Ein Name, den ich im Sturm zumindest interessant fände, wäre Serhat-Semih Güler von Darmstadt 98. Das ist jetzt kein Vorschlag nach dem Motto „den müssen wir auf jeden Fall holen“, sondern eher ein Spielerprofil, das ich für den MSV durchaus spannend finde, wenn die Rahmenbedingungen passen.
Güler ist 28 Jahre alt, Mittelstürmer und steht aktuell bei Darmstadt 98 in der 2. Bundesliga unter Vertrag. Wirklich viel Spielzeit hat er dort in dieser Saison allerdings nicht bekommen. 4 Einsätze, 0 Startelfeinsätze und insgesamt nur 18 Minuten. Das ist natürlich extrem wenig und spricht dafür, dass er dort sportlich aktuell keine große Rolle spielt. Für einen Drittligisten könnte genau so eine Situation aber interessant sein, wenn ein Spieler grundsätzlich Qualität mitbringt, aber bei seinem aktuellen Verein nicht auf Minuten kommt.
Vom Spielertyp her sehe ich Güler nicht als klassischen Wandspieler oder als großen Kopfballstürmer, sondern eher als beweglichen, abschlussstarken Strafraumstürmer. Er ist kein Stürmer, der nur vorne steht und lange Bälle festmacht. Seine Stärken liegen eher im richtigen Moment, im Strafraumgefühl, im Abschluss und darin, gefährliche Räume zu attackieren. Bei Hansa Rostock wurde er damals bei seiner Verpflichtung unter anderem als variabler Stürmer mit gutem Tiefentempo, energischer Spielweise und gutem beidfüßigen Abschluss beschrieben. Genau das passt auch zu seinen Zahlen aus der 3. Liga. Er ist eher einer, der nicht 15 Ballkontakte braucht, um gefährlich zu werden, sondern einer, der in der Box auftaucht und Tore machen kann.
Besonders auffällig war seine Saison 2024/25 bei Viktoria Köln. Dort hat er in der 3. Liga richtig ordentlich geliefert. 36 Spiele, 14 Tore und 4 Vorlagen. Interessant ist dabei auch, dass Lex-Tyger Lobinger in derselben Saison ebenfalls bei Viktoria Köln gespielt hat und dort mit 37 Spielen, 15 Toren und 3 Assistssogar noch knapp vor Güler lag. Die beiden kennen sich also bereits aus einer gemeinsamen Saison in Köln.
Das macht den Gedanken für den MSV aus meiner Sicht noch spannender. Denn ich glaube, Güler wäre nicht unbedingt der ideale alleinige Zielspieler, der vorne komplett auf sich gestellt ist, jeden langen Ball festmacht, zwei Innenverteidiger bindet und das ganze Offensivspiel alleine trägt. Dafür ist er aus meiner Sicht nicht der perfekte Spielertyp. In einer Doppelspitze oder mit einem körperlich stärkeren Stürmer neben sich könnte er aber deutlich besser funktionieren. Und genau so einen Spieler hätte der MSV mit Lex-Tyger Lobinger bereits im Kader. Lobinger bringt Größe, Körperlichkeit und Präsenz mit, während Güler eher über Bewegung, Abschluss, Tiefgang und Strafrauminstinkt kommt. Das könnte sich vom Profil her durchaus ergänzen.
Man hätte dann vorne nicht zweimal denselben Stürmertyp, sondern zwei unterschiedliche Profile. Lobinger kann als größerer, körperlicherer Stürmer Bälle festmachen, Innenverteidiger beschäftigen und Räume öffnen. Güler könnte davon profitieren, indem er zweite Bälle attackiert, in freie Räume startet, im Strafraum lauert und Abschlusssituationen sucht. Gerade weil die beiden sich aus Köln kennen, wäre zumindest die grundsätzliche Idee nicht völlig aus der Luft gegriffen. Natürlich heißt das nicht automatisch, dass es beim MSV wieder genauso funktionieren würde, aber eine gewisse gemeinsame Vergangenheit und ein funktionierendes Drittligaprofil sind schon Argumente.
Seine Stärken würde ich daher klar benennen: Torriecher, Abschlussqualität, Tiefgang, beidfüßiger Abschluss, Energie und Strafraumpräsenz. Er hat in der Regionalliga schon sehr gut getroffen und in der 3. Liga gezeigt, dass er auch dort Tore machen kann. Bei Wuppertal war er damals ebenfalls sehr auffällig und wurde mit 23 Toren in 29 Spielen Torschützenkönig der Regionalliga West. Das zeigt schon, dass er kein Zufalls-Torjäger ist, sondern über mehrere Stationen hinweg weiß, wo das Tor steht.
Man muss aber auch die Fragezeichen nennen. In der 2. Bundesliga hat er sich bisher nicht nachhaltig durchgesetzt. Bei Darmstadt spielt er aktuell fast gar keine Rolle. Auch bei Hansa Rostock hat es in der 2. Liga nicht wirklich gezündet.
Außerdem wäre er für mich nicht der klassische Kopfball-Brecher. Er ist kein kleiner Spieler, aber wenn man einen Stürmer sucht, der vor allem Flanken verwertet, lange Bälle behauptet und im Luftduell dominiert, wäre Güler wahrscheinlich nicht meine erste Wahl. Auch technisch würde ich ihn nicht als Edeltechniker bezeichnen. Er ist nicht untechnisch, aber seine Technik ist eher stürmertypisch zweckmäßig: schnelle Ballmitnahme, Abschluss mit beiden Füßen, Bewegungen im Strafraum. Er ist eher ein Abschlussspieler als ein Stürmer, der sich ständig fallen lässt und das Spiel wie ein Zehner aufzieht.
Deshalb wäre für mich die entscheidende Frage: Welche Rolle soll er beim MSV einnehmen? Als alleinige Spitze in einem System, in dem viele lange Bälle auf ihn gespielt werden, wäre ich eher skeptisch. Als zweiter Stürmer neben Lobinger, als beweglichere Abschlussoption, als Joker oder als Spieler für Phasen, in denen man mehr Tiefgang und Strafraumgefahr braucht, fände ich ihn dagegen sehr interessant.