Ich kenne nur die Daten (
@Pawel hat da auch einiges im Eröffnungspost ergänzt), traue mir aber mittlerweile zu, mit deren Hilfe gewisse Rückschlüsse auf die Spielanlage zu schließen. Und da spielt RWO den Fußball, den ich mir von uns wünschen würde (in Bezug auf Perspektive, Spielerentwicklung und Attraktivität).
Aber ich habe mir auch unser Spiel in Türkspor nochmal in Auszügen über die Taktik-Cam angeschaut. Die Art und Weise wie wir unsere langen Bälle und unser "Bolzen" in die mannschafts- und gruppentaktischen Abläufe einbinden, nötigt mir fast schon Respekt ab.
Das Muster ist eigentlich immer gleich. Wir versuchen flach über einen Flügel zu kommen oder einen Außen zu schicken, gelingt das nicht wird der Ball hoch reingespielt oder versucht hinter die Kette zu kommen. Der Achter und der AV schieben dann sofort mit drauf und versuchen die zweiten Bälle einzusammeln. Vorteil ist die spieloffene Stellung beim Kampf um die zweiten Bälle. Du gehst mit Blickrichtung Tor in die Duelle. Und den Kampf um die zweiten Bälle führen wir meist in relativ hohen Zonen und ziemlich weit außen. Wenn wir die Duelle mal nicht gewinnen ist der Weg zum unserem Tor weit, also geringes Risiko.
Wenn du das Übergangsspiel flach gestalten würdest, hättest du mehr geschlossene und halboffene Stellung, was für viele Gegner ein Pressingtrigger wäre und potentielle Ballverluste zur Folge hätte (was Hirsch nicht will, Stichwort Risikominimierung, dem Gegner keine Umschaltsituationen anbieten). Zudem musst du stärker durchs Zentrum und die Halbspuren spielen, weil der Deckungsschatten des Gegner bei flachen Lösungen größer ist. Auch das würde mehr Risiko bedeuten. Für solch einen Fußball bräuchtest du Michelbrink, Bookjans, Tugbenyo und Co..
Für den Fußball auf die zweiten Bälle sind physisch starke Spieler und gute Zweikämpfer besser geeignet. Deswegen spielt auch Meuer so oft. Der kann zwar nix mit dem Rücken zum Tor, ist aber mit Blickrichtung Tor sehr präsent.
Interessant ist, dass schon Türkspor sich taktisch ganz gut auf uns eingestellt hat. Die haben aus einem nominellen 4231 einen Sechser in die Kette fallen lassen und konnten dann mit der Fünferkette unsere Außen besser und früher stellen. Deswegen waren Symalla und Sussek auch etwas blasser als sonst. Das könnten viele Gegner der Rückrunde so machen.
Die numerische Unterzahl die durch das Reinkippen einer Sechs gegen unsere zwei Achter entstand, hat Türkspor billigend hingenommen, weil unsere Achter sowieso nur flügelunterstützend und kaum durchs Zentrum oder untereinander gespielt haben. Sussek hat das manchmal ganz gut ausgenutzt, in dem er invers gedribbelt ist. Das ist gegen eine Solo-Sechs immer eine gute Idee und das könnte auch der Grund gewesen sein, wieso Hirsch gegen RWO im Hinspiel mit Doppel-Sechs gespielt hat (da RWO im Hinspiel mit inversen Außen gespielt hat).
Hirsch steht jetzt also vor der Frage, ob er wieder eine Doppel-Sechs aufbietet, dann aber beim Kampf um die zweiten Bälle einen Mann weniger vorne hat. Da RWO aber vermutlich mit Dreierkette spielt, dürfte das 4231 aus dem Hinspiel auch vom Anlaufen wieder besser als das 4141 passen.
Grundsätzlich wird halt spannend zu beobachten sein, wieviel RWO sich am MSV orientiert. Auf der einen Seite bietet der MSV mittlerweile eine relativ vorhersehbare Spielanlage. RWO muss halt die Flügel dicht bekommen und darf die Bälle nicht in unser Pressing spielen. Auf der anderen Seite ist der RWO einer der spielstärksten Teams der Liga und dürfte den Anspruch haben, auch gegen den MSV mitzuspielen oder sogar das Spiel zu machen. Sollten sie das probieren müssen sie das auf einem sehr hohen Niveau machen, sonst freuen wir uns und sie würden eher unsere Spielidee befeuern. Denn Fehler provozieren und auf diese lauern und ausnutzen ist die größte Stärke der Zebras.