Es gibt nur eine einigermaßen sympathische Mannschaft in Köln, und das ist die Fortuna. Die hatten es immer schwer im Schatten des großkotzigen FC und wurden lange von Jean Löring am Kacken gehalten. Löring war eine skurrile Figur, ein Verrückter, der für seinen Verein sein letztes Hemd gegeben hat - im wahrsten Sinne des Wortes. Kein Investor, ein Mäzen, ein Gönner. Aber auch ein Alleinherrscher, der immer beide Zügel fest in der Hand hielt. Die Macht zu teilen war nicht sein Ding, und so beurlaubte er damals in der Halbzeitpause eines Spiels im Alleingang den Trainer Toni Schumacher und setzte sich anschließend als Coach selbst auf die Bank. Bekloppt, absolut bekloppt, und undenkbar heute. Man muss ihm zugute halten, dass er stets aus Liebe zu seiner Fortuna gehandelt hatte, was es so heute nirgendwo mehr gibt. Am Lebensende war er verarmt, seine Beerdigung musste das Sozialamt bezahlen. Rückblick beendet.
Wir sollten morgen auf keinen Fall verlieren, denn auch wenn das Spiel den Aufstiegskampf natürlich noch nicht entscheidet, nicht einmal vorentscheidet, wäre im Falle einer Niederlage der Punkteabstand schon so groß, dass es einem die Laune verdirbt. Das muss nicht sein. Erster echter Härtetest, habe ich hier gelesen. Das sehe ich nicht so. Jedes Spiel ist in dieser Liga für den MSV ein Härtetest, weil jeder Gegner gegen uns 120% gibt. Ich sehe auch nicht, dass die Fortuna der erste starke Gegner für uns ist; das war Oberhausen. Dort wäre ich vorher mit einem Remis zufrieden gewesen, und in Köln wäre ich das heute auch. Ich rechne allerdings mit einem knappen Sieg für den MSV.
Zu der Zuschauerverteilung: Es würde mich wundern, wenn die Fortuna 7000 Fans im Rücken hätte. Niemals! Allein die Haupttribüne, wo wir sitzen werden und uns frühzeitig die Karten besorgt haben, werden 70 Prozent Duisburger bevölkern. Die Karten gingen so schnell weg, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das Kölner waren... Kurzum: Ich rechne mit 5000 bis 6000 Duisburgern, die das Spiel mit ihrer lautstarken Unterstützung zu einem Heimspiel machen werden. Wenn die Kölner wirklich das erwarten, was sie öffentlich geäußert haben, werden sie bei der Stimmung im Stadion eine böse Überraschung erleben.