Im Endeffekt kann man nicht sagen, was vorgefallen ist, außer dass man Verständnis für alle Seiten aufbringen muss. Man muss zum Verständnis auch einfach wissen, dass so ein Mannschaftsgefüge aus 30, 35, gar 40 Personen besteht, wenn man Betreuer, Staff und Co. dazuzählt, und dass dort viele unterschiedliche Charaktere zusammenkommen. Da kann es natürlich auch zu Meinungsverschiedenheiten kommen.
Was natürlich nicht passieren darf, ist, dass eine Spieler-Vereins-Beziehung, die eine so besondere Geschichte hat wie die von Ali und dem MSV, binnen kürzester Zeit derart in die Brüche geht. Wer was wie falsch gemacht hat, will ich nicht beurteilen. Ich glaube, dass Ali seitens des MSV von Anfang an, in Anführungszeichen, „nur“ als Innenverteidiger Nummer 4 eingeplant worden ist. Er selbst sagt, dass das sportlich offen kommuniziert wurde, er es in dieser Härte, so interpretiere ich das zumindest, aber nicht erwartet hätte.
In meinen Augen ist jetzt auch mit der PK, in der Didi im Nachgang noch einmal ein Statement zu sein Interview abgegeben hat, das ein bisschen kühler wirkte, alles gesagt worden. Ich sehe in diesem eigentlichen Menschenfänger durchaus jemanden, der bei Reibungen auch eine gewisse Kälte ausstrahlen kann, mit dem man anecken und bei dem man auch mal in Ungnade fallen kann. Aber ich glaube, dass das Standing von Ali Hahn bei Didi von großer Wertschätzung geprägt ist. Das hat er auch so gesagt. Hirsch hat hier in seiner Amtszeit - in meinen Augen - allen Spieler immer das Gefühl gegeben, dass sie nie vollends abgeschrieben sind. (Lassen wir mal Jungs wie Pagliuca raus)
Ich persönlich glaube, dass Didi, der Ali als seinen verlängerten Arm betrachtet, schon enttäuscht darüber ist, dass Ali den sportlichen Konkurrenzkampf um die Innenverteidigerpositionen mit Fleckstein, Schlicke, Ens, respektive möglicherweise auch Casar oder Bitter, nicht annimmt. Ich glaube, er hätte sich gewünscht, dass Ali diesen Konkurrenzkampf annimmt. Gleichzeitig hat er ihm weiterhin das Kapitänsamt zugestanden und ihm die Binde nicht weggenommen, wie es beispielsweise jetzt prominent bei Karazor in Stuttgart oder Andrich in Leverkusen passiert ist. Ein deutlich prominenterer Fall in Deutschland, der medial erstaunlich wenig thematisiert wird. Und das, obwohl Andrich aktuell dermaßen rasiert wird und der Trainer auf der Pressekonferenz sogar sagt: „Ich rede seit einiger Zeit nicht mit ihm.“ (Reviersport geilt sich als RWE-Blatt halt drauf auf....)
Damit wollte er ihm aus meiner Sicht jederzeit zeigen, dass er als eine der tragenden Figuren, vielleicht sogar als die tragende Figur der vergangenen zwei Jahre, weiterhin seine Position in der Mannschaft und im Verein hat. Und das wurde nach dem Verl-Spiel auch wunderbar von Flo Krüger und Patrick Sussek bestätigt.
Ich glaube schon, dass Ali Hahn von Chris Schmoldt, von Didi Hirsch, von den einzelnen Spielern und auch von den Fans so viel Wertschätzung entgegengebracht wurde, dass auch ich mir wünschen würde, dass er diesen sportlichen Konkurrenzkampf annimmt und das Ganze als Motivation sieht. Ich kann es menschlich aber auch total verstehen, dass er mit 33 in seinen letzten Karrierejahren noch einmal auf dem Platz stehen will. Nur dann bitte ohne diese negativen Begleiterscheinungen und ohne weitere Nebenkriegsschauplätze aufzumachen.
Denn eines muss man auch sagen: Er hat verdammt viel für uns getan. Wir haben aber auch sehr viel für ihn getan. Ich wage zu behaupten, dass Ali Hahn noch nie bei einem Verein so viel Standing hatte und einen solchen Status innehatte. Es grenzte aufgrund der dramatischen sportlichen Situation des MSV ja fast schon an einen Legendenstatus. Und das binnen zwei Jahren, beziehungsweise bald drei Jahren.
Deshalb verstehe ich nicht, warum man die Situation nicht anders händelt. Das hätte ich mir einfach gewünscht, weil das sowohl der Verein als auch der Spieler verdient gehabt hätten. Ich für meinen Teil kann jetzt nur sagen, dass ich für alle Beteiligten hoffe, dass man jetzt mal die Fäuste in die Tasche steckt, sich zusammenreißt und dann vielleicht in den nächsten Wochen ein versöhnliches Ende findet.
Denn so ist das für alle Beteiligten extremst unbefriedigend und trifft mich als großen Fan von Ali schon. Ich habe bereits vor der Saison gesagt, dass er sportlich abgelöst werden muss, wenn wir um den Aufstieg mitspielen wollen. Gleichzeitig habe ich aber auch immer gesagt, dass wir seit Bajic keinen solchen Kapitän mehr hatten. Ich empfinde für den Jungen nur Dankbarkeit und Liebe. Trotzdem muss auch er klüger agieren und darf nicht einen Tag vor dem nächsten wichtigen Spiel für solche Schlagzeilen sorgen und das Thema nicht ruhen lassen.
Ich weiß nicht, ob das auch ein bisschen Taktik von ihm und seinem Berater ist. Je präsenter er mit seinen sportlichen Verdiensten für den MSV positiv in der Presse erscheint, desto interessanter und sichtbarer macht er sich auch für den Markt.
Ich für meinen Teil sehe in diesem Interview schon, dass er unter dem Verlust seines Standings leidet, und das trifft mich. Ich hoffe aber weiterhin auf einen versöhnlichen Ausgang mit einer Stadionverabschiedung, mit Ali am Mikrofon, einem großen Dankeschön und einem Happy End in dieser eigentlich doch so schönen Liebesbeziehung.