Wenn man hier wirklich eine Diskussionsgrundlage haben will, muss man differenzieren:
1. Lebensfähigkeit des Frauenfussballs im Allgemeinen: da kann jeder an seinem Stammtisch das Seine dazu meinen. Ich empfinde Frauen, die Fussball spielen, als völlig angemessen. Hätte ich Töchter oder Enkellinnen, würde ich mich genauso drum bemühen, dass die Fussball spielen, wie wenn ich Söhne hätte. Leitmotivisch ist für mich hierbei nicht, dass mir meine Ehefrau in meinen ansonsten männlich dominierten Tageskalender bestimmte "Gedöns"- Auflagen mit Rotstift einträgt, und ich sonst mit auf Eis liegendem Eheleben rechnen müsste, wenn ich nicht hin und wieder so tue, als sei ich ein teilemanzipierter Wildeber.
Nein, ich finde, Fussball ist schlechthin immer noch die "soziale" Sportart, und der Welt wird es insgesamt und in ihren einzelnen Bestandteilen besser gehen, wenn mehr Leute Fussball spielen. Wer Fussball spielt ist überall angesagt, und ich weiss aus der Erfahrung mit realitär vorhandenen fussballspielenden Kindern, wieviel dieser Sport erzieherisch vereinfacht, wie er die Synapsen spriessen lässt und damit den Grips fördert, wie schnell kleine Jungens ihre Eingewöhnungsprobleme in einer neuen Umgebung überwinden, wenn sie halbwegs passabel kicken können. Im Verein meines Sohnes hat ein Mädchen mittrainiert, was so gut war, dass es keine angemessene Trainingsgruppe gleichaltriger Mädchen in der nötigen Häufigkeit aufsuchen konnte, und das hat grossartig funktioniert, weil sie den Jungens ne Menge beibrachte, weil es für die Jungens eine echte Abwechslung war, und es ihre soziale Kompetenz im Umgang mit dem langsamen Erwachen des Interesses am anderen Geschlecht auch noch steigerte.
Ich bin also nicht nur dafür, dass kleine Mädchen Fussball lernen und spielen, sondern ich wäre auch für weit mehr Austausch. So grandios es mit dem Profisportgeschäft in Deutschland auch angeblich läuft, jeder, der sich im Bereich der Amateure umtut, egal in welcher Liga, weiss, dass hier weder Geld vorhanden ist noch irgendwelche nennenswert strukurierte Aufbauarbeit tatsächlich befriedigend Raum greift, dass schon ab der C-Jugend auf den Dörfern manchmal so wenige Spieler dabei sind, dass Mannschaften mit einem adäquaten Leistungsgefüge der Spielklassen kaum zustande kommen können.
Versuche von Verantwortlichen, neue Interessensgruppen im Amateursport zu erschliessen, sind daher auch, wage ich rundweg zu behaupten, angesichts geburtenschwacher Jahrgänge und beständig sich verringernder regionaler Verankerung junger Familien, von daher anzusehen, dass dem Jugendsport im Amateurbereich überhaupt ein mittelfristiges Überleben auf einigermassen hohem Niveau zu sichern ist. Beim Breitensport müssen Vereine, welche im regionalen Verbund die Elite repräsentieren, Vorreiterfunktion haben. Das ist genau das Gegenteil von dem, was man bei RB Leipzig und Co. gerade erlebt, die lediglich versuchen, die Sahne oben drauf abzuschöpfen. Es gibt aber auch immer noch und hoffentlich noch lang, den Fussball, wo keiner von den Mitspielenden unbedingt der nächste Messi oder Lewandowski wird, der aber dennoch im Mittelpunkt sportbegeisterter Familienaktivitäten steht.
Wir alle sollten uns wünschen, dass in dem Zusammenhang die Lebensfähigkeit des Frauenfussballs möglichst viele Blüten treibt, und die Mädels daraufhin in Massen in die Vereinsheime strömen, um sich anzumelden. Alles andere ist kurzsichtig. Und wer will, dass viele Mädchen Fussball spielen und dem Sport so auf Amateurebene neue Impulse verschaffen, kommt nicht umhin, sich Vorbilder zu wünschen und diese als notwendig zu erachten.
2. Lebensfähigkeit des Frauenfussballs im Besonderen: Die Konsolidierung, welche der MSV durchlaufen hat, war, wenn man Leute wie den massgeblich darin involvierten Sponsorenvertreter und zeitweiligen Vereinspräsidenten Andreas Rüttgers (oder dessen seinerzeitigen Nachfolger Udo Kirmse) jemals annähernd richtig verstanden hat, auch im Wesentlichen geprägt von dem ausdrücklich erwünschten Bezug auf die regionale Vernetzung, von einem möglichsten Erhalt etablierter Strukturen im Amateursportbereich etc.pp. Die Zeit, wo man drüber diskutieren konnte, ob dieses Modell tragfähig ist, hatten wir und haben wir weidlich genutzt, am Ende hat sich erwiesen, dass damit möglich war, die Profisportabteilung quasi am eigenen Haarschopf aus einer fast beispiellosen Misere herauszuziehen.
Ich finde es etwas vorschnell, im ersten Jahr, wo man wieder mal Oberwasser hat, hier bereits ein Abrücken von solcherlei Prinzipien zu propagieren und argumentativ wieder ein Amortisierungs-Portfoliodenken einzuführen, wie wir es im Grunde genommen bis zur bitteren Neige gerade erst ausgekostet haben. Wenn wir aus den letzten zehn Jahren irgendeinen Schluss ziehen können, dann doch wohl denjenigen, dass Solidarität etwas wert ist, dass sich diese tatsächlich in klingende Münze umwandeln lässt, und dass damit realitär Schuldenrückführungen gelingen. Für mein Gefühl kann daraus nur resultieren, dass wir auch in der Pflicht sind, was die Entwicklung unserer Region und die Miterschaffung positiver Identifikationsmöglichkeiten betrifft, und zwar durchaus längerfristig. So etwas dauert, aber diejenigen, welche sich hier bei uns engagieren, haben bisher Weitblick und Durchblick bewiesen, ihnen sollte man allein von daher schon einen angemessenen Zeitbonus zugestehen.
Und jeder, dem der Verein am Herzen liegt, müsste noch wissen, wie die Solidarität, welche durch die ganze Region ging und zu erschütternden Kundgebungen des Zueinanderstehens führte, einem das Herz mal gewärmt hat.