Zebrastreifenblog

  • Ersteller Ersteller Kees Jaratz
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Mein aufrichtiges Beileid zum Verlust Ihrer Mutter und DANKE für die Teilhabe an Ihrer Geschichte.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft in der schweren Zeit, die Erinnerung an die gemeinsame Zeit werden
aber für immer bleiben...
 
Danke euch allen für eure Anteilnahme. Und, @CEO51, welch schönes Gedicht, so passend für mein Erleben der letzten zwei Monate.
Viele von euch werden wissen, wie wichtig mir jede Form von gemeinschaftlichem öffentlichen Sein und Wirken angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse ist. Eure Anteilnahme verhilft konstruktivem Wirken in dieser Welt zu mehr Energie über den Anlass hinaus.
 
Der 4:0-Sieg des MSV gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart begeistert. Mich umso mehr, weil ich unsicher war, wie es weitergehen würde. Die letzten Spiele vor dem Jahreswechsel hatten gezeigt, wie sehr der Erfolg im einzelnen Spiel vom Spielglück und der Tagesform von Spielern abhing. So ausgeglichen ist die Liga. Wie beeinflusste nun die Winterpause die Leistung der Mannschaft? Zwei Neuzugänge hatte es gegeben, die als Einzelspieler die Qualität der Mannschaft sicher verbessern würden. Aber wir wissen alle, wie eine Gruppe sich verändert, wenn ein Mensch mit viel Einfluss hinzukommt. Sicherheit enstand allerdings, weil gerade das Teambuilding eine große Stärke von Dietmar Hirsch ist.

Vieles ging in meinem Kopf hin und her, und dann hörte ich während der ersten Halbzeit bei ZebraFM die Klage darüber, dass offensiv zu wenig ging. Ich machte fast sofort wieder aus. Denn ich konnte die sich anschließende, anbahnende Sorge in Daniels Stimme bei Ballbesitz der Stuttgarter nicht ertragen. Ticker war leichter auszuhalten. Das 1:0 machte mich für ZebraFM mit dem Rest des Spiels bereit.

Nach dem Spiel jongliere ich mit meinen Gedanken. Denn ich hoffe einerseits, dass für uns in Duisburg im weiteren Verlauf der Saison das Torverhältnis keine Rolle mehr spielt. Andererseits mahnt mich das 4:0. Bei sechs Mannschaften, die in der Spitze eng beieinander liegen, kann jedes verhinderte und geschossene Tor wichtig werden.

In der Begeisterung gab es Stimmen im MSVPortal, die sich Spitzen nicht verkneifen konnten gegen andere User, die sie als ständige Nörgler empfinden, als Meckerköppe, die Dietmar Hirsch schlecht machen. Zufällig gibt es heute nun in der Süddeutschen Zeitung eine Betrachtung über die taktische Entwicklung im Fußball (paywall), die man auch als Kommentar zum MSV lesen kann. Marcel Daum, Co-Trainer und Taktikanalysist bei Bayer 04 Leverkusen, wurde befragt, wie er den gegenwärtigen Trend zur Manndeckung beim Pressing beurteilt. Atalanta Bergamo hatte diese Spielweise perfektioniert und den Alonso-Ballbesitzfußball im Euro-League-Endspiel vor unlösbare Probleme gestellt. Nun spielt der MSV das eigene Pressing zwar nicht auf diese Weise, doch die Konsequenzen für den eigenen Ballbesitz unterscheiden sich nicht sehr, wenn man die abschließenden Worte von Marcel Daum liest. Die als pragmatische Lösung angesprochen Spielweise lässt sich auch beim MSV erkennen, selbst wenn ein Gegner sein Pressing nur raumorientiert spielt.

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Warum ich das hier zitiere? Weil der letzte Satz von Marcel Daum auch in den Diskussionen zur Taktik des MSV immer wieder erwähnt wird. Im MSVPortal empfinden besagte User aber die Erinnerung an die Spielkultur als unberechtigte Kritik an Dietmar Hirsch. Sie sehen den gegenwärtigen Erfolg und verstehen nicht, wieso andere User immer wieder mal auf dennoch vorhandene Mängel des Spiels hinweisen.

Zu meiner Beruhigung lässt sich in vielen Statements von Dietmar Hirsch anderes erkennen. Er ist sich über eines im klaren: Seine Mannschaft braucht die sprichwörtlichen Lösungen mit dem Ball und die müssen mit Blick auf die Zukunft verbessert werden.

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Schon über ein Jahr ist es her, dass ich die MSV-Trilogie von Huisker Duisi in der Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg aufgenommen habe. Dringend Zeit für die Duisburg-Trilogie des Duos.

Viel zu wenig werden die Clips bei YouTube angeklickt. Wer so souverän und originell seine Verbundenheit mit Duisburg besingt, verdient viel mehr Aufmerksamkeit. Sie brauchen nichts zu beschönigen, wie es so oft in Städteliedern geschieht. Keine süße Idyllensauce wird angerührt. Text benennt die Wirklichkeit dieser Stadt wahrhaftig. Mit Klischees wird ironisch gespielt. Tiefe Verbundenheit wird deutlich.

Minimalismus heißt das musikalische Konzept, in dem Elektrosounds mit rhythmischen Elementen angereichert sind. In den Clips werden Bildersequenzen gefunden, die Huisker Duisis Songs zu. Gesamtkunstwerke machen.

Film ab für Duisi vermissen:


Film ab für Ignotanz:



Mit Scheiss DVG packte das Duo einen Aufschrei in einen Song, der Duisburgern, die auf den ÖPNV der Stadt angewiesen sind, wahrscheinlich auch schon über die Lippen gekommen ist.

Wer seine Stadt liebt, kann auch ungehemmt schimpfen. Film ab:


Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

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Als in der Halbzeitpause des Spiels vom MSV Duisburg gegen den SC Verl der Prinz Karneval Duisburgs, Prinz Toni I., auftrat, erinnerten wir uns in der Kurve nicht mehr an den Namen jenes Prinzen, der in den Zehner-Jahren den Duisburger Prinzenfluch gebrochen hatte. Jahrelang verlor der MSV seine Heimspiele, sobald ein Karnevalsprinz den Rasen betrat. Dann war der Fluch vorbei. Seitdem macht uns kein Prinz im Stadion mehr Angst. Vielleicht muss allerdings von nun an Prinz Toni im Ornat samt Gefolge bei jedem wichtigen Spiel dabei sein. Wir Anhänger eines Fußballvereins lieben das magische Denken. Deshalb haltet bloß alle fest, was mit dazu beigetragen hat, dass der MSV gegen den SC Verl gegen alle Wahrscheinlichkeit 4:2 gewinnen konnte.

Verdient, unverdient – das waren nach dem Schlusspiff keine Kategorien mehr, die ich auf das Spiel anwenden konnte. Ich war neugierig, was die beiden Trainer sagen würden. So ein Satz fällt mir ein: Mit einem Drei-Tore-Rückstand spielte der SC Verl den MSV Duisburg an die Wand. Nicht weil die Mannschaft angesichts der drohenenden Niederlage den Druck erhöht hatte, sondern weil die Mannschaft unverdrossen mit dem weitermachte, was sie kann. Sie befreite sich aus Pressingdruck spielerisch. Alle statistischen Werte in diesem Spiel werden für den SC Verl sprechen. Ballbesitz, Torschüsse, Passgenauigkeit, was weiß ich. Aber der entscheidende statistische Wert ist das Torverhältnis in diesem einen Spiel, und dieser Wert sprach für den MSV.

Welche Effizienz haben wir gestern wieder gesehen. Was für ein technisches Können bei den Torschüssen von Lobinger und Borkowski. Aber über den Führungstreffer zum 2:1 konnte ich mich gar nicht freuen. Im Kopf war ich immer noch mit der erwarteten Enttäuschung beschäftigt, die Verler gleich mit einem Doppelschlag 3:1 im Führung gehen zu sehen. Das wirkte nach. Erst das dritte Tor erlebte ich wieder in kompletter Gegenwart, ganz zu schweigen vom vierten Tor.

Ich hatte in der ersten Halbzeit allerdings kalkuliert, nur eine 5:1 Führung ab der 60. Minute gäbe mir die nötige Ruhe. Ein Unentschieden wäre dann annähernd sicher, ein Sieg greifbar. Torchance würden sich die Verler weiter erspielen, nur abschlusstark waren sie nicht. Sie würden viele Chancen brauchen, auszuhalten war dann, wie ballsicher diese Mannschaft aufbaute, wie ungebrochen sie an sich glaubte. Zugleich stand die Defensive des MSV sicherer als in den ersten 20 Minuten. Max Braunes – sagen wir mal – Handmalässe kam zur notwendigen Zeit, um taktisch umzustellen. Dass die Tore des MSV das Spiel kaum beeinflussten, führt zu diesem Staunen überall nach dem Schlusspfiff. Was wir gesehen hatten, passte irgendwie nicht zu diesem Ergebnis. Wir mussten andere als die gängigen Erzählungen von Fußballspielen für uns finden. Daran arbeiten wir noch immer.

Für mich gehört eine Ehrenrettung des Karnevalliedguts zu diesem Versuch, das Spiel zu begreifen. Prinz Toni gab in der Halbzeitpause ja eine Hymne auf die Stadt Duisburg zum Besten, deren Melodie jeder Exilkölner kennt. Die Kölner Karnevalsbands greifen gerne für ihre gefühlvolleren Songs auf die irische Volksmusik zurück. So war dieses Duisburg-Lied nicht KI-generiert, wie bei uns in der Ecke irgendjemand meinte. Die Bläck Föös haben 2003 ein sVolkslied mit einem kölschen Text versehen. Wer es einmal als Publikums-Chorgesang bei einem Konzert der Föös in Köln oder im Kneipenkarneval als ruhigeres Intermezzo erlebt hat, weiß, wie „jeföhlig“ und verbindend dieses Lied in einer professionielleren Fassung sein kann. Hier der Text von Du bes die Stadt auf der Seite der Föös. Film ab für eine Live-Fassung aus dem Jahr 2008:


Prinz Toni hat sympathischer Weise auch viel Gefühl für Duisburg, zugleich wünscht man ihm eine bessere musikalische Unterstützung in dieser Stadt. Die Qualität der Föös muss es ja nicht gleich sein, aber gute Musiker mit Herz und Sinn fürs Ehrenamt gibt es doch in dieser Stadt, die ihm eine andere Fassung hätten ermöglichen können als diese künstlich wirkende Melodie, zu der er sang. Doch egal, selbst diese Melodie muss dann zumindest im Stadion dabei sein, wenn demnächst ein Sieg wieder wichtig ist und alles drumherum so sein muss wie gestern.

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Manchmal lohnt sich die Erinnerung an lang zurück liegende Erkenntnisse. Johann Wolfgang von Goethe etwa hat über viele Dinge nachgedacht. Manche seiner Einsichten fasste er in knappen Versen zusammen. Ewige Gestalt wollte er seinem Geist geben. Seine Interessen waren weit gestreut. In den unzähligen Abhandlungen über sein Werk blieb allerdings sein Interesse für Fußball wenig beachtet.

Vielleicht liegt es an der bildhaften Sprache, mit der er über taktische Zusammenhänge schrieb. Vielleicht liegt es aber auch an der mangelnden Quellenlage zum deutschen Fußball in den Anfangsjahren. Von dem wird behauptet, erst in den 1870er Jahren sei er durch englische Arbeitsimmigranten und Unternehmer nach Deutschland importiert worden.

Goethes erster fußballtaktischer Kommentar ist dagegen schon für das Jahr 1819 dokumentiert. Zweifellos lässt sich erkennen, dass schon in seiner Gedichtsammlung West-östlicher Divan grundsätzliche taktische Fragen thematisiert werden. Denn Johann Wolfgang von Goethe wusste schon damals um die Grenzen des Ballbesitzfußballs. Deshalb sind seine Verse gleichsam auch ein Kommentar zum 4:2-Sieg des MSV gegen den SC Verl.



In früher handschriftlicher Fassung ist noch zu lesen „Wird breit und nicht spielstark. Wahrscheinlich hat er den Vers wegen des Rhythmusses angepasst. Dass er im positiv gemeinten Gegenbild aber mit den Pisé nur flächig wirkende Mauern in die Fußballwelt holt, irritiert, fehlt doch der visionäre Blick auf die Offensive im Bild des geschlagenen Quarks.

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Zum Auftakt des Straßenkarnevals habe ich mich kurz mit der Geschichte des Karnevalstrikots beschäftigt. Diese noch gar nicht so lange existierende Möglichkeit zur Umsatzsteigerung von Fanshops gibt es vor allem in der Rheinschiene des Profifußballs. Jecken-Experten nennen die betreffenden Städte häufig auch Karnevalshochburgen.

Meine Beschäftigung führte mich schließlich zu den urtümlichen Wurzeln von Karnevalstrikots, die im Amateurfußball zu Hause sind und auf seltenen Super-8-Filmen dokumentiert vorliegen.

Die nicht genau eingrenzbare Herkunftsregion jener Trikots aus den 1970er Jahren müsste noch herausgefunden werden.

Hier eine der seltenen Super-8-Aufnahmen in digitalisierter Form bei YouTube:

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Klaus Hansen ist in diesen Räumen ein gern gesehener Gast. Der MSV-Fan seit den 1960er Jahren betrachtet den Fußball und den MSV schon seit langen Jahre essayistisch, aber auch literarisch und künstlerisch. Das Spiel des MSV gegen den SC Verl wirkt nach, und gestern erreichte mich sein Gedicht über diesen 4:2-Sieg am letzten Sonntag.

MSV / Verl
Spieltagsgedicht


Die Anderen
waren um die zwei Tore besser,
mit denen die Unseren
das Spiel gewonnen hatten.

Beim Schlusspfiff waren wir still,
jedenfalls für unsere Verhältnisse.

Die Ungerechtigkeit des Glücks
hatte uns die Stimme verschlagen.

Bis Didi, unser Trainer, vors Mikro trat.
„Glück ist etwas, das man sich erarbeiten muss,
darum ist es immer verdient und selten nicht.“

Jetzt brachen allen Dämme,
auf dass wir jubelten und grölten
und noch am nächsten Morgen
den Abend unter Flutlicht besangen.

Klaus Hansen

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