Da er aber hier schon Thema ist wie siehst du den die Chance mit der Entwicklung um Erfolgreich zu bleiben bzw. siehst du damit auch Chancen in der Zweiten Liga zu bestehen oder muss man da dann noch mehr verändern bzw. weiterentwickeln.
Man setzt zweifellos an den (wenigen) Schwächen der letzten zwei Jahre an. Das Ganze schlägt sich zwar nicht in den absoluten Ballbesitzzeiten nieder (dort liegen wir noch immer unter 50%), aber in den Ballbesitzphasen erkennt man das Bemühen der Weiterentwicklung deutlich.
Meine Interpretation nach vier Spieltagen (die aufgrund des kleinen Zeitraum sicherlich noch nicht überbewertet werden sollte): Eine (dogmatische) Ballbesitz-DNA wie Verl oder Viktoria Köln ist nicht zu erwarten. Der Fokus wird weiterhin auf den klassischen (und überaus erfolgreichen) Hirsch-Tugenden bleiben. Stabilität, kollektive Arbeit gegen den Ball, Umschaltspiel, Ergebnisfokussierung (also spielstandsabhängige taktische Ausrichtung).
Ein weiterer wichtiger Punkt unter Hirsch ist die Risikominimierung. Diese muss zwangläufig etwas zurückgeschraubt werden, sprich mehr Risiko, sonst ist die Weiterentwicklung im Ballbesitz schwer möglich. Dies wird aber behutsam und nicht fokussiert gemacht (siehe Meppen oder Würzburg, da wurde nach der Führung das Risiko gemieden oder nach der roten Karte in Regensburg verständlicherweise ebenso oder auch als Underdog im Pokal).
Das ist auch der Grund wieso unsere absoluten Ballbesitzwerte weiter niedrig sind. Wenn man früh führt, gibt man dem Gegner gerne den Ball und die Initiative und setzt weiterhin auf die Stärken der letzten Saisons.
ABER: Wenn man zum Ballbesitz "gezwungen" wird (Anfangsphase beide Heimspiele oder auch in Regensburg bis zur roten Karte, Teile der zweiten Halbzeit gegen Elversberg und auch in Rückstand nach der roten Karte in Verl), sind die Abläufe und die Lösungsvielfalt viel besser geworden. Es wird weniger gebolzt und auf Faktor Zufall, Physis oder "das mal einer durchrutscht" gesetzt, sondern Angriffe werden strukturierter vorbereitet und es darf auch "gespielt" werden.
Interessanterweise hat mir
@Pawel gestern die aktuelle Spiel
stil-Tabelle von Impect geschickt und der MSV steht dort beim Spielstil "Ballbesitz & Kontrolle" mit 71% auf Platz 4. Das war die letzte Saison anders. Diese Auswertung bestätigt meine subjektiven Eindrücke und zeigt aber auch wie gut deren Logarithmus ist
Ganz nüchtern betrachtet sind die zu erwartenden Entwicklungssprünge im Ballbesitz natürlich kleiner als bei einer Ballbesitz-DNA-Mannschaft, die das immer aus Prinzip macht. Aber so wie es im Moment gemacht wird, geben wir unsere Stärken der letzten Saisons kaum auf, sondern behalten diese bei. Das Spiel in Regensburg hat doch wieder gut gezeigt, wie brutal stark wir im "Ausgucken" der Gegner und im Nutzen von Momenten sind.
Ich persönlich halte den aktuellen Weg für überaus vielversprechend. Hirsch bleibt bei sich. Die Mannschaft bleibt bei dem, was sie die letzten Jahre ausgezeichnet hat. Es ist kein kompletter Turnaround, sondern es wird auf dem aufgebaut, was gewachsen ist. Dazu wird die eigentliche einzige Schwäche behutsam angegangen, so dass wir idealerweise irgendwann in allen Spielphasen und gegen jeden Gegner Lösungen haben.
Habe ich damit gerechnet? Nein, nicht wirklich. Dafür gab es die letzten Jahre zu viele Lippenbekenntnisse in Bezug auf Ballbesitz, die dann auf dem Platz nicht eingehalten wurden.
Finde ich das gut? Geisteskrank gut. Wenn wir so weiter machen und diesen Weg bestätigen, fehlt mir die Vorstellungskraft was uns in Richtung Liga 2 aufhalten sollte. Und auch eine Etablierung dort ist realistisch.
Und Frage explizit aufs Regensburgspiel. Glaubst du die Rote Karte hat geholfen und wären wir ohne den Platzverweis in Rückstand geraten hätte Hirsch dann anderes umgestellt und denkst du das hätte auch zum Erfolg geführt (ist aber natürlich da auch nur Spekulation)
@Schimanski
Nein, ich glaube wir wären irgendwann aus dem Ballbesitz in Führung gegangen, hätten danach in der Verwaltungsmodus geschaltet und Regensburg ausgekontert wie später in Unterzahl.
Regensburgs sehr starke Arbeit gegen den Ball hat nach 15 Minuten in der Intensität nachgelassen und wir kamen dann immer besser nach vorne.