K
Kees Jaratz
Halbzeit für NACHSPIELZEIT Festival für Fußballliteratur 2026. Fünf Veranstaltungen folgen noch bis zum 30. September. Bei der nächsten Veranstaltung am Montag liest Eckart Preen, ein Groundhopper. Zeit für eine Rückschau. Welch wunderbaren Eröffnungsabend haben Fußballfans mit ihren Erinnerungen an besondere Momente mit ihrem Herzensverein, meist den Zebras, dem Festival bescherrt. Auf die Bühne der Freundschaft waren sie eingeladen, ihre Texte vorzulesen. Das zahlreiche Publikum ging beseelt nach Hause. Bewegtbilder von dem Abend gibt es auch, weil sowohl Studio 47 als auch die Lokalzeit vom WDR berichtet haben. Hier findet sich beides und eine Auswahl von Fotos gebündelt.
Am Tag nach der Eröffnung war der Berliner Autor Frank Willmann mit seinem Buch „Balkanblut“ auf der Bühne in Das Plus am Neumarkt zu sehen. In seiner Biografie über den serbischen Mafioso und Warlord Arkan spielt der Fußball eine besondere Rolle, weil in den Kurven der Stadien die unterschiedlichen nationalistischen Identitäten Jugoslawiens zunächst als Vereinsidentitäten gelebt wurden und von den politischen Kräften genutzt werden konnten. Arkan rekrutierte unter den Hooligans von Roter Stern Belgrad die Soldaten für seine paramilitärischen Gruppen. Davon erzählt Frank Willmannn in seinem Buch. Er erzählt mit seiner True-Crime-Biografie nebenbei eine Geschichte des Jugoslawienkriegs.
Am Sonntag zeigte Christoph Biermann, dass sich in einer Saison Ungerechtigkeiten keineswegs ausgleichen. Seine Beispiele mit Statistiken zur Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs aus „Die Tabelle lügt immer“ im Vergleich mit dem Geschehen auf dem Platz verblüffen zum Teil, weil sie Scheitern sowie Erfolge von Mannschaften und Spielern leistungsunabhängig erklären. Der Zufall spielt eben eine Rolle, was mit unserem Bedürfnis nach sinnvollen Begründungen für ein Ergebnis nicht in Einklang zu bringen ist. Wer mit solchen Begründungen aber Entscheidungen trifft, sieht deshalb oft nicht die erwünschten Folgen.
Als König Boris nach Ruhrort kam, warteten seine Fans schon länger vor dem Plus am Neumarkt. Seine Jahre mit Fettes Brot haben eine gute Grundlage für einen Erfolg als Buchautor gelegt. Seine „Liebeserklärung“ an den „FC St. Pauli“ ist eine Sammlung von Erlebnissen als Fußballfan des Hamburger Vereins. Als Jugendlicher wurde er Fan und ein Spieltag weckt noch ein der Gegenwart das besondere Kribbeln, das wir alle kennen, die mit einem speziellen Verein besonders verbunden sind. Wenn zu solchen Emotionen noch Komik, Witz und Selbstironie hinzukommen, ist beste Unterhaltung garantiert.
Klaus Hansen ist ein genauer Beobachter der Sprache. Wenn er sich der Fußballsprache annimmt und seine Notate sowie Anmerkungen zum Besten gibt, führt das nicht nur zu vielen absurd-komischen Momenten. Mit einem Mal wird in der Sprache der Politiker und Manager deutlich, wie bedeutsam der Fußball in der Gegenwart geworden ist. Wie bildkräftig er in anderen Bereichen wirkt, wenn komplexes Geschehen mit einer Fußballmetapher zur vermeintlich leichteren Bewältigung reduziert wird.
Der in Westdeutschland aufgewachsene Jan Mohnhaupt musste nicht nur während der Recherche zum Fußball in Ostdeutschland für sein Buch „Der geteilte Rasen“ Vorurteile überwinden. Wie er erzählte, weisen auch einige Leserreaktionen darauf hin, das Identitätsfragen auch bei der Bewertung seines Buchs eine Rolle spielen. In seinem Buch zeigt er anhand des Fußballs, wie in Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer zunehmend Orientierungslosigkeit herrscht, wie die Staatsgewalt erodiert und wie die Funktionäre des Landes versuchen, in den durch Westdeutschland bereit gestellten Strukturen, namentlich dem DFB, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.


































Fotos: Marion Basteck, Heiner Heseding, Nicky Beaujean
Das vollständige Programm von diesem Jahr findet sich hier.
Das Festival für Fußballliteratur NACHSPIELZEIT findet vom 9. bis 30. September 2026 im Kreativquartier Ruhrort statt, ein Projekt im Rahmen des Programms Kreativ.Quartiere Ruhr, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und umgesetzt vom Regionalverband Ruhr mit der Kreativquartier Ruhrort UG und der Stadt Duisburg.
Unterstützt von:
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Am Tag nach der Eröffnung war der Berliner Autor Frank Willmann mit seinem Buch „Balkanblut“ auf der Bühne in Das Plus am Neumarkt zu sehen. In seiner Biografie über den serbischen Mafioso und Warlord Arkan spielt der Fußball eine besondere Rolle, weil in den Kurven der Stadien die unterschiedlichen nationalistischen Identitäten Jugoslawiens zunächst als Vereinsidentitäten gelebt wurden und von den politischen Kräften genutzt werden konnten. Arkan rekrutierte unter den Hooligans von Roter Stern Belgrad die Soldaten für seine paramilitärischen Gruppen. Davon erzählt Frank Willmannn in seinem Buch. Er erzählt mit seiner True-Crime-Biografie nebenbei eine Geschichte des Jugoslawienkriegs.
Am Sonntag zeigte Christoph Biermann, dass sich in einer Saison Ungerechtigkeiten keineswegs ausgleichen. Seine Beispiele mit Statistiken zur Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs aus „Die Tabelle lügt immer“ im Vergleich mit dem Geschehen auf dem Platz verblüffen zum Teil, weil sie Scheitern sowie Erfolge von Mannschaften und Spielern leistungsunabhängig erklären. Der Zufall spielt eben eine Rolle, was mit unserem Bedürfnis nach sinnvollen Begründungen für ein Ergebnis nicht in Einklang zu bringen ist. Wer mit solchen Begründungen aber Entscheidungen trifft, sieht deshalb oft nicht die erwünschten Folgen.
Als König Boris nach Ruhrort kam, warteten seine Fans schon länger vor dem Plus am Neumarkt. Seine Jahre mit Fettes Brot haben eine gute Grundlage für einen Erfolg als Buchautor gelegt. Seine „Liebeserklärung“ an den „FC St. Pauli“ ist eine Sammlung von Erlebnissen als Fußballfan des Hamburger Vereins. Als Jugendlicher wurde er Fan und ein Spieltag weckt noch ein der Gegenwart das besondere Kribbeln, das wir alle kennen, die mit einem speziellen Verein besonders verbunden sind. Wenn zu solchen Emotionen noch Komik, Witz und Selbstironie hinzukommen, ist beste Unterhaltung garantiert.
Klaus Hansen ist ein genauer Beobachter der Sprache. Wenn er sich der Fußballsprache annimmt und seine Notate sowie Anmerkungen zum Besten gibt, führt das nicht nur zu vielen absurd-komischen Momenten. Mit einem Mal wird in der Sprache der Politiker und Manager deutlich, wie bedeutsam der Fußball in der Gegenwart geworden ist. Wie bildkräftig er in anderen Bereichen wirkt, wenn komplexes Geschehen mit einer Fußballmetapher zur vermeintlich leichteren Bewältigung reduziert wird.
Der in Westdeutschland aufgewachsene Jan Mohnhaupt musste nicht nur während der Recherche zum Fußball in Ostdeutschland für sein Buch „Der geteilte Rasen“ Vorurteile überwinden. Wie er erzählte, weisen auch einige Leserreaktionen darauf hin, das Identitätsfragen auch bei der Bewertung seines Buchs eine Rolle spielen. In seinem Buch zeigt er anhand des Fußballs, wie in Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer zunehmend Orientierungslosigkeit herrscht, wie die Staatsgewalt erodiert und wie die Funktionäre des Landes versuchen, in den durch Westdeutschland bereit gestellten Strukturen, namentlich dem DFB, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.


































Fotos: Marion Basteck, Heiner Heseding, Nicky Beaujean
Das vollständige Programm von diesem Jahr findet sich hier.
Das Festival für Fußballliteratur NACHSPIELZEIT findet vom 9. bis 30. September 2026 im Kreativquartier Ruhrort statt, ein Projekt im Rahmen des Programms Kreativ.Quartiere Ruhr, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und umgesetzt vom Regionalverband Ruhr mit der Kreativquartier Ruhrort UG und der Stadt Duisburg.
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