Der 4:0-Sieg des MSV gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart begeistert. Mich umso mehr, weil ich unsicher war, wie es weitergehen würde. Die letzten Spiele vor dem Jahreswechsel hatten gezeigt, wie sehr der Erfolg im einzelnen Spiel vom Spielglück und der Tagesform von Spielern abhing. So ausgeglichen ist die Liga. Wie beeinflusste nun die Winterpause die Leistung der Mannschaft? Zwei Neuzugänge hatte es gegeben, die als Einzelspieler die Qualität der Mannschaft sicher verbessern würden. Aber wir wissen alle, wie eine Gruppe sich verändert, wenn ein Mensch mit viel Einfluss hinzukommt. Sicherheit enstand allerdings, weil gerade das Teambuilding eine große Stärke von Dietmar Hirsch ist.
Vieles ging in meinem Kopf hin und her, und dann hörte ich während der ersten Halbzeit bei
ZebraFM die Klage darüber, dass offensiv zu wenig ging. Ich machte fast sofort wieder aus. Denn ich konnte die sich anschließende, anbahnende Sorge in Daniels Stimme bei Ballbesitz der Stuttgarter nicht ertragen. Ticker war leichter auszuhalten. Das 1:0 machte mich für
ZebraFM mit dem Rest des Spiels bereit.
Nach dem Spiel jongliere ich mit meinen Gedanken. Denn ich hoffe einerseits, dass für uns in Duisburg im weiteren Verlauf der Saison das Torverhältnis keine Rolle mehr spielt. Andererseits mahnt mich das 4:0. Bei sechs Mannschaften, die in der Spitze eng beieinander liegen, kann jedes verhinderte und geschossene Tor wichtig werden.
In der Begeisterung gab es Stimmen im
MSVPortal, die sich Spitzen nicht verkneifen konnten gegen andere User, die sie als ständige Nörgler empfinden, als Meckerköppe, die Dietmar Hirsch schlecht machen
. Zufällig gibt es heute nun in der Süddeutschen Zeitung eine Betrachtung über die taktische Entwicklung im Fußball (paywall), die man auch als Kommentar zum MSV lesen kann. Marcel Daum, Co-Trainer und Taktikanalysist bei Bayer 04 Leverkusen, wurde befragt, wie er den gegenwärtigen Trend zur Manndeckung beim Pressing beurteilt. Atalanta Bergamo hatte diese Spielweise perfektioniert und den Alonso-Ballbesitzfußball im Euro-League-Endspiel vor unlösbare Probleme gestellt. Nun spielt der MSV das eigene Pressing zwar nicht auf diese Weise, doch die Konsequenzen für den eigenen Ballbesitz unterscheiden sich nicht sehr, wenn man die abschließenden Worte von Marcel Daum liest. Die als pragmatische Lösung angesprochen Spielweise lässt sich auch beim MSV erkennen, selbst wenn ein Gegner sein Pressing nur raumorientiert spielt.
Warum ich das hier zitiere? Weil der letzte Satz von Marcel Daum auch in den Diskussionen zur Taktik des MSV immer wieder erwähnt wird. Im
MSVPortal empfinden besagte User aber die Erinnerung an die Spielkultur als unberechtigte Kritik an Dietmar Hirsch. Sie sehen den gegenwärtigen Erfolg und verstehen nicht, wieso andere User immer wieder mal auf dennoch vorhandene Mängel des Spiels hinweisen.
Zu meiner Beruhigung lässt sich in vielen Statements von Dietmar Hirsch anderes erkennen. Er ist sich über eines im klaren: Seine Mannschaft braucht die sprichwörtlichen Lösungen mit dem Ball und die müssen mit Blick auf die Zukunft verbessert werden.
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