So, nachdem die Euphorie von gestern Abend im Stadion abgeklungen ist und ich ein wenig Zeit hatte, wollte ich mich nochmal davon überzeugen was genau unser Trainer damit gemeint hat, als er nach der Pressekonferenz sagte, er habe "mit die beste Halbzeit", oder sogar die beste Halbzeit in seiner Trainerlaufbahn bei uns gegen Osnabrück gesehen.
Gesagt, getan, Magenta gestartet, die erste Halbzeit angesehen und was soll ich sagen.....
Ich bin ernüchtert?

Wo war der flache Aufbau von dem auch hier geschrieben wurde, der Spielwitz der anscheinend aufgeblitzt ist, der die ganze Saison vermisst wurde, da uns die Defensive Taktik gelähmt hat?
Wo waren die aus dem Spiel kreierten Chancen, die diese Partie von unseren anderen anscheinend unterschieden hat?
Dann überkam es mich plötzlich, weil einmal leiden nicht genug ist, habe ich mir zum direkten Vergleich auch nochmal die erste Halbzeit gegen Essen erneut angesehen
Und erklärt mich gerne für verrückt, aber danach dachte ich mir, beide Spiele sahen ähnlich beschissen oder gut aus (wie auch immer man es bezeichnen möchte), mit einigen wenigen, aber enorm wichtigen Unterschieden.
1. Essen spielt exakt denselben Heldenball wie wir, aber der alles überstrahlende Held an dem Tag kommt aus Japan und hört auf den Namen Mizuta. Wir haben im gesamten Spiel keinerlei Zugriff gefunden, weil Mizuta überall aufgetaucht ist und unsere Manndeckung durcheinander gebracht hat. Osnabrück hatte keinen Mizuta, war klarer in den Abläufen und hat es nicht so sehr geschafft unsere Defensivabläufe/Manndeckung zu stören.
2. Die Konsequenz mit der verteidigt wurde. Und ich weiß es ist ein Mannschaftssport, einzelne Spieler sind niemals an einer Niederlage schuld, dennoch sind Casar, Noß und Meuer zumindest an dem Tag ganz dick in der Verlosung gewesen, weil sie mehrfach nicht mit der nötigen Konsequenz zurückgearbeitet haben und dadurch unsere Mitte komplett verwaist und offen für Sprints im Sechserraum/Rückraum war. Einige unserer Jungs waren nicht intensiv und vor allem schnell genug am Mann, weil sie nicht sofort geschaltet haben und das ist der Hauptgrund für die schlechtere Defensivleistung gegen Essen. Aber vor allem Casar war beim Tor in Essen, erst zu gemächlich in der Rückwärtsbewegung und anschließend, trotz Schulterblick, nicht in der Mitte bei Mizuta, sondern stattdessen nach außen zur Sechzehnerkante hin orientiert wo nichts mehr passiert wäre. Das gab es gegen Osnabrück nicht. Egal wer, es wurde konsequent und sofort hinter jedem Ball her gegangen.
3. Die Entlastung mit Ball. Während in Essen sämtliche im Pressing gewonnenen, hohen Bälle schnell wieder vertändelt wurden, weil wir zu schnell nach vorne wollten und dadurch unsaubere Pässe gespielt, oder in verteidigende Essener gedribbelt haben, konnten wir gegen Osnabrück zwischenzeitlich Druck rausnehmen, indem wir anstatt den Ball in der Vorwärtsbewegung zu verlieren, ihn erneut nach hinten trugen. Das heißt nicht, dass wir nicht ebenfalls einige Ballverluste hatten, dennoch wurde bei diesen, wir zuvor beschrieben, anschließend konsequent hinterhergegangen. Ich muss jeden enttäuschen, der das Gefühl hatte, wir hätten mit flachen Aufbau großartig gearbeitet. Die Wahrheit ist, wir haben noch immer keine Passstafette über mehrere Stationen gespielt, die nicht in einem Ballverlust geendet ist und den "Mut" mit Ball, der angesprochen wurde, habe ich ebenfalls nicht wirklich gesehen. Das Tor war mal wieder ein ziemliches Zufallsprodukt gepaart mit individueller Qualität und die Hälfte unseres xG Wertes geht auf eine "Chance" von Schlicke die nicht wirklich eine war. ABER: Wir haben unseren Stil wiedergefunden und es über mannschaftliche Geschlossenheit gepackt einen unfassbar geordneten Gegner mit simplen Mitteln auszuknocken.
Mein Fazit ist demnach so simpel wie auch aufbauend oder ernüchternd:
Wir können mit dieser Art und Weise jeden schlagen, weil wir genügend individuelle Qualität haben, um aus wenigen Situationen, viel zu machen. Dafür müssen unsere Jungs aber mental bereit sein, in jedem Spiel 90 Minuten mehr als der Gegner zu leiden und immer zu 100% den Nebenmann zu unterstützen. Das Gute, wir haben nur noch 7 Spiele und zusätzlich etwas zu verlieren, dass wird Didi wahrscheinlich für sich zu nutzen wissen. Das etwas Negative, wir sind von der mentalen Verfassung abhängig und nicht von unserer Spielanlage. Heißt wiederum, so genial ein Noß in der Offensive ist, so kämpferisch ein Casar wirkt, wenn die Jungs nicht dauerhaft für die anderen mit arbeiten, wird das nichts mit einem der Plätze an der Sonne. Unsere Stärke ist nach wie vor die Defensive und mit Didi wird das auch voraussichtlich immer so bleiben. (Aohne Wertung)
Ebenfalls positiv, Essen mag das leichteste Restprogramm haben, aber die spielen die gesamte Saison schon so einen Müll zusammen wir wir zwischenzeitlich und sind nur aktuell in einem Formhoch, bedeutet aber auch, sie können jederzeit nochmal einbrechen.
Etwas negativer wiederum ist für mich, dass Osnabrück meines Erachtens nach nicht einbrechen wird, zu erwachsen und klar sind sie in ihren Abläufen und die wenigsten Mannschaften werden gegen sie so leiden wie wir es getan haben. Genauso Cottbus uns Rostock, welche einen sehr stringenten Stil haben und vor allem Rostock mit dem vermutlich leichtesten Restprogramm. Das wird dieses Jahr ein Fotofinish und egal was irgendjemand sagt, selbst wenn wir in Mannheim gewinnen, dann ist noch lange kein Aufstieg klar genauso wenig wie bei einer Niederlage ein Ligaverbleib abzusehen ist. Mich würde nichtmal wundern, wenn dieses Jahr die ersten vier Mannschaften mit über 70 Punkten die Saison beenden würden.
Da oben ist alles möglich und das ist schon ein bisschen geil!
Noch geiler wäre es natürlich, wenn es für uns am Ende am geilsten wäre, aber bis dagin erstmal die restlichen Spiele hoffentlich genießen.
Man sieht sich in Mannheim
