Ich verstehe deine Enttäuschung, aber wo war das ein blutleerer Auftritt. Das Spiel ist maximal unglücklich gelaufen. Es gibt so Spiele. Spielerisch war der MSV meiner Ansicht nach besser. Auch ich ärgere mich. Jetzt alles schwarz zu malen halte ich nicht für angebracht. Hier musst du einfach Spielverlauf + fehlendes Spielglück + Schiri-Entscheidungen mal nüchtern betrachten. Und ja ich weiß, dass letztlich das Ergebnis zählt, aber auf diesem engen Profiniveau entscheiden manchmal Kleinigkeiten, heute sind wir die Leidtragenden.
Ich bin 100 pro bei dir. Wäre dieses Spiel der eine Ausrutscher in der Serie, würde es gänzlich anders beurteilt: Die brutale Attacke auf unseren Angreifer, die fast sofort den offensiven Ansatz zerstört und berechtigte Wut hinterlässt (denn nach "keine Absicht" sah es nunmal überhaupt nicht aus), die Tatsache, dass dieser Freak bis zu seiner Auswechslung knallhart an der Grenze zur Tätlichkeit weiter machen darf aber der Schiri wirklich jedesmal gegen uns pfeift, wenn sich von denen einer fallen lässt. Unser Lazarett schon wieder, der enge Kader, dass wir gar keine Zeit haben, unsere Neuzugänge vernünftig einzubinden und die Abgänge zu verkraften. Der miese Rasen, der es eigentlich ist, was Bakalorz so katastrophal leichtsinnig aussehen lässt.
Allerdings ist die gefühlte Wahrheit leider: Der Heimfluch setzt sich unerbittlich fort, wir investieren viel und kriegen nur die kaputte Schulter eines Leistungsträgers, die anderen spielen wie ein zugekokster Regionalligist, deren Trainer schreit durchgängig wie eine Cartoon-Witzfigur, die einen kleine wütenden Italiener verkörpern soll - und die heben die Tore einfach auf wie Fallobst. Unser aufwändiger Support sieht aus, als würde dort Matrix-mässig ein ganz anderes Spiel gefeiert, während wir in echt mal wieder wie weiße kraftlose Amöben gelähmt in der Nährlösung abgammeln.
Einziger Trost: Ziegner/Heskamp haben letztes Jahr den Umschwung geschafft, in diesem sind die Voraussetzungen eigentlich in vielerlei Hinsicht besser. Aber: Hat man alles schon gehört, als der Hintern auch frei in der Luft über dem Abgrund schwebte. Und auch damals fühlte man sich bereits x-fach vertröstet und hat sich gesagt: Schön und gut - aber wann kommt der Rettungshubschrauber?!
Ich kann das weiter im Kopf alles klarkriegen - so eine happige Niederlage wie gestern schlägt allerdings bei mir inzwischen nur noch voll ins Knochengerüst ein. Und reaktiviert dort abgelagerten Plastikmüll, der über zig Jahre nie entsorgt werden konnte.
Ein Glück, dabei bleibt es natürlich für mich, ist, dass Ziegner und Heskamp im Bezug auf solche MSV-Feelings der brutalfundamentalen Art (noch) unbeleckte Blätter und taufrische Springböcke sind. Denn die Tiefe der Aussichtslosigkeit, die sich bei uns Altfans aufgebaut hat wie Verstrahlung in einem Katastrophengbiet, das zwischendurch kaum noch bewohnbar war, ist das letzte, was die beiden für eine streng sachbezogene, von Vernunft dominierte Analyse brauchen können.