Diskussion zur taktischen Ausrichtung und Spielanlage

Die taktische Ausrichtung ist seit Osnabrück richtig gut. Zudem sieht man wesentlich mehr spielerische Anteile. Als Casar die rote Karte bekommen hat gegen Essen, habe ich mir Viet und Bulic in dieser Kombination gewünscht. Auch bringt Krüger spielerisch einiges mit, um das Spiel zu gestalten. Hinten haben wir ein neues Juwel mit Schlicke der alles raus köpft. Jessen mit 22 Jahren muss auch positiv erwähnt werden. Da standen gegen Osnabrück, aber auch gegen Mannheim elf Spieler auf dem Platz, die sowohl nach vorne als auch nach hinten, alle gearbeitet haben.
Wird der Ball verloren, wird direkt versucht, schnell wieder hinter den Ball zu kommen.

Symbolisch macht es aktuell Sussek leider nicht. Auch gegen Mannheim war dies zu erkennen. Er dribbelt sich fest und schaltet ab und nimmt Tempo raus, bevor er erkennt ach ja ich soll auch nach hinten mitarbeiten, das sind dann oft genau die 1- 2 Sekunden, wo er dann nicht mehr hinter dem Ball kommt.

Ebenfalls verschieben alle Reihen in den beiden letzten Spielen sehr gut. Man hat nicht das Gefühl, wir werden überspielt.
Der Schlüssel um oben mitzuspielen, ist das Gesamtpaket, dass alle mitmachen und Schnelligkeit. Da hat unsere Innenverteidigung mit Schlicke mehr Speed, als mit Ali. Ich mag Ali sehr, er ist ein Leader, aber um aufsteigen zu wollen, fehlt es hier leider an Schnelligkeit etwas.
Hätte er gegen Osnabrück auf dem Platz gestanden, wären die beiden schnellen Spieler von Osnabrück, sicherlich öfters gefährlicher vors Tor gekommen. Osnabrück hat Schnelligkeit und steht nicht umsonst da oben.

Ich würde genauso jetzt, das Team weiterspielen lassen.

Was ich aber auch noch erwähnen muss, ist Thilo Töpken, ein wirklich sehr sympathischer Junge, obwohl es ab und an so aussieht, als würde er über seine Beine fallen, macht er seine Tore geil und gibt immer Vollgas.

Generell ist anzumerken, dass unser Team ein hohes Fitness Level hat, das hatte ich schon mal erwähnt, ganz am Anfang der Saison und auch letzte Saison.
Ebenfalls ist es seit zwei Jahren so, dass viele Spieler bei uns sich positiv weiter entwickeln und nicht schlechter werden. Hat meines Erachtens ebenfalls auch was mit dem Fitness Level zu tun und dass jeder bereit ist, dem anderen zu helfen, sich weiterzuentwickeln.
 
Hat die neue, gute Anlage mit dem Fehlen von Casar zu tun?
Das ist nicht die Frage, die Dietmar Hirsch stellt - wie @Schimanski schon mehrfach gesagt hat agiert der sehr pragmatisch: Die letzten zwei Erfolge haben offensichtlich mit Viet zu tun: So lange das so funktioniert ist der gesetzt.

Aber kommt da irgendwo Sand ins Getriebe, haben wir da dann wieder einen Casar - oder um in einem engen Spiel die Intensität im Zentrum noch einmal zu erhöhen - Luxus pur - wir gehen „pumperlgesund“ in diesen Endspurt. Hammer.
 
Haben wir systemtechnisch etwas gelernt?

Wir sind weiter sehr abhängig von der Passgenauigkeit in den Umschaltmomenten - stimmt die, ziehen wir auch die Spiele. Ist da auch nur wenig Sand im Getriebe, wird es eng. Dass diese Pässe nicht kommen spricht eher für Hektik, als für mangelnde Motivation.

Weiterhin war es wieder ein Spiel wo Lobinger auf einen ebenbürtigen Gegenspieler getroffen ist - passiert nicht oft, aber wenn schmerzt es ebenfalls.

Zu guter Letzt war Viet gefühlt weniger verfügbar zur Ballbesitzsicherung - um da über die Gefühlsebene hinaus zu kommen, müsste ich es mir aber nochmal ganz anschauen.

Aachen hat unseren Gegnern leider eine neue Blaupause geliefert, die es so radikal bisher nicht gab: Im letzten Zeit-Drittel Tempoverschleppung um jeden Preis. Das tut uns tatsächlich richtig weh. Mit dieser Variante im Raum, müssen wir eigentlich schauen, zu früheren Toren zu kommen - denn das kann jetzt jeder so machen.

Das 1 : 0 habe ich persönlich Flecki angekreidet, und ich glaube noch immer, dass er mit 3 gelben Karten gegrätscht hätte, aber das Ding ist letztlich ein schönes Beispiel, dass Tore meistens Fehlerketten sind.

Systemisch ist für mich dabei verheerend, dass bei dem Ballverlust BEIDE AV zentral vor dem Ball sind. Die Situation, dass Bitter so hoch zentral vor der Mittellinie auf Coskun spielt, und das auch noch schlecht, ist verrückt. DAS hätte für mein Gefühl speziell gegen Aachen so nie passieren dürfen. Wie soll das denn abgesichert werden? Nun, wurde es ja auch nicht... . Auch Coskuns Entscheidung, als tendenziell schnellster Mann dann nicht mehr mitzugehen und ggf. noch ein Tackling zu suchen, sondern zu stellen, war aus meiner Sicht falsch, da die ganze Situation so luftig war, dass er da von vorne herein sehr geringe Chancen hatte. Schlicke pennt im gleichen Moment - aber ich denke auch, weil ihn Coskuns Move irritiert.

Beim zweiten Tor sind wieder alle in der Verlosung: Schlicke bekommt keinen Zugriff, Jessen hat seinen Mann eigentlich und lässt ihn dann im entscheidenden Moment wieder weg und dann kannste vielleicht noch diskutieren, ob Bitter früher Richtung Mann statt in den Raum gehen muss, da der Aachener durch Jessen ja nur in eine Richtung gehen kann, aber das war schon auch ein bärenstarker Abschluss.

Das letzte hat keine echte Systemkomponente, das ist einfach nur ein kapitaler Bock von Flecki - aber das war auch nur der letzte Sargnagel.
 
Personaltechnisch vollkommen unabhängig, halte ich für die letzten 3 Spiele die Rückkehr zu einem 4-3-3 für unabdingbar.

Ob das 4-3-3 in einem 4-2-3-1 oder 4-1-3-2 mit einer einem 2. Stürmer der überall herumwuselt umgesetzt wird, muss man von Spiel zu Spiel schauen.

Um konkret zu Cottbus zu werden. Da Cottbus, nur mit einem Stürmer spielt, müssen dort 2 IV‘s reichen. Dazu ist der Stürmer kein unfassbar schneller Spieler, sondern einer der bulligen Art.

Das 4-2-3-1 bietet einem die Möglichkeit, einen Spieler abzustellen, der T. Cigerci, dauerhaft folgt. Wäre das beispielsweise Bulic, könnte sich ein 10er immer noch auf die 6 fallen lassen und man könnte immer noch kompakt über zwei enge 4er Ketten verteidigen.

Bei einem, in der Defensive, 5-4-1/ 5-2-3, reist eine enge Verfolgung Lücken auf der 6 oder sollte ein IV mitgehen, in den Zwischenräumen der 5er Kette. Kann Cigerci dann das 1zu1 für sich entscheiden, hat er die Qualität die Zwischenräume sehr einfach zu bespielen.

Was mir außerdem ein wenig fehlt, sind die offensiven Aktionen von Bitter gemeinsam mit einem klassischen 1gg1 Flügelspieler wie Symalla und co.

Krüger ist von der Art nicht so ein Spieler, was auch überhaupt nicht schlimm ist. Ich würde mir wünschen wieder mehr 1gg1 auf außen zu sehen, immer mit der Möglichkeit mit Tempo in die Mitte zu gehen und einen Abschluss zu generieren.
 
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