Nur ganz kurz um Missverständnissen vorzubeugen:
- ich fand den Matchplan gut
- ich fand die mannschaftstaktischen Abläufe gegen den Ball gut
- ich fand die Wahl der Spielerollen gut
- ich fand die Anpassungen zu mehr Mannorientierungen nach der Halbzeit gut
- ich fand die Berücksichtigung der Spieldynamik in die taktischen Überlegungen gut
=> gute Taktik
=> Taktikanalyse ist positiv
Das letzte Hinrundenspiel in Köln fand ich hingegen taktisch mau, weil es defensiv nur Hausmannskost war und offensiv ambitionslos. Der Ballbesitz war in beiden Spielen ähnlich, die Qualität der Taktik aber nicht.
Stuttgarter Bubis war nicht negativ gemeint, sondern nur eine andere Beschreibung für U23 oder zweite Mannschaft, also um mich nicht immer zu wiederholen. Zudem sprach Hirsch von einer "erwachsenen" Halbzeit. Ich fand das deswegen auch passend.
Negativ könnte man mir die Formulierung "Hirsch-Fußball in Vollendung" trotzdem auslegen, weil ich damit implizit auch behaupte, dass er einen anderen Fußball nicht so gut kann. Aber auch das war nicht meine Intention. Mir ging es nur um die Wertschätzung, dass das, wofür Hirsch steht, nah am Limit war. Oder anders gesagt: Wenn ich mich in Hirsch reinversetzen würde, wäre ich extrem zufrieden mit dem Spiel. Viel besser könnte ich es mir nicht vorstellen.
Zur Nachhaltigkeit: Wenn man kein Geld hat und sich über die Spielweise Nachhaltigkeit und Kaderwerte erschaffen oder ausbilden muss, sind in 90% der Fälle andere Ansätze erfolgreich. Natürlich gibt es immer mal Ausnahmen, aber Vereine, die in den letzten Jahren aus wenig viel gemacht haben, haben eine andere Art Fußball gewählt. Das ist auch das, was in dem Blog von
@Kees Jaratz angesprochen wird.
Dabei den reinen Ballbesitzwert als Maßstab zu nehmen ist definitiv viel zu einfach. Man muss ihn immer in Kontext der Liga, der Kaderstärke und der Spielweise sehen. Man kann durch viel Hintenrumspielen auch Ballbesitz "sammeln". Aber das macht die Spieler nicht oder kaum besser. Entscheidend für die Entwicklung ist das "Spielen" im Druck (das sind je nach Spielcharakteristik meist nur 5-25% der 100% Ballbesitz im Spiel). Natürlich kommen dann noch andere Aspekte wie Variabilität in allen Spielphasen, Raum für Kreativität und natürlich auch die Trainingsgestaltung hinzu.
Hirsch hat im Moment (genau wie Simeone) das Privileg, dass ihm viele Kaderwünsche erfüllt werden (nicht nur durch die Expertise und die Kontakte von Schmoldt und Preetz, es scheint auch mehr Geld vorhanden zu sein) und der Kader ganz gezielt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten wird. Böse formuliert, tauscht er die Spieler mit steigendem Anspruch einfach gegen bessere aus. Andere Trainer sind stärker davon abhängig mit den Spielern langfristig zu arbeiten, die sie selbst entwickelt und ausgebildet haben (wobei ich damit nicht sage, dass Hirsch die Spieler nicht besser macht, Flügelspieler und Verteidiger werden sich unter Hirsch immer gut entwickeln).
Umgekehrt hat Hirsch an den größeren Möglichkeiten bei der Kaderauffrischung natürlich selbst einen großen Anteil. Die steigende Attraktivität des MSV für Spieler, Zuschauer und Sponsoren sorgt für bessere Chancen aus dem Transfermarkt und das korreliert natürlich sehr stark mit dem sportlichen Erfolg. Deswegen sei es ihm gegönnt.
Den Fußball mag ich persönlich trotzdem nicht sooo gerne. Das hat aber nix in den Analysen zu suchen.
Das Spiel in Stuttgart fand ich trotz 29% Ballbesitz und 66% Passquote irgendwie geil, weil die Art und Weise wie wir das Spiel - auch aus strategischer Sicht - schleichend auf unsere Seite gezogen und dann zugeschnappt haben, sehr beeindruckend war.