch gelesen, mea culpa)

Mehr Bälle und mehr Präsenz in der gegnerischen Hälfte heißt doch, dass man spielerisch überlegen war?!

Keine Ahnung, die Definitionen von Laien/Zuschauern und den Fussballlehrern scheinen da sehr unterschiedlich zu sein.
 
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Mehr Bälle und mehr Präsenz in der gegnerischen Hälfte heißt doch, dass man spielerisch überlegen war?!
Präsenz in der gegnerischen Hälfte sagt ja erstmal nicht, wie der Ball da hingekommen ist und ist auch immer etwas gegnerabhängig (ergo: wie tief steht der Gegner), gegen Gegner, die uns kolossal früh stressen werden (zB Verl) werden wir sicherlich auch wieder deutlich weniger Ballbesitz haben als gegen Jahn (eher wie in Stuttgart), wenn wir wieder früher lang schlagen.

Ich hatte das nach dem Spiel im "Alles Nach" auch schon geschrieben, dass nur, weil man mehr Ballbesitz hat, das spielerische nicht automatisch "besser" sein muss. Die xG aus dem Ballbesitz bestätigen da meinen Eindruck aus dem Spiel, dass wir das Spiel zwar kontrolliert haben, aber unseren Ballbesitz (wie unter Gruev) eher in ungefährlichen Zonen gesammelt hatten. 0,04xG aus Ballbesitz sollte heißen, dass nur die Coskun- Doppelchance überhaupt ein Abschluss aus Ballbesitz war. "Spielerisch" überlegen würde ich zu diesem Spiel also definitiv nicht sagen.

Gefährlich waren wir am Ende halt wieder über Umschaltmomente und Standards, also das, was unser Spielsystem seit anderthalb Jahren im Prinzip ausmacht. Und ja, das machen wir schon taktisch wirklich extrem gut.
 
Richtig, aber die xG Werte sagen ja, wie "klar" eine Torchance war. Je höher der xG-Wert desto bessere oder häufigere gute Torchancen (zugebenermaßen: Tore wären besser...) hatte die Mannschaft. Wenn also unsere xG-Werte gut sind, dann sagt das zwar nicht aus, wie der Ball nach vorne gekommen ist. Aber es sagt aus, dass wir, wenn er vorne ist, offensichtlich in gute Möglichkeiten kommen (besser und oder häufiger als der Gegner). Also ist es vielleicht tatsächlich gar nicht so wichtig, wie der Ball nach vorne kommt, sondern dass er es tut. Weil wir dann Gutes damit machen. Oder verstehe ich das komplett falsch?
 
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Oder verstehe ich das komplett falsch?
Richtig, letztlich zählt "Das Runde muss ins Eckige", egal wie. Die Diskussion über den Spielansatz entstand aus der Uneinigkeit, wie die Wahrscheinlichkeit ist, dass wir so langfristig gute Chancen herausspielen können.

Mit Lobinger haben wir da sicherlich die Wahrscheinlichkeit noch mal erhöht, da er perfekt zur Spielanlage passt, Bälle festmacht/weiterleitet (dieser Kopfball vor dem Sussek Elfer :boris:) und auch selber knipsen kann. Dennoch kann man auch festhalten, dass wir Samstag am deutlich gefährlichsten nach Standards waren.
 
Der xG (Expected Goals) Wert misst die Qualität einer Torchance, indem er die Wahrscheinlichkeit angibt, dass ein Schuss zu einem Treffer führt (0 bis 1) und zwar unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis des Schusses oder dem konkreten Schützen oder der jeweiligen konkreten Gegenspieler. Ein Elfmeter z.B. bringt normalerweise ca. 0,76 bis 0,79 xG. Wenn man die xG aller Schüsse eines Spiels zusammenrechnet, kommt man auf den xG-Wert für das Spiel. Es geht also rein um die Bewertung der Torchance.
 
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