Ich glaube, am Ende wünschen wir uns hier alle dasselbe: Wir wollen nächste Saison wieder eine Mannschaft sehen, die oben mitspielt. Im besten Fall nicht nur irgendwie in Reichweite der Aufstiegsplätze, sondern wirklich so, dass man ernsthaft um den Aufstieg mitspielt oder ihn vielleicht sogar schafft. Natürlich wünscht man sich als Fan immer, dass die finanziellen Mittel da sind, um sich in jedem Mannschaftsteil maximal zu verbessern. Wenn man ehrlich ist, wird das aber vermutlich nicht auf jeder Position in gleichem Umfang möglich sein. Deshalb muss man schauen, wo der größte Handlungsbedarf besteht und wo man vielleicht eher punktuell nachlegen kann.
Eine Position, bei der ich den Handlungsbedarf im Vergleich zu anderen Kaderbereichen erst einmal nicht ganz so groß sehe, sind die offensiven Außenbahnen. Mit Dominik Kother, Patrick Sussek, Dennis Borkowski und Jan-Simon Symalla hat man dort grundsätzlich vier Spieler, die man rechts und links auf den Flügeln einplanen kann. Wie die Verantwortlichen andere Spieler wie Connor Noss, Jakob Bookjans, Christian Viet oder mögliche weitere Zugänge genau einplanen, steht natürlich noch ein Stück weit in den Sternen. Aber wenn man nur auf die klassischen Außenbahnen schaut, ist man mit Kother, Sussek, Borkowski und Symalla auf dem Papier zumindest nicht völlig blank.
Natürlich ist nach der vergangenen Saison immer eine gewisse Vorsicht angebracht. Nur weil man nominell Spieler für eine Position hat, heißt das nicht automatisch, dass man dort perfekt aufgestellt ist. Trotzdem wäre das für mich aktuell nicht die größte Baustelle im Kader. Ich wäre mit diesen vier Spielern im Großen und Ganzen erst einmal so zufrieden, dass ich nicht sagen würde: Genau dort muss zwingend der große Königstransfer kommen.
Wenn man natürlich die Möglichkeit hätte, einen echten Unterschiedsspieler für die Außenbahn zu bekommen, der hier sofort Leistung bringt und die Qualität deutlich anhebt, würde ich selbstverständlich nicht Nein sagen. Aber ich weiß nicht, ob das auf dieser Position realistisch oder überhaupt das primäre Ziel sein muss. Viel interessanter fände ich persönlich vielleicht einen anderen Ansatz: Man holt noch einen fünften Spieler für die offensiven Außen dazu. Also keinen Spieler, der hier zwingend sofort als Stammspieler eingeplant werden muss, sondern eher einen jungen, entwicklungsfähigen Spieler, der bei Verletzungen, Sperren oder Formschwankungen Minuten bekommen kann und gleichzeitig die Chance hat, sich auf einem höheren Niveau zu zeigen.
Meine Wunschlösung wäre eigentlich ein junger Spieler, den man ablösefrei aus der Regionalliga bekommt und der dort schon sehr gute Leistungen gezeigt hat. Jemand, der vielleicht noch nicht komplett im Fokus steht, aber Potenzial mitbringt und beim MSV den nächsten Schritt machen könnte. Wenn so ein Spieler auf dem Markt ist, wäre das aus meiner Sicht eine sehr sinnvolle Ergänzung: überschaubares Risiko, Entwicklungspotenzial und trotzdem eine zusätzliche Option für die Breite.
Falls eine feste Verpflichtung in dieser Art nicht möglich ist, könnte aber auch eine Leihe interessant sein. Gerade als fünfter Flügelspieler könnte man vielleicht jemanden ausleihen, der schon Regionalliga-Erfahrung gesammelt hat, bei seinem aktuellen Verein aber noch nicht fest im Profikader angekommen ist. Der MSV könnte so einem Spieler Training und Spielpraxis auf höherem Niveau bieten, ohne dass man direkt einen großen Transfer tätigen muss. Für den Spieler wäre es eine Chance, sich im Männerfußball weiterzuentwickeln, und für uns wäre es eine zusätzliche Option für die Breite.
Ein Spieler, der mir in diesem Zusammenhang einfallen würde, wäre zum Beispiel Bennit Bröger vom SC Paderborn beziehungsweise aus der zweiten Mannschaft des SCP. Bröger ist aktuell 19 Jahre alt, kommt aus der Jugend des VfL Wolfsburg und ist seit Sommer 2025 beim SC Paderborn unter Vertrag. Beim SCP ist er offiziell im Profikader gelistet, kam dort in der 2. Bundesliga aber bisher noch nicht zum Einsatz. Spielpraxis sammelte er stattdessen hauptsächlich bei Paderborn II in der Regionalliga West. Er kommt dort auf 30 Einsätze, bei zwei Toren und sieben Vorlagen.
Interessant finde ich bei Bröger weniger die reine Statistik, sondern eher das Spielerprofil. Er ist kein klassischer Außenbahnspieler, bei dem man sofort nur an Tempo, Linie runter und Flanke denkt. Von seinem Profil her wirkt er eher wie ein technisch starker, kreativer Offensivspieler, der rechts außen spielen kann, aber auch im offensiven Mittelfeld oder im rechten Halbraum denkbar ist.
Vom Spielstil her scheint Bröger eher ein Spieler zu sein, der über Technik, Spielverständnis und Lösungen im letzten Drittel kommt. Also eher jemand, der den Ball haben möchte, andribbelt, in engen Räumen kombinieren kann und nicht nur über reine Athletik funktioniert. Das wäre für mich gerade als Ergänzungsspieler interessant, weil er ein etwas anderes Profil mitbringen könnte. Kother, Sussek, Borkowski und Symalla haben alle ihre Qualitäten, aber ein junger, technisch sauberer Spieler, der rechts außen, im Halbraum oder vielleicht auch mal zentral offensiv eingesetzt werden kann, wäre als zusätzliche Option nicht uninteressant.
Gerade wenn man an die vergangene Saison denkt, in der wir auch Verletzungspech hatten — Borkowski ist da natürlich ein Beispiel — wäre ein fünfter Spieler für die offensiven Außenbahnen aus meiner Sicht nicht verkehrt. Nicht zwingend als teurer Transfer, nicht zwingend als sofortiger Stammspieler, sondern als Absicherung und Entwicklungsspieler. Bröger wäre so ein Spielertyp, bei dem man sagen könnte: Er hat beim VfL Wolfsburg eine gute Ausbildung bekommen, hat in Paderborn II bereits regelmäßig Regionalliga gespielt, ist noch jung, bringt technische Qualität mit und könnte in einem Drittligakader vielleicht den nächsten Schritt machen.
Natürlich weiß ich nicht, ob Paderborn so einen Spieler überhaupt verleihen würde, ob der MSV sich mit so einem Profil beschäftigt oder ob Bröger selbst für so einen Schritt offen wäre. Das ist reine Spekulation. Aber vom Grundgedanken her fände ich so eine Lösung sehr passend: Wenn man auf den Außenbahnen schon vier etabliertere Optionen hat, muss der fünfte Spieler nicht zwingend der fertige Unterschiedsspieler sein. Dann kann es auch ein junger Spieler sein, der Potenzial mitbringt, im Training Druck macht, bei Ausfällen Minuten bekommt und sich im Idealfall so entwickelt, dass er mehr wird als nur eine Kaderergänzung.
Für mich wäre das insgesamt ein sinnvoller Mittelweg: Die großen Mittel eher auf die Positionen konzentrieren, auf denen der Handlungsbedarf größer ist, und auf den offensiven Außenbahnen trotzdem nicht komplett stehen bleiben. Ein junger, technisch starker Spieler mit Regionalliga-Erfahrung — ob fest verpflichtet oder ausgeliehen — könnte genau diese fünfte Option sein. Bröger wäre dafür nur ein Beispiel, aber vom Profil her finde ich den Gedanken durchaus spannend.