K
Kees Jaratz
Manche lang zurückliegenden Einsichten ins Leben sind unvergänglich, auch wenn sie moderner besungen plötzlich lächerlich wirken. Der Schlagersänger Ralf Bendix klaute sich 1974 eine Zeile eines Operettenklassikers von Johann Strauss, der 1874 seine Premiere hatte. Hundert Jahre später geriet der Text deutlicher banaler als der, den die Librettisten der Operette, Karl Haffner und Richard Genée, für Die Fledermaus geschrieben hatten. Sei es drum, die Botschaft bleibt für uns nach der 1:6-Niederlage des MSV gegen Wiesbaden dieselbe: Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Aber hört zum Trost selbst:
Wir Älteren kennen solche Gefühle wie die nach der Niederlage gestern. Deshalb wird es euch nicht überraschen, dass ich 2013, in der ersten Drittliga-Saison nach dem Zwangsabstieg, meine Stimmungslage im November nach einer Heimniederlage gegen Halle schon mit dem Operetten-Original aufhellte. Als ich mir den Text dazu gestern Abend ansah, fiel mir auf, zentrale Absätze des Textes gelten in dieser Saison wieder. Ersetzt Karsten Baumann mit Dietmar Hirsch.
Ein paar Sätze mehr gelten ebenfalls, vielleicht weil die Situtation in beiden Spielzeiten vergleichbar war. Seinerzeit überraschte der Erfolg der Mannschaft zu Beginn der Saison ebenfalls und ließ uns insgeheim oder offen an den sofortigen Wiederaufstieg denken. Natürlich ist die Saison weiter fortgeschritten, dennoch sind die entstandenen Erwartungen vergleichbar. Unsere Erwartungen, die der Vereinsverantwortlichen, die der Spieler selbst, allesamt wirken sich in der weiter vorangeschrittenen Saison noch mehr aus als 2013/14. Die ständige Betonung, man denke von Spiel zu Spiel, kann nur ein kleiner Teil des Versuchs sein, mit diesen Erwartungen umzugehen.
Diese Erwartungen sind besonders dann folgenreich, wenn der MSV in Spielen wie gegen Ulm oder Wiesbaden keine Chance auf den Erfolg hat. Der Sieg gegen Verl kaschiert aber keineswegs die Unzulänglichkeiten der Mannschaft. So ein Sieg entspricht auch den Möglichkeiten des MSV, und damit haben wir den Ist-Zustand der Mannschaft. Die Frage nach dem „Warum“ einer solchen Niederlage wird doch seit Saisonbeginn auf immer wieder neue Weise von vielen Anhängern des MSV beantwortet. Es fehlen die Möglichkeiten, eine gegnerische Mannschaft spielerisch unter Druck zu setzen. Das wird dann zum großen Problem, wenn die Mannschaft in Rückstand gerät. Dennoch kann der MSV in dieser Saison weiter aufsteigen. Das ist kein Widerspruch. Das sind die Gegebenheiten.
Interessant ist alleine, ob Dietmar Hirsch tatsächlich ratlos ist, wenn er nach Gründen für den Auftritt seiner Mannschaft in Wiesbaden gefragt wird. „Warum nur, warum?“, der Refrain des vom Jazz inspirierten Schlagers aus dem Jahr 1948, suggeriert eine Ratlosigkeit, die es eigentlich nicht geben dürfte. Das Lied der Combo von Heinz Both ist aber zu schön, um diese drängende Refrain-Frage nicht einmal anzuspielen, bitte schön:
Wer sich ein wenig mit den Möglichkeiten dieser Mannschaft beschäftigt, kennt die Antwort auf diese Frage nach dem „Warum“ eben seit langem. Es sind die kaum vorhandenen Möglichkeiten der Mannschaft, ein Spiel selbst zu gestalten. Nachdenken über einzelne Fehler oder Einstellung sind Hilfskonstruktionen, um die Wahrheit erträglich zu machen, gelinde gesagt, um sie verschwinden zu lassen.
Interessant wäre deshalb nicht die wahrhaftige Information in einer möglichen Antwort, denn dann müsste Dietmar Hirsch über die Grenzen seiner Mannschaft sprechen. Interessant ist vielmehr, wie Dietmar Hirsch es gelingen wird, solche Fragen wegzumoderieren, ohne eben diese Grenzen seiner Mannschaft zu benennen. Momentan gelingt es ihm öffentlich nicht gut genug, um uns Anhängern Sicherheit für seinen Weg zu geben. Ob diesen öffentlichen Äußerungen interne Sätze folgen, die seinen Spielern und auch den sportlich Verantwortlichen jene Sicherheit geben, können wir nur hoffen. Wir müssen es hoffen, denn der Umgang mit dieser Frage wirkt sich auf die weitere Saison aus. An der Stelle geht es um Erwartungsmanagement, um Ruhe für die Arbeit mit der Mannschaft. Schließlich wird sich an den spielerischen Möglichkeiten der Mannschaft in dieser Saison nicht mehr viel ändern.
Die Mannschaft ist so gut, wie sie ist, mit den Ausschlägen nach oben und unten. Bei letzterem dann heißt es eben am besten: Glücklich ist, wer vergisst. Danach möglichst schnell die nächste Lebensweisheit vor sich hin murmeln: Neues Spiel, neues Glück.
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Wir Älteren kennen solche Gefühle wie die nach der Niederlage gestern. Deshalb wird es euch nicht überraschen, dass ich 2013, in der ersten Drittliga-Saison nach dem Zwangsabstieg, meine Stimmungslage im November nach einer Heimniederlage gegen Halle schon mit dem Operetten-Original aufhellte. Als ich mir den Text dazu gestern Abend ansah, fiel mir auf, zentrale Absätze des Textes gelten in dieser Saison wieder. Ersetzt Karsten Baumann mit Dietmar Hirsch.
Karsten Baumann hörte sich genauso ratlos an, wie wir es bei uns auf dem Stehplatz nach dem Spiel waren. […] Uns genügte die Erklärung „individueller Fehler“ nicht, weil wir diese Art Tore aus anderen Spielen kannten. Ich hoffe nun sehr, meine Nervosität erweist sich als Überreaktion, weil die Analyse der Fehler doch noch etwas genauer geschieht.
Ein paar Sätze mehr gelten ebenfalls, vielleicht weil die Situtation in beiden Spielzeiten vergleichbar war. Seinerzeit überraschte der Erfolg der Mannschaft zu Beginn der Saison ebenfalls und ließ uns insgeheim oder offen an den sofortigen Wiederaufstieg denken. Natürlich ist die Saison weiter fortgeschritten, dennoch sind die entstandenen Erwartungen vergleichbar. Unsere Erwartungen, die der Vereinsverantwortlichen, die der Spieler selbst, allesamt wirken sich in der weiter vorangeschrittenen Saison noch mehr aus als 2013/14. Die ständige Betonung, man denke von Spiel zu Spiel, kann nur ein kleiner Teil des Versuchs sein, mit diesen Erwartungen umzugehen.
Diese Erwartungen sind besonders dann folgenreich, wenn der MSV in Spielen wie gegen Ulm oder Wiesbaden keine Chance auf den Erfolg hat. Der Sieg gegen Verl kaschiert aber keineswegs die Unzulänglichkeiten der Mannschaft. So ein Sieg entspricht auch den Möglichkeiten des MSV, und damit haben wir den Ist-Zustand der Mannschaft. Die Frage nach dem „Warum“ einer solchen Niederlage wird doch seit Saisonbeginn auf immer wieder neue Weise von vielen Anhängern des MSV beantwortet. Es fehlen die Möglichkeiten, eine gegnerische Mannschaft spielerisch unter Druck zu setzen. Das wird dann zum großen Problem, wenn die Mannschaft in Rückstand gerät. Dennoch kann der MSV in dieser Saison weiter aufsteigen. Das ist kein Widerspruch. Das sind die Gegebenheiten.
Interessant ist alleine, ob Dietmar Hirsch tatsächlich ratlos ist, wenn er nach Gründen für den Auftritt seiner Mannschaft in Wiesbaden gefragt wird. „Warum nur, warum?“, der Refrain des vom Jazz inspirierten Schlagers aus dem Jahr 1948, suggeriert eine Ratlosigkeit, die es eigentlich nicht geben dürfte. Das Lied der Combo von Heinz Both ist aber zu schön, um diese drängende Refrain-Frage nicht einmal anzuspielen, bitte schön:
Wer sich ein wenig mit den Möglichkeiten dieser Mannschaft beschäftigt, kennt die Antwort auf diese Frage nach dem „Warum“ eben seit langem. Es sind die kaum vorhandenen Möglichkeiten der Mannschaft, ein Spiel selbst zu gestalten. Nachdenken über einzelne Fehler oder Einstellung sind Hilfskonstruktionen, um die Wahrheit erträglich zu machen, gelinde gesagt, um sie verschwinden zu lassen.
Interessant wäre deshalb nicht die wahrhaftige Information in einer möglichen Antwort, denn dann müsste Dietmar Hirsch über die Grenzen seiner Mannschaft sprechen. Interessant ist vielmehr, wie Dietmar Hirsch es gelingen wird, solche Fragen wegzumoderieren, ohne eben diese Grenzen seiner Mannschaft zu benennen. Momentan gelingt es ihm öffentlich nicht gut genug, um uns Anhängern Sicherheit für seinen Weg zu geben. Ob diesen öffentlichen Äußerungen interne Sätze folgen, die seinen Spielern und auch den sportlich Verantwortlichen jene Sicherheit geben, können wir nur hoffen. Wir müssen es hoffen, denn der Umgang mit dieser Frage wirkt sich auf die weitere Saison aus. An der Stelle geht es um Erwartungsmanagement, um Ruhe für die Arbeit mit der Mannschaft. Schließlich wird sich an den spielerischen Möglichkeiten der Mannschaft in dieser Saison nicht mehr viel ändern.
Die Mannschaft ist so gut, wie sie ist, mit den Ausschlägen nach oben und unten. Bei letzterem dann heißt es eben am besten: Glücklich ist, wer vergisst. Danach möglichst schnell die nächste Lebensweisheit vor sich hin murmeln: Neues Spiel, neues Glück.
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